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Jüdische Rundschau · 1904-12-09 · Heft 49 (9.12.1904) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 49 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 428. _ J ÜDI SC ME RUNDSCHAU. N<>. 49. «Ile, die an dieser Stelle das Wort zü dieser im Kegenwärtigen Zeitpunkt wichtigsten .Frage der zionistischen Bewegung ergreifen wollen, die eine dringliche Bitte, jeden Vorschlag so genau zu erwägen, als hinge von diesem Vorschlag das Heil der Bewegung ab. Denn an Zahl der Projekte wird keinesfalls ein Mangel sein — ater es kann unberechenbaren Schaden im Gefolge haben, wenn vielleicht ein ungenügend auf seine Konsequenzen hin durchdachter, aber blendender Vorschlag es vermöchte, auch diejenigen zu überzeugen, die über ihn zu entscheiden haben. Und dann noch eines: Wenn irgendwo, so ist hier die Scheu durchaus unberechtigt, Namen zu nenne׳’ soweit es sich um Vorschläge für die unmittelbar nötigen Neuschöpfungen handelt. Gerade au den Personenfragen hängt hier alles. Mit der Tatsache des Vorhandenseins oder des Nichtvorhandenseins der geeigneten Personen für diesen oder jenen Ort, für dieses oder jenes Amt steht und fällt jeder Vorschlag, der in dieser Richtung gemacht wird. Und wenn es auch unbestreitbar richtig ist, dass sich oft nachträglich schon die geeigneten Personen finden werden, besonders, wo es sich nicht direkt um leitende Stellungen handelt, und dass dort, wo es sich darum handelt, manche Uebersiedelung, wenn nötir auch möglich sein wird, so ist es doch ein ungefährer Ucberblick über die in betracht kommenden Persönlichkeiten unseres Erachtens ganz unerlässlich. Darum keine falsche Scheu. Namen zu nennen, wo es sich um die Besetzung der wichtigsten Stellen handelt, die wir zu vergeben haben. Da wird ein vornehmes und dabei offenes Wort über Personen und über Dinge gewiss am Platze sein, und von niemandem übe’ vermerkt werden, der das Wohl der Bewegung ü fc r alle anderen Interessen zu setzen gewöhnt ist. I. Zur Organisationsfrage. Dass kein Einzelner den toten Führer ersetzen könne, das war der Gedanke, der jetzt alle über eine Abänderung unserer Organisation nachdenkcn liess. Dieser Gedanke ist Dr. Kokesch. — so scheint cs nach seinen Artikeln in No. 45 und 46 der WELT — unbekannt, ja er kann ihn gar nicht kennen, denn der Artikel in No. 45 der WELT stellt Herzl nicht wie wir ihn bisher sahen, als einen Einzelnen, einen Einzigen dar. dem vier andere beigegeben waren, sondern als einen von Fünfen, der von diesen zum Präsidenten gewählt war. Das ist aber unrichtig, dass das engere A.-K. ebensogut einen anderen hätte zu seinem Vorsitzenden wählen können. Herzl wurde zunächst vom Kongress als erster gewählt, nicht bloss weil er dem Alphabet nach der erste war, sondern weil er eben Herzl war. Die anderen — bei aller ehrlichen Achtung vor ihrer aufopfernden und selbstlosen Arbeit — wären doch kaum sämtlich Mitglieder des engeren A.-K geworden, wenn dieses nicht in Wien, ihrem Wohnsitz, hätte domiliziert werdet» müssen, weil eben Herzl da wohnte. Herzl war unstreitig der Führer, ob diese Institution nun im Statut vorgesehen war oder nicht. Gegenüber dieser Tatsache wirken die Ausführuitgen Kokcschs, so vieles auch im Einzelnen davon richtig ist, peinlich, weil sie im Effekt den Einen zu Gunsten von anderen r.erabsetzen. Der gleiche Gedanke führte zu der Vergrösserung des engdren A.-K. auf der Jahreskonferenz und zu den verschiedenen Vorschlägen der ständigen Vergrösserung des engeren A.