Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 392. No. 46. JÜDISCHE RUNDSCHAU Resultat der diesmaligen Wahlen, bei denen mit Zentralverein und Synagogenverband die Zionisten zusantrnengehen, die Gründung eines jüdischen Volks- Vereins sein wird, der nicht wie der Zentralverein nur jedesmal vier Wochen vor den Wahlen in jedem dritten Jahre in die Erscheinung tritt. Dann werden auch die konservativen Ocmcindcvertreter zu keiner solchen Verschlimmbesserung ihre Zustimmung geben, wie es die ״weitere religiöse Ausgestaltung des Bar- Mizwahgottesdienstes“ war. Bei den diesmaligen Wahlen stimmen wir für die Liste des Zentralvereins. D r. Heinrich Sachse. Mitteilungen vom Zentralbüro __ der Zionistischen Vereinigung _ für Deutschland. 1. Für Z i ga r r e n s p i t z e n s a m m l e r. Zum Abschneiden und Sammeln von Zigarrenspitzen werden kleine Tascheiibüchsen (mit Spiegel) ausgeglben. Einzeln, Stück 15 Pf., 50 Stück a 12 Pf., 100 Stück ä 10 Pf. Probesendungen und Lieferung durch die Lübecker Zentrale: Frau D r. Joel. Lübeck, Becker• graben 58. 2. Wir weisen nochmals auf die Diskiissionsa be nde hin!, welche in unserem Aufträge unter Leitung der zionistischen Verbindung ״Hasmonäa" jeden Sonnabend in der Lesehalle des Zentralbiiros, Friedrich- Strasse 58II, stattfinden. Berliner Parteigenossen werden dringend tun zahlreiches Erscheinen ersucht. Redner und Thema werden jedesmal durch die ״Jüdische Rundschau bekannt gegeben.*) 3» Nachtrag zur Rednerliste. (Vergleiche No. 43 der ״Jüdischen Rundscliau“): 15. Kanter Blitz, Dessau. 1. Thema: Der messiamsehe Begriff und die bisherigen Mcssi isse. 2. Thema: Jehuda Halevi und der Zionismus. 3. Thema: Der Römisch-jüdische Krieg. Zeit: Januar.!6. Dr. A. Sandler, Breslau. Nur für Schlesien 17. Zahnarzt Schachtel, Breslau, Ohlauerstr. 64. Für Schlesjen, Posen und Wcstpreusse.’i. Nur am Sonntag. 4. Eine grosse Anzahl von Ortsgruppen und Vortrauensmännern hat auf unser Zirkular betreffend Her- Stellung einer Rednerliste noch nicht geantwortet. Wir bitten die betreuenden Ortsgruppen und Vertrauensmänner dringend um eine baldige Antwort. Eine- Hinweises auf die Wichtigkeit dieser Angelegenheit bedarf es wohl nicht. 5. Von der Broschüre, welche D r. Theodor Herzl kurz nach dem 1. Kongress 1897 geschrieben hat: ״Der Basler Kougress“ haben wir den Restbestand erworben. Bezüglich des Preises verweisen wir auf das Broschiireninserat. 6. Wir bitten Gesinnungsgenossen, die etwa in der nächsten Zeit nach Palästina reisen, uns ihre Adresse anzugeben, falls sie bereit sind, die Begleitung, einer jungen Dame aus den Kolonien, welche gezw ungen ist, aus Deutschland nach Hause zu iahren, zu übernehmen. •) In dieser Woche füllt der Diskussiousabend aus. Wefl Dr. A. F r i e d c m a n n am gleichen Abend in einer Volksversammlung über die Berliner Reprüsentantenwahien spricht. . _ 7. Z i 0 n i s t i s c h e S t u d e n t e n (Inländci), welche im Wintersemester in einer Universitätsstadt Mitte•■ deiitschlands zu studieren beabsichtigen, werden um Angabe ihrer Adresse gebeten. 