Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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f i Ü9. 4». JÜDISCHE RUNDSCHAU. I—ן Aus der Bewegung ,—| HL1 MükbühHprfptAm sollen in der JUEDISCHEN RUNDSCHAU vollzählig registriert werden; wir bitten daher, uns über jede .Makkabäerfeier, aber in gedrängter Kürze, zu berichten. Muster: Bericht am Schluss dieser Rubrik über die Makkabäerfeier des Bar-Kochba. Gleichzeitig werden die Schriftführer der verehrliehen Ortsvereine höflichst gebeten, über alle Versammlungen und Veranstaltungen der Ortsgruppe umgehend der Redaktion zu berichten. Dabei haben ‘wir ebenfalls die dringende Bitte, dass die Berichte so knapp und kur? als möglich abgefasst werden und nur das unbedingt Notwendige enthalten. Die Berliner Schekelblock-Inhaber werden höfli:h*' ersucht, bis spätestens den 26. Dezember <* die eingegangenen Schekelgelder sovio Schekelblocks an unseren Schatzmeister Herr? J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Berliner Zionistische Vereinigung. Bcrl’n. Au! dem am letzten Sonnabend von der freien Verbindung ״Hasmonaea” veranstalteten Diskussionsabend hat Herr Rechtsanwalt Dr. H a n t k c über die Frage der Neuorgamsation gesprochen. Da diese Frage ein sehr grosses Interesse hervorgerufen hat. wird die Debatte am nächsten Sonnabend, dem 10. ds. fortgesetzt werden. Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke, sowie Herr Dr. Israel Auerbach werden das Wort ergreifen. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes der Diskussion, die, wie bekannt, in der Friedrichstrasse 58 II stattfindet, bittet die ״Hasmonaea" um recht zahlreichen Besuch. Berlin. Die diesjährige M a k k a b ä c r f e i e r der Ber- Imcr zionistischen Vereinigung findet Sonntag den 11. Dezember im grossen Saal des Ausstellungsparks (am Lehrter Bahnhof) statt. Wegen unserer Nationaltrauer veranstalten wir an Stelle einer Ballfestlichkcit eine musikalisch-literarische Soiree unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Das Programm wird in der nächsten Nummer bekannt gegeben. Königsberg (Preussen). Am 20. November sprach in der hiesigen zionistischen Vereinigung Dr. Hoppe über das Thema: ״Graf Bülow und der Zionismus’׳. Dem Vortrage lag ein Artikel von Sigmund Münz in der ״Neuen Freien Presse" zugrunde, welcher den Inhalt einer Unterredung mit dem Reichskanzler in Norderney wieder gab und die Runde durch alle Zeitungen machte. Wenn, wie der Redner hervorhobi. die Unterredung mit dem Grafen Bülow richtig wiedergegeben sei. so gipfelt diese in drei Behauptungen: 1. Palästina ist eines der unfruchtbarsten Länder, 2. das für eine Kolonisierung in Betracht kommende Material, die Juden des Ostens, besteht aus ״Schnorrern’׳, und ist zur Kolonisierung ungeeignet, 3. eine Kolonisierung in Argentinien verspricht mehr Erfolg. Der Referent machte zunächt auf den Wider- Spruch zwischen den beiden letzten Behauptungen aufmerksam und suchte dann dw Unrichtigkeit der einzelnen Behauptungen, die durchaus keine neuen Gesichtspunkte böten, sondern dem Zionismus von jeher entgegengehalten und wiederholt widerlegt seien, nachzuw’ciscn. Graf Bülow habe nur im Fluge auf der Hauptroute das Land durcheilt und dasselbe nur flüchtig kennen gelernt. Das Land, welches in den biblischen Zeiten zu den fruchtbarsten gehörte und das einem Bauernvolk von drei Millionen (120 pro Quadratkilometer) reichlich Nahrung bot, sei allerdings seit Jahrhunderten furchtbar verwahrlost. Aber aus diesem wüsten Gestein lasse sich durch die hingebungsvolle Arbeit einer emsigen, intelligenten Bevölkerung ein Paradies hervorzaubern, wie auf das deutlichste die blühenden jüdischen Kolonien beweisen, die seit zwei Jahrzehnten in Palästina entstanden sind, deren es bereits 16 grössere mit ca. 6500 Einwohnern giebt. Von diesen Kolonien, welche das Erstaunen aller Besucher erregen, habe Graf Bülow׳ leider nichts gesehen, sonst wäre sein Urteil anders ausgefallen. Durch planvolle Entsumpfung und Bewässerung, wie sie bei einer Grosskolonisation mit den heutigen Mitteln der Technik erntöglicht würde, würde sich nach dem Urteil der fachmännischen Keiner des Landes dasselbe in wenigen Jahrzehnten zu seiner früheren Blüte zurückbringen lassen. Zu diesen Arbeitet! *fl aber kein Volk der Welt so geeignet, wie gerade das jüdische, welches mit einer schwärmerischen Liebe an dem Boden hänge und zu Jeder Arbeit bereit sei. Die jüdischen ״Schnorrer” des Ostens sind keine trunksüchtigen Landstreicher und Vagabunden, sondern