Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651389--01857-2658734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No.־48•־. JÜDISCHE RUNDSCHAU ( noch fähig *Md, so wird man ermessen können, welche Aufgäbe sich ׳das Komitee gestellt hat und dass es deshalb wohl für immer in Permanenz bleiben wird. Zur Ausführung seines Vorhabens bedarf es allerdings grösserer Geldmittel, zu derer» Beschaffung das Komitee sich nicht allein an alle diejenigen wenden wird, deren Ahnen auf dem Friedhofe ihre letzte Ruhe- Stätte gefunden haben, sondern auch an alle Kreise, denen die Erhaltung unserer vatcrstädtischen Kunst- und Kulturdenkmäler am Herzen liegt. Die pietätvolle, ungeschmälerte Erhaltung des Friedhofes ist umso wertvoller für Frankfurt, da es sonst keinen in dieser Weise erhaltenen Friedhof aus alter Zeit mehr besitzt. Die Reste des Domkirchhofes liegen unter der Erde begraben, der alte Peterskirchhof ist vor kurzem durch die Durchlegung der elektrischen Strassenbahn und durch noch frühere Veränderungen für immer seines ursprünglichen Charakters entkleidet worden. Möge dem Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler auf dem alten israelitischen Friedhofe am Börneplatz ein erfolgreiches Wirken zu Ehren der Vaterstadt beschieden sein, möge es ihm gelingen, den Friedhof unversehrt kommenden Geschlechtern zu überliefern! —י—I Aus der Bewegung. ן— Die Schriftführer der verehrlichen Ortsverclne werden höflichst gebeten, über alle Versammlungen und Veranstaltungen der Ortsgruppe umgehend der Redaktion zu berichten. Dabei haben wir die d r i n ge n de Bitte, dass die Berichte so knapp und kurz als möglich ab gefasst werden und nur das unbedingt Notwend i g e enthalten. Berlin. Am 3. Dezember, abends 8W! Uhr, referiert Dr. Arthur Hantke in der Zionistischen Lesehalle, Friedrichstr. 58 II, über die Neuorganisation der zionistischen Partei. Berlin. Die diesjährige Makkabäerfeier der Berliner Zionistischen.Vereinigung findet Sonntag. II. Dezember, im Grossen Saal des Ausstellungsparks (Lehrter Bahnhof) statt. Wegen unserer Nationaltrauer veranstalten wir anstelle einer Ballfestlichkeit eine M u s i k a - Usch-Literarische Soiröe, unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Das Programm wird in der nächsten Nummer bekanntgegeben. siite 419. Berliner 'Zionistische Vereinigung, Bezirk Osten. Am Montag, dem 5. Dezember 1904, abends 8 Uhr, findet in Haberechts Festsälen, Gr. Frankfurterstr. 30, eine Versammlung statt, in wlcher Herr Dr. Albert Goldberg -Neuenahr sprechen wird. Thema:_Der Zionismus, die Lösung der Judenfrage. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Aufruf Wie alljährlich veranstaltet die ״Jüdisch-nationale Frauenvereinigung" auch hi diesem Jahre ein Chanuka-Kinderfest, waches am 11. Dezember in dkn Königssälen, Neue Königstrasse, stattfindet. Etwa 200 unbemittelte Kinder sollen mit Schokolade und Kuchen traktiert werden und sollen einige frohe Stunden bei Spiel und Tanz verbringen. Auch die Verteilung kleiner Geschenke ist beabsichtigt, wenn freundliche Geber, milde Herzen dazu beitragen, die vorhandenen GeÜdmittel zu vergrössern, um den Kleinen auch diese Freude bereiten zu können. Frau Lina Wagner-Tauber, Prenzlauer Allee 9, nimmt Spenden zu diesem Zwecke entgegen. A. Berlin. Der jüdische Turnverein ,.Bar - Kochba" veranstaltet am Sonnabend, dem 3 Dezember, abends 9 Uhr, in dem Kronprinzcn-Zelt, In den Zelten 1. eine Makkabäer - Feier nebst darauffolgendem Ball. Die Festrede hält Dr. Heinrich Loewe. Einlasskarten ä 1 Mark sind an der Abendkasse erhältlich. Berlin. Während der Chanukkahfeiertagc wird die Freie Verbindung ,.H a s m o n a e a“ am Mittwoch dem 7. Dezcmher, eine Makkabäericstkneipc veranstalten. Die Feier, zu der Gäste herzlich willkommen sind, findet in der Friedrichstr. 58. Restaurant ßaumann, statt. Beuchen 0. S In einer glänzenden Versammlung sprach am Sonnabend, dem 26. November, Dr. Sonderling über ..Judentum und K u n s t“. — An» Sonnabend, dem 25. d. Mts. fand hn Deutschen Hause die recht zahlreich besuchte diesjährige General-Versammlung statt. