Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 50. ‘Seite 444. ' Wegen der Beiträge habe sich der Misrachi schon mit einzelnen Ortsgruppen verstand gt; so zahle Frankfurt einen Teil seiner Einnahmen für misrachistiscbe Zwecke zurück. So sei keinerlei Grund zur Beunruhigung, und Referent sei überzeugt, dass der Misrachi nicht zu einer Zersplitterung und Schwächung sondern zu einer Stärkung und Festigung des Zionismus führen werde.!(Lebhafter Beifall.) . In der Diskussion bemerkte der Vorsitzende Dr. Haiper, er sei sehr erfreut über die Erklärung Adlers. Jede Bewegung sei nur nach den autoritiven Erklärungen der Partei zu beurteilen, und die von Adler dargelegten Ziele könne nicht nur die Fraktion, sondern noch weiter links stehende Gruppen billigen, da der Misrachi nur für den Zionismus werben wolle, ohne anderen seine religiösen Anschau־ ungen aufzwingen zu wollen. Aui eine Anfrage aus der Ver- Sammlung antwortete D r. Adler, die Organisation des rus־ sischen Misrachi wäre formell etwas anaeres als die des d«eutsehen, da cs in vielen Gemeinden in Russland überhaupt nur Gesetzest reue, daher nur gesetzestreue Zionisten und misrachisti־ sehe Ortsgruppen gäbe, während in Deutschland die Ortsgruppen stets Mitgl eder aller Richtungen umfassten. Der russische Misrachi hätte sich als erster unter dem Druck der Fraktion gebildet und hätte auf dem Congrcss einzelne Aeusserungcn, die die religiösen Gefühle verletzten, zurfickgewicscn. I tzkowitsch־Baku verteidigt de Fraktion. Die auf dem 3. Kongress ausgegebene Parole die Ostjuden zu europäisieren, d e Westeuropäer zu judaisieren sei von den Orthodoxen stets bekämpft worden. Schon auf dem 4. Kongress seien *10 Mann als Misrachi ausserhalb der Landsmannschaften geschlossen gegen alle Kulturbestrebungen aufgetreten. Dagegen habe sich die Fraktion gebildet und sichaucli sofort aufgelöst, als auf dem V. Kongress die Kulturresolution angenommen wurde. Darauf habe sich dann der schon bestellende Misrachi besonders organisiert.' Die Fraktion sei aber nicht die Ursache des Misrach! und es sei zu fürchten, dass die Misrachi als Wölfe in Schafskleidern Sonderziele verfolgten. Dr. H a 1 p c r n betont, dass Im ganzen Westen Zionisten und Orthodoxe gegen die zersetzende Tätigkeit der liberalen Assimilanten zu kämpfen hätten. So sei der Misrachi als Bindcgl'ed im Westen mit . Freuden zu begrüssen, umsomehr als zu hoffen sei, dass die kultivierten Misrachi des Westens innerhalb des Misrachi die Oberhand über die Obskuranten dees Ostens gewinnen würden. Dann sei auf gemeinsames Arbeiten zu rechnen. Er hoffe aber, dass der deutsche Misrachi stets die heute von Adler gekennzeichneten Ziele zum Heile des Zionismus und des Judentums verfolgen werde und dass sich die heutigen.Führer von ihm lossagen würden, wenn er einmal in reaktionäre Bahnen einlenke. D.r. Regensburger erklärt, die Fraktion sei an ihrer eigenen Disziplinlosigkeit zu Grunde gegangen. Religion sei Privatsache. Einstwc'Icn sei es von grösster Wichtigkeit die Orthodoxen zu gewinnet! und verfrüht sich über etwaige spüder kanaanitischen Götter durch die Israeliten führte, auf die Dauer erfolglos war. Das Reich des Messias wollte nicht kommen. Im Gegenteil es entschwand in immer weitere Ferne«. Da kam der Mann, der mit pietätvoller Hand und schlichtem Wort alle Schranken beseitigte, die partiknlaristischc Vielgöttcrei zwischen Gott und der Welt aufgsplant batte: Jesus von Nazareth. — Drei Jahre religiösen Freisinns hat Professor Delitzsch gebraucht, um gegen das Judentum über Babylon zu Jesus Christus zu gelangen, eine langwierige aber ganz konsequente Entwicklung, wie man zugeben wird. Karl Wefgerts Tod hat nachträglich in der medizwischen Fachpresse einen Disput veranlasst. Die Biographen des verdienstvollen Gelehrten waren um die für die deutsche Wissenschaft so beschämende Tatsache, dass nach seines Lehrers Cohnheim Tode für einen der hervorragendsten Pathologen seiner Zeit kein akademischer Wirkungskreis siel! fand, mehr oder minder scheu herumgegangen, obgleich der wahre Grund hierfür die Konfession Wcigerts, die ‘er nicht ändern wollte, unter den Fachkreisen eine längst bekannte Tatsache ist. Darob von einem Kenner der Vorgänge, die sich damals hinter den Kulissen abspielten, zur Rede gestellt, macht Prof. Lubarsch. einer der Biographen Wcigerts zur Entschuldigung des damaligen Verhaltens der Leipziger Fakultät geltend, dass ״es in Sachsen, ebenso wie in Mecklenburg und Braunschweig ausgeschlossen war und noch ist, die Anstellung eines Juden zum besoldeten Staatsbeamten durchzusetzen; in Mecklenburg wie auch in Brannschwcig teilen die Katholiken dieses Schicksal.