Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No< 50. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Selter 445. wenn sh sich mit dem Judentum beschäftigt, könne immer nur von der Vergangenheit oder von der Zukunft, n i e von der Gegenwart reden. Der Jude habe die Rastlosigkeit des Nomaden mit der heissen Sehnsucht nach dem Frieden einer Heimat. — Daher hätten Juden viel in der Malerei, wenig in der Skulptur geleistet. Die Farb:11 in der Malerei verleihen dem Bilde Leben, während die starre Ruhe des Marmors in zu starkem Gegensatz zur Rastlosigkeit der jüdischen Natur stehe. Der Vortragende sprach dann von dem Drama in Be- Ziehung zum Judentum. Das jüdische Problem habe noch keine Dramatiker gefunden, weil die jüdische Tragödie noch nicht ihren Abschluss gefunden habe, noch nicht ausgelebt sei. In der Diskussion trat Herr Auerbach manchen Punkten im Vortrage des Herrn Halbert entgegen. Fr suchte nachzuweisen, dass die Juden in der räumlichen Kunst nur*darum so wenig geleistet hätten, weil in Westeuropa die jüd sehe Seele sich stets im Zwiespalte befände, und in Osteuropa laste ein zu starker Druck auf dem Juden. Es iehle ihm nur an der sozialen Entwicklungfüh:gkeit; die Juden hätten keine Kunst, weil sic keine Freiheit, kein Leben hätten. Wie dem nun auch sei, der Herr Redner sprach allen aus dem Herzen, als er seinen tiefdurchdachten und durchgearbeiteten Vortrag mit den Worten schloss: ״Der ewige Jude klammert sich an die Vergangenheit, hofft auf die Zukunft und hofft zuvers'chtüch, dass diese keine Tragödie sein wird." Berlin. Am 5. Dezember a. c. hielt die Berliner zionistisehe Vereinigung ״Distrikt Osten” ihre erste Versamm־ Iung in Haberechts Fcstsälen. Frankfurter Strasse 30, unter Vorsitz des Herrn Dr. Jungmann ab. die von ca. 50 I^rsonen besucht war. Das Referat hatte Herr D r. Albert Goldbcrg-Neucnahr übernommen über: ״Der Zionismus, die Lösung der Juden frag e". An der Diskussion bete'iigten sich die Herren D r. S c l i g s o h n , Lewy und der Referent. Einige Herren traten als Mitglieder hei. Eine Sammlung für den Nat:onalfond ergab 7,60 Mk. Filehne. Am *I. Dezember feierte die hiesige zionistische . Ortsgruppe im Mark'schcn Lokale das Makkabäcricst. Bs auf nur wenige Ausnahmen war die ganze Gemeinde anwesend. Eröffnet wurde die Ecier durch allgemeinen Gesang unserer Nationalhymne, hierauf hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe ein längeres Referat. Nach dem Anzündcn der Chanukahlichtlein sangen alle Anwesenden .בועוז צור Der zweite Teil des Programms wurde durch einen Prolog eröffnet, worauf ״Hanna mit ihren sieben Söhnen“ und ״Das Chanukahmännchen“ zur Aufführung kamen. Frl. N. Arndt spielte grossartig. Der Erfolg für den Nationalfond war ein grosser. Kempen i. P. Am Mittwoch, dem 7. Dezember er., veranstaltcte die Ifesfge Ortsgruppe ihre erste Makkabäer־Fcier in Gestalt eines Kommerses. Der erste, durch Lichtzünden eingeleitete Teil hatte der Würde des Festes entsprechend ernsten Charakter. Unser Vorsitzender. Herr Richard Goldberg Hielt den Festvortrag. Hieran schlossen sich ernste musikabschc und deklamatorisch Vorträge und gemeinsame Gesänge; dgnen Schluss das bekannte כעוז צור bildete. Der zweite, heitere Tcil wurde in der bei Kommersen üblichen We^se in fröhlichster Stimmung erledigt. Zugunsten des Nationalfonds wurde eine Sammlung veranstaltet. Breslau. Am 8. Dez. ,.Jungjüdischer Abend" zur Feier des M a k k a b ä c r f c s t c s. Glänzender Verlauf, ,guter Besuch. Redner D r. Emil Cohn-Berlin fand sehr grossen Beifall. Rezitation: Frau Martha Rahmer-Nostmann, Gesang: Frl. Malwinc Sternfcld. begleitet von Frau Frieda Schachtel; Herr Selmar Ccrini begleitet von Herrn Hermann Ccrini jur Gu 11 e n t a gs ch e r Gesangs־ Zirkel. Alles sehr beifällig aufgenommen. In einem Nebenraum sehr schöne Ausstellung moderner jüdischer Bücher und Bilder. Dresden. Die am Cf. Dezember im grösseren Stile von der Zionistischen Ortsgruppe veranstaltete Makkabäerfeier erfreute sich eines Uber alles Erwarten zahlreichen Zuspruchs. Die wohlgelungene Festrede hatte noch fn den letzten Tagen n Vertretung Herr Kantor Blitz aus Dessau in zuvorkommendster Weise übernommen. Der Redner, ein gründlicher Kenner unserer Geschichte, streifte kurz die geschichtlichen Hauptmomentc, brachte dieselben in geschickten Zusammenhang mit der Bedeutung der Feier und schloss mit einem feurigen Appell, beharrlich auf den von uns nun betretenen Wege bis zur Erreichung des Endzwecks fortzuschreiten. Auch die übrigen deklamatorischen und musikalischen Vorträge unter auerkennuugswerber Mitwirkung von Frl. Heinicke und den Herren Rub. Hofstein, Gg. Zwillenberg