Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-12-16 · Heft 50 (16.12.1904) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 50 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651391--01902-2658781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.Seite{ 446. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 50. sehen Kolonien In Palästina, hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. S. Meyer.- Besuch zufriedenstellend. Für den Nationalfond ca. 20 Mark euigegangen. München. Anfang Oktober wurden in zwei Vorstands- Sitzungen durchgreifende Äenderungen der Organisation der Ortsgruppenbehörden beschlossen und am 22. Oktober in einer ausserordentlichen Generalversammlung endg'rltig angenommen. Der Mitgliedsbeitrag wird von 6 auf 12 Mk. erhöht; dafür übernimmt die Ortsgruppe Schekel und Beitrag zur Landesorganisation für die Mitglieder auf eigene Rechnung und liefert den Mitgliedern die JÜDISCHE RUNDSCHAU. Ferner finden letzt jeden Sonnabend alternierend Diskussionsabende bei Müller-Ehreich. Kapellenstr. 3 und gesellige Zusammenkünfte im Kaffee Franz Joseph. Maximl liansplatz, von 9—11 Uhr abends,, statt. Wir hoffen von dieser Reorganisation eine finanzielle Stärkung der Ortsgruppe, eine Vereinfachung der Verwaltunvsarbcit und einen Innigeren Zusammenhalt der einzelnen Mitglieder. An Stelle von Dr. Berthold Kahn, der nach Berlin übers>'edeltund Herr T. Reich werden Dr. Regensburger und Dr. Hey mann in den Vorstand kooptiert. Am 12. November las Herr York-Stcincr aus Wien auf Einladung «Ines hauptsächlich aus Zionisten bestehenden Komitees im Russischen Hof vor etwa 100 Hörern seine Novellen: ״Die tote Diva“ und ״Was sollen werden" vor. Die jüdische Tendenz seiner Dichtungen erntete lebhaften Beifall. Prag. Makkahäerkncine am Sonnabend, dem 3. d. M. im Hotel Zentral. Bcgrüssung: Pr;'is;de techn. I.udw. Fischer: Festrede: Rabb. Dr. ehern. Stan. Sztcncel: Tendenzrede: Ftichsmajor techn. Arnold Herzog. Ausserdem sprachen noch: Redakteur Julius Lövv und Herr Schönfeld als Vertreter der ״Fraternitas". Vorträge. Würdiger Verlauf, animierte Stimmung. Nationalfond. Das zionistische Distriktskomitee für Böhmen (Prag. Marfcngasse 201 schreibt biemit einen Preis von 100 K. für die .beste zionistische Aeitationsbroschüre aus. Die Broschüre muss in populärem Ton gehalten sein, etwa 1A—20 OW*»v- Druckseben umfassen und die politischen Verhältnisse in Böhmen möglichst berücksichtigen. Das Manuskript darf nicht den Namen des Verfassers tragen. Dagegen ist es mit einem Kennwort (.Mnt*o) zu versehen, unter Beilegung eines־ verschiossenen Briefumschlages mit dem gleichen Kennwort in dem sich die genaue Adresse des Einsenders befindet Fs eilt als selbstverständliche Redincr״g. dass sämtliche Einsendungen zu diesem Preisausschreiben Oricrinalarb^Hcn und hisher ncht veröffentlicht sind. Die Ms längstens 1. Februar 190י einzusmidenden Manuskripte werden einer nus fünf Preisrichtern bestehenden Jury zur Beurteilung übergeben. Die prämiierte Arbeit gebt in das Fl״entum des Distriktskomitccs über; die übrigen werden znrückgcscndet Für das Distriktskomitee: Julias L ö w y , KarlResek, Sekretär. Obmann. Niederlande. Die zionistische Arbeit in den Niederlanden ist keine leichte. Die holländischen* Juden, welche schon lange alle Bürgerrechte gemessen und von der Judenfrage am eigenen Leibe so wen׳g spüren, können diese meistens nur schwerlich begreifen. Und sie werden i'ilier diese Frage keineswegs belehrt von der hohen Geistlichkeit weiche nachdem sic in einer kurzen Sentenz ihr Urteil über die Bewegung ausgesprochen, es nicht der Mühe .wert fand, dieses Urteil näher zu bcricht'gcn — obgleich der Oberrabbiner Dr. Dünner in dem bekannten Comimmique seine Memung der ihrigen gegeinibcrstellte und sie. von vielen orthodoxen Gesinnungsgenossen zu einer Erklärung aufgefordert wurden — sondern s!e begnügt sich, in den Svnagoeen. wo kein Widerspruch stattf ndet nochmals voj; der uniüdischen Bewegung zu warnen. Dazu kommt, dass die holländische Kaltblütigkeit öfters den jüdischen Enthusmsmus ein wenig geschwächt hat: oder vielmehr dieser schlummert nur. aber cs ist schwer, ihn zu erwecken. Und so dauert es immer ziemlich länge, bevor wir etwas erreichen. Aber Jedenfalls ist der Zionismus letzt in Holland auf allen Zungen: und obgleich wir langsam we'ter kommen, gebt es doch vorwärts. Jetzt ist auch in Rotterdam eine Ortsgrunne gegründet: der Plan war schon s^t Iän«nerer Zeit gehegt und namentlich die Herren CI. .C. Kolak und Dr. A. v. RaaPe haben sich um d׳'e Ausführung verd'ent gemacht Am 20. November wurde dort eine Pronagandaversammlung abgehalnamentlich die Herren G. C. Polak und Dr. A. v. Raaltc Wiesen.auf die Notwendigkeit des politischen Zionismus hin; sie betonten, wie sehr.auch in Westeuropa der