Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651385--01769-2658642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
" : L* . Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Viertel jährlich! I. daroh dl• Expedition: a) In Berlin M. —,9a b) nach auswärts M 1,— c) fflr das Ausland M. 1,50. I. im Poatabocmement M. 1.25 an ■erat« U2 tlergespaitcne Petiueiie 25 Pf. InoeratonbeUagea 15 M. 's ife Organ & der Zionistischen Vereinigung tat '1 Adresse für Geldsendungen , und Bestellungen: Veilag.'?Qdisdie tundsdiau, , .• L׳a m. b« H. Bettln n 54! Huguststrasse llr. 19a. $predi$tun<Ien: ». 4—5^Jhr nachmittags. . ׳ Redaktion: . Dr. Kefniicf! Loewe, Berlin HW. 52, me|ond1thonslrass5 4. Alle Rcdtfe rcrb«hal(en. •flWnKk cus der 3üdtsd1en SurdsdrcB. ,nur bei voller Qudicüanaobe jeslotiet ־;. I 1 ר#.*•m.%jm No. 44. Berlin, 4. November 1904. 26. Cheschwan 5665. IX. Jahrgang. Nicht konservativ und nicht liberal! Drei Jahre sind vergangen, seitdem zum letzten Male die grosse jüdische Gemeinde In Berlin ihre Gemeindevertretung gewählt hat. Auch jetzt wieder scheidet eine Hälfte der Repräsentanten aus, um sich einer Neuwahl, und wenn es nach ihrem Wunsche gehen würde, einer Wiederwahl zu unterziehen• Das letzte Mal haben durch die Hilfe der zionistischen Agitation die sogenannten Konservativen einen Sieg davongetragen. Seitdem haben die Liberalen alles getan, um auch diesmal den Konservativen den Sieg zu sichern. Besonders Herr Prof. Ludwig Geiger hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um jeden,־ der noch ein Fünkchen von Judentum in sich verspürt, der konservativen Gruppe zuzuführen. Da war das ״alte Mütterchen“ in der Altersversorgung, dann die Geiger־ sehe Rede von der Gotteslästerung, wenn man Zion in sein Gebet einschlösse, und abgesehen von unzähligen kleineren Angelegenheiten die grosse Protektionssache in der Bibliothekarsangelegenheit, die nur recht teilweise eine Sache Fromer, und viel mehr eine Affäre Geiger war. .; .. Aber die Konservativen haben nicht minder geruht, dauernd gute Propaganda für die liberale Partei zu machen und der Jüdischen Gemeinde zu beweisen, dass sie alles andere, nur nicht konservativ seien. Der alte Oppenheim, der allein die Jugendkraft der Partei darstellte, ist nicht mehr. Oskar Berlin musste, von seinen eigenen Gesinnungsgenossen im Stich gelassen, zurücktreten. Und neues junges Blut wissen die alten Herren mit gutem Geschick von sich fern zu halten, das einzige, wozu sic gutes Geschick bewiesen haben. .Aber was haben die Konservativen in der Zeit, wo sie die unbestrittene Mehrheit hatten, getan, um das konservative Judentum zu stärken? Die Antwort hierauf werden sie schuldig bleiben müssen. Aber sie haben uns auch versprochen, für die Gleichberechtigung der armen, kleinen Bevölkerungsklassen sorgen zu wollen. Haben sie es auch nur versucht, die Bezirkswählen ernstlich anzubahnen? Haben sic das Geringste getan, um auch den Armen unentgeltliche Aufnahme ins jüdische Krankenhaus zu sichern, wenn sie zufällig nicht Christen sind?‘ Ist die Armenverwaltung der jüdischen Gemeinde seitdem weniger schroff gegen ihr Publikum geworden oder hat die konservative Mehrheit sonst irgend weichen Schritt getan, der von dem alten unausgesprochenen, aber um so zäher festgehaltenen Grundsätze der Liberalen, nur■ die Wohlhabenden zur Genieindeleitung und zu Ehrenämtern zuzulassen, hätte abfüliren können? Nein!s Es wird den Konservativen niemand nachsagen können,, dass sic konservativ, dass sic jüdisch oder gar sozial gesinnt waren. Und wenn sie diesmal wieder,, siegen sollten, dank der Taktik eines Geiger, die auf einen, kouservativen Wahlsieg zielbewusst hingearbeitet fiat, so werden sic als beati possidentes noch viel •weniger daran denken, für Judentum und Freiheit,: für., hebräische Sprache und nationaljüdische Gesinnung, für soziale Reformen und für konservative. Fortent\vickJ1mg׳ zu sorgen. Freilich haben auch die Liberalen alles getan, um sich die Sympathieen der Juden zu-.verscherzen, die Gewissensfreiheit und Judentum bewahrt wissen wollen. Ist doch auch unter ihrem Wahl rufe wiederum die Unterschritt jenes selben D r. Edel, der sich allweilmaehtlieh einen Pastor kommen lässt, um im Schosse seiner Familie das heilige Christfest feierlich zu.begehen! . - Wiederum stehen die Wahlen zur ßemeüidevertretung bevor. Für weitere drei Jahre soll das Geschick der Jüdischen Gemeinde in Berlin bestimmt werden, soll der Weg vorgezeichnet werden, den die Genieindeleiumg fortan einzuschiagöif hat; Das ,ist ohnehin für dioGemcindewähier eine schwere YeramwoftuhgvYiel schwerer aber wird für sic die Wahl deshalb,- als;sie es hätte sein können, weil die beiden grossen Parteien, die Listen aufstellen, ihren eigenen Prinzipien nicht •treu sind. Freilich ist nicht das ein Abweichen •vom Liberalismus, wenn die Partei, die vorgeblich liberal ist. jetzt ihren Scnntagsgottesdienst-Antrag Von vor‘ drei Jahren zu verleugnen sich bemüht. Denn der S.onptagsgottesüienst mag wohl von liberalen Dogmatikern später einmal zum Gesetz erhoben werden,־ aber• einstweilen haben wir immer noch mit dem Worte-Liboralis- «ins, das hier missbraucht wird, den Begriffden Ge- Wissensfreiheit zu verhindern;• Und weiin jemand .bei der liberalen Partei Gewissensfreiheit .vermutet, so.möge er sich erinnern, dass das die Partei ist, deren typischster Yertreter jener Prof. Ludwig Geiger ist, der •unser Judentum schmähte, indem er die Gebete für. Zjön und Jerusalem‘ für Heuchelei erklärte. Wie sich die grosse