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Jüdische Rundschau · 1904-11-24 · Heft 47 (24.11.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 47 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 46. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Sette 409:• ter Immer wieder aus, de seien aus Russland weggegangen, well sie das dortige Regiment hassten, und weil sie keine Lust hätten, sich für dasselbe von den Japanern erschiessen * zu lassen. Organisation der jüdischen Auswanderung. Den deutschen Juden und ihren jüdischen Anhängseln in andern westlichen Ländern bleibt nichts anderes übrig, als für die Abwanderung der östlichen Brüder zu sorgen, wenn man sie auch nicht nach einem unmassgeblichen Vorschläge gerade in ein Land der schwersten sozialen Kämpfe, nach Italien schicken kann. Anfang Dezember findet in Frankfurt a. M. eine Konferenz der bedeutendsten Jüdischen Korporationen der Welt statt. Es werden unter anderen die Bnci Brith-Logen, der Hilfsvercin deutscher Juden, die Alliance Israclitc Universelle, die Zionisten und die Jcwish Colonisation Association vertreten sein.! Der Zweck der Konferenz ist die Gründung eines internatio* nalen Zentralkomitees für die jüdische Auswanderung aus dem östlichen Europa. Der Hilfsvercin der deutschen Juden versendet dazu!־}«׳ gende Tagesordnung: A. Aufgaben. De Aufgaben, die zu losen wären, sind die folgenden: 1. Es müssen die Ans wände rer aus dem östlichen Europa schon in ihren Heimatländern n! er die Vorbedingungen euer zweckentsprechenden Auswanderung aufgeklärt werden. Sie sind über die besten Reisewege zu informieren. Es muss angestrebt werden, zugunsten der Auswanderer möglichst gute Bed tiglingen für die Eiset!!־ahn- und Sch'ffs־ transporte ztt erlangen. Die Auswanderer müssen auf der Reise vor Bedrückung und Uebcrvortcihmg geschützt werden. Sie müssen im Lande ihrer Bestimmung, soweit möglich, dezentralisiert und seltne!! durch der. Nachweis von Arhe'tsgeiegenheit zur Selbständ gkcit herangebildct werden. 2. Es ist 11 i c 111 durch Gewährung barer Zuschüsse die Auswanderung z.u erleichtern und zu ermuntern. B. Organisation zur Lösung obiger Aufgaben. Zur Lösung obiger Aufgaben sind zu b ldcn: 1. Landes Organisationen: ihnen liegt es ob. im östlichen Europa die Auswanderer über die Vorbedingungen; einer zweckentsprechenden Auswanderung sowie über die j besten Reisewege aufzuklären und den Transport der Aus- Wanderer alsdann bs zur Landesgrenze zu überwachen. Die Aufgabe der Ucberwachung nebst der Vorsorge für möglichst billigen Transport liegt allen Landeskomitees der Durchgangs! an de r ob. Die Aufgabe, für die Ausgewanderten möglichst schnell Arbeitsgclcgcnhe't zu schaffen, fällt den LaudesorganisaLonen 1 jener Länder zu. die das Reisez cl der Ausw anderer sind. j Die Landcsorgaiiisationcn. denen es vielfach obliegen wird.; mit der Regierung und den Behörden ihres Landes zu ver- < handeln, müssen sich e ite derartige Form geben, wie s'e den! Verhältnissen des einzelnen Landes am besten entspricht und 1 zur Erreichung der vorgesteckten Ziele am zweckdien־ lichsten ist. Um das Zusammenarbeiten der einzelnen selbständigen Landesorgan sationen zu verbürgen, ist 2. ein I n t c r n a t i 0 » a l e s K o m i t e e zu bilden, dessen Aufgabe es wäre, a) in Fällen wo die Landcsorganisationen versaget», ein zugreifen. b) in Fällen, wo die Grösse der Auswanderung ganz bcsondere Massnahmen erfordert, d e gegebene Vorsorge zu treffen. Das Internationale Komitee wäre zu!י Iden aus je einem Delegierten der grossen, auf der Konferenz vertretenen jüd־:׳ sehen Wohlfahrts'nstitutionen und aus solchen Einzelpersonen, die für die Sache nützlich sein können. Dieses ..Internat1«־ nale Komitee fiir de jüdische Auswanderung aus dem östliehen Europa*‘ gibt sicit eine Geschäftsordnung seihst. Endlich wäre 3. ein ״Internat onales Zcntralhureau fiir d:e jüdische Aus- Wanderung aus dem Östlichen Europa" zu bilden. Diesem Bureau lüge es ob. alle auf die Auswanderung bezüglichen wertvollen Informat'onen zu sammeln: Eisenbahntarife Schifffahrtstarife. die Nachrichten über die Lage des ArbeUsmarktes in den Auswanderuiigsliiiidern. Nachrichten über die Vorbildung der Auswanderer in ihren Heimatländern usw. usw., um alsdann durch eine zweckentsprechende Verwertung und einen zweckentsprechenden Austausch dieser'Nachrichten den Aus- Wanderern für ihr Fortkommen möglichste Erleichterung und den Landcskomitccs fiir ihre Massnahmen die nötigen Unterlagen zu schaffen. Dieses Bureau müsste seinen, Sitz in mögliehst zentraler Lage haben.. zwischen den Herkunftsländern der Auswanderer und den Ländern, in d e sich begeben. Resolutionen: ’ ' v Es wird beantragt: Die Versammlung beschliesst gemäss obigen Thesen. 