Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ייני^יו״ו No. 48. JÜDISCHE RUNDSCHAU. ' '_ Seit» 42t; David Plnskl ו Elslk Scheltet Autorisierte Uebersetzung und Vorwort von •Martin Buber-Berlin. Geb 3M, broch 2 M. ״Palästina“, Band II. Geb. 4 M-, broch. 3 M. Jüdischer Atmanach. Wohlfeile Ausgabe 3,50 M., Luxus- Ausgabe 7 M., Pracht-Ausgabe 12 M. D. Broschüren. Herzt-Sondernummer der ״Jüdischen Rundschau", mit Abbildungen, 61 Seiten Text, 30 Pfg., bei Abnahme von mindestens 10 Exemplaren 15 Pfg Oberrabbiner M. A. Roth! Der Zionismus vom Stand« punkte der Jüdischen Orthodoxie, 2. Auflage: 50 Pig., bei Abnahme von 10 Exemplaren 40 Pfg. Was will der Zionismus? Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 20 Pf., bei Abnahme von 100 Exemplaren 10 Pf. Max Kollenscher 1 Zionismus und Staatsbürgertuni. Hrsg, von der Zionistischen Ortsgruppe Posen. Preis 15 Pfennig, 20 Stück 2 Mark. Theodor Kerzl! Eröffnungsrede zum 5. Kongress. 5 Pf. Rabbiner Hobel! Sind die Gebete für Zibn eine GotteslHsterung? 5 Pf. Bodenhcimer! Zionismus und Judentag. 10 Pf. Heinrich Loewe: Liberalismus und Sonntagsgottesdienst. 10 Pi. Eine jüdische Hochschule. 1 M. Jüdischer Volkskatend;r. UI. Jahrgang. 60 Pf. Adolf Kurrcin! Der Zionismus. 15 Pi. Leo Llotzkin: Die Juden in Palästina. Berlin 1898. SO Pf. Adolf Kurrein! Dr. Ilerzls Grab, Nachruf. 15 Pf. III. Reproduktionen etc. Theodor Herzl Üriginalradierung von Hermann Struck. Schriftdruck 10 M. Vorzugsdruck mit eigenhändiger Unterschrift Herzls. 75 M. Theodor Kerzl an der Rheinbrücke in BjscI. 1,50 M. Ilerzl-Pcsikarieni 10 Pr., bei Abnahme von 100 Stück 5 Pf. Ansicht!';וoefkns'ten mit jüdischen Sujets in beliebiger Auswahl 10 Pf., bei Abnahme von 100 Stück 5 Pf. Sämtliche Preise sind exklusive Porto berechnet. Der Versand erfolgt gegen Nachnahme.. Der Zionismus in Russland. Die VOSSISCltE ZEITUNG bringt ihren Lesern die iolgendcii Informationen über den Zionismus, die wir wörtlich wiedergeben mit dem Vorbehalt dass unsere Leser selbst die nötigen Korrekturen werden vorzunehmen wissen: Petersburg, im November, Der Zionismus ist eine nationaljüdische Bewegung, die ihre Kraft aus der Verheissung nimmt, wonach ein Messias kommen soll, der das jüdische Volk wieder sammeln und ins Gelobte Land zurückführen wird. Während dieses Ideal in früherer Zeit vornehmlich bei den arabischen und türkischen Juden in Afrika weite Verbreitung fand, bei den abendländischen Juden aber nur von den strenggläubigen Schriftgelehrten wie ein heiliges Vermächtnis bewahrt wurde, fand es im Verlauf des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts in dem Masse auch grössere Beachtung bei den abcndländisehen Juden, wie der Antisemitismus unter den Christen zunahm. In Russland datiert die Zionistcnbewdgung unter den breiten Massen seit Mitte der 1880er Jahre, d. h. seit jener Zeit, da die berüchtigten temporären Gesetze vom Mai 1S82, die noch heute gelten, ihre ersten traurigen!Wirkungen in furchtbaren Metzeleien zeitigten. Damals waren es die orthodoxen Rabbiner, die, auf die grosse Verheissung hinweisend, das erschreckte, aus dein Lande flieltende Volk zum Ausharren und zum enger!! Zusammenschluss mahnten. Solchen, man darf wollt sagen, rein theoretischen Charakter behielt der Zionismus i!1 Russland noch bis Mitte der lSSOer Jahre. 