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Jüdische Rundschau · 1904-11-24 · Heft 47 (24.11.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 47 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 408. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 46. bot «>!cber Verbindungen Störungen des konfessionellen Frledens nach sich ziehen könnten. An der Berliner Universität Ist die grösste konfessionelle Verbindung der antisemitische ״Verein Deutscher Studenten”. Die Antwort des akademischen Senats Ist ebenso Interessant wie die bisherige Redefreiheit des für seine Handlungen nicht verantwortlichen Orafen Pflckler. In einer antisemitischen Protestversamrrtlung gegen das an Pflckler ergangene Redeverbot behauptete der Referent dieser Versammlung. Welssenborn, der Gerichtshof, der seine Ansicht dahin kundgab, dass er, de« Grafen fflr unzurechnungsfähig halte, habe aus Juden bestanden. Graf Pflckler werde man aber nichts anhaben können, weil er einflussreiche Verwandte am Hofe habe. Ihren Abschluss fand die Versammlung ln einer Schlägerei In der Friedrichstrasse, bei der ein Ifldischer Passant so verletzt wurde, dass er die Unfaüstat i o n aufsuchen musste. Die Personalien der Hxzedenten sind poiizeil'ch festgestelit worden. Dabei muss man sich darüber gewiss sein, dass die deutsche Regelung sieb ihrer Juden nicht immer mit derselben Fnergie ann'mmt. wie das etw'a seitens der Vereinigten Staaten geschieht. Jüdische ffa!1diun<׳«re^ende 1*י Russland. Wiederholt ist im Reichstage der Versuch gemacht wf0rden. unsere Regierung 7,u veranlassen, hei Russland wegen Ansehung־ der beh"sti־״cudu״ Rcst^on’i'rgon \7 ז.׳חן<-.)$־׳0״!! werde״, denen Handiungsrelscndc indischen Ulanb e ח s in Russland unterworfen s'rd. Man hat diesen Vorsuch auch zu unterstützen gesucht mit dem IPnweisc dass Afrika und Fngiand ihre Staatsangehörigen indischen Glauhc״s schon, längst aus d'of/'r b0Ie׳־ :,׳׳*•ndnti ■\u«״ווןוזי*«‘;»^••«ויי־יי zu befreien gewusst haben, was Jedoch von dem Vertreter der deutschen Regierung auf das bestimmteste bestritten wurde. Unter diesen Umständen musste die Meldung, dass es der Unionregierung Jetzt gelungen sei. für amerikanische Faocflungsreisende jüdischen Glaubens erhebheh.e, Zugeständulssc von der russischen Regierung zu erwirken, besonderes Interesse in Ansnnich nehmen. Wir hören Jedoch, dass auch dies״ Meldung den Tatsachen weit vorauseüt. Feststeht nur. d^s d?e russische Regierung auf Vorstellungen der amerikartlscf׳on Rceiernng die Zusicherung erteilt hat. dass der Kornndssion. die zur Erörterung der Passfrage und der Verhältriese der russischen Juden überhaupt zusammcntrelen soll, -׳ttij die Wftpscho der Un!0״sro<r1ontM׳* rur K’f'nt'f••1« werden sonen. Ob die Kommission sie zur Berücksichtigung empfehlen wird und ob s<e dann auch werden herückslcht:et werden, steht noch dahin: vorläufig ist die Kommission noch nicht einmal zusammengetreten. Allerdings befindet sich Rnssond augenblicklich In einer l äge, wo cs allen Anlass h^t. mit gehörigem Nachdruck vnreetragenc Mansche anderer Rcg’crungen nicht einfach ahzulchncn. Gelingt cs Amerika, seine Forderungen durchzusetzen, so darf nach den bestimmten Erklärungen, die Prhr. v. Richthofen fm Reichstage abgegeben bat erwartet w׳erdon, dass auch Deutschland für seine Handlungsreisenden indischen Glaubens dieselben Vergflnstigungen durchsetzt. Die Angelegenheit Ist hier nie aus dem Auge verloren worden. Jüdische F’nwanderune. Das Hauptinteresse der indischen Gesamtheit ist äugenbiieklich durch die Notwendigkeit geleitet, fflr die Aus- und *Nvandcrunc׳ der Juden ans dem ..Kulturträger des chris*1l:c*vn P*׳ropa hn fernen Osten״ Soren 7n tragen. D;e russischen Juden srnd in einer so entsetzlichen hilflosen Lage, dass das Blatt, das die Interessen der Züchter der grössten Kartoffeln berufsand beraufsmässig vertritt, es fflr eine Heldentat ansicht, Ihm in feder Nummer lene Tritte zu versetzen, die nach Aesop dem toten Löwen zuteil1 werden. In dem Hass gegen die Jaden hn allgemeinen, gegen die