Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 398. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 46. zehnten fast ausnahmslos eingerciht werden, aber auch in dem aus Europa beförderten Ersatz war Jeder fünfzehnte Mann ein Jude. Jetzt aber» nach der Aushebung in den von Juden bewohnten Bezirken. Odessa, Kiew, Wilna und Warschau, muss ihre Zahl mindestens 50 000 Mann betragen. Ware die übrige Bevölkerung Russlands ebenso stark auf dem Schlachtfeldc vertreten, so müsste General Kuropatkin eine Million Mannschäften zu seiner Verfügung haben, was. wie man weiss, nicht der Fall ist. fn Mohllew (Pod.). wo die vorjährigen antisemitischen Ausschreitungen der jüdischen Bevölkerung schwere Wunden geschlagen haben, zirkulieren schon wieder Gerüchte über in Kürze bevorstehende, neue, noch ernstere Judenkrawalie. Da diese Gerüchte immer mehr an Boden gewinnen so hat die jüdische Gemeinde an den Münster des Innern. Fürsten Swiatopolk-Mirski eine Petition gerichtet, in welcher in beredten Worten dieser unhaltbare Zustand geschildert wird. Die Gemeinde verlangt Anerkennung der einfachsten Menschenrechte. Schutz für Person und Eigentum usw. Die jungen Leute schickt man nach der Mandschurei, die andern lässt man zu Hause verhungern oder totschlagen. Hömel 5. Novbr. Der K r a w a 11 - P r o z c s s. BezeicheiiJ für die Stimmung, die im Gerichtssaal fortwährend herrscht ist folgende kurze ZusammenMelllung derjenigen Punkte, die die Ycrtcidwer in ihren Anfragen an Je Zeugen nicht berühren dürfen. Es ist ihnen untersagt zu fragen: über die Untätigkeit der Behörden und des Militärs bei der Unterdrückung des Krawalls: über Verletzung ihrer Dienstpflicht seitens der Beatmen; über die Ursachen und Folgen der Ereignissc in Kischinew und d'C Eindrücke, die letztere auch in Hontel machten: über verschiedene politische Strömungen innerhalb verschiedener Schichten der hiesigen Bevölkerung; über ungesetzliche Handlungen antisemitischer Agitatoren und überhaupt über Personen, die in diesem Prozess als Augeklagte nicht figurieren und das sind eben die Hauptschuldigen. Bei der Unterdrückung solcher, nach Meinung des Vorsitzenden zur Sache nicht gehörender Fragen ist der Gerichtshof nicht allzu sparsam mit Anweisungen und Belehrungen, denen zu folgen die Verteidigung gezwungen *st. Die Stellung der Verteidiger erscheint dadurch den Zeugen wenig imponierend, so dass sie den Verteidigern nicht die ihnen gebührende Achtung erweisen und manchmal sogar die Beantwortung auch der ״erlaubten“ Anfragen verweigern, namentlich wenn die Antwort für die angcklagten Juden günstig sein könnte. Dieses Verhalten seitens der Zeugen den Verteidigern gegenüber, das selbst in russischen Gerichten ungewöhnlich ist, veranlasstc die Verteidiger — heisst cs — sind selbst dann schuld, weil sic durch die Art des Frageris die Zeugen belästigen. Bei dieser Gelegenheit werden den Verteidigern — es sind meistens ältere erfahrene und in Fachkreisen wie im Publikum sehr geachtete Leute - Anweisungen erteilt, wie sic sich zu benehmen haben Das erbitterte die Verteidiger so sehr, dfss sie sich entschlossen, dagegen zu protestieren, was für den weiteren Gang der Verhandlungen nicht ohne Folgen bleiben kann. Trotz aller dieser Schwierigkeiten und Hemmnisse fallen beim Kreuzverhör der Zeugen die Angaben der Ankrage mehr und mehr zusammen. Seihst den von Agitatoren heeinfluSfSten Zeugen gelingt cs nicht, irgendwelche haltbaren Beweise dafür zu erbringen, dass die Juden einen ״Pogrom" (Krawall) gegen die Christen veranstaltet hatten. Judenansledelungen In Cypern. Schon im Jahre 1898 tauchte bei der englischen Regierung der Plan auf, in Cypern die Niederlassung von Juden zu begünstigen. Der erste, der an die englischeRegierung herantrat soll Dr.Trietsch gewesen sein. Der erste Versuch zur Verwirklichung der