Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 50. Seite 447. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Für Stückgüter 1 Piaster Rcglertingsgeld (ca. 187» •PL), pro Tom« und Kilometer, Für Wagenladungen % Piaster pro Tonne und Kilotneter. Für Personen 7• Piaster pro Kilometer auf offenen Güterwagen. Für sperrige Güter betrügt der Tarif: Für Stückgüter % Piaster pro Kubikmeter und Kilomeier, Für Wagenladungen V* Piaster pro Kubikmeter und Kilometer. Bei Wagenladungen ist ausser den oben erwähnten Streckensätzen noch eine Expeditionsgebühr von 35 Piaster pro Wagen zu zahüen. Diese Tarifsätze werden Voraussichtlieft dauernd bestehen bleiben mit der Massgabe, dass nach Eintreffen der Personenwagen für di!o Beförderung von Personen eine Erhöhung eintritt. Der Fahrpreis wird für die HL Klasse Vt Piaster pro Kilometer und für die II. Klasse 7• P׳aster pro Kilometer betragen. Die Einführung einer I. Klasse ist nicht beabsichtigt. Das rollende Material besteht zurzeit aus drei Lokomotiven. 2S offenen und zwölf gedeckten Güterwagen mit fc 15 Tonnen Ladefähigkeit. Die Güterwagen entstammen belgisehen Werken. Wegen der Lieferung von zwei Personenwagen II. Klasse und sechs Personenwagen III. Klasse ist ein Vertrag m;t einem deutschen Werke abgeschlossen. Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Bahn mögen folgende Angaben gelten. Seit Beginn des Bauzugbetriebes am 20. Juni 1903 wurden insgesamt 78f»15 Tonnen Güter befördert, welche zum weitaus grössten Tci*c aus BaumatnrtoPen bestanden. Es entfallen nur 1703 auf e^cptHche Verkehrsgfiter. An Passagieren wurden 1720 befördert. Das aus dem Iidande kommende Gut ist fast durchweg Getreide, wähnend Güter der verschiedensten Art. darunter Holz. Mehl. Petroleum, den umgekehrten Weg gehen. Die gesamten Verkehrseinrahmen seit Inbetriebnahme der Bahn für den ö׳"entliehen Verkehr am 22. Oktober 1903 bctragen öO 718 Piaster Rcrienm«׳sgeld. Vom 1. Mörz alten!4. Mä rz neuen St'ls ab tu ":e d׳c Eise»1bahnd׳rekt!on. an Stelle des halbwöchenlichen den tä״Uc’׳en Zugverkehr treten zu lassen. Die FcrtVstellung des Bahnbaues in allen seinen Einzelheiten leidet naturgem;־«:^ unter der vorzeitigen Ucbergäbe der Bahn an den öncntl׳eh**n Verkehr. Bel der Weiterfnbrime d״r Hannhahn wird auf der Strecke von B^On h>s zum Jordan (76 km) eine rege Bautätigkeit entfaltet. D׳e Bauausführung der Ostiordanstrecke Ist der Direktion der Hauntlinie Damaskus—Mekka übertragen worden und hefindet sich noch Im Stadmm der Vorarbeiten, abgesehen von der ersten Teilstrecke Jordan—Tibcriassec. die hnr^ifs in Bauangriff genommen Ist. Aus ALTNEULAND. Jerusalem. Nach einem mehrwöchentlichen, schweren Leidenist der Hebroner Rabbiner und gelehrte Verfasser des mehrbändigen Werkes הרד ms* Medini im 70. Lebensiah re am 2. d. Mts. verschieden. Der Verlust, den die nalästinenslsche Judenheft erlitten, ist unersetzlich. Bescheiden, uneigennfitzie. fromm, gelehrt, opferfreudig — wer vermöchte noch alle Tugenden dieses sterblich-unsterblichen aufzuzählen? — Hess Medini seines Gleichen im hl. Lande nicht zurück. Gr. — Rundschau — Ein jüdischer Schulkonflikt Der Vorstand der Gemeinde Wilmersdorf bei Berlin macht in praktischem Antisemitismus. Er verweigert nämlich seit geraumer Zeit der Berliner jüdisschen Gemeinde einfach die Schulräume für den Jüdischen Rcligionsimterricht. Die jüdsche Gemeinde hat nun gegen dieses unerhörte Verhalten beschlossen, die Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde einzureichen und sie eventtiell bis zur höchsten Instanz durchzuführen. In der Rcpräsentantenversamlung wurde sehr richtig ausgeführt, dass die Ueberlassung der Schulräume, die an drei Tagen der Woche in genügender Zahl freistünden, gar kein Entgegenkommen der Wilmersdorfer Herren sondern einfach ihre Pflicht sei. Wir sind neugierig, wie lange Zeit es dauern wird, bis man in Wilmersdorf sich besinnen wird, dass ein grosser Teil des ,Geldes, von