Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 380. J U D IS C H E R U N D SC HAU No. •15. ״Eliada" zum Verkauf der Palästinawciue in Hambürg war. Dass die ״Eliada“ darunter leiden musste, war selbstverständlich. Doch das nur nebenhin, weil wir noch Gelegenheit haben werden, sein Verhältnis zur Kliada besonders besprechen zu müssen. Aber seine Arbeitskraft soll darum nicht unterschätzt werden, weil er sie selbst für noch grösser erachtete, als sie wirklieh war. Denn als er die ganze Arbeit für den Esra leistete, war er zugleich der Sekretär und in Wahrheit der ganze Leiter <h;s ״Nathan-Giusbergschcir Komitees zur Abwehr antisemitischer Angriffe, wobei er zugleich die beiden statistischen Arbeiten verfasste, die unter den anonymen Titeln ..Die Kriminalität der Juden“ und ,.Die Juden als Soldaten" ein zwar nicht Wissenschaftlieh exaktes, aber fleissiges und interessant verarbeitetes Material zusammenbrachten, um statistisch den Antisemitismus zu bekämpfen, an dessen Zurückdrängung Bambus nicht glaubte- Aber darum hat er doch mit unermüdlichem Eifer die ven ihm als halb verloren augesehene Sache der ״Abwehr" weiter verfochten, und von d'esetn Gesichtspunkte sollte man auch sein Auttreten in Könitz betrachten, wo er mit weniger Geschick, als ihm sonst eigen war. für die gerechte Sache der Unterdrückten eintrat. Man soll dabei nicht etwa dies nur von dem Standpunkte aus ansehen, dass er der Sekretär war, dessen Herrn‘ es sein sollte, in diesem Sinne einzutreten. Demi wenn er die ״Societe des societCs palestinophiks" in Paris ins Leben rief, so tat er das ebenfalls als Sekretär des Vereins Esra, nh»_־r nicht in Ausübung einer Pflicht, sondern eines ihm innewohnenden inneren Bedürfnisses. Er war zwar Zionist, das kann ihm niemand abstreiten. Aber er war kein Nationaljnde im vollen Sinne dieses Wortes. Er wollte einen Judenstaat, aber niemand sollte es wissen, dass er ihn wollte. Er wünschte eine dnheitliche Zusammenfassung aller Juden der Welt als Juden ohne Rücksicht auf ihre staatliche Auge- Innigkeit, aber schliesslich war e r es, der gegen die Alliance Israelitc Universelle, die wenigstens im Prinzip diesen Gedanken vertrat, den grundsätzlich deutschnationalen ״Hilisvcrein deutscher Juden“ ins Leben rief. Solange er der leitende Geist war, versuchte .r dabei fiir die hebräische Sprache und die jüdische Gesinnung wenigstens einiges hei luszuschlagen. Während Iferzl als grosser Diplomat offen und w ahrhaftig mit den Pürsten und Staaten verhandelte, so diplomatisierte Hambus. wo er nur konnte, für die Kleinkolonisation und auch gegen den politischen Zionismus, bei allen jüdischen Gesellschaften. Denn dass er ein Meister der Stubendiplotnatie und Klcinpolitik war, müssen wir neidlos anerkennen. Seinem Einfluss ist es zuzuschreibeu, dass die ״Ica" fiir die Palästinakolonisatiou einige grössere Drucken hin wirft, wie dass sie glauben darf, damit ihrer Pilieht gegenüber der zionistisehen Volksbewegung Genüge getan zu haben. Bambus war eine komplexe Natur, in der sich die Wiederspriiclie, die der Logiker fiir unvereinbar erachten sollte, psychologisch zusammenfanden. Hier der grösste Idealismus, und dort wieder ein solcher Mangel an diesem Idealismus, dass seine besten Freunde an ihm irre werden konnten, während er den Gegnern Bewunderung abzwang. Er war eine harte Natur, die gleichwohl weichherzig sein; konnte. Er war mildtätig und konnte fiir Arme und Verlassene mit einem Eifer tätig sein, der Bewunderung verlangt und der unter der harten geschäftsmüssigen Form litt, in die er seine Güte einkleidete. Bambus bedeutet fiir den Zionismus eine