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Jüdische Rundschau · 1904-10-28 · Heft 43 (28.10.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 43 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 360. No. 43. JÜDISCHE RUNDSCHAU. aeichnet. die Sitzungen der Vertrauensmänner *des Bezirks mindestens durch ei n e n Delegierten zu beschicken. Berlin. Die G c s c h i c h t s k u r s e der ״Jüdisch■ nationalen Frauenverelntgung unter Leitung des Herrn Rabb. Dr. Emil Levy beginnen am Montag, dem 31. d. Mts., abends 9 Uhr, im Restaurant Baumann, Friedrichstr. 58. Zu den Vorträgen haben auch Nichtmitglicder, Herren und Damen, Zutritt Wir machen ganz besonders die Mitglieder der Bert. Ziomstisehen Vereinigungen auf diese Kurse aufmerksam. Zionistische Kulturarbeit in Galizien. Von Marta Baer-Issachar. Zu. den wichtigsten Aufgaben der moderner! jüdischen Be־ wegung gehört es, die jüdischen Massen vor geistiger Verelendung zu bewahren, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken und die verschiedenen Klassen des Volkes sich näher zu bringen. Besonders im Osten Europas sind diese Bestrebungen von eminenter Wichtigkeit, und nur der, welcher diese Länder der traurigsten Judennot kennt, kann ganz den grossen Wert und die elementare Notwendigkeit aller der Bestrebungen ermessen, die auf die intellektuelle Hebung des Volkes hinwirken. Hand i!1 Hand mit der grossen sozialen und wirtschaftlichen Notläge,!11 der unsere Brüder hier im Osten seufzen, geht auch ein grosser intellektueller Notstand, der sich in der zunelmicnden Gleichgiltigkeit der Massen gegenüber allen jüdischen Fragen äusserte. Da traten in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hier in Oaiizien die ersten Vorläufer der zionistischen Bewegung in das Leben, und eine der ersten und wichtigsten Aufgaben der jungen Vereine war die Hebung des Interesses für alle jüdischen Fragen und das Bestreben, immer weitere Kreise des Volkes der Nationalidee wieder zu gewinnen. Ueberall bildeten sich neue Organisationen, die alte Sprache wurde gepflegt, und zahlreiche Vorträge belehrten die Mengen über die verschiedenen Fragen, Frauenvereine wurden geschaffen, Bibliotheken gegründet und ein reges jüdisches Leben begannn. Der grösste Schritt auf diesem Wege oder wurde durch die Errichtung von Toyiibee-Hailen gemacht deren es nun schon 14 im ganzen Lande gibt. ־ Vor mir liegt der Jahresbericht des Lemberger Instituts; .er ist leider in polnischer Sprache abgefasst und deshalb nur Wenigen zugänglich; sein Inhalt ist jedoch von grossem Interesse für alle Zionisten, auch über die Grenzen Galiziens hinaus. Die sorgfältige Auswahl der Vorlesungen, das feine Verständnis, mit dem die Leitung allen ihren vielseitigen Aufgaben gerecht zu werden sucht, machen die Anstalt zu einem Musterinstitut. Das Programm des verflossenen Jahres war ein ungemein reichhaltiges. Es wurden im ״anzen 43 Vorlesungen abgehalten; davon acht aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte, vierzehn über Hygiene, fünf naturwissenschaftliche und fünf literarische, zehnmal wurden soziologische Themen besprochen. Diese 42 Vorlesungen wurden‘von 591/ Hörern besucht; die Frequenz im Vorjahre betrug 6186 Besucher bei 45 Vorlesungen, die Durchschnlttszahl hat sich von 162 Personen im Vorjahr auf 185 im abgelaufenen Geschäftsjahr gehoben. Es wurde über folgende jüdische Themen vorgetragen: Jüdische Musik, die Makkabäer, Akiba, Josephus Flavius, der Chassidismus über die Emigration, der Einfluss des Hellenismus auf die Juden Alexandriens und so weiter. Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften wurden einige astronomische Themen besprochen und besondere Aufmerksamkeit hatte man der sozialen Hygiene zugewendet. Es wurden gelesen: Ober Nahrungsraittellehre, die Tuberkulose, Hygiene der Stimme, Uber Hautpflege, Die Luft als Heilmittel, über Bäder und andere mehr. Von grosser Wichtigkeit waren ferner noch die Kinderuachmittage. An 23 Sonntagen wurden je 50 Kinder bewirtet, im ganzen wurden 1565 Kinder erfreut. Junge Damen, die sich mit anerkennenswerter Ausdauer der guten Sache widmeten, spielten dann mit den Kleinen und sangen ihnen Lieder vor. Hin und wieder wurden auch leichtverständliche Vorträge Uber einen jüdischen Stoff gehalten, meist waren die Darbietung jedoch religiöser Art. Um 6 Uhr kam der Höhepunkt der kleinen Feier: das Abendbrot. Ausserdem wurden noch vier Ausflüge veranstaltet, an denen 432 Kinder tcilnahmen. An allen modernen Bestrebungen für Galizien, auch an der durch den Orden bnei Brith. respektive durch dessen Organ, ■das Jüdische (U.O.B.B.) Komitee zur Bekämpfung des Mädchcnhandels eingeleitekn wirtschaftlichen Hilfsaktion nimmt die Leitung der Anstalt verständnisvollen Anteil; zur Unter- Stützung dieser Bewegung hat sie jetzt eine jüdisch-deutsche Bro* schüre herausgegeben, die in einer Auflage von 7000 Fxemplaren erschien. Der Inhalt war eine Übersicht über den Mädchenhandel und über die Schritte, die zu seiner Bekämpfung getan sind. Ferner erschien i:n August im Verlage der Toynbeehallc ein zweisprachiges Plakat, das in kurzen Zügen die Hauptleitsätze zur Verhütung der Tuberkulose einscluirft. Im poluisehen und in! Jüdisch-Deutschen ahgefasst. dürfte das Plakat!.־ine grosse Verbreitung erlangen. Die jüdische Toynbeehallc in Amberg war die erste Anstalt in ganz Oesterreich, die einen derartigen Schritt zur Bekämpfung der Tuberkulose tat, derselbe ist von grosser Wichtigkeit, wenn man bedenkt, dass ein Siebentel aller Todesfälle in Galizcn auf die Tuberkulose zurückzuführen ist, und dass leider gerade die jüdische Bevölkerung ein starkes Kontingent zu dieser Ziffer stellt. Die Anstalt gab im abgelautencn Jahre Subventionen an den Jüdischen Turnverein und unterstützte einen Gesangverein durch eine Zuwendung. Die Anstalt besitzt kein eigenes Lokal, die Veranstaltungen wurden in einem von der Jüdischen Kultusgcmeinde zur Veriügung gestellten Saale abgehalten. Die Arbeit der Lemberger Toynbeehallc dürfte in ihrer Vielseitigkeit vorbildlich sein für ähnliche Institute. Zu bedauern war es, dass bisher die einzigen Toynbec- Hallen keine Verbindung miteinander unterhielten, doch soll diesem Mangel jetzt durch einen Bund aller Toynbee-Hallen in Galizien abgehoben werden. Es ward sich dadurch ein engeres Zusammenarbeiten ermöglichen, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Anstalten wird wachsen und man wird auch besser als bisher in der Lage sein, schwache Institutionen oder Neugründungen mit Rednern und mit Lehrmitteln zu unterstützen. Wir wollen dem neuen Bunde ein herzliches ״Hedad“ zurufen. und.ihm wünschen, dass es ihm vergönnt sei, uns einen .Schritt vorwärts zu bringen auf der Wanderung zum Heimatlande. Und die einzelnen Hallen sollen echte Volks* heim sein, Pflanzstätten des nationalen Lebens, das von ihnen ausgehend, sich Haus und Herz unserer Brüder erobern soll. Die Fraktionierung des Zionismus. DC. Non Iiquet. Von Rabbiner D r. Emil Levy. . Die Ringe sind alle drei nicht echt: Der echte Ring vermutlich ging verloren. L e s s i 11 g. Der Jude, d#r die innere Entwicklung im Zionismus aufmerksam verfolgt, sieht mit Bedauern, dass der Wirbel der Bewegung zur Bildung eines Doppelkörpers zu führen droht. War vor einiger Zeit das Ostafrikaprojekt der Apfel der E?is, so

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