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Jüdische Rundschau · 1904-10-28 · Heft 43 (28.10.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 43 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 362. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 43. Lehre als der von Gott herriihreniien Lehre festhalten und sich ihren Anforderungen unterwerfen, sind wir wohl befugt, als Orthodoxe in demselben Sinne zu bezeichnen, in dem dies sonst der Fall ist. Vielleicht in einem noch markant'ren Sinne. Denn die Orthodoxen unseres Volkes sehen sich als die allein־ berechtigten Hüter des Judcntumes — und soweit sic auf nationaler Grundlage stehen — des Jüdischen Volkes überhaupt an. - . *׳־.•*־' Dass sich die Orthodoxen zusainmenschlicssen würden, konnte keinem zweifelhaft sein, der aui dem Boden geschiehtlicher Tatsachen steht. Es liegt gar kein Grund vor, dass unser Volk — soweit nicht seine ganz besonderen Verhältnisse in Betracht kommen — einen anderen Weg gehen soll, wie die anderen Völker. Wie «es bei diesen orthodoxe — in politischer Hinsicht heissen sie reaktionär-konservative — Parteicii gibt, so gibt es bei uns. zumal bei der grossen Bedeutung des Religiösen in unserem Volksleben, eine ebensolche Partei. Es ist nutzlos, gegen diese absolut nicht aus der Welt zu schaffende Tatsache anzukämpfeu. Nicht das kann die Aufgabe der Gegner jeder Fraktionsbildung im Zioniinus und des Misraehi im besonderen sein, sondern die geht dahin: wie finden wir uns mit unseren Orthodoxen ab. was für Forderungen haben wir von vornherein zu stellen, auf deren Erfüllung wir ebenso zu bestellen haben, wie Misracbi auf gewissen Forderungen seinerseits. Die Verhandlungen hierüber werden, wie alle solchen Verhandlungen. Konipromissnatur haben und -- von der Stärke der in Betracht kommenden Faktoren ahhängig sein. Ich persönlich stehe meiner ganzen Erziehung nach auf einem anderen Standpunkt, als dem des Misracbi; ich darf mich wohl, um ein Itekanntes Schlagwort zu gebrauchen, als Intellektuellen bezeichnen. Aber ich hin überzeugt, dass wir Intellektuellen mit Misracbi wohl auskonnnen werden, wenn beiderseits der Wille zum Frieden vorhanden ist. wenn namentlieh Misracbi niemals vergessen wird, dass alle bisherigen Führer des Zionismus, namentlich aber Herzi. aus dem Kreise der Intellektuellen hervorgegangen sind. Was vir Intellektuellen für uns hochhalten müssen, ist das Prinzip der Gewissensfreiheit. Was diese für uns bedeutet, bedarf nach den obigen Ausführungen keiner Darlegung. Wird diese vom Misrachi anerkannt, erstrebt er nicht die Herrschaft über alle Zionisten, dann werden wir. wie bisher, Schulter an Schulter kämpfen. Daun wird das Andenken an Herzi. der uns bisher geeint, auch fernerhin das Palladium den Einigkeit des Jüdischen Volkes sein. Mag dann auch an Stelle der ursprünglichen heutigen Begcistcrung die nüchterne Ruhe des ernst wollenden Volkes treten, wenn wir einig sind und uns gegenseitig stützen, dann werden wir trotz aller inneren Gegensätze unser gemeinsames Ziel erreichen. Opp-- W— ch. Der Angriff aus ,,Ost und West“. Zu der Erklärung unseres Redakteurs ..In eigener Sache", die in voriger Nummer abgedruckt wurde, geht uns von Herrn Dr. Theodor Zlocistl folgende Zuschrift zu: Zu den dreispaiteiilangeu Ausführungen des Herrn Dr. Heinrich Loewe in No. •L? der ..Jüdischen Rundschau" habe ich die folgende Erklärung abzugeben: Ich habe während der Monate März. April und Mai dieses Jahres — 190*1 — die Redaktion von.