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Jüdische Rundschau · 1904-11-04 · Heft 44 (4.11.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 44 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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:• ^־׳•מדדי.^־ ־. *ד״מי No. 44. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 375. '׳ •11 i 1j . I tu *. s Ifi ■ I von den anderen Völkern den Juden in Erinnerung gebracht. In einer Zeit, da al!!c Nationen sich in ihrer Eigenart konsolidieren und abschlicsscn, müssen auch die Juden zu ihrem Volk und dessen kulturellen Besitztümern zurückkehren. Die itid'schc Kul'.urkraft dürfe nicht weiter an fremde Nationen verschleudert, sondern planmassig der Belebung und Erhebung des eigenen Volkes zugewandt werden. Wenn z. B. bei der Lösung sozialer Probleme die Juden bisher nur für andere gearbeitet, anderen die Märtyrer gestellt hüben, so müssen sie jetzt einmal an sich selbst, an das besonders drückende soziale Elend, namentlich der östlichen Juden, und an dessen radikale Beseitigung denken. Der nationalwirtschaftliehe Zionismus strebe nach Rückkehr zu uralten Besitzforimn, die schon in der Bibel klar gezeichnet, heute in der Bodenrefornt wieder aufleben. In den Fragen der Volkserziehung dringe der Zionismus zunächst für die östlichen Juden auf töne durchgreifende Schulreform, damit dort statt asketischer Schwärmer und weltfremder Grübler einmal moderne Mensehen erwüchsen. Doch verzichten die Zionisten grundsätzlich aut Einflussnahme in religiösen Dingen: erst auf dem matericllcn und idealen Boden altnationaler Tradition würden diese sich gedeihlich lösen lassen. Der Volkserziehung diene im Osten auch eine reiche Literatur und Pres«״, sowohl in Judcndcutsch.dcr zu Unrecht verlästerten Umgangssprache vieler Millionen von Juden, als auch im Neuhebröischeu. jener neuen Bliite der uralten Sprache. Audi das westliche Judentum müsse wieder der hebräischen Sprache, diesem kulturellen Einigungsmittcl ersten Ranges, sein Interesse zuwenden. Mit einem Bück auf die eigenartige Frucht des neuen Volksgeistes, die ueujiidische Kunst, schloss Redner seine *Astündigen fesselnden Ausführungen, die von reichem Beifall gelohnt wurden. Verbindung ,Banss'a" zu Prag. Ergebnis der Chargewählen für das laufende Winter-Semester: teelut. Ludwig Fischer י<. techn. Arnold Herzog XX. jur Jaroshv Stein XXX. Stammlokal: Gasthaus zum Prinzen. Grosser Ring. Farbenverbot. Am schwarzen Brett der deutschen Karl- Ferdinands-Universität zu Prag ist folgende Kundmachung des akademischen Senats angeschlagen: ..Infolge Beschlusses des akademischen Senats vom 12. Oktober l'AM wird der jüdisch akademischen Verbindung ..B •1 r i s s i a“ zur Wahrung des deutschen Charakters der Universität und der Ruhe und der Ordnung au derselben das Tragen der Abzeichen in sämtlichen Räumen der Universität verboten. Der Rektor. Hofrat Ulrich.“ Die ..Barissia” ist streng zionistisch; ihre Farbe •st viol-silber und violette Rappe. S;e bat. um etwaige Bestätigung beim Senat überhaupt nicht angesudit und eine derartge M issregelung einer zionistisch«•» Verbindung ist b׳sher nirgends, weder im Reich. roch in Österreich oder der Schweiz voreckommen. Der einzige Anlass und Grund dafür uurfie sein, dass Prag die letzte Stätte der ..Deutsch-Liberalen“ (Israeliten mit getauften Paradcchristen) . Kouleurs“ 8 an der Zahl ist. Diese tapferen Verteidiger des Prager Deutschtums provozieren hekanntreh die tschechischen St rassenk rawalle. Von den deutsch-nationalen (arischen) Studenten werden sie svstematisch boykottVmt. Im vorliegenden Falle wollten sie durch eine Denunziation dem bedrohten Deutschtum auf d:e Berne helfen. New-York. Wir entnehmen der . New-Yorker Sta3t*zcftung“: Israel ZangwIF .1» Bord der ..Teutorlc“ h'er elngetroffen. Unter den Passagieren des gestern Abend hier eingelaufenen Dampfers ..Tcutnwc" befanden sich Herr Israel Znimvill. der bekannte D:cht״r und Schriftsteller Englands sowie dessen junge Gattin, die Tochter des Londoner Professors Avrton die ebenfalls schon seit mehreren lahren schriftstellerisch t"«tig ist. Einem Bcnchtcrstatter gegenüber Fcss «ich Herr 7anvwill dahin aus dass der Zweck seiner Reise nach New- York d׳e Förderung der Interessen «W 7ionit«'n־Bc"*egu1:g se׳. für welche!חייה in Amcrka noch nicht das grosse Verständnis habe wie in England. Während sich Herr /angwill nicht dafür misspraeh da«s man Ansiedler וץ0י׳ח einem •סחו Omdratmeilen grossen?triebe I .