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Jüdische Rundschau · 1904-11-04 · Heft 44 (4.11.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 44 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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.44 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU Sjdte »»^*י ' w ־■יון■?' Ji^3,jy׳y;״״״.:׳״rr decken muss, es gibt auch grössere Bauteile, ja ganze Fassa- $len:ufl,d;D3ttNyprke,.an denen die Menge achtlos und ahnungslos vorübergeht. Das Verständnis für den künstlerischen und kulturhistorischen Wert eines solchen Denkmals wird in der Oeffentlichkeit oft dann erst w.»chgerufen, wenn die, meist durch: dje. neuzeitliche Stadtentwicklung bedingte Frage der Vernichtung oder Rettung eine unabweisbare geworden oder die Zerstörung schon geschehen ist. Als Beispiel für dieses letztere beklagenswerte Schicksal sei hier ein unersetzlicher Verlust in! Bestände unserer Alt-Frankfurter Baudenkmäler erwähnt nämlich das vor kurzem nicdergclegte Mumm’sche ff §ns;auf. der Zcil. jener .gross angelegte Palast, der nach jeder Richtung hin als ein Baudenkmal ersten Ranges bczeichpet.werden musste.. Glücklicherweise bietet das in jüngster Zeit infolge der zdlilreichen Abbrüche etwas ungleich erscheinende Bild unserer Frankfurter Denkmalpflege doch auch manche freundlicheren Züge. Einige Baudenkmäler sind auch ohne unmittelbare Bedrohung pietätvoll in ihrem Bestände gcsiclwrt worden; so hat dfc.־Stadt. selbst für die Wiederherstellung der Goldenen \Vrd g e, des 'S t c i n c r n e n Hauses, der Gerbermüh je. gesorgt, dem Torbaue des Deutsch ordens-!Hauses ist auf.Veranlassung der katholischen Gemeinde eine glänzende, niustergiitige Wiederherstellung zuteil geworden. In den Kreis dieser Denkmäler, über denen ein freundlicheres Schicksal rechtzeitig ־ gewaltet hat. tritt mm ein neues ein, eines der historisch und künstlerisch wichtigsten unserer Vater- Stadt;-es ist der alte, seit der zweiten Hälfte des dreizehnten־ Jahrhunderts benutzte und im Jahre 1S2S geschlossene F r:1' e'd 11 o f der israelitischen Gemeinde. ־: :* Dieses alte Kultur- und Kunstdeuknial, das sogar zu den bedeutendsten seiner Art in der Welt gezählt werden darf, gehört auch •za denjenigen, deren Vorhandensein nur wenigen bekannt ist, obgleich cs fast mitten in» Getriebe des grossstädtischen Strassenverkehrs, am Rande der Altstadt, am jetzi- Ben BÖf'ncp-latz gelegen ►st. Seit seiner Schliessung hat didscr Friedhof ein stilles, verträumtes Dasein geführt. Keine Oennang in der altertümlichen Mauer, die ihn umschliesst und ani drei Seiten von Häuserfluchten eingefasst wird, gestattet vcu der.Strasse her einen Blick in das Innere, und wohl kaum einer der Vorübergehenden ahnt das wundersame, ergreifende Bild des Grabesfriedens, das sich hinter dieser unscheinbaren, $cbmucklosen Mauer ausbreitet. Die ursprüngliche Eingangspforte ist längst, verschwunden, dafür besteht heute nur ein schmaler, provisorischer Zugang durch das an der Sfoltze- Strasse gelegene Seitenportal der reuen Synagoge.• Welche Fülle von geschichtlichen Erinnerungen, die gleichlaufend sind mit den wechselvollen, oft ttcf-tragischcn Schicksalcti. des benachbarten Alt-Frankfurter Ghettos, haften an dieser Stätte: die vielen Beschränkungen, die der alten Judengasse auteilegt waren, haben auch hier ihren Ausdruck gerunden. Wie dort dem Raummangel der oft erschreckend schmalen Häuschen abgeholfen werden nuisste, so gab es auch auf dem Judctifriedhofe. als er überall mit Gräbern besetzt war, kein anderes Mittel, als sein Terrain durch Erdaufschüttuug künstlich zu erhöhen und in dieser neuen Schicht weiter zu beerdigen, ein Verfahren, das inj Laufe der Jahrhunderte mehrmals wiederholt wurde. Die alten Grabsteine der uuteren Schichten wurdeu dabei imn»er wieder mit in die Höhe genommen, um fernerhin die Kanten der früher Bestatteten und die Stelle ihres Grabes mit Sicherheit feststellen zu können. Dieser pietätvolle Brauch hat dem Friedhöfe seine heute noch bestehende, einzigartige Signatur verliehen. Als eine grüne.