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Jüdische Rundschau · 1904-11-18 · Heft 46 (18.11.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 46 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 396• JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 46. angenommen. Die Antwort, ist dass sich die Frage hier durch das politische Moment kompliziert. Zwei widerstreitende Einflüsse sind hier im Spiel. England und Rusland suchen ihre Hand auf Persien zu legen. Die Engländer glaubten, dass wir iür die Russen Partei ergreifen, wenn wir die jüdischen Schüler aus den Missionsschulen herausnehmen. Aber das Zentral- Komitee weiss es wohl, dass wir sofort nach unserer Ankunft in Ispahau au die Anglo-Jcwish Association einen Bericht sandten, worin wir die Einführung der englischen Sprache in unsere Schulen als eine Notwendigkeit erwiesen. Es ist abschculich, überall politische Motive zu wittern, auch dort, wo keine Spur davon vorhanden ist. Trotz aller Kämpfe verloren wir unser Hauptziel nicht aus den Augen. Drei Monate nach unserer Ankunft, am II August, wurden die Schulen feierlich eröffnet und sie entwickelten sich seitdem nicht ohne Störungen, jedoch im ganzen in normaler Weise. Die Ordensleute gaben bis heut, nach vierjährigen futriguen, die Hofiming nicht auf, ihre Institute sich auf Kosten der unserigen wieder füllen zu sehen. Mich zuletzt versuchten sie. die Fleischsteuer zu unterdrücken und dadurch unsere Finanzen zu schädigen. Aber das sind nur die letzten Anstrengungen eines Gegners, der sich nicht liir besiegt erkläre!» will. Man täte aber besser es einzugestehen, dass unsere Schulen im Lande starke Wurzeln geschlagen haben und nmimehr einen IntegriVrenden Teil der Gemeinden bilden. Das Zentralkomitee hat durch seine beträchtlichen Auf- Wendungen den Hauptameil a!1 diesem Erfolge; die arme Genwinde kann kaum 1800 Franken jährlich beisteuern. Mit den vom Zentralkomitee bew illigten Mitteln konnten wir die beiden >chulhäuser bauen, später die beiden Höfe und eine Erfrisclumgshalle cinriclitcn. die Knabenschule vergrössern und in der Mädchenschule 3 neue Klassenzimmer erbauen. Ferner wurden io0 Schüler täglich gespeist ur.d 3f>0 jedes Jahr neu e ngekleidet. Im letzten Jahre konnte auch bereits das Lehrliugswerk auf solider Basis organisiert werden. Sind nun diese grossen Opfer der Alliance durch die Resultate cinigermassen gerechtfertigt? .Mir scheint es njch 4 Jahren noch zu früh, diese Frage mit Sicherheit zu K-ant- Worten, doch führen folgende statistische Daten bereits eine beredte Sprache: Einen Monat nach der Eröffnung der Knabenschule zählten w!r 220 Schüler.*) in den Jahren I902/03 waren es 350, in diesem Jahre J00. Die Mädchenschule zeigt dieselbe Steigerung des Besuches: 75 Schülerinnen bei der Eröffnung, jetzt 270 Die Zahl hat sich im Verlaufe von J Jahren mehr als verdreifacht. _(Schluss folgt.) |—ך Aus der Bewegung.!— Berlin. Am Sonnabend, den 19. November, abends 9 Uhr. findet in den Johannissälen, Johannis- Strasse 20, eine öffentliche Versa m m I u 11 g statt, in der Herr Dr. Adolf Friedemann-Wiesbaden über die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde sprechen wird. Berliner Zionistische Vereinigung. Berlin. Am Mittwoch, dem 23. November, abends 9 Uhr. findet in der Ressource. K 0111m an da ntenstrasse 57, eine äffen 11 ic h e Versain m - 11111 g statt. Tagesordnung: Die jüdischen Gemeinde• wählen. Referenten: Herr Dr. Albert Goldberg-Neucnahr mul Herr Ludwig Beer. Berliner Zionistische V e reinig u n g. Wien. Auf den 4. Januar 1905 ist das Grosse A k t i o n sko m i t ee nach Wien zur Sitzung eiitbertiten worden, um die F'ragcn der Organisation zu erörtern und den Zeitpunkt des siebenten Kongresses endgiltig testzusetzen. Die Köiegsberger Zt'o.i'sGsche Vereinigung verauslagtet am 4. Dezember, nachmittags 4 Uhr in Artushof ein Chanukahfest fiir Kinder lind am II. Dezember in der Bürgerressourcc ein allgemeines• Makkabäerlest. Näheres wird in der Lokalpresse bekannt gegeben werden. •) Am Tage der Eröffnung wurden 336 Schüler eiligeschrieben. Davon blieben jedoch die Kinder derjenigen Eltern f°rt. die naiver Weise glaubten, dass wir ihnen nach dem Beispiel des Herrn Garland eine kleine Rente zahlen würden. ' Fllehne, 11. November 1904. Vergangenem Sonntag ver- I anstaltcte unsere Ortsgruppe einen Vortragsabend. Das Rei ferat hatte der Vertreter unseres Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr Köllen sc 11 er aus Posen übernommen und zum Thema ״Die Lösung der Judenfragc“ gewählt. Rechtsanwalt Kotlensclicr legte im klaren, mehr als einstiindigen Referate den Hauptnachdruek auf die Betonung der nationalen Idee und verstand es. die Probleme des Zionismus von neuen grossen Gesichtspunkten in neuer Beleuchtung vorzustcllen. Dem Redner wurde der Dank der Versammlung für den überaus geistreichen Vortrag durch die Stiftung eines Oelbaumes auf seinen Namen dargebracht. .... Hamburg. 