1S95 trat der bekannte Dr. Theodor iHerzl mit dem Versuche auf, dem zionistischen Gedanken die politische und praktische Form zu geben. In jeder jüdischen Gemeinde Russlands biideten sich Gruppen, Vereine, Kassen, aber auch ein heftiger Widerstand machte sich bemerkbar, nämlich von Seiten derselben Rabbiner, die noch kurz zuvor auf die nahe bevorstehende grosse Zeit vertröstet hatten. Die von Westeuropa kommenden Apostel des Zionismus sehen in der Tat auch ganz anders aus, als wie die Rabbiner sie sich vorgesfcdllt hatten. Das waren Leute, die den Sabbath nicht heiligten, die Tempel nicht besuchten und kaum noch imstande waren, die alte Sprache zu reden. . Mit ihrer Auffassung des Zionismus trugen die Leute in die Gemeinde neue Lebcnsregeln, die angetan sind, die Autorität der Rabbiner zu untergraben. Dann aber kam das schlimmste: die Leiter der Zionistenbewegung brachten auf dem Kongress zu Basel 1903 den Antrag dn, die Juda! sollten einstweilen nicht nach Palästina, sondern nach Britisch-Uganda gehn und dort vorübergehend ein Staatswesen gründen, in Palästina sei nicht zu teben, abgesehen von politischen Verhältnissen.•) Die Ausbrüche der Leidenschaft, die solch ein Vorschlag bei den zumeist strenggläubigen Juden Russlands hervorrufen musste, sind nicht ausgebliebcn. Die Mehrzahl der russischen Zionisten will von dem neuen Vorschläge einstweilen auch nichts wissen, und — die Rabbiner sehen ihren Einfluss von neuem wachsen. Die Zionistenbewegung wäre auf diese Weise sehr ba'd zum tuten Punkt gekommen, wenn deren Leiter nicht das Glück gehabt hätten, sich das Wohlwollen des Herrn von Plehwc zu erwerben. Damit gewinnt der Zionismus erst eine hohe politische Bedeutung für die russischen Westprovinzen. Aut alle verständigen Juden wirkte der bekannte Brief Plehwes wie eine Ohrfeige. Plchwe bezeichnetc die Juden als Eindringlinge h Russlaud, während doch die Juden in Polen, einer direkten Aufiorderung Kasimirs des Grossen Folge leistend, schon vor 900 Jahren cingcwandert sind, indes die Russen ers seit 160 Jahren in Polen leben. Plehwe war der Ansicht, dass die Juden die Träger des Sozialismus in Russland sind, der Zionismus aber eine nationale, also konservative Bewegung sei, der die jungen Juden von sozialistischen Vereinen und Organisationen ablenken werde. Plehwe irrte sich, denn er übersah die Ursache der sozialistischen Bewegung in Polen. Die Juden in Polen sind Sozialisten, weil sie nichts zu essen haben, nicht weil sie theoretisch zur Erkenntnis gelangt sind, dass die bestehende Staatsform veraltet sei. Wenn sie heute dennoch den Staat bekämpfen, so tun sie es einzig deshalb, weil dieser Staat Einrichtungen getroffen hat, die die Juden an der Lösung der Magenfrage hindern. Der Zionismus hat nun nicht etwa eine Ablenkung von der sozialen Bewegung gebracht, sondern er hat sie im Gegenteil verstärkt. — Das Wort Plehwes an Dr. Herzl: ״ich wi!3 den Zionismus unterstützen, so lange er die Auswanderung der Juden begünstigt”, hat im Verein mit dem bei der polnischen Sozialdemokratie herrschenden Antisemitismus den Juden erst verständlich gemacht, dass sie in Polen helmatsberechtigt sind, und dass sie ihr Recht, in Polen zu leben, nur durch Betonung und Ausbildung ihrer Nationalitüt zu behalten vermögen. Dieses Ziel können die Juden aber wiederum nur durch soziale Besserstellung erreichen. M ir sehen vor uns das Bild eines nationalen Sozialismus, älmlieh dem, den um 1830 herum W. Suellmann in Finnland geschaffen hat. Wir begegnen jüdischen Arbeitern, die sich Zionisten nennen, und dies durch regelmässige Zahlungen an den Nationalfonds praktisch beweisen, dabei einer Sozialist!- sehen Organisation angehören und gar nicht daran denken, nach Palästina auszuwandern, sondern um ihr Recht In Pofen kämpfen.* **)'*) Es ist erstaunlich, mit welcher Schnelligkeit der Zionismus in Polen die geschilderte Entwicklung genommen *) .Abgesehen” vom Stil ist die ״Voss. Ztg.“ auch sonst vorzüglich informiert, wie man siebt. **) Hier fegt offenbar e׳'ne Verwechselung des jüdischnationalen, aber nicht zionistischen ..Arbeiterbundes für Russland. Litauen und Polen" (״Bund" genannt) mit den zionistischen Arbeiterorganisationen ..P 0 a 1 c Zion” vor. Da aber beide in heftigem Kampfe miteinander liegen, beweist dieser kleine Irrtum abermals die Zuverlässigkeit obiger ״Information", die durchweg auf schiefer und missverständlicher Auffassung der Dinge beruht. 4