und Feingold ernteten lebhaften Beifall. — Der Abend, brachte uns endlich viele neue Mitglieder ein. Gross-Strehlltz. ‘ Montag, den 21. November er״ abends 8*4 Uhr wurde uns im Schocnwald’schen Saale der hervorragende Genuss zu teil, den geist- und lehrreichen Ausführungen des Herrn Dr. Sonderling , Berlin, an Hand von Illustrationen lauschen zu dürfen. Kunst und. Judentum war sein Thema, angetan dazu, auch die uns Femstehenden davon zu berzeugen, dass beides, Judentum und jüdische Kirnst, nicht nur nicht vorhanden, sondern auch im steten Blühen und Wachsen begriffen sind. N—n.. Hamburg. Am 7. Dezember beging die hiesige zionistisehe Ortsgruppe im Festsaal des Bogenheims eine Chanukah- Feier, zu der sich ein zahlreiches«, zum Teil auch nichtzionistisehen Kreisen angehörendes Publikum eingefunden hatte. Die ganze Veranstaltung hatte in diesem Jahr einen mehr ernsten, feierlichen Charakter. Besondere Anerkennung verdienen die von Frl. Schaul. Frl. Elias und Herrn Lcbowitz vorgetragenen Lieder, die verständnisvolle Klavierbegleitung des Frl. Rosenborg und die von echt jüdischer Begeisterung getragene Festrede des Herrn Salomon Goldschmidt. Bei dem darauf folgenden Souper, au dem sich ca. 100 Festgäste beteiligten, wies Herr Dr. Kalmus noch einmal in markigen Worten auf die nationale Bedeutung des Makkabäerfestes hin. Ebenso erfreulich wie der würdige und allgemein befriedigende Verlauf der Feier ist auch der pekuniäre Erfolg des Abends, der in einem erheblichen Ueberschuss bestand. Bremen. Am 6. Dezember hielt in der hiesigen Ortsgruppe der Vorsitzende des hanseatischen Bureaus, Dr. Kalmus aus Hamburg, einen hochinteressanten Vortrag über die Bedcutung des Zionismus. Zu Ehren des Redners wurde für den Nationalfond eine Sammlung veranstaltet und ihm ein Ölbaum gewidmet. Vor dem Vortrage hatte noch der Vorsitzende der Gruppe. Herr Eduard Koopmann in einer Ansprache auf das Chanukkafest hingewiesen und Frl. Markreich einen bezüglichen Prolog gesprochen, der mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Wir hoffen, infolge des neu gegründeten hanseatischen Bureaus öfters Agitationsredner bei uns sprechen zu hören und dadurch unsere junge Ortsgruppe vergrössern zu können. Hannover Sonntag, den 2S. er., Abends 7 Uhr in der Vereinigung Dorsche Sclilom Zion Chanükah-Kinderiest. Erörinet .von Kindern mit dem Liede ״Dort, wo die Zeder”, Anspräche des Vorsitzenden Schnelling, dann viele Kinder-Vorträge in hebräischer und deutscher Sprache über Chanukah- Nach Anzünder! der Lichter und Absingen des ב*עוז ציר Dichtungen über Th. Herzl und seinen Tod. von Kindern vorgetragen. Ansprachen des Herrn Rechtsanwalt Dr. Groncmann, des Lehrers Rosenbaum und Herrn Walk, wie auch humoristische. jüdisch-deutsche Vorträge von den Herren H. Rachmicl und Stift. Nationalfond gesammelt durch Förster 5,50 Pf. Duisburg. In überfülltem Saal fand am 7. Dezember die Makkabäerfe'er der Zionistische!) Vereinigung statt und verlief glänzend. Zwischen Lorbeer und Palmen war das Bild unscres Herz; aufgestellt, dessen in würdiger Weise gedacht wurde. Gisbert Koppel-Köln trug meisterhaft vor. Frankfurt a. M., 7. Dezember. Im Gegensätze zu der von dem Hilfsverein der deutschen Juden und der Berliner Grosslöge am letzten Montag und Dienstag hier veranstalteter!״ Konferenz zur Organisation der Auswanderung aus Osteuropa, die hinter verschlossenen Türen tagte, hatten sich die zionistischen Teilnehmer der Konferenz als Gäste der Frankfurter Zionistischeu Vereinigung gestern Abend im Hotel Ulltnann zu einen! Bankett cingefunden, um — wie hei den Zionisten selhstverstündlich — vor dem Volke für das Volk zu sprechen. Die Herren Architekt Oskar Marmore k־Wien. Direktor Wolffs o h n - Köln. Dr. Katzcnelsohn - Libau, Dr. Motzk in- Berlin. Schriftsteller und Redakteur So k o 10 w - Warschau. Dr. Kl ec-Berlin hielten Ansprachen; der Gesamttenor ihrer Worte hat auf die Zuhörer sicher einen tiefen und nachhaltigen Findruck ausgeübt. .* Darmstadt. Am 3. Dezember verstaltete der akademische Verein ״M akkabaea" eine Makkabäerfeier. Die Festrede hielt Herr F. Schach aus Kaulsruhe. Anwesend waren ca. 103 Studenten. Nach der Festrede wurden ausgewählte Stücke von M. Rosenfeld, Firng, KoLNidrci vorgetraeen. Der Reinertrag ist teilweise dem Nationalfond, teilweise den zionistischen Organisationen gewidmet. Der Abend verlief sehr gemütlich. ־ Rcgensburg. Am Sonntag, dem 3. Dezbr. — 25 Kislew׳ 5665 — hatten wir unsere Makkabäerfeier. Es war ein deklamatorisch-musikaischcr Gesangs-Abend und verlief glänzend. Festrede: der 1. Vorstand Herr Weiner. Eine zündende Gelegenheitsrede, verbunden mit einem Vertrage über die jüdf-