Antisemitismus sich verbreitet habe, zum Bc'spie! in den Studentenkorps. Die ' .einzige Lösung sei die autonome Kolonisation in Palästina und an dieser Bewegung sollen sich alle ׳*Juden beteiligen, auch die holländischen. Dieses nationale Streben werde nie Antisemitismus erwecken, und wenn es ihn erwecke, so sei er immer daßewesen. Es waren viele Debatten, welche aber kein neues Thema berührten. Nur wies Herr Dr. G. Polak-Daniels, der zweite Vorsitzende der holländischen A. I. U., welcher die Arbeit der Allianz lobte, auf den Umstand hin, dass der Oberrabbincr nicht anwesend sei; dieser verleugne dadurch seine Pflicht denn er zwinge jetzt den Laien, zu fragen und zu sagen, was er an diesem Abend.' selber hätte fragen und sagen sollen. Herr G. C. Polak gab den verschiedenen Rednern Antwort. Er sagte unter anderem, der Zionismus überlasse ledern einzelnen die Theologie, der Zionismus sei eine politische Bewegung und auch im Judenlandc sei früher die Freiheit des Gedankens Gesetz gewesen. Der Zionist erstrebe die Freiheit, welche den Juden ihrer Abstammung wegen gebühre! — Die Ortsgruppe wurde an demselben Abend gegründet; sie hat eine gute und schöne Arbeit vor sich. (DIE WELT.) Aus Palästina Die neuesten östcrre'chschen Pafästinaiorscfuiugeri. Der Wiener Wissenschaftliche Klub crörnete kürzlich im Festsaale des Ingenieur- und Architektcnvcrehxs seine diesjährige Vortragssaison mit einem Vortrag des Dekans der theologischen Fakultät Prof. Dr. Wilchlm Neumann über die neusten osterrciehischcn Palästinafor?chtmgcn der Professoren Dr. Sellin und Dr. Musil. Der Vortragende erörterte zuerst die Rcsultäte der Grabungen des Prot. Dr. Sellin. Sic führten ihn an die Stellen, von denen im Alten Testament und in der ältesten ägyptischen Geschichte die Rede :st. Die erste Grabung kostete 50 000 K ronen. Sie begann am!ח. März 1902 und dauerte vier Monate, und ihr folgte am 7. März 1903 eine zweite Grabung, die ungefähr einen M.rmat währte. Aber noch im August 190-1 war Dr. Sellin an der Forschungssteüe. Er fand sechs Baul'chkeiten aus verschiedenen Ze'ten, die anscheinend zur Verteidigung des dort gelegenen Hügels gedient haben. Nach den Funden zu urteilen, stammt die jüngste Baulichkeit aus arabischer, die älteste aus alt-kanaanitischcr Zeit. Sodann besprach Prof. Ncumann die bei den Grabungen gemachten Funde. W'chtig scheinen die Krüge zu sein, aber von weit grösserer Bedeutung sind die zwölf ausgegrabenen KeÜschriittäielchen. d:e ein grossartiges Pendant zu den Keil- Schriften von Tell-Amama bilden. Sodann kam der Gelehrte auf die Forschungen des Prof. Dr. Musil zu sprechen. Sic erstreckten sich über weite Gegenden von Syrien und Arabia Pcträa. Der Vortragende erläuterte an einer Karte Musils Reisen in Moab. Edom und Arabia. Seine erste Reise nach Moab iällt in den Sommer 1S96. t Sic erstreckte sich weit nach Arabien I1inern. Ganz besonders epochemachend sei die Auffindung der Wüstenschlösscr Kscramra und At Tuba gewesen. Der Redner hob die Wichtigkeit der Reisen Dr. Musils für die Geographie. Topographie, Ethnographie, Geschichte und Kunstgeschichte hervor und unterstützte sc'ne Ausfallrungeii durch zahlreiche Diapositive. Prof. Dr. Neumann schloss seinen interessanten Vortrag mit dem Wunsche, es möchten s:ch Gönner finden, die den Gelehrten die Durchführung neuer Reisen ermöglichen. Dem Vortrage wohnten die Erzherzoge Rainer und Leopold Salvator, sowie der neue Fürsterzbischof von Olmiitz, Dr. Bauer, bei. Der Bahnbau auf der Strecke Haifa—Damaskus. Das Deutsche Vizekonsulat in Haifa berichtet über den Balmbau auf der Strecke Haifa—Damaskus, wie folgt: Die Arbeiten auf der Strecke Haifa-Damaskus stehen seit April v. Js. unter der Oberleitung deutscher Ingenieure und machen gute Fortschritte. Der Gleiskopf erreichte am 2. Januar d. Js. B<־$än (km 59). Mit der Beschotterung der Linie geht cs infolge des Regen weiters langsam. Immerhin war. es möglicli. set dem H. Januar einen regelmässigen Zugbetrieb mit zwei Zügen wöchentlich von Haifa nach Bt'׳s3!1 und zurück cinzurichten. Infolge des unfertigen Zu- Standes dös Oberbaues und einer Reihe provisorischer Brücken erschien es tunlich, die Fahrgeschwindigkeit noch gering zu halten; dieselbe beträgt im Mittel 20 km in der Stunde. Die Inanspruchnahme der Bahn für den öffentlichen Güter- und Personenverkehr folgt einer Verfügung der t'iaute Commission entsprechend dem Vorschreiten des Olciskonfes, ohne die Fertigstellung des Oberbaues in seinen Einzelheiten abzuwarten, um auf diese!Weise eine neue Einnahmequelle für den .Fortbau der Hedschasbalm zu schaffen. Aus diesem Grunde wurden bereits seit dem 22. Oktober v. Js. Güter und Personen mit den Bauzügen befördert unter Zugrundelegung der nachfolgenden Tarifsätze

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.