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Herr K o p 10 w i t z nebst einem Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr, erstattete der Kassierer, Oberkantor de Beer, den recht erfreulichen Kassenbericht. Von allen am Orte tätigen Vereinen bat die zionistische Ortsgruppe das lebhafteste Interesse wachgerufen und einen fortschreitenden Aufschwung zu verzeichnen gel abt. Nach der darauf vorgenommenen Vorstandswahl setzt sich nach Ausscheiden der Herren Dr. Dussel und Lesser der Vorstand nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Koplo - wltz, Lewandowski. de Beer, Löbinger und Salo Guttmann. Zum Schlüsse wurde noch das Hasmonäerfest in Anregung gebracht, zu dessen Ausführung sich nach Schluss der Sitzung sofort das Komitee bildete. Wenn es nach den Worten unseres unvergesslichen Führers das Hauptbestrc- Bank- und Finanzprojekte behandelt, ihre öffentliche Erörterung auf dem ersten Kongress überhaupt nicht zugelassen. Wir wollen aus Gründen der allgemeinen Nützlichkeit den Unternehmungsgeist ermutigen, aber nur solche Privatunternehmungen dem jüdischen Volke gegenüber beglaubigen, von denen wir mit einiger Sicherheit vermuten dürfen, dass sie die Volks- Sache fördern werden. Wir wissen ja, wie unsere Gegner darauf lauern, dass wir uns auf diesem Punkt eine Blosse geben werden. In der ersten Zeit unserer Bewegung, als man den Gedanken für undurchführbar hielt, schalten sie uns Narren. Je deutlicher die Durchführbarkeit erkannt wird, umso hitziger werden sie uns verdächtigen, dass wir Geschäftsleute seien. Die Männer, die an der Spitze der Bewegung stehen, haben nie ein Geschäft gemacht, sowie sie auch keine Berufspolitiker W’aren und sind. Gegen solche Verdächtigungen appellieren w׳ir an den Schutz unserer Pairs» der Künstler und Philosophen. Die müssen Im Inneren unserer Worte lesen können und die Bürgschaft für unsere Meinung übernehmen. Vom Schreibtische unserer Arbeitsstube sind wir aufgcstanden, als draussen der Judenlärm zu arg umrde. Wir mussten zu unserem Volke hlna'usgehen, weil es ln der Not ist und sich ohne Führung nicht helfen kann. Aber wenn wir, die das Gestalten unserer Träume und das Nachdenken über den Weltgang mehr als alles andere lieben, wenn wir gezwungen sind, in Versammlungen Immer dasselbe, immer dasselbe zu sagen, wenn wir die Wahrheiten, die uns am teuersten sind, in unserem eigenen Munde zu Gemeinplätzen werden fühlen — so steigt in uns die Sehnsucht nach jener stilleren Welt herauf. Nur haben wir jetzt die Pfiieht, weiterzugehen, bis ans Ende. Und wenn es uns gelingt, das Volk dahin zu bringen, wo wir es haben wollen, werden wir die schmutzige Phantasie unserer Gegner noch einmal beschämen. Was sollten wir dort für uns selbst wollen? Dort wird unser Volk über sich verfügen, wie es will und kann. Es wird ohne Zweifel auch dort Spekulanten und politicians geben, gewiss nicht weniger, hoffentlich nicht mehr als anderswo. Und wir selber haben nur den einen Wunsch: Dahin zurückzukehren, woher wir kamen, an den Schreibtisch. Allerlei. Heine und das Jüdische Lichterfest. Der ״Frkf. Zt." wird geschrieben: Am Abend des kommenden 2. Dezember beginnt das jüdische Lichterfest, das zur Erinnerung an den Sieg der Makkabäer acht Tage lang bei den strenggläubigen Juden derart gefeiert wird, dass von jedem am ersten Tage ein Licht und an Jedem folgenden Tage eins mehr angezündet wird. Vor etwa acht Jahrzehnten, als die meisten Frankfurter Juden dieses Fest noch feierten und ausserdem in der Judengasse und den angrenzenden Strassen nahe beieinanderwolinten, machten die vielen an die Fenster gestellten brennenden Kerzen in diesem Stadtteil einen recht heitern Eindruck. Heine, der in der letzten Novemberwoche des Jahres 1827 auf der Reise nach München. w0׳ er die Redaktion der Politischen Annalen übernehmen sollte, in Frankfurt weilte, erzählt in seinem Buche über Börne folgendes von dem Anblick der Judengasse bei diesem Feste: ״Als wir (Heine und Borne) denselben Abend wieder durch die Judengasse gingen und das Gespräch über die Insassen derselben wieder anknüpften, *