•von wucherndem Pilauzcnwuchs erfüllte Insel inmitten der umgebenden Strassen und Häuser, besetzt gleichsam von einem ganzen Walde von Grabsteinen, die auf . sanft geschwungenen Erdwellen sich erheben, so stellt sich der Friedhöf dem erstaunten Blicke beim Betreten dar. Eine feier- י liehe Stille scheint uns zu unigeben. in die das laute Getriebe der Strasse nicht hineindringen kann, mit mit einem Schlage ist die Stimmung des Alltages von uns abgestreift und wir lauschen den Stimmen, die aus längst entschwundenen Zeiten hier herübertönen; kaum ein anderes Denkmal Frankfurts mag es geben, das so unvermittelt und eindringlich zu uns redete• An sechstausend Grabsteine, in der Mehrzahl aus rotem Sandstcm gefertigt, alle von länglich-hoher, mehr oder weniger schmaler Form, stehen hier beisammen, nach Westen zu in aufgelösten Reihen, nach Osten zu oft so eng nebeneinander, dass nur eine handbreit oder noch weniger Abstand zwischen den Steinen übrig bleibt und daher ein Durchschreiten an mehreren Stellen des Friedhofes unmöglich ist. Hie und da sind einzelne Steine in den nachgiebigen, weichen Boden eingesunken, denn sie besitzen nur selten ein Fundament, andere sind der Länge nach umgesunken oder stehen noch schräg und werden in dieser Lage von den benachbarten Steinen aufgehalten und gestützt, viele stehen noch aufrecht und sind gut erhalten, andere dagegen sind in dünnen Steinschichten abgeblättert oder gänzlich in sich zerfallen. Zahlreiche Gruppen in immer neue» für genaueren Unterricht im Detail, aber nicht um Begeisterung aus ihm zu holen. Die Bibel lag auch näher. Undjjie schlichte Kraft ihres volkstümlichen Wortes, das auch im ersten Buche der Makkabäer noch vom heroischen Atem der Königsbücher durchweht ist, ist eben unvergleichlich geeignet, einen schlichten Helden wie Judah in urwüchsiger .Grösse vor uns abzuschildern, und in schönheitssuchenden Seelen :Begeisterung für ihn zu erwecken. Dass Ludwig ihn aus älteren poetischen Bearbeitungen des Stoffes herübergenommen hätte, ist nicht gut zu glauben, da er sie wohl nicht gekannt hat. Und in Werner’s ״Die Mutter der Makkabäer", dje ihm höchstwahrscheinlich nicht fremd war, 4ütt Judas Makkabäus so sehr gegen die Hauptheldin zu* rück *:und vermag.jso wenig, anzusprechen, dass eine Inspiration von dieser Seite her (was den Judah . betrifft) ausgeschlossen •erscheint. . י Also von •der Bibel . her flog die blitzartige Erieuchtyng jn alle Winkel. der L.’schen Dichterseele, wo tausend licjit’i. J^rjd raumerharrende Embryone lagen. Und (ftefgrosse Vorahnung eines werdenden Ganzen schloss all das Gesonderte in eine plötzliche Einheit. .. . . Die Gebilde, die jetzt entstanden, trugen ihre doppelte Abkunft an der Stirn. Und beide zusammenfallenden Kräfte modifizierten einander. Die alten Motive wurden biblisch, aber da> Biblische blieb dadurch nicht unverändert, } sondern bekam auch den Stempel der alten Absichten des | Dichters. Der Freiheitsheld wurde der Judah der Bibel, i aber dieser Judah war schon nicht mehr der biblische: ein j Zug von allzustarkem Kraftgefühl bringt ihn (gegen die 1 Geschichte!) zur Unterschätzung seines Volks und zu einem | ״Schicksalswerkzeugshochmut“1). Das unterdrückte, um ן Freiheit ringende Volk wurde das jüdische, aber dieses! jüdische Volk war das biblische schon nicht mehr: denn j ein solches hatte nie daran gedacht, sich gegen seinen I Führer Judah zu erheben2). Das kam erst aus den Motiven! des ״Armin“ hinzu. Das Streben, die jüdische Psyche darzustellen, fand Erfüllung an dem Volkstypus der nachexilischen Zeit; aber dieser Typus trägt doch manche un* historischen Züge, Spuren aus der Psychologie eines neueren Judenblutes, aus der Zeit der Beschäftigung mit dem ״Jakobsstabe“. ■-־'•־. ’ י) IV. p. 23/*־ ׳ ־־) Graetz, Gesch. d. J. B.’2,״II.

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