8. Soeben ist D r. Hoppe, Königsberg: ,.Her vorragende Nichtjuden über den Zionismus“ erschienen. Von der Broschüre sind den Ortsgruppen Probeexemplare zugegangen. Die 98 Seiten starke Broschüre enthält die Urteile von mehr als 60 hervorragenden Persenen über den Zionismus. Die Broschüre kostet einzeln 50 Pi., bei Abnahme von mehr als 20 Exemplaren 30 Pi 9. Herr D r. F r i e d e m a 11 n spricht am 26. November in Köln. 10. Die erste Auflage des Flugblattes No. 6 (herausgegeben i1״ August d. J.) ist vergriifen. Ehe wir die neue Auflage erscheinen lassen, bitten wir die verehrlichen Ortsgruppen und Vertraucnsmäimei, uns Mit• teilung zu maclvn. in welcher Richtung sie Acnder 1111 g e 11 des Flugblattes wünschen. Das zionistische Arbeitsprogramm. Mit der Aufstellung des Arbcitsprogrammes. wie es in No. •12 der .,Rundschau'׳ veröffentlicht wurde, hat die Koninüssien ein üusserst verdienstliches Werk geschaffen, für welches die Ortsgruppen ihr 7u aufrichtigem Danke verpflichtet sein müssen. Meines Erachtens stellt dasselbe eine ganz bedeutende Erleichterung der Arbeit dar. denn sind erst einmal die Themata gegeben, so wird sich leicht ein Referent finden, der geneigt ist. die eine oder andere Präge in Angriff zu nehmen. Die Bekanntgabe des detaillierten Programmes stellt ierner nunmehr auch offiziell fest, wie weit sich der Interessen kreis des Zionismus erstreckt und man wird nicht mehr, wenn man das eine oder andere Thema anschneidet, den blöden Einwuri hören müssen, die angeschnittene Frage habe mit dem Zionismus gar nichts zu tun. Nach meiner Auffassung hat der Zionismus alle Fragen, welche jüdische Interessen und Einrichtungen berühren, in den Kreis seiner Erörterungen zu ziehen und zu ihnen Stellung zu nehmen, wenn er den Anspruch erhebt, im Mittelpunkt des Gisamtjudentunis stehen und die Renaissance des Judentums verbreiten zu wollen. Von diesem Gesichtspunkt bedarf es eigentlich einer Detaillierung des Programmes gar nicht. Nachdem aber diese Detaillierung aus praktischen Gründen erfolgt ist. vermisste ich, unbeschadet, dass eine Ergärizung des Programnies in Aussicht gestellt ist. in demselben einen weiteren Kreis v״n Fragen. Fs sind die Fragen, welche das jüdische Ocmcindclcbeii betreiien. Ich will nicht an das triviale Sprichwort erinnern, dass das Hemd einem näher sei wie der Rock, aber man sollte amiehmen. dass für diese Fragen in zionistischen Kreisen viel Interesse vorhanden sein müsste. Hat doch Nordau die Losung ausgegeben: ״Erobert die G c m e i n d e s t u b c 11” und es erschien auch, als ob diese Worte einen lauten Widerhall erwecken würden aber seit der Beteiligung der Zionisten in Berlin und Posen an den Gemeindewahlen ist es auf diesem (Jebiet wieder recht still geworden. Die Vorgänge in Hannover tjiid. Turnverein) und München (bei Herzls Tode) zeigen aber doch, dass cs unsere Aufgabe sein müsste, uns mit dem Gemeindeleben etwas näher zu befassen. In den meisten deutschen Gemeinden fliesst dasselbe träge und gleicltmässig dahin, es wäre gerade Aufgabe der Zionisten, hier etwas Lehen zu schatten, Gelegenheit zur Kritik und zur Fntfachung der trägen Lebensgeister dürfte wähl überall gegeben sein. Eine Beteiligung an den Mahlen ist aber aussichtslos, wenn man nicht auch In der übrigen Zeit sich mit den Gemehtdefragen befasst und dieselben in systematischer Meise in Angriif nimmt. Ich meine daher, dass es uns recht wohl anstünde.