entschwundene Periode, die wir keinen Grund haben, zu vergessen. Er war einer der Vorläufer der Bewegung. ihr letzter Vorläufer, der cs nicht verstellen konnte dass der Zionismus eine neue grosse Kntw׳ickclimgs• Periode begonnen hatte. Hiergegen kämpfte er au niii allen Mitteln, und da er glaubte, dass er für sein sub. jcktiv durchaus ideales Ziel sieb weniger idealer Mittel bedienen dürfte, so erregte er Abneigung bei den Freunden, die in ihm weniger den ideenreichen Kopj und unermüdlichen Arbeiter, als den idealistischen Zionskämpft;r geliebt hatten. Eine gewisse Beruhigung war es ihnen, dass sie den idealistischen Grundzu* seiner Bestrebungen stets offen anerkannten, und dass sie vieles verstanden, was der Fernstehende nicht verstellen konnte. Denn Willy Bambus war seit vielen Jahren ein schwer leidender Mann, der selbst nicht wusste, w ie krank er war. Er war ein Mann, den das Unglück ausersehen hatte, um seine ganze Grausamkeit au ihm zu iiben. Das schwere Leid und die bittere Not, die er durchgctnaclit batte, schon in jungen Jahren, muss jeden versöhnlich gegen ihn stimmen. Die bittere Not des Lebens hat er in schwerem Kampfe gegen das widrige Geschick durchgekostet. Zu der Not und der Krankheit kamen die Leiden in der Familie, l’nd n!s es ihm endlich nach unendlichen Mühen und tmsägliehen Qualen geglückt war. sich ein Leben zu sichern, dass er den Mangel früherer Tage hätte vergessen dürfen, dass er ein reiches Auskommen fiir sich und seine Familie geschaffen hatte, da kaut die sdueekliehe Krankheit, die schon seit Jahren in ihm schluns• inerte, zum Ausbruch und malte ihm seit Jahren den sicheren Tod vor Augen. So war das junge Leben das jetzt geendet ist. ein reiches Leben, reich an Idealei und reich an Kämpfen, aber auch reich an Enttäusch»!)• gen und reich an Schmerzen, die für einen Menscher eigentlich zu viel sind. Auch wir haben mit ihm in herzlicher Freundschaft gelebt und haben uns von ihm getrennt, als sein Weg vom Zionismus fort in andere Bahnen lenkte, aber mit inniger Wehmut erfüllt uns der Tod des jungen Mannes, der schon vor Jahren als ein Fünfziger erschien, nach Aussehen und Wesen. Wir hätten ihm von Herzen gewünscht, dass ein ruhiges, freundliches Alter auf sein mühevolles und schmerzen reiches Leben gefolgt w äre, und dass er noch den weiteren glücklichen Fortgang des Zionismus, der ihm ja doch! ein Herzensbedürfnis blieb, hätte mitansehen dürfen. Es ist ihm nicht vergönnt gewesen. Wir würdet! ihm Unrecht tun, an seinem Grabe zu schweigen. Wir können und wollen nicht loben, wo w ir dieses Lob nicht mit gutem Gew issen aussprcdieii können. Aber Bambus war nicht der Mann, der gelobt oder getadelt zu werden verdient, der nach Gut und Böse beurteilt sein will. Er war zu klein, um den Zionismus zu führen, den er führen zu können glaubte, und zu gross, um aus der Geschichte des deutschen Zionismus, den er mit begründet hat. als einer der allerersten und als “iner seiner hervorragendsten Arbeiter, gestochen zu werden. Willy Bambus gehör; der Geschichte an, wie seine Ideen, die er im Zionismus vertrat, bereits der Geschichte angeboren. Freund und Feind müssen ihm zugcstchcn: Willy Bambus wird in der Geschichte des Zionismus nicht vergessen werde!!• Heinrich Loewc. Wahrheit für Wahrheit. Einem Vorbetcr, der. wie es an den hohen Feiertagen üblich ist, das Abendgebet mit den minutenlang andauernden SchnörkeHautcn begann: .,Ha. ha. ha,” um dann endl.ch ,־fs״־ hervorzubringen, sagte einmal einer: ״Ersparen Sie doch sich und uns diese überflüssige Einleitung. Wir wisse:! doch alte, wo Sie hinauswollen — nun, heraus mit dem .׳.".״לך.