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Jüdische Rundschau · 1904-11-18 · Heft 46 (18.11.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 46 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ו i 1־ * >'. 4.'י: Ir י־ י' 5 ' Ü, |r 1?3;■ :!.•H ' 11 f 4,a "rl ו No. 46. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 393. wenn wir in unser Vortragsprogramm auch die Gemeindefragen aufnehmen und dieselben zunächst einmal rein literarisch behandeln. \V|r müssen uns Kenntnis zu verschaffen suchen von der Verfassung und Verwaltung der Gemeinden, von ihren Einrichtungen, vom Schul- oder Unterrichtswesen, von den Wohltätigkeitsanstaltcn usw. Daraus würde sich dann von selbst schliesslich ein Qcmcindeprogramni ergebcp, und wollen wir dann einmal uns an den Wahlen beteiligen, so sind wir gerüstet und die Chance« einer solchen Stellungnähme wären unvergleichlich bessere, als ohne diese systematische Vorarbeit. Zweifellos würde man dann auch eine grössere Anzahl nichtzionistischcr Gemeindebürger hinter sich bekommen für welche heute noch immer Zionismus und Utopie identische Begriffe sind. Ich wollte mit diesen ergänzenden Bemerkungen zum Arbeitsprogramm natürlich niemandem vorgreifen, ich meine nur, die Gemeindefragen sollten als gleichberechtigt mit den anderen Vnrtragsthcmatcn angesehen werden. Dr. Hanauer. Frankfurt a. M. London als Vorort und Kongressort. im neuesten l'iette dec ״Welt" vom 4. November macht Dr. Friedemann den Vorschlag, den Sitz des Aktionskomitees nach London zu verlegen. Auf mich persönlich hat dieser Vorschlag gewirkt, wie auf einen Kürassiergaul, der lange wartend im Stall stand, das Trompetcnsignal: Schwadron marsch! Hört er es auch nur als .,Uebuug" auf dem Kaseruenhof, so spitzt er doch freudig die Ohren! -- Freilich sind die Erwägungsgründe, die mich bestimmen würden, für London als Vorort zu votieren (ich würde diese Votum mit der Hartnäckigkeit eines ״ccterum censeo" wiederholen!) nur teilweise dieselben, wie die des Gesinnungsgenossen Friedemann. Der Grund, den er anführt, dass in Wien erheblich weniger zionistische Arbeitskräfte mobilisiert werden können, als in London, ist Zwar für jeden, der die heitere Phäakenstadt an der Donau kennt, überzeugend. Männer mit grösserer Arbeitskraft, als die Herren vom Aktionskomitee, haben allezeit die capuanisicrcndc Wirkung der Wiener Luit empfunden und sich nur zu oft «ntschlicssen müssen, dieses gefährliche Klima zu verlassen. Bereits vor langen Jahren schrieb ich in meiner Schrift ״Rudolf von Jhcring“, an deren Schluss ich auch der ־ Wiener Periode Jhering’s 0868-72) gedenken musste: ״Die lebhafte Kaiserstadt an der Donau mit ihrer Fülle künstlerischer und wissenschaftlicher Bestrebungen, mit ihrem reich entwickelten geselligen Leben, war bei der vielseitigen Natur .?he rings auf die Dauer nicht ohne Gefahr für die literarische Arbeitskraft Jhcrings, und es ist einer der vielen leuchtenden Züge in dem Charakterbilde des Meisters, dass er selbst sic mit dem ganze« Pflichtbewusstsein das ihm eigen, erkannte, und ihr entging; (er siedelte nach.Güttingen über). Immerhin würden Gründe der historischen Kontinuität und auch der Pietät gegen den baiinbrecllenden Urheber unserer jüdischen Staatsbewegun״ dafür sprechen, die Stadt, in der Tncodor Hcrzl sieben Jahre diese Bewegung leitete, auch ferner als zionistische Hauptstadt bcizubehaltcn, wenn nicht zu jenem organisationstecbnischcn Grunde noch ein zweiter politischer, entscheidend hinzuträte. Für mich steht mit der Kraft des Dogmas, des zionistischen .,Glaubensartikels", die Gewissheit fest, das die zionistische Politik nur im A n- Schluss an das britische Weltreich sich fortentwickeln kann, dass der