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Jüdische Rundschau · 1904-11-24 · Heft 47 (24.11.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 47 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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gpr. 2ssxs ■&&י* ר5:£ . . »? ' 46 ,סא. _ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 411, K*mpf entgegenetellen und unseren Protest hi der folgenden Resolution offen zum Ausdruck bringen.'.’ Während der Redner die Resolution verlas, war die Luft erfüllt von den Rufen: ״Hoch dfö Bialystoker Genossen!” •,Glieder mit der Polizei!■‘ ״Nieder mit dem Absolutismus!" und dqr ganze Boulevard war in einem Augenblick mit Karben bedeckt, die Auskunft über die Ursache der Kundgebung gaben. Darauf begab sich die Volksmenge auf die A!<exandr0\vskafa-Strasse* wo sie von den dort wartenden Arbeitern mit Hurrarufen empfangen wurden. Nachdem auch dort aufklärende Karten ausgestreut wurden und die Luft.von den Rufen: ,Nieder*mit dem Krieg, nieder mit den Zarenschergen!” erfüllt wurde, zerstreuten sich die Demonstrierenden. Die Polizei erschien zu spät und es wurde niemand‘verhaftet. In Kowno verlief zur selben Zeit die Demonstration in ähnlicher Weise. 250 Personen versammelten - sich m der Stadt und traten um 6 Uhr auf ein Signal hin nahe aneinander unter den Rufen: ״Nieder mit den Henkern! Nieder mit dem Absolutismus!״, aufklärende Karten wurden auch ausgestreut. Als die Kolizci erschien, hatten sich die Demonstranten bereits mit den Zuschauern vermengt und nur eine Arbeiterin wurde verhaftet. Am nächstfolgenden Sonnabend, am 22. Oktober, versammelten sich um 7 Uhr abends in Riga auf der Gospodskajastrassc gegen 400 Personen. Eine rote Fahne wurde hochgezogen. Flugblätter ausgestreut und unter revolutionären Rufen bewegten sich die Demonstranten bis zur Greschneja- Strasse, wo sie sich zerstreuten. Auch hier erschien die Pollzei zu spät. Minder glücklich verlief zur gleichen Zeit die Demonstration in B e r d i t s c h e w. Als hier die Demonstranten die rote Fahne hochzogen, begann die Polizei, die rechtzeitig von dem Plan der Arbeiter Kenntnis hatte, auf die Demonstranten zu schiessen, welche die Schüsse ihrerseits erwiderten. Bald sahen die Arbeiter sich genötigt, sich unter Zurücklassung der Fahne zurückzuziehen. Einer von den Demonstranten wurde verwundet und einige, zum Teil unbeteiligte Personen wurden verhaftet. In Hornel wurden in vier geheimen Versammlungen an denen insgesamt zirka 500 Personen beteiligt waren. Protestresolutionen gegen die Bialystoker Polizeitat angenommen. In Odessa beschloss das jüdische Komitee durch einen Streik zu protestieren. Am .19. Oktober erschienen zirka 2C0 jüdichc Arbeiter nicht zur Arbeit — die Stteikbcteilisrung war nicht so gross, wie man erwarten konnte, weil die Flug- Matter, die dazu aufforderten, zu spät verbreitet wurden. Natürlich schaden diese Demonstrationen nur den Juden. Ausschreitungen russischer Reservisten ־werden schon wieder ans Wüna gemeldet. Mehrere einer ans Dilnabarg eingetroffenen, 600 Mann starken, nach Snwatki bestimmten Abteilung angehörige Reservisten drangen am Mittwoch in das Geschäftslokal eines Juden ein und nahmen von dort Lehensmittel mit, ohne zu. zahlen. Am Bahnhofe versuchten sie die Ruhe zn stören. Wir fügen zur Illustration hoch folgendes über die Ausschreitungen von Reservisten In Mstlslaw, Gouvcrnement Mohilcw hinzu: Am 26. Oktober wurden von einem zügellosen und vertierten Haufen 22 Läden ansgeraubt und zertrümmert. Im Verlaufe von drei Tagen hatten sich in der Stadt an 2000 Reservisten angesammelt und mit Ihnen eine Menge von Begleitern und allerlei anderen Leuten. Der Haufe hemmte jeden Verkehr, Indem er sich ziellos auf den Strassen umftertrfeb, da die Militärkanzlei mit der Ordnung der Papiere nicht fertig wurde. . Am 24. Oktober schon machten sich Anzeichen bemerkbar,. welche den Ausbruch einer Kata- Strophe befürchten Hessen. Am Morgen umringte ein mächtiger Haufe die auf Befehl der Behörden geschlossene Monopoibtidc im Zentrum der Stadt.' Man verlangte nach Schnaps und als dieser verweigert wurde, drohte ’ man die Bude zu zerstören. Die Polizei überredete den Haufen, eine Stunde zu warten, bis vom Gouvemementschef die nötig«! Instruktionen gehoflt seien. Endlich, um 2 Uhr. wurden die Schnaps-!