Idee wurde zwei Jahre später mit Juden gemacht, die ausRumäuien auswänderten. Er misslang namentlich deshalb, weil die Zugewanderten mittellos waren und baldigen Verdienst auf der Insel nicht finden konnten; die Zugewanderten zogen daher kurz nachher w׳elter. In den letzten Monaten sind neue Einwanderungen, insbesondere von russischen und rumänischen Juden erfolgt. Sic treffen in kleinen Grupppen ein, ihre Gesamtzahl beträgt jedoch schon annähernd Tausend, und weiterer Zuzug steht bevor. Das zahlreiche griechische Element Cyperns hat wiederholt während dieser Jahre durch Beschlüsse in Volksvcr&ammlungen und im Parlament gegen diese Einwanderung protestiert. Es befand sich generell in ständiger Opposition zur engüeshen Verwaltung und hat in den letzten Jahren mehrfach durch Petitionen und Volksversammlungen der englischen Regierung und dem Könige von England seine hellenischen Gesinnungen kundgegebeu und um Vereinigung mit Griechenland ersucht. Die englische Förderung der Judeneinwanderung wird in Cypern und hier als ein (iegeuschiag der englischen Administration gegen diese mtionalpatriotischeu Gesinnungen aufgcfasst und in diesem Sinne haben sich auch hiesige Zeitungen letzthin in längeren Ausführungen gcüussert. Nun haben die hier ansässigen Cyprioten in ihrem Vereine beschlossen, einen Protest der englischen Regierung, dem Könige Eduard und den Grossniächteu zu übersenden. Dieser Protest ist scharf und unzweideutig. Er bezeiclmete die englische Begünstigung der Judeneinwanderung als eine neue Uuehrailiaitigkeit der Regierung, welche mit der Grossmut des britischen Volkes nicht in Einklang zu bringen sei und kündet an, dass die Cyprioten;rn Notfälle mit Gew alt die Juden austreiben w ürden, Daiür, dass die Einwanderer eine Susibstenz finden, hat nach Meldungen der cypriotisehen und hiesigen Presse der ..Israelitische Kolonisationsverein“ gesorgt. Derselbe habe seit laugerer Zeit ausgedehnten Grundbesitz auf der Insel erworben und ganze griechische Dörfer sollen in jüdische Hände!"!bergegangen sein. Ob hiermit die ..I k a" oder vielleicht gar die .J!'! d i s c!! e O r!' c u t k o I o 11 i s a u o n s g e s e J 1 s c 1! a ו t" gemeint ist. lässt sich nicht entscheiden. Allerlei. Minder wertvoll war der Jude Mazares. Lcmaitrc gab einen rothaarigen Schachernden wie aus Angelys Abenteuer in der Judenschenke. Ich wunderte mich, dass er seinen Juden im schlechtesten elsässer Französisch jüdeln liess und ich wunderte mich umsomehr, als die Juden den Christen iti Deutschland so bittre Vorwürie zu machen pilegen, wenn sie jüdisch sprechende Juden auf die Bühne bringen und dabei auf Frankreich zeigen, wo der Jude Franzose wäre und unter der Menge verschwände. Im Gegenteil. Über' den Mazares Eröderic Lcinaitec's würde sieh ein deutscher Jude sehr entrüstet haben. Karl Gutzkow Briefe aus Paris. Teil II. Leipzig, E. A. Brockliaus. 1SJ2. Seite 67/6S. Denn die Christen sind weder durch Heimat, noch durch Sprache, noch durch üusserliehc Bräuche von den übrigen Menschen unterschieden. . . Sie wohnen in der eigenen Heimat, aber mir wie Beisassen; sie beteiligen sich an allem als Bürger und lassen sich alles recht sein wie Fremde. Jede Fremde i t ihnen Vaterland, und jedes V a t e r 1 a n d eine Fremde! Der Brie! au Diognetos. Kap. V. (Uralte christliche Schriit, vielleicht von Jnstimis.) Kleine Chronik. Ein Fest der Berliner Jüdischen Gemeinde war die Hochzeit, die a!n Mittwoch, den! 16. November in der Alten Synagoge gefeiert wurde. Fräulein Berta Eschelbacher, die Tochter unseres Rabbiners Dr. Josef Eschelbacher, reichte Herrn Alfred Marcus die Hand zun! Ehebuudc. Auch die Zionisten, unter ihnen die Redaktion der Rundschau, sprechen unter den tausenden, die gratulieren, dem jungen Paare und ihren Angehörigen ihre aufrichtigsten Glückwünsche uua. י יד ■־*.יד 1י/־׳||־