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Jüdische Rundschau · 1904-10-28 · Heft 43 (28.10.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 43 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 364. No. 43. JÜDISCHE RUNDSCHAU. von Dr. Zlocisti nicht gewünschte Missverständnis zu, dass an der in ״Ost und West'* gegen mich ausgesprochenen Vcrdüchtiguug etwas wahres sei. Dass das nicht die Meinung des Herrn Dr. Zlocisti sein kann, gehl aus seiner unzweideutigen Bezeichnung der Art dieses Angriiis klar hervor. Für diejenigen aber, die vielleicht dve Absicht haben, Herrn Dr. Zlocisti missverstehen Zu wollen, füge ich noch ausdrücklich hinzu, dass ich unter voller Wertung der deutschen Kulturjudenhcit teilt aufrichtiger Verehrer des polnischen Judentums bin. Ich bin mit einer ״polnischen" Jüdin verheiratet. Wenn Jetzt nachträglich Herr Dr. Zlocisti im Gegensatz zu seiner oben zitierten ursprünglichen Aeusscrung sicli auf den Boden des Angriffes gegen mich stellt, wie das in seiner Erklärung und besonders dritten Personen gegenüber inzwischen geschehen ist. so fällt damit auf ihn ebenso wie auf den Urheber des Artikels selbst alles das zurück, was ich zur Kennzeichnung des gegen mich gerichteten Angrins sagen musste. Der Hinweis auf die Herkunftsländer kann dumm sein. Aber noch dümmer wäre es. Wenn ein polnischer Jude es als Be- Icidiguug auffasst, dass ein deutscher Jude mit dem Boden verwachsen ist, auf den: er aufwuchs und den er licht. Herr Dr. Zlocisti hat mich durch die durch Ihn erfolgte Einfügung des sächsischen Riibcndorfs, mit dem er mein Heimatstädtchen bczeichnen will, nicht beschimpft; denn ich liebe tatsächlich mit gutem Grunde meine Heimat, wie man nur eine Heimat und ein \aterhaus lieben kann. Herr Dr. Zlocisti kündigt mir an, dass von anderer Seite und bei anderer Gelegenheit die Angriffe, für die er den unrichtigen Ausdruck ..gegenständlich" gebraucht, wiederholt werden sollen. Er weiss, dass ich auf Amviirfc gewisser Personen nicht antworten w e r d e. Mtcr an der Strasse baut, muss büren, was die Passanten sagen, auch die Worte der vorübergehenden Vagabunden. Dem Passauten erwidere ich ruhig. Den literarischen Strolchen werde ich nicht antworten. Sie haben von mir einen Freibrief. 6. Auf den anonymen Angriff erwidere ich nicht. Dagegen bemerke ich, dass die Redaktion von ..Ost und West" keine Beschwerde über meine Rezension ihrer Herzlnunmier au zuständiger Stelle gegen mich vorgebracht hat — es sei denn, dass Herr Dr. Zlocisti seine persönliche Beschwerde über diese Sache als eine Beschwerde der Redaktion von ״Ost und West" angesehen wissen will. Ich kann es nicht Jedem recht machen. Ich gab mir Mühe, um Jeden Argwohn der Voreingenomnienheit zu vermeiden, die Herzlmunmer von ״Ost und West" so günstig zu besprechen, als das nur möglich war. Dass mir das gelungen ist. beweist mit ein sehr heftiger Briei, der mir unmittelbar nach Erscheinen von einer Dr. Zlocisti recht nah befreundeten Seite zuging, und der mir in bitteren Vorwiirien sem tiefst• s Bedauern über diese so freundliche Rezension aussprach. Nicht Klatschereien und Kaffeehausgeschwätz aus Monopol und Terminus haben mich veranlasst, zu remonstrieren gegen einen Angriff auf midi, sondern der Umstand, dass er gegen mich gerichtet w ird in meiner doppdten Eigenschaft als deutschen Juden und als Zionisten. So w׳eit es sich tun einen Prinzipienstreit handeln könnte, so weit hier der Z i ״ n i s m u s durch einen vom Zaune gebroeheneu Streit schwer geschädigt wird, in einer Zeit, wo uns mehr als jemals Einigkeit dringend not täte, bemerke ich. dass nicht Ich der Angreifer bin. Skh zw wehren, muss aber zu jeder Zeit erlaubt sein. Aber da der Angriff von vornherein sich auch als ein persönlicher gegen mich gab, so werde ich weiter mich nicht zu Schritten verleiten lassen, durch die schliesslich doch nur der Zionismus leiden würde. Wenn ich aber dem Anonymus in ״Ost und West" {gestatten muss, alles zu schreiben, wozu ihn sein Hass gegen, mich als den Juden von gestern und heute und morgen antreibt, so muss ich es Herrn Dr. Zlocisti gegenüber ganz entschieden zuriiekweisen, wenn er sich Ausdrücke mir gegenüber erlaubt, wie ״beleidigende Unterstellungen, versteckte, gehässige Spitzen" und dergl. m. Es ist seiner nicht würdig. Ich nehme zu seiner Ehre an, £r habe sich in der Sache und ’ im Ausdruck geirrt. Uebcrhaupt-hat Herr Dr. Zlocisti in