Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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tljiff' •׳׳b;| i; Ir'?:׳ע:: iÄ«. No. 45. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 387. Rundschau. «■־ hielten die Pass* tue; auwi oiv» u f% uw t ti.11 י Ull ihnen Russland. Gegenüber den Ausstreuungen der russischen Regierung, als seien die gegenwärtig von allen Seiten gemeldeten Ausschreitungen gegen die Juden hauptsächlich das Werk der für den Krieg cingczogcuc» Reservisten, die abwechselnd über die jüdischen Händler, die jüdischen Revolutionäre oder die jüdischen Desserteure in Wut geraten, verdient ein Privatbericht über die Unruhen in Mohilew besondere Beachtung. Man erfahrt aus ihm, dass es in \\ irklichkelt der Föbe'J der Städte ist, der geringe und der vornehme, der im Bunde mit den Behörden seine längst gehegten Gelüste befriedigt. Die Mobilmachung dient als schönste Gelegenheit zu Plünderungen und Erpressungen. Die begreifliehe Erregung der Reservisten s״l• nach dem Wunsch der Oberen auf die Juden abgclenkt werden, damit sie nicht politisch zum Ausbruch komme. Doch die Leute wissen, dass bereits zehntausend׳.* ihrer jüdischen Kameraden ilir Leben jiir den Zaren preisgeben und dürften sicli schon aus diesem Grunde weigern, denen zu folgen, die den Staat zu einer Räuberhöhle erniedrigen. Unser Gewährsmann berichtet aus Mohücw׳ wie folgt: Nach der Kundgebung der jüdischen Arbeiter vom 15. Oktober sagte der Polizeichef Rodionow öffentlich zu Lchnersott und einigen andern Jude!! der Stadt: ,.Zu euch Juden habe ich kein Vertrauen; sollte während der Mobilisierung ein Krawall ausbrechen, so wird euch die Verwaltung, besonders die Polizei, nicht schützen.” Diese Worte machten auf die Juden tiefen Eindruck, und sie hörten seitdem nicht auf, davon zu sprechen. In der Nacht gingen junge Leute von verdächtigem Aussehen, db ihrem Alter nach keine Reservisten zu sein schienen, in kleinen Gruppen in den Strassen Wietrenaia und Solowskaia auf und ab, warfen auf die vorübergehenden Juden Steine und traktierten sie mit Stockhieben; sie bedienten sich vielleicht auch anderer Instrumente. Man versichert positiv dass die Gehilfen der Kommissare, vor allem einer namens Rone, db Juden, die fliehen wollten, fcstliielten, damit die Angreifer sie besser erreichen konnten. Diejenigen, die sich an den Polizeichef wandten, erhielten zur Antwort, er betrachte diese Ereignisse als gerechte Strafe dafür, dass die Juden der Regierung gegenüber eine unsichere Haltung einnähmen und sich dem Militärdienst entzögen: er rate allen, sich zu verstecken. Zu den Aufwieglern soll er gesagt haben: .,Schont die Greise, aber werft euch auf die jungen Juden." Unter den Verletzten waren jedoch nicht wenig Greise. Auch Reservisten nur ein Trinkgeld und waren jedenfalls nicht zahlreich. Mohi'.ew allein zählt lOoö Reservisten, während die Zahl der Unruhe- Stifter kaum 100 betrug. Während des Sonnabends hatte sich in den unteren Schichten der Bevölkerung das Gerücht verbreitet, dass die Juden einen Reservisten getötet und dass sie in der Vorstadt Karabanowka GS Männer niedergemetzelt und deren Habe fortgc-schleppt hatten. Es war iiir jeden äugenschcinlich, dass diese Gerüchte den Zweck hatten, den Pogrom (Krawall! vorzuherciten. Am Sonnabend hielt ich mich bei einem freunde auf, als der Dienstbote eintraf, um uns diese Gerüchte zu erzählen. Mein freund liess mich nicht zu ftiss fort, sondern schickte nach einem Wagen da er aus den Er- Zählungen schloss, dass der Pogrom sich spätestens am folgenden, vielleicht am selben Tage ereignen würde. Die Juden brachten diese Gerüchte auch zur Kenntnis des Polizeichefs und man versichert, dass ihm hierbei ein Geldgeschenk gereicht, nach andern bedingungsweise zugesagt wurde. Soun• tag früh erschien folgender Anschlag: Bekanntmachung! Da in der Stadt Gerüchte verbreitet sind, dass während der Unruhen einige Personen schwer verwundet wurden, so erkläre ich, dass diese Gerüchte falsch sind. Es fand gestern nur eine ungewöhnliche Schlägerei statt. Der Polizeichef von Mohilew Rodionow. Dennoch erhielt mau Sonntag morgen die Kunde, dass ein kleiner Haute von etwa 50 Leuten irn Zuge sei, Unruhen zu provozieren; alles junge Männer, darunter besonders Jour•!!:*listen, die jeder hier kennt. Beamte mit ihren Abzeichen. Schüler der städtischen Schule, aucn einige Schüler des Gyn!