1. dass die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die Osteuropa sehe Auswanderung von Land zu Land überwacht werde, 2. dass ein ,.Internationales Komitee für die jüd sehe Aus- Wanderung aus dem östlichen Europa", sowie 3. dass ״ein Internat-onales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa" gebildet werde. Judenelend in Oesterreich. Aber nicht bioss Russland wirft seine Juden in ungezählten Scharen auf den Internationalen Auswanderiingsmarkt. Das apostolische Oesterreich zw ingt seine gaiizischen Juden, die ohnehin in Armut und geistiger Dumpfheit verkommen, zu nichts anderem. Das ist die Bedeutung der antisemitischen Exzesse in Uhnow. Kürzlich hatte der Kassationshof unter Vorsitz des Senatspräsidcnten Uhle jenen vom Landesgericht Lemberg durchgcführten Monsterprozess wegen der pntisemitischen Exzesse in Uhnow zu überprüfen, der gegen 103 Angeklagte stattfand, neunzehn Tage in Anspruch nahm und nicht in Lemberg, sondern an Ort und Stelle in Uhnow verhandelt wurde, weil aus dieser Bezirksstadt und Umgebung 357 Zeugen geführt wurden. Von den Angeklagten wurden 52 freige- Sprüchen, 51 jedoch wegen öffentlicher Gewalttätigkeit, Körpcrverletzuug, Aufreizung. Verbreitung beunruhigender Gerächte etc. zu Strafen bis zu fünf •Monaten schweren Kerkers verurteilt. Von diesen nahmen 27 die Strafen an. während 24 d:e Nichtigkeitsbeschwerde ergriffen. Wie erinnerlich, wurde von den Rädelsführern der Exzesse aus Anlass eines Feuers, da angeblich von einem jüdischen Einwohner gelegt seht sollte, die Parole ausgegeben, über die Juden hcrzttfaüen. Die Rädelsführer stellten sich an die Spitze der einzelnen, mit Hacken, Sensen, Stöcken und Steinen bewaffneten Volkshaufen, die durch herbeiströrnende Personen aus den Nachbargememden verstärkt wurden. Die Menge warf in die Fenster der indischen Bewohner Steine, drang ein. zertrümmerte Möbel und Warenvorräte und brachte den Inwohnern Verletzungen hei. Das Urteil zollt dem Takt der Gendarmen, die der erbitterten Menge gegenüberstanden. sowie dem vermittelnden und beruhigenden Einschreiten der Intelligenz der Stadt hesondere Anerkennung, da es sonst zu furchtbaren Greueltaten gekommen wäre. Auch habe die jüdische Bevölkerung die Klugheit gehabt, einerseits gar nicht zu reagieren, sondern sich in den Wohnungen cinzuschiiessen. andrerseits aber von innen selbst ihre Fenster zu zer-trümmern. damit die Vorübergehenden meinten, es hätten hier schon Vorgänger gehaust. Auch konstatiert das Urteil, dass seither im Orte wieder Friede und Eintracht herrscht, dass der gegen die Juden wahrschein’ich von emzelnen böswillig erfundene Verdacht der Brandlegung sich als unbegründet erw׳ies und die Bevölkerung dies einschc. Nach kurzer Beratung erkannte der Kassationshof auf Verwerfung der Nichtigkeitsbeschwerde. So geht es den jüdischen Gemeinden, und wie man mit dem einzelnen Juden veTfähTt. das zeigt eine dramatische Szene, die sich bei der Beerdigung eines jüdischen Soldaten In Czernowitz abspielte. Der stud. jur. Heinrich Teltelbäum, Einfnhrig-Prciwilh'ger bei einem gaiizischen Infanterie-Regiment, war beim Exerz:eren unerhört schikaniert und in beleidigendster Weise behandelt w׳orden. Man hatte den• jungen, etwas schwächlichen Menschen, dem cs nicht gelang in voller feldmarschmässiger Ausrüstung über einen zieml'ch breiten Graben zu setzen, stundenlang immer wieder gczwtin־ gen, den Graben zu nehmen, ohne dass er es fertiggebracht hätte. H«*n!berzu*׳ommen. und ihn da hei mit ehrverletzenden, seine jüdische Abstammung verspottenden Ausdrücken ge-

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