Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch seine Anhänger sind den Uebcrfrommen ein Greuel, weil sie jeden bei seiner Fagon selig werden lassen wollen, und den Assimilatoren nicht minder, weil sie nicht auf die allmähliche Auflösung des Juden- Stammes eingeschworen sind. Beide Parteien fühlen instinktiv, dass der Zionismus bereits dabei ist, sie abzulösen und wenden alle Mittel an, um dieses Verhängnis, dem sie nicht entgehen können, so weit als möglich hinauszuschieben. Aber es ist bedeutsam, dass trotz der taktischen Fehler, die die junge Partei im Einzelnen natürlich begeht, nur die Alten und die Reichen nicht allmählich in das Lager der nationalen Partei kommen. Die Alten nicht, weil sie nicht mehr umlernen können, und die Reichen nicht, weil zu allen Zeiten die Reichen mit wenigen Ausnahmen nur national werden, wenn es ihrer Nation gut geht. Aber die ״Liberalen“, die gegen die Zionisten die Stimme bei den Wahlen abgeben und heute vielleicht noch einmal in die Gemeindevertretung einziehen, weil die Zionisten im Anschlüsse an eine Partei in den Wahlkampf gingen, die in das Gefolge und nicht in die Führung gehörte, sind exklusive Kreise, deren Geldmacht im Bunde mit der Untätigkeit ihrer konservativen Halbgegneer ihnen noch einmal zu einem Augenblickssiege verholten hat. Aber die Zylinderhüte bedecken bereits kahle Schädel, und der Liberalismus, der kein Liberalismus ist, so wenig der Hellenismus der Makkabäerzeit Hellenismus war, ist im Aussterben begriffen. Der Liberalismus ist trotz allem tot, und der! Zionismus tritt bereits sein Erbe an. No. 48. - i — 4 I 4 In die grosse Makkabäerzeit versetzen uns die Kämpfe der Gegenwart. Sie erinnern uns, dass wir der Väter gedenken sollen, die erst dann den Kampf mit den feindlichen Mächten draussen siegreich zu Ende führen konnten, als sie den Feind im eigenen Innern bezwungen hatten. Auf den Schlachtfeldern von Bethoron und Emmaus unterlagen nicht nur die Syrer, sondern am meisten und für alle Zeiten die hellenistischen Juden, ׳ die ihre eigene Ehre verkauft hatten, weil es ihnen gut ging und sie reich wurden im syrischen ״Golus“. Die Makkabäer vernichteten die Assimilationssucht, und in zwei Jahrtausenden vermochten diese nicht aufzuerstehen. Als sie im neunzehnten Jahrhundert sich noch einmal erhob, da zeugte die Reform, die das Judentum cinsargen wollte, jene Partei des Lebens, die da Zionismus heisst. Die Reform wollte das Judentum zersprengen und schuf in seinen lebenskräftigsten Söhnen jene nationale Begeisterung, die der Reform, die sich heute schon bescheidener Liberalismus nennt, das Grab gräbt. Wie der Hellenismus die Makkabäer ins Feld rief, so hat der neueste Angriff auf das Leben und die Existenz der jüdischen Nation den Zionismus, die heutige bewusst national-jüdische Partei geschaffen. So war und ist die Assimilation ein Teil von jener Kraft, die durch den Versuch der Zerstörung das Leben schafft. Und so wurde die Makkabäerfeier mit vollem Fug und Recht das Fest des Zionismus. Heinrich Sachse. Mitteilungen vom Zentralbüro _ der Zionistischen Vereinigung - für Deutschland. 1. Nachtrag zur Rednerliste. (Vergleiche No. 43 und 45 der ״Jüdischen Rundschau“.) 18. Herr A. S. Winter, Halberstadt, Seydlitzerstr. 14. Thema: Jung-jüdische Dichter mit Rezitationen. Zeit: Vorzugsweise Sonntags. Gegend: Provinz Sachsen, Hannover etc. 2. Das Zion istische Verbandsbüro de r! Hansestädte hat sich konstituiert. Mitglieder sind 1 die Herren: S. N. Margulies (für Hamburg), Kunst und Literatur. Am vorigen Sonntag fand hier ein nicht alltägliches Ereignis statt Ein zahlreiches, zum grössten Teil aus Nichtjuden zusammengesetztes Publikum wurde fiir mehrere Stunden durch Vermittelung der Szene in die russsich-jüdische Welt mit ihren Kämpfen und Leiden versetzt — wohl zum ersten Male m so anschaulicher Weise. Also geschehen durch das Drama von Tschlrikoff ״Die Juden“, das die ״Freie Volksbühne" zu acht Sonntagsvorstellungen für ihre Mitglieder erkoren hat. Die Zuhörer des vollbesetzten Metropoltheaters folgten den Vorgängen, die sich auf der Szene abspieiten. Ausschnitten aus dem osteuropäischen Judenleben, mit sichtlichem Interesse und dokumentierten Ihre Teilnahme an mehreren Stetten durch lebhalten Beifall. Es Ist gewiss anzuerkennen, dass die Freie Volksbühne den Versuch gemacht hat, ernste Momente aus dem jüdischen Volksleben — nicht, wie anderwärts üblich, spasshafte Ver- Zerrungen — einem deutschen Publikum näher zu bringen, dass ferner zur Erfüllung dieser Aufgabe hervorragende Künstler herangezogen wurden, die sich grosse Mühe gaben, in die Stimmungen einer ihnen unbekannten Weit einzudringen. AUrin wir können es nicht leugnen, dass die Unkenntnis des Maltas und der im Drama teilweise kopierten Wirklichkeit trotz der geschickten Regie doch zu verschiedenen Unechtheiten und Unwahrhaftigkeiten geführt hat. Ober sollte gar — was wir nicht annehmen wollen — hinter den Kulissen eine bestimmten Tendenz herumgespukt haben? Sollte vielleicht Voreingenommenheit gegen den Zionismus die Leiter der Volksbühne verleitet haben, diese von ihnen ihrem theoretisehen Gehalte nach sicherlich nicht gekannte Idee zum kr eisehenden Fanatismus stempeln zu wollen? Namentlich gilt diese Frage bezüglich des Spiels von Nachman, dem zionistischen Lehrer. Wo in aller Welt ist diese Art zu poltern und jämmcrlich zu klagen, ohne von Begeisterung getragen zu sein, für zionistische Agitatoren charakteristisch? a. L Die diesmalige Nummer des Schtemiel überragt an Ausstattung und Inhalt alle vorausgegangenen. Wir machen unsere Leser schon jetzt auf den hohen Genuss, den sie bei der Lektüre dieser Nummer haben werden, aufmerksam und werden in der nächsten Nummer ausführlicher auf den Schlemiel zu sprechen kommen. Schriftsteller bibliothek. No. 1. Auskunltsbuch für Schriftsteiler. Hrsg, von der Redaktion der ״Feder“. Zweite wes er. tl ich vermehrte und verbesserte Auflage. (3—5. Tausend.) Federverlag (Dr. Max Hirschieid. Berlin W., ßssholzstr. 5. Preis 1 Mark, gebunden 1,40 Mark. Die neue Auflage des Buches, das sich als ein recht praktisches Hilisnüttel für schriitsieöernde Anfänger erwiesen hat,