arbeitslustige, nur durch eine grausame Po'ltik und grausame Bedrückungen aller Arbeitsmöglichkeiten bcraubte Leute, welche sich gern allen Arbeiten unterziehen, mögen dieselben auch noch so schlecht bezahlt sein. Die Hunderttausende. die 1*1 Stunden und länger am Tage auf das schwerste arbeiten, um ihren kärglichen Unterhalt zu verdienen. säe würden auch imstande seki, die sicher nicht mühevolleren Landarbeiten auf eigener Scholle zu leisten, um dem Boden Früchte abzuringen. Dass sie zu Landarbeiten überhaupt geeignet sind, beweisen die jüdischen Bauernkolomeu in Russland und die erwähnten Kolonien in Palästina. Schönlanke, 4. Dezember. Heute hielt im Restaurant Hirsekorn Herr Lehrer Jakob Auerbach-Poscn einen Vortrag über das Thema: ״Das Chanukahfest und der nationale Gedank e.” In geistreicher Weise stellte der Redner Vergleiche an aus der Zeit der Makkabäer mit der heutigen und zeigte u. a., dass die damaligen Hellenisten Jason und Mcnclaos bei uns ihre schwächeren Abbilder ln den Heroen der Reform aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gefunden haben. Mit allgemeinem Beifall wurde der Vortrag aufgenommen und der Vorschlag des!Herrn Auerbach, alle 14 Tage eine zionistischen Diskussionsabend einzurichten, «011 durchgeführt werden. Ben Elieser. Stettin. Am 28. November veranstaltete die Stettiner Zionistische Vereinigung eine Versammlung, zu der sämtlich• Gcmeindemitg'.lcdcr eingeladen waren, und die sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreute. Herr Rechtsanwalt Dr. GronemamwHannovcr, der das Referat übernommen hatte, sprach in überaus geistvoller und fesselnder Weise über das Thema: ״Die deutschen Juden und der Zionismus" und entwickelte in eingehender und klarer Darstellung das zionistische Programm. Den tiefen und nachhaltigen Emdruck der Rede konnte auch die Erwiderung des Herrn Rabbiners Dr. Vogelstein nicht abschwächen, der den oft gehörten Einw'urf der Utopie erhob, die Klcinkolonisation Palästinas empfahl, die Lösung der Judenfrage der fortschreitenden Kultur anheimsidien wollte und die Gründung eines kleinen Jüdischen Staatswesens als einen unwürdigen Ausgang des Jahrtausende wahrenden Martyriums bezeiclmete. Herr Lazarus Barth erwiderte auf diese Ausführungen. indem er die Erwerbung einer rechtlich gesielterten Heimstätte als eine Notwendigkeit für die Erhaltung des Judentums und eine Schutzwehr gegen die Auflösung desselben nachwies. Herr Justizrat Lurje trat sowohl den zionistischen Rednern, wie auch Dr. Vogelstein entgegen, indem er Palästina für ein durchaus unfruchtbares. zu jeder Kolonisation ungeeignetes Land erklärte und den Vorwurf erhob, dass man die armen Juden zur Auswanderung dorthin und in ihr Verderben locke. Da der Herr Justizrat über Gründe für seine Behauptungen offenbar nicht verfügte, so glaubte er diesem empfindlichen Mangel durch eine besonders heftige Tonart ab:1e.fen zu können, musste sich aber von dem Referenten err« Belehrung darüber gefallen lassen, dass man in zionistisehen Versammlungen diesen Ton nicht gewohnt sei und auch nicht wünsche, auf ein solches Niveau herabzusteigen. Nachdem der Referent die Einwendungen des Herrn Dr. Vogelstein wiederlcgt hatte, w׳urdc die Versammlung, die einen'glänzenden verlauf nahm, geschlossen. Der Erfolg des Abends zeigt sich erfreulicher Weise in recht zahlreichen Beitrittserklärungen. Lübeck, 5. Dezember. Auf den Versammlungsabenden der hiesigen Ortsgruppe sprachen bisher Dr. Landau über die gegenwärtige Lage des Zionismus. Referendar Meyer über die Lage der russischen Juden in England. Lehrer StiebeJ über jüdisches Lehen in Paris. Die Vorträge erfreuten sich eines guten Besuchs und w׳urden mit Beifall aufgenommen, insbesondere die anschaulichen Schilderungen persönlicher Eindrücke, die Herr Stiebei von seinem Pariser Aufenthalt gab. In Verbindung mit anderen Vereinigungen ist von der Ortsgruppe eine jüdische Gemcindebibliothek und Lesehalle in dem Heime der israelitischen Gemeinde errichtet und sämtlichen Gemeindemitglicdern zur unentgeltlichen Benützung überlassen worden. Die Bibliothek hat einen Bestand von ungefähr 500 Büchern durchweg jüdischen Inhalts^ in der Lesehalle werden die jüdisehen Zeitungen aller Parteieinrichtungen ausgelegt. Hamburg. Gestern Abend sprach in einer Ortsgruppe«- Versammlung unser Vorstandsmitglied Herr S. N. Margulies kl ausgezeichneter Weise über: ..Hebräisch« Sprache undLiteratu r". Herr M. ist hervorragender Kenner des alt- und neuhebräischen Schrifttums. T