Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1904)
- Date
- 1904-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 46. Sette 406. —I Aus der Bewegung. —-ן ״ Berlhi. Die diesjährige MakkabSerfeter der Berliner Zlonis tischen Vereinigung findet Sonntag., 11. Dezember, ihn Orossen Saal des AnssteUnngsparlds (Lehrter Bahnhcf) statt. Wegen unserer Natlonaltrauer veranstalten vir anstelle einer BaÜfestlichkeit eine Muslkallsch-Llterartsche Soirde, onter Mitwirkung hervorragender Künstler. Das Programm wird in der nächsten Nummer bekanntgegeben. Berlin. Am Sonnabend, dem 26. d. M. findet in der zionistischen Lesehalle (Baumanns Restaurant) der vierte der von der Freien Verbindung Hasmonäa geleiteten öffentlichen Diskussions-Abende statt; stud. Jur. Cohn spricht über ״Nationalgefühl.“ Gäste, Damen und Herren, willkommen. Beginn 9 Uhr. A־d. Berlin, den 19. November 1904. Die ״J ü d i s c hnationale Frauenverelnigung“ hielt am 17. Nov. in Dräsels Festsälen eine öffentliche Versammlung ab, für welche Frau Lina Wagner-Tauber das Thema: ״Die Jüdin in der Frauenbewegung und der Zionismus“ gewählt hatte. Die Vortragende sprach von der bevorzugten Stellung der Frau bei den Juden im Gegensatz zu der entwürdigenden Stellung bei den Römern und alten Germanen. Schon die Bibel lehre, dass die Frau die Ergänzung des Mannes sei. und die Frau der Neuzeit habe das Recht, sich ihr Schicksal selbst zu gestalten; daher verlange sie auch die Rechte des Mannes. Rednerin geisselte sodann scharf das Vorgehen des iriternationalen Frauenkongresses, soweit auf ihm Jüdinnen, obgleich sie mit ihrem ganzen Sein und Können für die Bestrebungen der Frauenbewegung eingetreten wären, gänzlich in den Hintergrund gedrängt. Ja noch mehr, einfach übersehen wurden. Umso unbegreiflicher wäre es daher, dass die jüdische Frau ihre Kraft ur.J Arbeit nicht dem widmete, was das natürlichste und schönste wäre: ihren Brüdern und Schwestern — dem Judentum! Aus der grossen Vergangenheit unseres Volkes solle die Jüdische Frau die Kraft für die hohen Pflichten der Gegenwart und Zukunft schöpfen. Und wie hoch steht der Zionismus, welcher der Frau die Fähigkeit zuerkennt, mit dem Mar.r.e Schulter an Schulter für die gleichen Bestrebungen zu kämpfen, der sie als gleichberechtigt betrachtet und behandelt, und der also auch in dieser Beziehung den Fortschritt bedeutet! — Stolz können wir auf diesen Abend zurückblicken, welcher einen der schönsten Erfolge in dem Streben der ..Jüdischnationalen Frauenvcreirtigung“ darstellt. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten die zahlreichen Anwesenden den das uns aus der biblisclien Geschichte unter dem Namen Kischon bekannt ist als der Ort, wo der Prophet Elijjahi! die Baalspfaffen schlachtete. Die Orangen- und Palmengärten, die bisher am Fusse des Oebirges uns begleite- * ten, yerlassen uns hier, und indem wir nach Norden umbiegen, haben wir links das Wasser, das die Räder unserer Wagen beleckt und bespült, während sich rechtshin eine mit Binsen und Strauchwerk bedeckte Ebene hinzieht. Nach zwei Stunden, etwa 1% Kilometer von *Akka, passieren wir von neuem die Mündung eines Flusses, durch die eine Furt hindurchführt. Sobald die Wagen auf dem Trockenen sind, naht ein türkischer Zoflpächter und nimmt ie zwei Piaster Brückengeld in Empfang. Der Fluss führt heute den Namen Nähr- Na*amaln, d. h. der Fluss der zwiefachen Annehmlichkelt, offenbar weil man durch das Wasser fährt und obenein das Brückengeld entrichten muss. Den Alten war er unter dem Namen Belos als der beste Fundort der berühmten Purpurschnecken bekannt, während Plinius erzählt, dass an seiner Mündung phönizische Schiffer, die aus Spanien zurückkehrten, die Fabrikation des Olases durch Zufall auf die Weise entdeckten, dass sfe mitgebrachte Salpetersteine im gelben Sande zu einem Herde aufbauten und so, ohne es zu wollen, beim * Kochen das erste Glas fabrizierten.