dem die Schulen unterhalten werden, ja sozusagen vuo Juden stammt. Dass die Wilmersdorfer in diesem Konflikt schliesslich unterliegen werden, scheint bei der unzweifelhaften Vorurteilsfreihcit in den höheren Instanzen keine Frage, aber er bereichert die Geschichte unserer Tage doch um eine ganz interessante Nuance. Dabei soll nicht vergessen, werden, dass das Standesamt in Wilmersdorf es ist, das den schönen Unterschied erfunden hat, wonach Geourtsscheine nur dann gratis ausgegeben werden, wenn es sich um Kinder handelt, die das Sakrament der Taufe empfangen haben, so dass nur ganz reiche Juden imstände sind, die fünfzig Pfennige zu ersparen, die von Judcnkindern erhoben werden. Das ist eine Judenstcuer in der Bannmeile von Berlin, in demselben Ort, wo in der reformierten, konfessionslosen Waisenanstalt Mossischcr Gründung die Jüdischen Kinder zu Christen erzogen werden. Ein Grosser in Israel Die ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS feiert in einer Korrespondenz aus Essen den dortigen Bankier Isaac S. Hirschfeld anlässlich seines 25 Jährigen Jubiläums als Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Zu seinen vielen Verdiensten, die wir mclit im entferntesten anzweifeln, gehört auch d cscs. dass Herr Hirschland seit 1892 im Essener Stadtverordneten-Kollegium als Mitglied der liberalen Partei eine rege Tätgkeit entfaltet, ״stets Jedoch die Interessen seiner Gemeinde wahrend.“ wie der Korrespondent der A. Z. hervorhebt. Merkwürdigerweise vergisst der Herr hier ein anderes Verdienst des Jubilars, das dieser sich in der allcrjiingstcn Zeit erworben hat. Es war bei der Aufstellung der Kandidaten zu den Essener Stadtverordnetenwahlen im November d. J., dass Herr Hirschland den Juden einen Jüdischen Kandidaten empfahl, von dem er wessen konnte, dass er nicht aufgestellt werden würde. In der Wahl- Versammlung erhielt denn auch tatsächlich dieser Kandidat keine Stimme ausser den jüdischen, ein anderer jüdischer Kandidat, der erncr Herrn Hirschland nicht genehmen liberalen Gruppe angehörte, und der sämtliche nichtjüdischen Stimmen erhielt, fiel aber infolge des Fehlens der von Herrn Hirschland abgelenkten jüdischen Stimmen aus. ״D u r c h die Taktik des Bankiers J. Hirschland wurde also Jede jüdische Kandidatur beseitigt,“ schlicsst die RHEINISCH WESTFAELISCHE ZEITUNG den Bericht über dieses dem Korrespondenten der A. Z. so unbekannte Verdienst des jüdischen Gemeindevorstehers in Essen. Die RHEINISCH WESTFAELISCHE ZEITUNG hätte vielleicht noch ein anderes Verdienst des Herrn Hirschland nicht zu würd'gcn gewusst dass die Redaktion der ALLGEMEINEN ZEITUNG DES JUDENTUMS besser würdigen kann, als sic. Herr H׳rschland hat nämlich im Verein mit seinem Rabbiner das unbestreitbare Verdienst, dem Zionismus in derselben Weise In Essen ehrenvollen Eingang verschallt zu haben, wie der Rabbiner Dr. Vogelstein durch seinen liberalen Vortrag im Hotel Arnim das Verdienst in Anspruch nehmen kann, die erste Anregung zur Gründung der Berliner Zionistischen Vcrein'gung gegeben zu haben. Leider kümmert sich der Indirekte Gründer gar nicht mehr um seine Stiefgründung, aber viel- Ic'cht tut uns der Liberale Verein für die Ungelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Liebesdienst, Herrn Dr. Vogelstein aus Anlass der am 12. Dezember stattgehabten Generalversammlung zu einem neuerlichen Vortrag in, Berlin einzuladen. Wir würden uns in geeigneter Weise erkenntlich erweisen. Auswanderungs-Konferenz Der Hilfsvercin der Deutschen in Berlin und die Grossloge U. O. B. B. hatten auf den vierten und fünften Dezember eine Konferenz nach Frankfurt a. M. eingelpden, die eine möglichst dauernd organisierte Regelung der, Bdisehen Auswanderung aus Osteuropa vorbereiten, wollte. Von Zionisten waren anwesend u. a.: Oskar M a r tu o r e k-Wien. Dr. Boden hei me r- Köln, W olf.soh n - Köln, Dr. KI e 0־ Berlin, S o k o I o w- Warschau, Meyer- Basel Namens des