“ .,Deswegen", so fährt Lubarsch fort, ״waren auch die Versuche von Ernst Leberecht Wagner (seiner Zeit ein sehr bekannter Kliniker), der beim König mehr galt als die gesamte Leipziger Fakultät, durch persönliche Vorstellungen für Weigert etwas zu erreichen, erfolglos.‘* tere Schwierigkeiten in Palästina aufzuregen. Dort werde man miteinander schon in Frieden aukomtnen. Das gleiche versichert Dr. Adler in seinem Schlusswort Jetzt müssen alle Zionisten gemeinsam kämpfen und als Gewähr für die Zuknuft gette ihm die freundliche Aufnahme durch die nicht« weniger »h orthodoxe Ortsgruppe München, der er für eine kräftige nationale Propaganda den wärmsten DanK wüsste. Noch vor dem Schlusswort wurde folgende von Dr. Heymann, Dr. Regensburger und Dr. H a 1 p c r n eingebrachte Resolution einstimmig angenommen: ״Die am 14. November 1904 im Restaurant Müller-Ehrenreich versammelte zionistische Ortsguppe München dankt Herrn Dr. Adler-Lübeck für sein vorzügliches Referat über Wesen und Ziele des Misrachi und begrüsst freudigst die Versicherung von autoritativer Seite, dass der Misrachi keinem rcl giös anders denkenden Zionisten seine Anschauungen aufzwingen wil?, sondern Schulter an Schulter mit allen Zionisten für die Verwirklichung der nationale« Ideale kämpft." -—ן Aus der Beweguijg ן-^- BerVner Zionistische Verengung. Auf •Wunsch des Z.-B. geben w ir das P r c g r a m rn der M a k k a b ä e r f e i e r vorn Sonntag, dem II. Dezember 194יי wieder: I. Teil. Prolog. 1. a) Barcarolle G.־mo!l von Rub«$tein: b) Capriccio von Scarlatti-Taussig. 2. a) Sei st Ile den! Herrn, a. d. Orat. ״Elias“ von Mendelssofoj; b) Mein Jüngele von Liwschitz. 3. Ko'.-N drci von Rosenfeld. 4. a) Chanukahliedchcn von Th. Zlocisti; b) Unser Chanukali von von Mart. Fricdländer; c)D:e Landstreicher von Morris Rosenfeld; d) Altnculand. Schlusswort, von Theodor Herz!. 5. a) Reeitativ und Arie a. d. ״Schöpfung“ von Haydn; b) War ein kleines, stilles Haus von Rothstcin. II. Teil. Festrede. 6. a) Elohenu von Gerneshcim; b) Air von Bach. 7. a) Mcnorah von Theodor Hcrzl: b) Juda Makkabi's Gebet von Th. Zlocisti; c) Die Ersten von Berthold Fciwcl; d) Das grosse Wecken von Israc?* Auerbach. 8. a) Reeitativ und Arie a. d. Op. ״Die Jüdin“ von Halöoy; b) An den Strömen Babels von Locwc. 9. a) Noctumo für die linke Hand allein von Chopin; b) Scherzo H-moli von Chopin. 10. a) Romanze der Bettlerin a. d. Op. ״Der Prophet" von Meyerbeer; 11. b) Unsere Hoffnung von S. Friedbland. Gesang: Karl Witepski, Frl. P. Wartenberger. Klavier: Scv. Eisenberger. Festrede: Dr. Zlocisti. Violnc: Scbmerl. Vorlesung: R. Bernaucr. Berlin. Auf dem am Sonnabend, dem 17. Dezember stattfindenden Diskussionsabend der freien Verbindung ״H a smonac a“ wird Herr Davis Trietsch über die ..Grundlagen des Zionismus״ sprechen. Wir 1 a d e n 1» 1 c r z u jedermann 11 ö f * i c h s t ein. Der Diskuss onsabend findet Fricdrichstrasse 58 II statt und bcginnt um 9 Uhr. Berlin. Der nächste Diskussionsabend der ״Jüdischnationalen F raiicnvcrcinieunj׳" findet am Sonnabend, dem 17. d. Mts״ abends 9 Uhr, wie bisher in den Räumen des ״Montefiore -Vereins“ statt. Frl. Regina K r u c z wird über ,״Biblische Frauengestalten“ sprechen. Zutritt haben nur M'tgiedcr. Hingegen sind zu den Geschichtsvorträgen auch Gäste willkommen. Wir machen besonders die Mitglieder der ״Zionistischen Vereinigung“ da* rauf aufmerksam. Der nächste Oeschichtsvortrag findet am Montag, dem 19. d. Mts., abends 9 Uhr. gleichfalls in den Räumen des ״Montefiorc-Vercins“. Dirksenstr. 46, statt. Berlin. Die ״Jüdisch -nationale Frauen vereinigung" hatte zu Mittwoch. dem 30. November, nach dem ״König von Portugal” eine Versammlung einberufen, in welcher Herr Ha lbe r t über das Thema: ״Kunst und Judentum" sprach. Redner führte unter anderem ans. dass vor Spinoza die Kunst nur eine körperhehe gewesen sei, dass! Sninoza iln erst den Stempel GoKes aufgeprägt habe. Die J Vcrschweissung von Einzelschic' sa! und Weltschicksal sei * nirgends deutlicher als im Judentum. Die moderne Kunst,