|,Ost und West" vertretungsweise geleitet, weil der Redakteur der Zeitschrift sich während dieser Zeit in Russland befand. Dagegen habe ich weder vorher noch nachher etwas mit der Redaktion der Monatsschrift zu tun. Ich bin ständiger Mitarbeiter und trage nur die volle Verantwortung für die v 0 It mir verfassten Aufsätze, die sämtlich mit meinem Namen, einigen durchsichtigen Pseudonymen oder Initialen gezeichnet sind. Ich gebe mit Vergnügen zu, dass ich gelegentlich einen oder den andern Artikel oder Gedichte auf ihre Eignung für das Blatt durchgesehen, dass ich weiterhin Herrn Winz Anregungen und Hinweise gegeben, dass ich auf der andern Seite meine persönlichen Freunde zur Mitarbeit angeregt und jüngeren Talenten die Aufnahme ihrer Schöpfungen durch Empfehlung ermöglicht habe. Darüber hinaus habe ich weder die Macht noch die Veranlassung gehabt, einen persönlichen Einfluss auf die EiitschÜessungen der Redaktion auszuüben. Ich trage also weder eine Verantwortung für Form und Inhalt von ״Ost und West", noch viel weniger kann ich als ״Spiritus rector" oder gar als Redakteur gelten. Das ist der reine Tatbestand; und soll jedoch keineswegs zum Ausdruck bringen, dass ich im übrigen nicht die Verantwortung für diese wertvolle Zeitschrift sehr wohl übernehmen k ö 111! t e , wenn ich eben ihr Redakteur wäre. Ich habe aus dieser Sachlage niemals und niemand einen Hehl gemacht. Auch Herrn Dr. Richard Loewe nicht! Meine Bitte an ihn, für ״Ost und West" eine eingehende Besprechung des Oer/on'scheii Werkes über das Jüdisch-Deutsche zu schreiben, fällt in die Zeit, da ich während Abwesenheit des 'Herrn Winz die Zeitschrift in Vertretung redigierte. Als Herr Dr. Richard Loewe mir endlich nach Monaten den Aufsatz überreichte, habe ich ihm bei verschiedenen Gelegenheiten erklärt mit einer absichtlichen Deutlichkeit erklärt: Ich werde den Artikel an ‘rlerrn W. weitergehen, da ich mit der Redaktion nichts zu tun habe. Herr Dr. Richard Loewe täte gut, sich die Postkarte nochmals durchzulesen, in der ich ihm rnitteilte, dass ich seine Bitte um Zusendung von Korrekturen Herrn Winz übermittelt habe. Er dürfte dort meine absichtlich wieder angebrachte Erklärung finden, dass icn mit der Redaktion von ״Ost und West" nichts zu tun habe. Herr Dr. Richard Loewe hat seinen vortrefflichen Aufsatz auf meinen Wunsch geschrieben, denn ich wünschte, dass eine anerkannte Autorität der Germanistik sich über Gerzon's Werke äussern sollte. Aber er hat den Aufsatz nicht für mich geschrieben: ich bin kein Autograicnsammler. Er hat ihn fü•־ ״Ost und W est" geschrieben, als deren Redakteur Herr Winz zeichnet. Und Herr Winz hat auch - wie sich aus dem Kopierbucke der Redaktion vom 13. Juni ergiebt — die wiederholte Einladung zur Mitarbeiterschaft an Herrn Dr. R ic h a r d Loewe ( der Brief lässt keinen Zweifel darüber zu, wer Redakteur ist ־ ־) selbst unterzeichnet: — Herr Leo Winz ־ - n i c h t ich...־ Von der .,Revue der Presse", die Herrn Dr. Heinrich Loewe so aufgebracht hat, habe ich einen Tag vor der Drucklegung des Heftes Kenntnis erhalten. Flerr Winz las mir am Telefon den bereits gesetzen Schluss passus gegen Herrn Loewe vor. Form und Inhalt waren derartig, dass ich meinen ganzen persönlichen Einfluss auf Herrn L. Winz aufbieten musste, um eine Milderung und Ahschwüchung, zum Teil auch eine Richtigstellung durchzusetzen. Herr W’inz gab meinen Bitten und Argumenten nach. Dagegen konnte ich ihn nicht dahinhriuge!!, den Angriff gegen die Gewohnheit des Üierrn Dr. Heinrich Loewe zwischen deutschen und ״polnischen” Juden zu unterscheiden, fallen zu lassen. So bat ich denn: diesem ן Angriff wenigstens die persönliche Spitze zu nehmen, so zwar, dass die Sendung durch die Adresse ״sächsisches Rühendort" zwar bestellbar würde, der ganze Passus sich aber zu einer a 11 g e m e i n g e f a s s t e n Aufforderung erheben sollte, endlich den dummen Hinweis auf unsere Herkunftsländer zu unterlassen. In diesem Sinne habe ich denn, als mir Herr Winz durch j Eilbrief' die Korrekturfahne übersandte, den ganzen Abschnitt ן gegen Herrn Dr. H. Loewe gestrichen und dafür ein paar * andere Zeilen als Unterlage ״für den Schluss zur freien Ver- I fhKuug de* Herrn Winz gegeben. Herr W'inz, hat von ihneti

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