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Jüdische Rundschau · 1904-12-02 · Heft 48 (2.12.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 48 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 420. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 48. ben des Zionismus sein und bleib«! muss, die stagnierenden Massen in Bewegung zu setzen, so ist es auch der hiesigen Gruppe nicht dringlich genug ans Herz zu legen, diese Bewegung durch tatkräftige Unterstützung zu fördern und es sich nicht nur an der Mitgliedschaft genügen zu lassen. Nach dem altrabbinischen Grundsätzen ״Nicht die Deutung ist die Hauptsacbe sondern die lat“, muss sich jeder Zionist bewusst sein, dass die heilige Aufgabe nicht nur durch Besuch der Vortrags- Versammlung, sondern durch ernste Betätigung ihrer Lösung näher gebracht wird. Hannover. Am 6. November fand hier, veranstaltet von der Zionistischen Ortsgruppe, ein Dichter-Abend statt, an welehern die Herren Börries Freiherr von Münchhausen und Heinrich York-Steiner eigene Dichtungen zum Vortrag brachten. Der Saal war leider infolge ungünstiger äusserer Umstände nicht sehr stark besetzt, aber den Erschienenen bot sich ein seltener Genuss. Aus beider Dichter Gesängen klingt als Grundton die Liebe zur Heimatschölle und zum Heimatstanmie; aber während der eine in kraftvoll trotzenden Klängen seinen Stolz und sein Glück verkündet, wie auf eigenem Boden so frei und mächtig sein Stamm wurzelt, klingt aus des anderen Dichtung die wehmütige Sehnsucht nach einem Plätzchen der Heimaterde. Der niedersächsische Junker hat nur starke Töne des erfüllten Glückes. Der jung-jüdische Dichter nur die sehnsuchtsvoll-klagenden Weisen träumender Hoifnung. Der Abend hinterliess bei den Erschienenen einen nachhaltigen Eindruck. Am 19. November eröffnetc die Ortsgruppe offiziell ihre Tätigkeit in einer sehr stark besuchten geschlossenen Gruppen- Versammlung, in der eine Anzahl wichtiger und praktischer Beschlüsse gefasst wurden. Der neuerwählte Gruppen Vorstand hat nach den gefassten Beschlüssen in diesem Winter hauptsächlich für eine Belebung des Interesses an jüdischen Fragen überhaupt, für die Vertiefung der zionistischen Idee bet den Mitgliedern, für Förderung des jüdischen Wissens und für die ernsthafte Diskutierung der wichtigsten Einzelfragen in der Gruppe. Sorge zu tragen. Erst in zweiter Linie kommen die ihm gestellten agitatorischen Aufgaben. t bL Duisburg. Am Montag, dem 28. November sprach in der Zionistischen Vereinigung Rabb. Dr. Nimirower - Jassy: Drei Jahrhunderte jüdischer Geschichte in Rumänien. Als vorzüglicher Kenner der dortigen Verhältnisse gab er uns eine gründliche Schilderung der Zustände unter den rumänischen Juden. Die zahlreich erschienenen Zuhörer folgten mit regem Interesse. Mehrere Beitrittserklärungen, sowie eine Nationalfondsammlung zeugen von dem Erfolg des Abends. — Duisburg. Mittwoch, den 7. Dezember findet von der hiesigen Zionistischen Vereinigung aus ein musikalisch-literarischer Chanukah-Vortragsabend statt, an dem das beste der modernen jüdischen Kunst zu Worte gelangen wird. Auswärtige Gäste und Gesinnungsgenossen sehr willkommen! — sprudelte die Quelle des Börneschen Geistes um so heitrer, da auch jene Strasse, die am Tage einen düstern Anblick gewährte, jetzt aufs fröhlichste illuminiert war und die Kinder IsraeN an jenem Abend, wie mir meine Cicerone erklärte, ihr lustiges Lampenfest feierten. Dieses ist einst gestiftet worden zum ewigen Andenken an den Sieg, den die Makkabäer über den König von Syrien so heldenmütig erfochten haben.' Glaubt man nicht, wenn man dies liest, Heine mit Börne in lebhafter Unterhaltung durch die illuminierte Judengasse schreiten zu sehen? Und doch ist dem nicht so gewesen, und die Erzählung Heines ist nur ein lustiges Fabelwerk, denn der Dichter, der nie zur Zeit des jüdischen Lichterfestes in Frankfurt war, konnte also die illuminierte Judengasse nicht aus eigner Anschauung schildern. Sein erster Besuch in Frankfurt erfolgte zur Messzeit 1815, sein letzter im Monat Mai des Jahres 1831. Zwischen beide fällt sein Aufenthalt in der letzten Novemberwochc des Jahres 1827 und bereits vom I. Dezember desselben Jahres liegen Briefe Heines aus München vor. das er bis zu seiner italicirschcn Reise im Sommer 1828 nicht mehr verlassen sollte. Heines Abreise von Frankfurt nach München ist also zweifellos vor dem 1. Dezember;erfolgt Jm Jahre 1827 wurde aber das jüdische Makkabäerfest, wäe man aus den noch vorhandenen Kalendern leicht ersehen