• Jetzt tiiegen wir unmittelbar vor der trümmerhaften manchmal geradezu packenden Ausführungen, und der reiche Beifall, welcher der vortrefflichen Rednerm gezollt y־urde, war ein wohlverdienter. Es war ein schöner Abschluss des Vortrages. als Herr Dr. Heinrich Loewe. der die Gleichberechtigung der Frau im Zionismus klarlegte, betonte, dass die Arbeit der Frau, wenn auch nicht glelcha r t i g, so doch gleich wertig der des Mannes sei. Berlin. In. der von der Berliner Zionistischen Vereinigung in die Johannissäle für Sonnabend Abend rinberufene Jüdische Wählerversammlung erstattete anstelle des durch plötzlich eingetretene Heiserkeit verhinderten Dr. Adolf Friedemann der Redakteur der ״Jüdischen Rundschau“ das Referat über die Aufgaben einer Jüdischen Gemeinde Politik. In ausführlicher Rede wies er darauf hin, dass es kein LiberaliSmus sondern Lossagung vom Judentum wäre, was von dem sich Liberalismus nennenden innern Feinde des •Judentums betrieben würde. Das Gemeindeprogramm, das Redner entwickelte, sei dazu bestimmt, die Aufgaben der jüdischen Gemeinde im Sinne der Zukunft des Judentums anzusehen. In der Diskussion hatte Dr. Friedmann Gelegenheit, in formvollendeter Weise die falschen Lehren des Pseudoliberalismus zu widerlegen. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, forderte Dr. Loewe in seinem Schlusswort die anwesenden \VünLr auf, für die vereinbarte Liste der Zionisten des Zentral- Vereins für die Interessen der Jüdischen Gemeinde und der Synagogenvereine zu stimmen. Berlin. Der hebräische Konversationsklub ״Safah- Berurah” .בפד. ברורה• beginnt mit dem kommenden Winter sein elftes Semester. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: J. Lin, A. M. Gonzar, A. Abraham. J. Kraus«, M. Weissblatt. J. Radler. — Jeden Montag abends um 9 Uhr finden im Restaurant Lewv, Gontardstr. 2, Vorträge statt. Gäste sind willkommen und zur Teilnahme an der Diskussion berechtigt. Die ״Breslauer Zk>n!st!$c!10 Vcrcbi.gung“ versendet folgenden Aufruf: •י׳ B re s 1 a u, im November 1904. Ew. Hoch wohlgeboren! Alltäglich, ja fast stündlich und von jedermann werden eine Menge Dinge weggeworfen und verkommen, die dem Einzelnen völlig wertlos sind, die Jedoch gesammelt, nutzbringend gemacht werden können. Zusamm.cngetan — von Vielen — bilden diese Dinge Werte, die zu vergeuden sündhaft erscheinen muss. Solche Gegenstände zu sammeln und zu verwerten, versuchen die verschiedensten gemeiunuteigen 111stitutlonen. die ihren Zwecken dadurch ganz hübsche Summen zufiiesse.a lassen. Auch jüdischen Zwecken sollen nunmehr solche Materialien zngeführt werden, •insbesondere dem Zweck, ur!sc 111־ ar.nen, Lelrnatleren Brüdern unJ Schwertern ein Helm zu schallen, Urnen die Möglichkeit zu geben, vrürd'g ln I Festung scharf nach Osten ab, um durch eine gewaltige Kaktushecke, welche fruchtstrotzende Obstgärten einfasst, eine fruchtbare, aber kaum angebaute Küstenebene zu durchschneiden, um zu ״dem Baume“ zu gelangen. Ich frage den Führer, was der Baum zu bedeuten hätte und was es für ein Baum sei. Die Antwort lautet, dass uns am Baume der Mukari, d. h. der Pferdevermieter, der zugleich den Führer durch’s Gebirge macht, mit den Pferden und Maultieren erwarte, und dass der Baum kein Oelbaum, keine Akazie oder Kastanie, sondern ein Baum, ein ״einfacher Baum“ ohne jedes Beiwerk sei. Unser Weg wendet sich letzt ganz nach Osten, während der schwere und fruchtbare Boden immer öder wird, und weit und breit weder Baum noch Strauch zu sehen ist. Von ferne rollt der Donner und im Rücken über dem Meere zucken die Blitze, und wir eilen, um den Baum zu erreichen, ehe der Regen uns einholen kann. Trotz aller Eile gelingt es uns nicht, und bald stürzt ein Platzregen hernieder, der sich auch durch die festen Segeltuche, die über die Wagen gespannt sind, den Weg teilweise zu uns in das Innere bahnt. Endlich erreichen wir den Baum in strömendem Regen und bleiben noch ein Viertelstündchen im Wagen sitzen, bis plötzlich der Regen ebenso schnell aufhört, wie er plötzlich gekommen war. . {Fortsetzung folgt.)