«!den geöffnet. Am anderen Tage wurden die Buden wiederum auf Verlangen der Menge geöffnet. Die sich anheiternde Menge begann stark auszuschreiten, Am Morgen verhielt sich die Menge noch ruhig, doch gegen Mittag schon begann sic in den Läden ״Einkäufe'’ zu machen ohne zu zahlen und gegen Abend versuchte sie auch schon. Schlösser zu erbrechen. In der Menge traten allerlei Aufwiegler auf, die das Volk zu Unruhen aufreizten; doch gab es an diesem Tage keine Unruhen. Am Tage der Katastrophe, um 6 Uhr morgens, umringte die Menge wieder eine Schnapsbude und von diesem Moment an bis tief in die Nacht hinein wurden den Ausschänkern die Flaschen buchstäblich aus den Händen gerissen. Unterdessen warf sich «ein Hanfe, wohl mit Schnaps versorgt, auf die Buden der Juden und begann hier sein Unwesen zu treiben. Allerhand Instrumente wurden in Tätigkeit gesetzt, die Schlösser wurden zertrümmert, die Riegel erbrochen. Johlend zog der Haufe von Bude zu Budev mit heulendem Hurra die Zerstörung des Eigentums und der Waren begleitend. Ein Haufe der Einbrecher zerstreute sich in die Wobnungen und forderte dort Geld. Das Toben dauerte bis tief in die Nacht hinein; unter dem Schutze der Finsternis wurde das geraubte Gut m Wagen fortgeschafft. ׳ * Und trotz alledem gelingt es dieser JLjebe” nicht, dem Judentum den Garaus zu machen. Sie wandern und wundern, aber sic hoffen zugleich auf eine nationale Zukunft im Lande der Stammes tütnüchen Vergangenheit. In diesem Sinne begrüssen wir es, dass in dem Lande, wo eigentlich schon jeder Jude ein Zionist ist, im Kapland ein jüdischer Lordmajor gewählt wurde. Zum ersten Male ist in Kapstadt ein Jude zufn Lordmajor gewählt worden. Es ist ein reicher und angesehener Kaufmann namens Mr. H. Libernian. Ihm zu Ehren wurde von der Stadtbcvölkerung ein feierliches Bankett veranstaltet. Wichtiger freilich ist es, w’cnn es sich bewuhrheiten ■ sollte, dass zur Ansied'ung jüdischer Einwanderer von der Ica in Wisconsin grosse Landstrecken gekauft worden sind. Es wird ja doch die Zelt kommen, wo das Testament Baron Hirsdis nicht mehr zu r.mgehen ist und wo das Jüdische Volk in der Lage sein wird, die ״liberalen” Ica’.cutc zu zwingen, dem Volke seinen Willen zn tun. A“cm Liberalismus zum Trotz will das Jüdische Volk leben! Aus einer Wahlversammlung. Berlin. Die vom Zentralvercin ,f. d. J. d. J. G. auf Dienstag Abend in die Viktoriabrauerei einberufene Ver- Sammlung jüdischer Genie!ndewuhler war ein mächtiger Erfolg für die Liste der vereinigten konservativen und 7.;on;stisehen Parteien. Im Laufe der Debatte ereignete sich em sehr unerfreulicher Zwischenfall. Als Dr. H. L o e w e den von jüdischen Zeitungen seinerzeit mitgeteilten, unwidersprochen gebliebenen Eingriff des Herrn Bcnas- Lewy in die persönliche Freiheit seiner Angestellten gelegentlich erwähnte, rief ein Herr Harnstein dazwischen: ״Das ist eine Lüge!" Er hielt in der Debatte seine Behauptung aufrecht und wurde hierbei von dem anwesenden Vertreter der Lilieralen gedeckt, aber von Herrn Graupe und D r. Loewc seine Behauptung als das zurückgewiesen, was sie war. Nach Schluss der Versammlung erklärte derselbe Herr Harnstein vor Zeugen, dass, als er sich vor drei Jahren zum Eintritt in den Verein Bar^Kochba melden wollte, ihm sein Chef. Herr Benas Lewy gesagt habe: ״Sie werden doch nicht dem zionistischen Turnverein beitreten. Ich warne Sie davor!" Wir sind durch diese nachträglichen Zugeständnisse des tiberalen ״Lügerufers" überhoben, weitere Zeugen zu nennen. Literaturbericht. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion »»» tugesandt werden, finden eingehende Besprechung. Chassidismus und Kabbaläh. Dr. Erich Bischoif: Die Kabbalah. Einführung in die jüdische Mystik und Geheimwissenschaft. Mit 25 Abb. Leipzig. Th. Griebens Verlag (L. FernauL 1903. (VII, 126 s!) 8*. Preis 2 Mark. Albert Katz: Der Chassidismus. Berlin: M. Poppdauer 1904. (84 S.) 8*. Saloraon Schechter: Die Chassidim. Eine Studie Ober

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