einwandernden Juden im besonderen, Ist die protestantische Deutsche Tageszeitung mit den katholischen Christlich-Sozialen eines Herzens and einer Seele. Bei beiden ist der Judenhass der Ausfluss ihrer ״Liebe״. . In München beschäftigte sich eine Versammlung, die von der christlich-sozialen Vereinigung München nach den Zentralsälen einberufen war, mit der Lueger-Feier in fA'fen und ihrer Bedeutung fflr München und im weiteren mit der Ablehnung des Antrages Herrmann, betr. die Beschränkung der Judeneinwanderung. Die Versammlung war stark besucht. Das Referat Aber den ersten Punkt der Tagesordnung erstattete Rechtsanwalt Hager, der in längerer Rede ein Lebensbild des Wiener Oberbürgermeisters entwarf und vom Christlich-sozialen Standpunkt aus die Bedeutung Dr. Luegers als Burger, als Stadtoberhaupt und a^s politischer Agitator beleuchtete. Der antisemitische Redakteur Wcnng sprach dann über die Ablehnung des Antrages Herrmann, w׳obei er Jedoch auch zu euer Kritik des Stadtregiments flberhaupt und selbst der Reichspolitik gelangte. Von einer Begeisterung, insbesondere fflr die Marine, sei in Bayern Jedenfalls nicht so viel zu spüren, wie es Bürgermeister v. Borscht in Kiel habe glauben machen w01׳!en. Zum Antrag Herrmann und dessen Ablehnung übergehend, trat der Redner mit besonderer Schärfe den Ausführungen der Gemcindchevolimfichtigten Schön und Gutmann gegenüber, die mit Rücksicht auf den konfessionellen Frieden sich gegen den Antrag Herrmann ausgesprochen haben. Fine konfess:onellc Hetze spreche beim Anträge Hcrrnian gar nicht mit. eine solche werde von ganz, anderer Seite getrieben, von denen, die der »verkrachten liberalen Partei" auf dk? Beine helfen w01׳!ten. Die Schluss- Sätze des R *dners. in denen er das Fndc des ״veriudeten Stadtregbncnts” in W1ss;cht stellte, wurden von der Ver- Sammlung mit tosendem Beifall enteegengenommen. Tn der Diskussion sprachen sich Gcmcindcbcvollmächtigter Herrmann, der sich als Anhänger der Zer.tnunspnriel zugleich als Mitglied des antisemitischen Vereins bekannte. זייזיו fTr>r Vorstand de« «’•t Obst- und Oe->,Pscbä>,d!,*r Nhvchl. be'*de zum Teil ln noch stärkerer Tonart, im Sinne Wenng.s aus, worauf ohne weiteren Zwischenfall die Versa mm- Inng mH einem Hoch auf die Volksrnteresscn gegen MItternacht geschlossen wurde. Nicht minder richtet sich der englische Handwerkerstand gegen d!c einu׳ar,dernden Konkurrenten, freilich immer In den Formen, die einem Kulturvolk angemessen s'nd. Die eng-!!sehen Zeitungen beschweren sich darüber, dass In der letzten Zeit die Einwanderung von armen Leuten aus Russland so stark /!!genommen habe, und zwar w׳ird behauptet, dass es sich in erster Lime nm Junge Leute handele, die in Russfand dienstpflichtig geworden sind, oder in kurzer Zeit eingezogen w'erdcn würden, und die sich dem Kriegsdienst entziehen wollen. Tatsächlxh hatten vier Auswandererdampfer, die in gewöhnlichen Zeiten nicht mehr als durchschnittlich 150 russische Auswanderer hierher zu bringen pflegen, in den letzten Wochen fc zwischen 350 und400 Auswanderer an Bord sodass also kein Zw׳c!fel darüber bestehen kann, dass es sich gegenwärtig wirklich um eine ganz bedeutende Zunahme liandeit. Das Ganze wird von Agenten besorgt, die die Leute in Libau auf die Scbi״e oaden u11•!>״ WHHechanet landen, wo sie so?lange beaufsichtigt w׳erden, bis sie ״auf den Arbeitsmarkt gebracht״ werden können. Auch die soeben von dem Board of Trade veröüY-'thchtcu Zahlen über d:c Finwandemng von Fremden während des letzten Monats beweisen, dass tatsächhch eine gewaltige Zunahme vorhanden ist. Während der ersten zehn Monate des Jahres zeigten die Einwandererstatistiken ein Nachlassen am etwa 20 000, aber die Zahlen für den Oktober allein weisen eine Zunahme um 6000 auf. F:ne Menec ״Russen" «•1 >״'־ M7fh!n vor d!> Po!i7׳*׳richter gebracht worden, teils wegen Betteins, teils wegse« Verkaufens von allerhand Waren in den Strassen ohne eine besondere Erlaubnis. Auf Befragen sagen die Leute vor dem Rieh-

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