״»״des im brit;sche?1 Ost-Afrika schicke erkannte sr d«mnoHt lohend das Anerbieten der britisehen Regierung au die Zion'sten an. D׳e Kommission, die vor einiger Zeit dorthin geschickt wordrn «ej. um den in Frage stehenden LandkomHcx zn bes;eht׳'een. habe noch he׳ncn Bericht über ihre Forschungen ahgclegt. und solange d:rs nicht geschehen sei könne diese Frage vorläufig nnberührt bleiben. .Was meinen Besuch anbelan״t. so ist es m׳r vor allem darum zu tun. d'e hervorragenden lsra״üten Amcrikas für d*e Bewegung 711 gewinnen. Es unterliegt keinem Zweifel, und es ist dringlich geboten, dass der fortgesetzten Auswanderung der Juden naeh Amerika e;p Damm gezogen werden muss. Amerika ist förmlich von Israeliten •überflutet. Schon jetzt wird augedcutet, dass ein fortgesetzter Zustrom von Juden nach Amerika eine antisemitische Stimmung heraufbeschwören dürfte, und dahin darf es weder im Interesse der Israeliten noch im Interesse Amerikas kommen. Die Juden müssen sich an irgend einem Platze ansiedcln und eine grosse Kolonie ins Leben rufen, aber nicht in Amerika." Der nächste Zionistenkongress. Die ,.Zeit“ meldet: .Wie das zionistische Aktionskomitee bekanntgibt, findet der nächste, siebente Zionistenkongress vom 16. bis '19. Mai 1905 in Basel statt. In hebräischen Zeitungen wird als wahrscheinlicher Leiter des Kongresses und Führer des diplomatischen Teiles der Bewegung Dr. Max Nordau in Paris bezeichnet. Wir überlassen der ״Zeit“ die Verantwortung für die Richtigkeit ihrer Meldung. — Rundschau. —< D'e Reserv'sten-Unruhen In Südrussland. Aus Petersburg. 13. Okt., wird der .,Voss. Ztg." geschrieben: Seit einigen Tagen verursacht eine gegen Berichte auswärtiger gerichtete Ableugnung der .,Russ. Tel.-Ag." Heiterkeit bei den Auguren und Bedenken in ernsten politschen Kreisen. Die Ablegung betrifft die Meldung, dass eingezogene Reservisten Ausschreitungen verübt haben, weil die Intendantur für ihre Verpflegung und Unterbringung nicht gesorgt hat. Die ,.Russ. Tcl.-Ag.“ stellt die durch Nachlässigkeit der Imeudantur leicht erklärbaren Unordnungen als eine Judenhetze dar. die hervorgerufen sei durch Preissteigerungen jüdischer Nahrungsmittelhändler und durch den Zorn der Christen über jüdische Sozialisten, welche Auirufe gegen den Krieg erteilt hätten. Ich bin nun in der Lage. Ihnen eine allseitig nachgeprüfte Darstellung der tat* sächlichen Vorkommnisse zu geben. Sie werden daraus am besten ersehen dass es sich in diesem Falle nicht um Judenhetzen, sondern um Bummeleien der Intendantur im Zusammenhang mit mangelnder Geschickl'chkcit der Transportiühre!• und Ortsbehörden handelte. Kleinere Unordnungen sind nach den cingelaufenen Nachrichten wohl überall da vorgekommen, wo die Reservisten zwei Tage und mehr nicht mit warmen Speisen versorgt wurden: Odessa. Kischinew und zahlreichen anderen Orten. Zu wirklichen Plünderungen der Eisenbahnbuffets und einzelner Brotbuden kam es in Snamenka, Sdolbunovvo, Mironovvska, Korsum. Schepetoloka, Rowno. Sehr böse muss cs in Jekaterinoslaw gewesen sein, wo die dortigen organisierten Fabrikarbeiter sozialistische Aufrufe verteilten und zur Auflehnung gegen die Obrigkeit aunorderten. Polizei und Gendarmerie leisteten den Reservisten keinen ernstlichen Widerstand. In der Fabrikstrasse organisierten and die Juden zu bewaffnetem Widerstande und wurden darin von etwa 3• X) Fabrikarbeitern unterstützt. Dennoch wurden einige Läden zerstört. Schliesslich gelang es. die zum Teile betrunketien Leute zu umzingeln und gegen den Dnjepriluss zu drängen. Damit war die Prügelei zu Ende, denn die Soldaten hatten kein Verlangen nach einem kalten Bade. Schlimmer sah cs in Alexandria, einem keinen Städtchen des Gouvernements Cherson, aus. Dorthin waren gegen 1?0ח Reservisten konsigniert. die, direkt vom Lande kommend, vom H. September ab eintrafen. Für Verpflegung war in keiner Weise gesorgt. Naturgemäss stiegen die Lebensmittelpreise in gleichem Masse wie die Zahl der Verbraucher. Am I 17. (Sonnabend) wurde ein einem Russen gehöriges Geschäft l zerstört, da die Jüdischen geschlossen waren. Sonntag aber f gab es in allen 20—25 Lebensmittelhandlungen Unzuträglichketten, die in Prügeleien und später in einen geschlossenen Angriff gegen die Geschäfte ausarteten. F.in Jude wurde ge- I tötet, zwei schwer verwundet. Erst als am Sonntag Kosaken I erschienen, wurde die Ruhe wiederhergestellt. Ebenfalls blutig gingen die Prügeleien in Wologda aas, wo es keine handeltreibenden Juden gehen soll. Es bedarf ihrer auch gar nicht, denn der russische Kulak (Blutsauger) kennt sein Geschäft besser als der jüdische. Das ist kurz dcrTatbestand, dem erst das Dementi Bedeul I , r ■ ו f S t?יייו!

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