Zionismus eine organische Verbinduiig mit dem britischen Imperialismus eingchen muss und wird'/ Die englische Nation ist das führende Kulturvolk der Menschheit, der Pionier unter den europäischen Völkern, allen uni 1 2 Jahrhunderte voraus, und so auch in seiner Haltung unserem Volke gegenüber. Und so wie die Sonne der Judenemmzipntion zuerst in England am frühesten aufging, so wie in einem englischen Durchschuittsthcologen (trotz aller kirchliehen ßencbeiung und Finsternis) mehr Verständnis für die Zukunft Israels steckt, als in einem Dutzend deutscher Theologen zusammengennnmten, so begrüssten die Briten auch den Zionismus zuerst mit Verständnis und fast brüderlichem Vertrauen. Und so unannehmbar auch die Anregungen der britisehen Regierung in Sachen des Ostafrika-Projektes waren, so soll es ihr doch allezeit* * unvergessen bleiben, dass sie zuerst dem jüdischen Volke einen Beweis ernster politischer Beriicksichtigung und tiefen Verständnisses für seine Staatsbestrebungen gegeben bat. Und dass sie auf *diesem Wege, wenn auch nur langsam, fortfahren wird, daran glaube ich so fest, wie an die Realisierung unseres Staatsideals überhaupt. Die Zeit wird kommen im nächsten Jahrzehnt des Jahrhunderts, wo Eng'and in Syrien und Palästina fest Fuss fassen wird Die Judendichtung Otto Ludwigs. (Fortsetzung.) §3. . Zacharias Werner’s ״Die Mutter der Makkabäer‘4. . Werner’s Tragödie, wenn auch im Jahre 1816 verfasst, kann doch mit gewisser Berechtigung als eine mittelalterliehe Dichtung bezeichnet werden. Ihre Tendenz, ihre tief 1m Epischen steckenden dramatischen Ausdrucksmittel, ihre Naivetät in der Verteilung von Schwarz und Weiss, wie der kolossale Geister- und Spukapparat geben ihr diesen Stempel. Nicht umsonst war ihr Autor in die Schule der Jesuiten gegangen. Stand doch bei diesen die Bearbeitung des Makkabäer-Stoffes, den sie nicht nur aus der Bibel geschöpft, sondern auch aus den Händen der Kirchenväter in Gestalt von Homilien und Hymnen überkommen hatten, zu allen Zeiten in grosser Beliebtheit. Und sie, die Antipodenseelen und Ablöser des weltlichen Rittergeistes, der aus den Hasmonäern Helden der Chansons de geste gemacht hatte, hatten all ihr Möglichstes getan, die Grabesseite der Ueberlieferungen, das Märtyrtum der Pseudo-Makkabäer mit blutrünstiger Wollust zu verherrlichen. Für sie hatten die auch *n Passionen gern Vorgeführten ״zum heiligen Chor der Märtyrer für Christus" gehört, ״weil Christus auch Urheber des Alten Testamentes sei, für welches siegestorben, oder weil das Neue Testament implicite schon im Alten enthalten, oder endlich, weil auch ihnen schon der Inhalt des christlichen Heiles geoffenbart gewesen sei.“1) Und so war Zacharias Werner, der in seiner äusseren Laufbahn schon in die Fusstapfen der Jesuitenpatres trat, eine mystisch gerichtete, passiv schwärmerische Natur, prädestiniert zu einem reinen Märtyrerdrama mit der ״hervorleuchtenden Tendenz auch dieses seines Gedichtes, das Heilige zu verherrlichen.'3) Umsonst hatte Hans Sachs aus seiner ״Tragedia mit 27 Personen und hat 7 actus“ ein abschreckendes Beispiel gegeben, umsonst französische Bühnendrechsler versucht, durch Einmischung von Liebesmotiven oder moderner menschlichen Regungen die ״Schlachthauspoesie“ geniessbarer zu machen, umsonst auch Lessing‘־ vor leichtfertiger Behandlung von Märtyrerstoffen gewarnt: die fanatische Bekehrertendenz erschlug alle Künstlerbedenken, und Werner glaubte sein ) W. Grimm ״Die Apokryphen des Alten Testaments“ B II. p 132 ff. ־) Z. Werner ״Vorwort“ zu ״D. M. d. Mak.“ Wien 1820. *) Lessing ״Hamb. Dramaturgie“ Stück 1 u. 2. 1.״q-1w ייי^״יי u׳j!p׳u׳ TTTT- ל; ץוי־יי״! 1 ■ ** מייוו׳י

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