Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mann, der ein Alter von kaum 42 Jahren erreicht hat, kann aber nicht in die Erde gesenkt werden, ohne dass der Zionismus gedenkt, was ihm Bambus gewesen. Wir wollen uns dabei freilich nicht dazu verleiten lassen, dem Teten nur Gutes nachzusagen, weil er ja mm einmal tot ist, und wollen ihn auch keineswegs für Taten verantwortlich machen, die er unter den Umständen, unter denen er handelte und als ein Mann seines Charakters und seiner Anschauungen unter solchen Verhältnissen unbedingt tun musste. Aber wir erinnern uns, dass er, der aus keiner jüdisch-gesinnten Familie hervorgegangen ist, für das Judentum, das er lieben lernte, in nationalem Sinne arbeitete, wenn auch seine Arbeit, wenigstens in den letzten Jahren, keineswegs eine nationale war. Der alten Chowewe-Zion-ßewegung. die ein Teil der früheren Entwickelungsstufe des Zionismus ist, war Bambus aufs innigste verbunden. Er war es, der den Verein Esra zu dem gemacht hat, was er ist, ohne dass dadurch das Verdienst anderer fleissiger und uneigennütziger Arbeiter geschmälert werden soll. Von ihm gingen viele Jahre hindurch viele Gedanken aus, die in der Kolonisation massgebend wurden, und deren Ernst auch der nicht verkennen kann, der sie grundsätzlich bekämpfen musste. Die Kleinkclonisatian im eigentlichsten Sinne des Wortes, die am liebsten sogar nicht einmal Kolonisation hätte heissen mögen, um nur ja nicht die türkische Regierung misstrauisch zu machen, war das eigentlichste Bctiitigungsfeld von Willy Bambus. Der ״Serubabei“, jenes vorzionistische und halbzionistische Blatt, das in den Jahren 1887/1888 in Berlin erschien, war Bambus’ Arbeit. Der ״Zion“, der unter den beiden früheren Redaktionen das zieltewusste Blatt nationaler Regeneration war, ging nach dem ersten Kongress in Bambus’ Hände über, der es als Gegenorgan gegen die zionistische ״Welt“ herausgab, in dem er die kolonisationsfreundlichen Elemente des Zionismus zu einer Fronde gegen Herzl sammeln wollte, ohne dass es ihm gelang. Das Eingehen des ״Zion“, nicht aus Mangel nur an materiellen Mitteln, weil er keine Abonnenten hatte, sondern vor allem, weil Bambus keinen einzigen Mitarbeiter finden konnte, war ihm der Beweis, dass seine Zeit im Zionismus vorüber war. Der ״Zion“ ist schon vor Jahren gänzlich unbeachtet eingeganger. ein Blatt, das zeitweise doch das führende Blatt im Zionismus gewesen war. Bambus, der eine sehr starke und sehr verständige Natur war, die freilich in allen ihren Entschliessungen durch ein jahrelanges schweres Gallensteinleiden beeinilusst wurde, war ein Mann, der im besten Sinne ein Selfmademan genannt werden muss, ein Mann, der sich aus eigenem Studium eine Bildung aneignete, die ihm durch die Schule nicht vermittelt war. Das erkannten seine Freunde 5>ehr früh, und durch ihr zu eiten bewiesenes Vertrauen in sein überlegenes Urteil haben auch sie vielleicht Schuld, dass Bambus sieb einbilden durfte, dem Zionismus gegen Herzl und gegen den Kongress eine andere Richtung geben zu können. Er hielt sich Herzl und dem ganzen Zionismus für gewachsen und glaubte, dass er die mächtige Volks- Strömung in das bescheidene Bett der vorsichtigen Chowew e-Zicn-Ansehauung zurückdaimtien könnte. Dass er darin seine Kraft ungeheuer überschätzt haue, dass er vor allem ohne die nötige Menschenkenntnis handelte, das bewies ihm jenes letzte Auftreten, wo er gegen Herzl auf dem zweiten Kongress unterlag Das war das Ende von Willy Bambus im Zionismus, auch wenn er noch Jahre lang glaubte, dass er sein Zurückschrauben des Zionismus noch möglich machen könnte. Das Wesen von Bambus’ Charakter war sein unleugbarer Fleiss und seine unermüdliche Arbeitsamkeit, die die zionistische Partei in gleicher Weise kennen lernte, als er Jahre1 lang sein ganzes Können und Wollen in ihren Dienst gestellt hatte, und auch nicht minder, als er sieh offen und in stiller Gegenarbeit gegen sie wandte. Der Fleiss führte ihn freilich dazu, dass er sich sogar mehr zumutetc, als selbst seine unermüdliche Natur zu leisten vermochte, und er übernahm Arbeiten, bei deren Fülle die einzelnen unter der Konkurrenz der andern leiden mussten. So ist es sehr charaktcristisch. dass er in den letzten Jahren zugleich der Sekretär des ״Hilfsvereins der deutschen Juden“ in Be rlin und gleichzeitig der Direktor der AktiengeseÖschaft uruppw .;׳ י! יל ■ יןיזי *.;ד, I I J 1 1