Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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i! No. _JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 417־. Dr. Kalmus (für Lübeck^ und M. Qoldschmidt (für Bremen). Anfragen und Sendungen innerhalb des Bezirks sind an den Vorsitzenden Dr. Kalmus, Ham־ bürg, Esplanade 23, zu richten. 3. Die Hamburger Zionisten treffen sich an jedem Donnerstag Abend, im Logenheim, Hartung- Strasse 9—11, an jedem Sonnabend Abend im Kaffee Ott, Jungfemstieg (Stammtisch mit b 1 a u - w e i s s e r Z i o n s f a h n e). 4. Herr Rechtsanwalt Gronemann hat am 28. November in Stetti^gesprochen und spricht am 5. Dezember in Nordhausen. 5. Der nächste Diskussionsabend der Verbindüng ״Hasmonüa“ findet am Sonnabend, dem 3. Dezember d. J., in der Lesehalle des Zentralbüros, Friedrichstrasse 58, statt. Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke wird über die Frage der Neuorganisation der zionistisehen Partei sprechen. Zur Aufklärung. Zu dem in No. 15־ der ״Jüdischen Rundschau“ erschienenen Artikel ״Wahrheit für Wahrheit“ von ״Veritas“, den ich erst spät zu Gesicht bekommen habe, will ich zunächst über die darin gehandhabte Methode Einiges bemerken. Diese Methode besteht darin, dass Herr Yeritas aus dem Zusammenhänge gerissene Sätze von mir anführt und daran mit den überleitenden Worten ״womit er sagen will“ die unsinnigste, gcradezu bei den Haaren herbeigezogene Missdeutung knüpft. Diese Methode besteht ferner darin, dass von Aeusserungcn wie ״Theodor HerzI war kein bedeutender Dichter im Wort und in der Knnstform. Er war ein grosser Dichter im Unbewussten des eigenen Lebens“ einfach die zweite Hälfte unterschlagen wird, wodurch beinahe das Gegenteil des von mir Gesagten herauskommt; dass Sätze, die nicht zu einander gehören, zusammengetan, und Sätze, die auf einander folgen, verstreut werden, bis endlich der von Herrn Veritas gewünschte Sinn erlangt ist. Aber ihren Höhepunkt erreicht diese ehrenhafte Methode dari . d •ss s•? ganze Perioden als aus meinem Aufsatze stammend in Anführungszeichen ״zitiert“ d 1 e ich nie geschrieben habe: man wird die Seite 3SI, 1. Spalte, 4. Absatz ״angeführten" ersten zwei Sätze vergeblich bei mir suchen, und auch dem Sinn nach sind sie eine Vcrzerrung und Entstellung meiner Ausführungen. Solcher literarischen Redlichkeit gegenüber bleibt mir nichts übrig als dio Leser der ״Rundschau" zu ersuchen, meinen Aufsatz zu vergleichen. Hingegen möchte ich mit Herrn Veritas selbst über einen anderen Punkt abrechnen. Das ist der von ihm beliebte persönliehe Ton, der noch tief unter seiner soeben charakterisierten Methode steht und gegen den ich mich auf das entschiedenste verwahre. Was in aller Weit berechtigt diesen Herrn dazu, an der Sachlichkeit me'ner Gesinnung zu zweifeln und meine prinzipielle Kritik wie heimtückische Angriffe zu erörtern? Sollte es in unserer Partei so weit gekommen sein, dass mau nach sieben Jahren schriftstellerischer und organisatorischer Arbeit in der Bewegung nicht eine von der vorherrschenden Ansicht abweichende Anschauung äussern darf, ohne der niedrigsten Beweggründe verdächtigt zu werden? Möge dieser Herr, der es w׳agt, den Ausdruck schmerzgeborener, schmerzveiler Ueberzeugung wie einen Ausfluss hämischer Gehässigkeit zu behandeln, öffentlich erklären, worauf er Behauptungen gründet wie die, ich suchte, anscheinend lobend, bis ins Zwerg- 1 hafte zu verkleinern. Möge er sagen, wodurch — in meinem 1 Leben, in meinen Schriften — er sich zu solcher Auffassung bc- : rcchtigt glaubt. 1 Zu der Sache selbst kann ich nur auf die etnle'tende Frage meines Aufsatzes hinweisen: ״welche Männer haben es verstanden, einerseits die uralte Idee Im Geiste der neugewonnenen Kulturwerte zu erneuern, anderseits Bewusstsein und Willen der Judenheft neu zu beleben und zu aktivieren?