- nasiutns und der Realschule, die der Spektakel vielleicht interessierte; nur wenig Reservisten. Diese Bande erbrach einige Läden des Bazars und raubte die Waren. Eine Soldatenabtc.lung, die herheigerufen wurde, blieb untätig. Die Polizei beschränkte sich darauf, die erbrochenen Läden wieder zu schlicssen, um die Spuren der Plünderung zu verwischen. (Die Eigentümer hatten die Läden vorher geschlossen in Erwartung des Pogroms.) Die Bande verlicss nun den Bazar und wandte sich nebenan zur Strasse Krasnopolskaia. Ob siel! unter diesen Männern eine grosse Zahl Reservisten befunden hat die sich etwa der Brote und anderer Esswareu bemächtigten ohne anderes un/urührcii. we׳ss ■ich nicht. In der Strasse Krasuopolskaiu zerschlug die Bande die Fensterscheiben und zer* Störte alles Mobiliar auch in den Wohnungen der Aersten. Den Polizeichei Rod'onow. der nmm ehr auf dem Platze erschien, führte die Bande im Triumph mit sich. Man erzählt, dass er ihr ein Trinkgeld gegeben habe, die einen sprechen von 15. die andern von 75 Rubel;־•. Den Juden, die ihn um Hilfe anflehteu. antwortete er: ..Verteidigt euch seihst." Der Bande rief er zu: ״Amüsiert euch gut, ihr Gassenfuben!" In diesem Augenbick näb.enen sich etliche jüdische junge Leute, bewaffnet mit Gewichten, Stüsseln und PiSöeken und nur wemg Kernwaffen. Die Polizei, die die Plünderer gewähren liess nahm alb jungen Juden au! den Strassen fest und liess jeden abtühren. hei dem sie etwas Waffeitähnliches fand; bis zu meiner Abreise waren sie noch im Gewahrsam. Von der Strasse Krasnopolskaia aus erreichte der Haufe - - es waren, soweit ich erfuhr, immer dieselben Leute ־ den Bazar Bychowski. wo wiederum auch die ärmsten Läden ausgeraubt wurden. Sodann würde eine regelrechte Plünderung in Szene gesetzt in der Strasse Dubroweuka. die von einer ausserordentbch armen Bevölkerung bewohnt wird, und jeder, der sich zur Wehre setzte, wurde misshandelt; doch waren das nur wenige. Hingegen leisteten die Juden in der Schumlowkagasse energischen Widerstand und die Plünderer zogen sich zurück, ohne etwas zu berühren. Auf dem Wege nach der Wüenskaiastrasse erbrachen «äe *jje Konfektionsläden und eigneten sich auch das Vorgefundene Geld;11. Einige jüdische Augenzeugen folgten der Bande und zeigten den, der das Geld genommen, der Po’izei an; es war kein Reservist, sondern ein kle'iier Beamter. Man fand bei ihm 175 Rubel, die er geraubt Hatte; die Polizei liess ihn wieder laufen. Gegen -1 Uhr nachmittags nahm derselbe Haufe seinen Weg nach dem Gefängnis. Er wählte das elendste Gässchen, zerstörte das Mobiliar in den M ohnungen. zerschlug die fensterschelhen und begab sich sodann nach der Debrianskastrasse. Die Einwohner dieser Strasse erkannten unter den Räubern mehrere ihrer Nachbarn wieder. Unter den 5ü -71» Mann, die die Baude noch zählte, gab es nur wenige oder gar keine Reservisten. Auch hier wurden die armseligsten Häuser verwüstet und 6 Läden ausgeplündert, desgleichen das Atelier des Malers Lapidtis und mehrere Schmieden. Ein vorübergehender Jude erhielt einen üewichtsteiu an den Kopf und erlitt einen Schädelhruch: er iiegt sterbend im Hospital. Einige, die ihre Güter verteidigten, wurden leicht verwundet. Die Juden der Gegend kennen den Namen des Mannes, der den tötlichtii Wurf tat und die Namen vieler Plünderer. Einer Witwe glückte es, von einem der Räuber ihre Habe zurückzuerhalten. Im Quartier Skolnit/.! leistete man einen gewissen Widerstand: audi dort rührten dm ■üBPfif!1 ׳11״ ibwbtv-wijnpi׳ #•*־ grgi«,יייי««*■*■«■■■ י «■׳...!יו■ ■! j *mumm