kann, vom 14. bis zum 21. Dezember gefeiert, mithin zu einer Zeit in der Heine schon das Leben und Treiben in der bayc- rischen Hauptstadt studierte. Diese Tatsache liefert wiederum ,׳einen Beweis, wie irreführend es ist, aus Heines Schriften ^Schlüsse und Beurkundungen für sein Leben zu ziehen, und wie unkritisch alle die Verfahren, die auf jedes Wort des Dichters wie auf Orakel fahnden. Kroeben. Am Mittwoch, dem 16. November, waren, einer Einladung des Herrn Kantor J. Giass zufolge* die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde in der Amtswohnung des Kantors zusammengekommen. — Herr Kantor Giass wies in einem zirka einstündigem Referat auf den Zweck und das Ziel des Zionismus hin. — Es entspann sich hierauf eine lebhafte Diskussion, an der sich besonders der erste Vorsitzende der Gemeinde, Herr Solomon M. Zucker, und Herr Heinrich Joschkowitz, letzterer als Gegner, beteilgten. Herr Joschkowitz begründete seine Opposition mit dem mangelhaften Interesse des Zionismus an der Bekämpfung des stetig wachsenden Antisemitismus und mit einigen aus der orthodoxen Phraseologie geholten Argumenten. Er wurde aber von den Herren Zucker, Koplowitz und Giass trefflich widerlegt. Nach weiterer allgemeiner Diskussion beschlossen sämtliche Anwesende, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beizutreten. — Wir hoffen, dass die neugegründete Gruppe, dank den Bestrebungen des Herrn Kantor Giass, eine erspriessliehe Tätigkeit entwickeln wird. J. K. Regensburg, den 20. Kislcw 5665. Letzten Samstag Abend hatten wir wieder Gelegenheit einen Redner, in der Person des Herrn Dr. H. G. Hey mann aus München, bei uns begrüssen zu dürfen. In mehr als einstündigem Vortrage verbreitete sich derselben über den Nutzen, den der Zionismus in seiner Gegenwartsarbeit dem Judentum bringt; bemerkte, dass man nur Nationaljude und nichts andres sein dürfe, um dieser Arbeit gerecht zu werden und betonte insbesondere, dass die Achtung unserer christlichen Mitbürger den NationaljuJen sicherer ist. als dem sogen. Assimüanten. — Das Uganda- Projekt streifend, war Redner ganz entschieden vgegen dasselbe, denn nur nach Palästina müsse unser Streben gerichtet sein. — Viel eher wäre derselbe für die Besiedelung des Terrains an der zu bauenden Damaskus-Bahn, wegen der Nähe Palästinas und weil daher angrenzend an 30 jüdische Kolonien beständen. — Redner hofft auch. dass die demnächst i!1 Frankfurt a. M. stattfindende Versammlung von Vertretern der verschiedenen •für die Emigration in betracht kommenden jüdischen Gesellschaften, dem gedachten Projekte ihre bcso:1de re Aufmerksamkeit widmen werde. — Nach dem mit Beifall angenommenen Vortrag, entspann sich eine lebhafte von unserem ersten Vorstande ein geleitete Diskussion darüber, weil der Redner nach seiner — des Vorstandes — Ansicht, das religiöse Moment in dem Vertrage missen lasse. — Sowohl der Vortragende, als auch der Schriftführer unserer Vereinigung traten dieser falsch aufgefassten und irrigen Ansicht entgegen. Kopenhagen. Das A,-K.־Mitglied Dr. Louis Franke! hat eine Ag'.tationsrcise in Schweden und Norwegen unternommen, die grossen Erfolg hatte. In Gothenburg und Christianra wurden von ihm neue zionistische Vereine gegründet. Die Expedition der ,Jüdischen Rundschau“ gibt lolgende Werke ab: I. Bücher. Theodor Herzt 1 Altneufand 2 M. Theodor Herzt 1 Der Judenstaat. 5. Aufl. 1 M. Theodor Herzli Der Basler Koneress. 30 Pf. Adolf Friedemann 1 Reisebilder aus Palästina. Mit Illustrationen von Hermann Struck. 4.50 M. J. B. Sapiri Der Zionismus, Wesen und Geschichte der zionistischen Bewegung. 2 M. Theodor Ziocistii Vom Heimweg. 3 M. Stenoaraphische Protokolle der Zionistenkongresse. 85 Pf. Heinrich Loswe 1 Liederbuch für {üdlsche Vereine. 5. Aufl. 50 PI. H. Ycrk-Steineri Der Talmudbauer. 5.50 M. Emil Cohn 1 Amtsgerichtsrat David Markus Tendenzsatire in einem Akt 30 Pf., auf Velinpapier 50 Pf. A. Sandlert Anthropologie und Zionismus 85 Pf. Alfred Waldenburgs Das Isocephale blonde Rassenelement unter den Halligfriesen und jüdischenTaubstummen. 1.80M. Leo Pinskers Autoemanzipation. 2. Aufl. 70 Pf. Neu •Judäa« 2. Aufl. Neu herausg. von Heinrich Loewe. 60 PL, bei Abnahme von 10 Exemplaren h 50 Pf. J. L. Perczi Erzählungen. Autorisierte Uebersetzung und Vorwort von Mathias Acher-Wien. Geb. 5,25 M, broch. 4 4 4 *i m. Acftad Ha-amt Am Scheidewege. Autorisierte Ueber- Setzung, und Vorwort von Prof. Dr J. Friedländer- New-York. Geb. 6 M.׳ broch. 5 M.

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