-K/ Da es aber voraussichtlich nicht so viel geeignete״ Persönen an einem Ort vereint geben wird, so kam man w׳eitcr zu dem Gedanken, einer Verteilung auf mehrero — natürlich möglichst wenige— Orte. Klcc-Hantke wollen sicher nicht neun Leute an neun Orten, sondern möglichst au emem oder 'zwei, j höchstens drei Orten. Dio prinzipielle Frage, ob tür׳ unsere j % Bewegung eine solche Dezentralisation überhaupt möglich ist, muss dabei wohl erwogen werden. Am־ wichtigsten erscheint mir jedoch, dass vor allem —־ seien es nun fünf oder־ neun oder noch mehr Personen — nur* solche die Leitung übernehmen, die dazu, besondersbefähigt sind, Leute mit speziellen Fachkenntnissen. Nicht blos, dass einer, der sich sonst vielleicht gar nicht dazu eignet, den anderen über irgend einen Teil zionistischer Arbeit referiert, sondern dass auf jedem Posten Leute sein sollen, die gerade zu dieser Arbeit besonders geeignet sind. Das aber muss der Kongress entscheiden können. Dr. Kokesch schreibt dagegen: «Man sollte glauben, dass die einzelnen Mitglieder sich gegenseitig besser abzuschätzen wissen, als die Kongressdelegierten, die einmal in zwei Jahren Zusammenkommen und von denen viele die einzelnen Kandidaten für das A.-K. zum ersten Male sehen.”. Soll das so viel heissen, dass mail ins A.-K. Männe! senden soll, die sieh irgendwie, sei es als Aerzte oder Rechtsanwältc oder als Agitatoren, einen Namen erworben haben, damit sie dann hier vielleicht die äussere Politik oder Kulturirageti bearbeiten sollen, wenn die anderen A.-K• Mitglieder dazu noch weniger iühig erscheinen? Nein! Können die Kongrcssdclcgicrtcn sielt kein Bild über die spezielle n Fälligkeilen eines Mannes machen, dann darf der Betreffende nicht gewählt werden. Hs ist auch Pflicht der Kongrcssdclcg erteil, sich vorher nach Möglichkeit über A.-K. Kandidaten zu infotmieren und sielt nicht auf irgendwelche Empfehlungen in letzter Minute zu verlassen. Darum wäre es auch richtiger, wie es ja sonst im politischen Leben auch geschieht, ohne Scheu die Namen der in Betracht kommenden Männer jetzt schon zu nennen. ..Nomina sttnt odiosa” ist hier ganz verkehrt. Sehr richtig ist l>r. Kokeseh's Bemerkung: «Auch de genialsten Leute sind nicht unfehlbar, und vier Augen' selten auch oft mehr als zwei.” Alter cs gibt doch Ressorts im Zionisittus, die nicht so incinandergrciien, dass täglich die Ressort- Vorsteher miteinander verhandeln müssen. Darum licssen sieh einige doch wohl örtlich trennen; dafür aber sollten nicht nur vier Augen, sondern sogar sechs Augen die Dinge eines spezteilen Ressorts selten. Nicht einer soll allein ein Ressort bearbeiten und noch hei den andern mitrateu, sondern mehrere sollen imitier dasselbe Ressort vertreten, ohne natürlich dabet den Konnex mit den anderen zu verlieren. So ist es doch auch bei allen Staatswcsctu Ist aber einmal die Zerstreuung unser Fehler, so darf man ihn nicht dadurch gutmachen wollen, dass man einige mit mehr betraut als sie gut leisten können, oder mit Dingen, die zu leisten sie nicht hefähigt sind. Wir haben aber bereits einen sehr lehrreichen Versuch gemacht, der uns ein Weiser des Weges, den wir wandeln sollen, sein kann. Wir haben eine Institution, die ohne steten örtlichen Konnex mit anderen Institutionen sich bewährt hat. Ich meine die ״Palästina-Kommission", die ich, wie cs ein Artikel der VOLKSSTIMME tat. ein M i 1! i s t c x i u nt;!ernten ntöcjlüe. Aehnlich den dort gemachten Vorschlägen möchte ich hier die Bildung we terer Ministerien Vorschlägen, mit Bcriicksichtigung möglichst aller bisherigen Entwürfe, insbesondere des ihnen Gemeinsamen. Dies führt zu einer gewissen Reduktion des von Bodenheimer, Hantke-Klee und J. W. Martnorek Vorgeschlagenen, die mir gut tunlich erscheint, der Zentralisation näher kommt und eine Aenderung der Konstitution erübrigt. Ministerium des Innern: Das grosse A.-K. war bisher eine ״Sammlung von verdienten Agitatoren”, nicht aber eine politisch beratende Körperschaft, was es ursprünglich doch hätte sein sollen. Es war ein Ausschuss für Organisation.1 ‘ Nehmen wir nun hinzu: Agitation, Kultur-. Erzichungsfragen, Presse, so haben wir die gesamte Funktion der neuen Institution, alles Fragen, die den Verhältnissen der .einzelnen Länder entsprechend verschieden zu behandeln sind und darum' die Zusammensetzung nach Ländern erfordern. Die Leitung wird von drei an einem Ort domilizicrtcti Personen

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