Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 370. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 44. Partei stellen wird, die innerhalb der Qemeindc wirklich konservatives Judentum und echten Liberalismus der Gewissensfreiheit vertritt, das werden wir in nächster .Woche unsern Lesern und Freunden mitteilen können. Für heute haben wir nur das eine zu konstatieren, dass die Liberalen nicht liberal und die Konservativen nicht konservativ sind• Dr. HeinrichSachse. Mitteilungen vom Zentralbüro _. der Zionistischen Vereinigung _ I für Deutschland. 1. Herr Rechtsanwalt Gronemann spricht am 13. November in Bremerhaven. Herr Dr. Friedemann hat am 36. Oktober in Mühlhausen i. Eis. gesprochen und wird am 5. November in Trier sprechen. Herr H. York-Steiner-Wien spricht am 5. No• vember in Dessau, am 6. November in Hannover, am 8. in Mannheim, am 10. in Frankfurt a. M. und am 12. in München. 2. Diskussionsabende der Verbindung .,Hasmonäa“ in der Lesehalle dos Zentralbtiros, Friedrichen 58 II. Ara Sonnabend, dem 5. November, wird Herr Dr Mühsam über ״Die Juden als Russe“ sprechen. 3. D e Ortsgruppen und Vertrauensmänner werden dringend an dio Einziehung der Schekel und Landesbeiträge erinnert. Da der 7. Kongress wahrscheinlich schon im Marz stattfinden wird, so ist keine Zeit zu versäumen. Auf die vier Entwürfe für die Ausgestaltung der Makkabäerfeier aus Nr. 43 der .,Jüdischen Rundschau“ wird nochmals hingewisen. Anfragen über Texte, Noten und Liederbücher sir.d an die Expedition der ״Jüdischen Rundschau“, Augisistr. 40a, zu richten. 5. Es wird um Angabe der jetzigen Adresse des Herrn Oskar Nacht, früher in Marburg, gebeten. Jüdisches Auswanderungsburo. Der Jewish Emigrants Infoimation Board, London E. C., Backlersbury 21״ von dem bereits vor einigen Wochen in diesem Blatte die Rede war, hat der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mitgeteilt, dass der Zweck des Büros ist, dauernde ^Stellungen für Aus- Wanderer in den englischen Kolonien zu finden. Die Honen fügen hinzu, das< z. Z. solche Stellungen lür alle möglichen Arten von Handwerkern offen sind, das3 sie sich aber der Regel nach nur auf Aus- Wanderer beschränken wollen, deren Domizil England ist. Diese Mitteilung dürfte auch ausserhalb Englands von Interesse sein. Das Zontralbüro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat uns daher um Abdruck dieser Zeilen ersucht, damit die Mitteilung in die zionistische Presse gelangt j Berlin. Diskussionsabende der Verbindung ״ ןHasmonäa“ in der Lesehalle des Zentralbüros, Friedrichstrasse 58 II. Am Sonnabend, dem 5 November, wird Herr Dr. Mühsam über ״Die Juden als Rasse“ sprechen. Jeder Zionist ist als Gast willkommen. s Für den Bezirk der Ortsgruppe Glclwltz hat •Fräulein Regina Cohn, GI c i w i t z , W i 1 - heim st ras sc 32, die Zentralstelle für die neuen Materialsainmliingen zu gunsten des Nationalionds überncninien. Arbeitsprogramm für zionistische Ortsgruppen. Der nächste Teil de* Arbeitsprogranirns, der heute zum Abdruck gelangt, versucht die grundlegenden Fragen des Zionismus in systematischer Weise zu gliedern und in ihre Eiemente zu zerlegen. Dabei wird, wie natürlich, von jeder Dogmatik abgesehen. Der Versuch der Systematisierung hat zur Folge, dass sich manches mit dem in der vorigen Nummer veröffentlichten berührt. Es ist aber hier teilweise unter einem andern Gesichtswinkel gesehen; auch aus diesem Grunde soll es nicht fehlen. Die für die Fragestellung erforderliche Präzision nötigt hie und da zu näheren Erklärungen. I. Theorie des Zionismus. I. Elemente.! Worin besteht die Juden!rage? Wer ist an ihr interessiert? J Ist sie in allen Ländern dieselbe? Was ist an der zionistischen Lösung das Wesentliche (Auswanderung? Nationale Gesinnung? Die Judendichtung Otto Ludwigs. (Fortsetzung).*) Alle diese Stimmungen, Motive, Absichten, Charakter- und Formungstypen gingen der Komposition der ״Makkabier“ voraus oder neben ihr her. Wenn wir es noch einmal knapp zusammenfassen: Folgender Rohstoff lag in Ludwigs Dichterwerkstatt zu fruchtbarer Verwertung vor. Ein Kontrast zweier plastisch individualisierter Frauentypen, die Ehe gegen die Konvention und ihre Widerstände, ein selbstherrlicher Typ, der die Masse nur als Ding oder Waffe ansieht, der Voltsheld von höchstem bis 2um Hochmut überspringendem Selbstgefühl, der aus edelstem Antrieb sein geknechtetes, auch innerlich in der Entwicklung zurückgebliebenes Volk befreien will, aber dabei die Riva- litat des Neides wie die Verkennung, Verketzerung und Hemmung durch eben das Volk, das er beglücken will und dem er sein Leben widmet, zu erfahren hat; ferner der Gegensatz zweier nationaler Typen, von denen der eine weltbeherrschende Kultur, der andere engbegrenzte, *) S. Nummer 43 der ״Jüdischen Rundschau״. aber in sich freie und sittliche Eigenarten durchzusetzen bestrebt Ist und deren erster den zweiten in sich zu spalten und zü vergiften droht; endlich das Interesse am Studium der jüdischen Seele, in ihrer ureigensten Selbsdarstellung und ihrem Kampfe gegen eine angreifende Welt. ♦ * All diesen poetischen Atomen fehlte nur noch eines: der Hauch, der sie zur Kristallisierung bringen konnte, das eine zur Organisation notwendige Bindeelement, die rechte Fabel. Wie Ludwig zu dieser kam, wissen die Biographen nicht zu melden. Von der bestimmten inspirativen Gelegenheit wenigstens schweigen sie. Was wir ihnen entnehmen können, ist: dass Ludwig in seiner Auffassung der Geschichte offenbar der Bibel folgte, und dass Zacharias Werners ״Die Mutter der Makkabäer“ Züge frappanter Aehnlichkeit mit seinem Drama aufweist. Die Inspiration durch die Bibel und die I. Fassung (1850). Werden wir entscheiden können, woher die Inspiration gekommen?