6. November. Rezitationsabend des ziomstischeu Vereins. Seit der zionistische Gedanke in allen Jude 11herzen Wurzel geschlagen hat, seit Theodor Herzl die Idee von einem Alt-Neuland allenthalben wachrief, hat die durch Jahrtausende bewährte Solidarität der Juden ein sichtbares Ziel. Der blosse Gedanke, einer Assimilierung scheint dem Zionisten nicht nur irevelhaft, wie dem Orthodoxem sondern auch praktisch unnötig. Nur noch eine kurze Spanne Zeit und das Judentum hat wieder sein Heimatland, seinen Staat und seine anerkannte gefestete Nationalität. Für den Stamm der heimatlos Gehetzte», für das Blut Ahasvers, hat öiises Bild einen unbeschreiblichen Glanz. Durch Not und Gestrüpp durch Verfolgung und Verachtung sieht er das verheissene Land schimmern, ein zeitliches Walhall, Seit es eine spezifisch indische Bewegung gibt, gibt cs auch wieder eine spezifisch jüdische Kunst. ...Iimgjüdisch” nennt sie sich. Es sind diu Ausdrucksmittel des Künstlers, der nicht als objektiver Betrachter, sondern als Jude sein Volk und ihre Bräuche schildernd, in eigener Sache, mit Feder und Pinsel kämpft. Er malt die Sehnsucht, die so machtvoll ist. dass sie den Stamm Israels rein gehalten hat, zerstreut durch alle Länder der Welt. Er malt die Seele des Juden, die in Kampf und Not weich geblieben ist. empfindsam iür eine saufte Hand, iür einen sanften, schönen Gedanken. Er malt die Opfcrfreiidigkcit. die den Stamm, dessen Charakteristikum die Habgier ist, alle Habe opfern lässt wenn es seine Religion und seine Nation gilt. ־ - Das sind die Zwecke der jungjüdischen Kunst, die in Heinrich Heine und Adolf Oppenheim machtvolle Vorläufer hat, und die heute in Deutschland vertreten wird durch Jakob Wassermann. Morris Rosenfleld Börnes von Münchhausen und H. York Steiner: in der bildenden Kunst durch Israels, Lesser Ury. E. M. Liliens, lauter Namen, die sich durch rein künstlerische, tendenzfreie Werke einen Platz in uifserer Zeitgeschichte erobert haben, eite sie sich in den Dienst einer Zucht rein künstlerischer Ideen stellten. H. York Steiner, der gestern im zionistischen Verein zwei Novellen vorlas. ist unter den jüdischen Dichtern einer der welimutreichsteii. empfindlichsten und doch einer der schärfsten Beobachter. Seine Bücher ״Anti", ״Mutter Eva”, und ״Der Talmudbauer" bilden eine furchtbar traurige Schilderung seiner Nation, die er in Amerika und Deutsch-!and. in Russland und Galizien aufgesucht hat, warmes Menscliengcfiihl flutet wie ein Blutstrom, Leben gebend, durch all seine Schöpfungen. W er eine seiner Novellen gelesen hat. vergisst sie nicht, und er sieht mit anderen Augen den kleineu Juden au, von dessen Schmerz er ein wenig hat mitfühlen müssen. Der Dichter las vorgestern zwei Novellen mit «starkem rczitatoriscliem Ausdrucksvermögen vor, in denen er nicht nur Mitleid erwecken, sondern auch sein Volk erziehen will. Denn er kennt ihre Schwächen und Eitelkeilen, und geisselt sie scharf. Aus Liehe. Bl. 01. Bremerhaven. H. November. Am Sonntag, dem 13. Nov.״ sprach in dem hiesigen Literaturvercin v׳»r einem grossen Publikum Herr Rechtsanwalt Dr. G r o t! e tu a n n as Hannover über das Thema: ״Der Zionismus und die deutschen Juden”. Trotzdem die meisten Mitgliedei dieser Gemeinde bisher nicht zu den Anhängern unserer Sache gehörten, gab es nach den! Anliören des Vortrages des Herrn Dr. G. beinahe » u r noch Anhänger und hatte der Redner sich eines wirklich stürmische» Beifalls zu erfreue». Herr Dr. G. sprach die Bitte aus, auch Gegner zu hören, allein es schienen kcjne vorhanden zu sein, denn auf wiederholte Aufforderung meldete sich kein Gegner zum Wort. Unser Herr Lehrer und Prediger machte zwar keinen Hehl daraus, entschiedener Gegner des Zionismus zu sein, ist aber leider die Begründung seiner (legnerschatt schuldig geblieben. Ein Herr aus der Versammlung sprach zu Gunsten des Zionismus und erntete allgemeinen Beifall. Die_ Gemeinde Lehe. Geestemünde und Bremerhaven ist für den Zionismus gewonnen. 17 Herren Unterzeichneten sich stehenden Eusses als Mitglieder. Um dem (krccluigkeitsgeiiihl in jeder Hinsicht Rechnung zu tragen, wurde von Anhängern des Zionismus beschlossen, in Kürze einen Herrn auftreten zu lassen, welcher gegen den Zionismus sprechen w׳ird,

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