dieser! ganzen Angelegenheit sich mehrfach geirrt. Ich halte es für! richtig, dass ich ihm in der vorigen Kummer und in dieser Erj widerung den Rückweg vom Irrtum so leicht als״ möglich ge- : macht habe. i Dr. Heinrich Loewe,! , (Dr. Heinrich Sachse.) Aus der Bewegung. , Berlin. In der Lesehalle des Zentralbüros wird von dieser j W oche ab die freie Verbindung ״Hasmonaeaä an jedem Soun- ' abend öffentliche Diskussionsabende abhalten. Diese Ein-; richtung. d'e in einigen anderen Städten bereits eingeiiihrt;st. hat sich überall dort eines reichen Zuspruches zu erfreuen, i Es ist zu wünschen, dass sich auch hier in Berlin ein zahlreiches 1 Publikum einfinde, denn einerseits schadet es niemandem in freier 1 Diskussion reden zu lassen, während anderseits das zionistische ' Wissen der Besucher geklärt und bereichert wird dadurch. dass in der Diskussion die Fragen von den verschiedensten : Seiten beleuchtet werden. Der Referent des ersten Diskussions- 1 übendes am 29. Oktober. Herr stud. dein. U n n a. wird über die gewiss allseitig interessierende ״E r a k t i o ui c r 11!! g im Zionismus" sprechen. Bei Besprechung einer solchen ' Frage dürfte zweifellos am Sonnabend, dem 29. Oktober, in der : Lesehalle. Eriedrichstr. 58 11 (Baumann's Restaurant) ein zahl-! reicher Besuch zu erwarten sein. h. ן Hamburg, im Oktober 190-1. Die Zionistische Ortsgruppe י .Hatnburg-Altona begann ihre Winterveraustaitungeu mit einem i Diskussionsabend, der am Donnerstag. 13. Oktober, im Logen- | heim stattfand. Herr Ester manu reterieiic über die ״gegenwärtige Lage im Zionismus". Er verbreitete sich au der Hand der verschiedenen Organisationsentwürfe über die Orgauisatiou, die jetzt geschahen werden müsse und sprach dann über die Konferenz des Misrachi in Pressburg; er verurteilte die Bildung dieser Partei im Zionismus, in welchem für;:.<nderbestrehungen kein Raum sei; er wies darauf hin, dass d־'e Bildung der ..Fraktion" s. Zt. durch die Intervention gerade solcher Zionisten verhindert worden sei. die den Fraktionisten naliegestandeu hätten, er forderte, dass auch die einsichtigen Orthodoxen nach diesem Beispiel handeln sollten. Bezeichnend für die Erregung — in die die zionistische Weit durch die Konteren/, des Misrachi versetzt worden ist, war der Umstand, dass sich die ganze Diskussion nur um diese Frage drehte. Dr. Besser erklärte sich gegen den Misrachi. weil er Zwiespalt hervorrufe. während Eiligkeit gerade jetzt unbedingt von uöteii sei. Dr. F r a 11 c k sprach seine Verwunderung darüber ans. dass die Welt jetzt erst Stellung nehme gegen den Misrachi. der doch schon seit ein paar Jahren bestehe: er bestritt, dass dem Zionismus irgendwelche Gefahren durch den Misrachi drohten und w ies darauf hin. dass der Misrachi sich ja unbedingt der zionistischen Organisation unterwerfe; er wünschte, dass man dem Misrachi Vertrauen entgegenbringe. In scharier Weise verurteilte er die Ausführungen des Dr. Juhgmann in der ״Jüdischen Rundschau". Dagegen suchte D r. G o 1 d b e r g (Neuenahr), dessen Anwesenheit in Hamburg mit Freuden hegriisst wurde, inn eindringlichen Worten den Nachweis zu er-!׳ringen, dass die Sondcrbestrcbungeit des Misrachi die E:nig-! keit im Zionismus zu zerstören geeignet seien; er gab der; Befürchtung Ausdruck, dass durch den Misrachi an die Stelle gegenseitigen Vertrauens, das der Zionismus in so wunderbarer Weise zwischen den Anhängern der extremsten Richtungen im Judentum geschahen habe, das Misstrauen gesetzt und dass dadurch ein gedeihliches Zusammenwirken unmöglich gemacht würde. Dr. Ooldberg trat für Dr. Juugtuaun ein. dessen Äusserungen er als ein Symptom des begründeten Misstrauens ansehe. An der Diskussion beteiligten sich noch Bloch und Holländer (pro) und Dr. Kalmus (contra). Letzterer glaubte konstatieren zu können, dass die Mehrzahl der Hamburger Zionisten gegen die Gründung einer Misrachiortsgrupoe sei; er schloss dies ans dem stärkeren Beifall, der den Ausführungen . der contra Redner zu teil wurde. Es sei darauf h i n g e w i e s c n . dass an jedem Donnerstag Abend 9 Uhr eine offizielle Zusammenkunft der Zionisten im Logenheim. Hartuugstr. 9 -10. II. Etage, stattfindet: an diesen Abenden sollen nach Möglichkeit Vorträge gehalten und Referate erstattet werden. Aussei dem treffen sich Hamburger Zionisten an jedem Sonnabend Abend im Cafe de _LEurope, Alsterdamm.

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