“ Für den ersten Teil dieser Frage habe ich den Vorgängern, für den zweiten Herz! die dominierende Steilung zuweisen zu müssen geglaubt. Ich habe nachgewiesen, dass die Entwicklung der Idee sich im wesentlichen vor Herzl vollzogen hat;* *) ich habe dargelegt, dass die Entwickelung der Bewegung Herzl das Wcsentliehe zu verdanken hat: Weg und Form. ״Es war das grosse Verdienst seines Buches“, sagte ich, ״dass es den Weg zeigte. Es war das grössere und nie genug zu würdigende Verdienst seiner Tätigkeit, dass er den Weg g i n g.“ Allerdings: auch die Irrtümer dieses Weges habe ich n:cht verschwiegen, nach meinem *) Es blieb Herrn Veritas Vorbehalten, die Männer, die eine erst später und von anderen in grösserem Massstabe realisierte Idee geschaffen und ausgestaltet haben, als Handlanger zu bezeichnen; so wären demnach z. B. Marx und Lasalle zu nennen. enthält wertvolle Verbesserungen. Die Anzahl der Auskünfte und Ratschläge ist vermehrt worden, die Adressen der Zeitschritten und Verleger, die sich für den Absatz des Schriftstellers als nicht empfehlenswert erwiesen haben, sind fortgelassen. Das Schema der schriftstellerischen Buchführung ist revidiert. Der Anhang bringt endlich einen längeren Artikei über Behandlung und Verwertung des Manuskripts. Preis geb. 140 Mk. Der Basler Kongress. Von Theodor Herzl. (Schluss).*) Es gibt allerdings eine grosse Anzahl aktueller politischer Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen, die aber mit einigem guten Willen überwunden werden können. Die Frage der heiligen Stätten allein ist schon ernst genug. Römische Meldungen. welche nach dem Baseier Kongress durch die Weltpresse gingen, besagten, dass Se.!Heiligkeit der Papst mit dem Gedanken umgehe, gegen den Zionismus Stellung zu nehmen.*) Der grosse Staatsmann, der jetzt auf Petri Stuhl sitzt, ist vielleicht über das Tatsächliche unserer Bewegung noch nicht genügend unterrichtet. Wann haben Zionisten auch nur entfernt daran gedacht oder davon gesprochen, jemals in den Besitz dieser vom Glauben der ganzen monotheistischen Menschheit geweihtes Orte zu gelangen? So wie das römische Recht den *) Siehe No 40 *) Diese Meldung ist seither von vatikanischer Seite offiziös In.Abrede gestellt worden. Begriff von Sachen, die extra commercium sind, aufstellte, so 1 meinen auch wir, dass diese Stätten für ewige Zeiten die Fähigkeit verloren haben, irgend einer irdischen Macht zu gehören, j Keinesfalls würde jemals der wahnwitzige Versuch ge- } macht werden, an dem jetzigen, das christliche Gefühl vielleicht I auch nicht völlig befriedigenden Zustande etwas zu ändern, wenn nicht die gesamte Christenheit oder doch die überwiegende Mehrheit dafür wäre. Ueberhaupt, und darin möchte ich das Verdienst des Baseler Kongresses suchen, hat die zionistische Bewegung nunmehr den Charakter der vollsten Oeffentlichkeit erhalten. Was wir י sagen und tun, steht untc! der Kontrolle und Diskussion der } öffentlichen Meinung. Wir scheuen das Tageslicht nicht, wir suchen es auf. Haben wir etwas Unrechtes vor, so werden Argusaugen es sehen und tausend Arme es verhindern. ln einem für uns nicht eben freundlichen Artikel einer preus- ׳ sischen Zeitung war vor kurzem der Gedanke ausgeführt, dass Jesus Christus gerade aus dem schwachen Volk der Juden aufstehen musste, weil seine übermenschliche Gestalt jedem anderen Volke, dem sie etwfa angehört hätte, zur Macht über die gesamte Menschheit verhelfen musste. Man könnte über diesen eigentümlichen Gedanken Tage und Tage nachsinnen. Aber es würde uns jetzt weit von unserem Gegenstände entführen. Nur darf man vielleicht einen anderen Gedanken daran knüpfen: Auch der Besitz der Stätten, wo er einst gewandelt, würde jeder anderen Nation als der jüdischen za einer so ausserordentliehen Steilung verheben, dass man nicht recht einsieht, wie die übrigen Nationen das femals zugeben sollten. ‘ Wie ist es nun aber, wenn trotz allem und allem, auch nach I der Zusicherung bedeutender Vorteile an die Türkei, mit der