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Jüdische Rundschau · 1904-11-18 · Heft 46 (18.11.1904) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 46 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Erst in dem letzten Jahrzehnt erstand ihm in der halbkonservativen Richtung des Zcntralvereins für die Interessen der Jüdischen Gemeinde ein Konkurrent, der noch keine grosse Aendcrung in das bisherige System gebracht hat. Auch den liberalen Vorstand haben die konservativen Repräsentanten des Zentralvereins bestehen lassen. Keine einschneidende Aendcrung hat in der Gemeinde- Verwaltung stattgefuuden und alles geht noch im alten ausgefallenen Gleise der Assimilation, die das Berliner Judentum in der Judenheit zur lächerlichen Puppe hat herabsinken lassen, während sie kraft der in ihr gesammelten Intelligenz und der grossen Zahl treuer Juden wohl zu einer führenden Rolle nicht nur in der deutschen Judenheit bestimmt wäre. Aber die Leitung der Gemeinde ist liberal, die Repräsentanz, trotz ihrer konservativen Mehrheit ist liberal, und der Erfolg ist die Bedeutungslosigkeit und auf jüdischem Gebiete herrschende Unfruchtbarkeit einer der grössten, reichsten und gebildetsten Gemeinden ues Jüdischen Volkes. Nur durch die Aendcrung der Gemeindeverwaltung j kann eine endgiltige Besserung eintreten. Fort mit dem j alten Schlendrian, fort mit den liberalen Redensarten, die | mit dem Wahren Liberalismus eben nur den Namen gej mcinsam haben. Oder ist etwa jenerKandidat derLiberaler, l ein liberaler Mann, der seinen Komorangestellten verbietet, einem jüdischen Turnverein anzugelioreii, weil er die Tendenzen und Ideale dieses Turnvereins entweder nicht versteht oder nicht teilt? Aber Herr Ben as Le v y, der die im Liberalismus enthaltene Gewissensfreiheit seinen Angestellten gegenüber in solcher Weise betätigt, ist der wahre Typus' der liberalen Gesinnung in der jüdischen Gemeinde Berlins, jener liberalen Gesinnung, die unsere Gebete um Zion und Jerusalem als Gotteslästerung beschimpft hat. Herr Prof. Ludwig Geiger, der die Gewissensfreiheit, die im Liberalismus stecken sollte, in dieser Weise hochhält, ist selbstverständlich einer der Kandidaten des liberalen Wahlvereins für die Jüdische Gemeinde Berlins. Er ist neben Herrn Benas Lcvy der andere ihm in Hinsicht auf Judentum und Gewissensfreiheit gleichwertige Kandidat, der der ganzen liberalen Sache Form und Wesen gibt. Er ist der Mann, dessen System Gemeindestellen zu besetzen durch die Affäre Fromer noch nicht genügend ins Licht gesteht worden ist. Wir können nur aufs tiefste bedauern, dass er neben Herrn Minden, dessen heisse Liebe zum Judentum, wenn er es auch anders als wir auffasst, wir freudig anerkennen, auf ein und derselben Liste erscheint. Ja, wir möchten ihn kaum neben Herrn Mannheimer sehen, der doch in erster Linie der Gemeinde für die Zustände im jüdischen. Krankenhause als dessen Vorsteher verantwortlich sein sollte. Da erscheint auf der liberalen Liste dann noch der Herr Adoli Mayer, der eine gewisse Bedeutung hat, dass er in der Repräsentantenversammlung jene Berichte vorliest, die dann immer auf der Journalistentribiine und erst recht natürlich auf der Galerie absolut unverständlich bleiben. Da stellt der Herr Stadtrat Weigert aut der Kandidatenliste, über den wir nicht urteilen wollen, da wir in den Reprüsentantenversammhingen kaum Gelegenheit fanden, uns irgendwelches Urteil über seine Teilnahme zu verschaffen. Und was er der Stadt Berlin und dem Magistrat ist, geht uns hierbei nichts an. Aber der Stadtverordnete Louis Sachs greift schon eher und mehr in die Debatten ein und besucht regelmässiger die Versammlungen der Repräsentanten. Das ist der Mann des dogmatischen Liberalismus, der zur absoluten Entjudung führt. Er will auch heute noch den Sonntagsgottesdienst als das Heil des Judentums angesehen wissen, während sich politisch klügere Liberale sehr wohl hüten werden, das heraus- Zusagen. Aber schliesslich kommt es ja gar iücIk auf das Programm so sehr an; denn die Programme der Liberalen und Konservativen sehen sich so ähnlich, dass sogar der Gemeindesyndikus schwerlich imstande sein wird, einen W esensunterschied zu finden. So ist denn ausgeschlossen, dass ein Zionist der liberalen Liste ■seine Stimme gibt, auch wenn Geiger keine Aussicht hat, jemals seinem Bestreben, die weniger wohlhabenden Klassen des Wahlrechts zu berauben, näher zu kommen. W ir bedauern, dass Prof. Kalischer und Syndikus Minden auf einer Liste stehen, der wir niemals zustimmen können. Freilich können wir auch die konservative Partei keineswegs loben. Sie ist bisher keine Vertreterin des konservativen Judentums in der Uemeindestube gewesen. Aber wir hoffen, dass das 1 r ■י"#י 8יייי^ויו *ווי ייויוייי m יי

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