Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 354. No. 42. , * ■ » ■ JÜDISCHE RUNDSCHAU. —I Aus der Bewegung. ן— Berlin. Am Montag, dem 24. Oktober 1904, findet in Dräsels Festsäle!1, Neue Friedrichstrasse 35. eine öffentliche Versammlung statt. Herr Rechtsanwalt Sammy Gronemann-Hannover wird über das Thema: ״Kritik des Antizionlsmus“ sprechen; daran anschliessend Diskussion. Jeder man ist herzlieh willkommen. Berlin. In einer Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung gab Rechtsanwalt Dr. A. H a n t k c einen sehr interessanten und fleissigen Bericht über die letzten Ereignisse im Zionismus. Er gab besonders einen Überblick über die Jahreskonferenz und die durch sie eröfineten Aussichten für den politischen Zionismus. In der Diskussion trat die Frage des ..Misrachi“ in den Vordergrund. Dr. Albert Goldberg-Neucnahr. Dr. Stichel, Dr. Israel Auerbach und Elias Auerbach, endlich Dr. Locwe wandten sich gegen den Misrachi als einer im Zionismus wider den Willen der Gründer bestehenden grossen Gefahr. Für den Misrachi sprach Fräulein Grete Sachs, die allein sich unbedingt zu ihm bekannte, während Herr Salomou und Herr Radler bei ihrem Eintreten für die Misrachigruppe gleichzeitig betonten, dass sie nicht zu ilir gehörten. Gegen den Zusammenschluss• der misrachistischcn Gruppe wandte sich endlich von gesetzestreuer Seite ganz entschieden Jakob H. Wagner, worauf Dr. Hantke in einem Schlusswort die Resultate der Debatte zog. Berlin. Auf Veranlassung und unter dem Vorsitz von Dr. jur. Bruno Blau hielt die Bezirksabteilung der B. V. Z. Hansaviertd eine kleine aber sehr interessante Versammlung ab. in der Dr. Julius Citron referierte. In der Diskussion vertrat den Standpunkt des Freundes, der Bewegung, der noch nicht mit allem übereinstimmt weil er noch nicht alles kennt Herr Simon in sehr sympathischer Weise. Seine Einwürfe wurden in sachlicher aber launiger Weise von Heinrich Loewc widerlegt. Nach einer Erwiderung von Herrn Simon und einer Replik von Dr. Citron sowie einer Duplik von Dr. Loewc schloss Dr. Blau die sehr lebhaft aber zugleich recht ruhig verlaufene Versammlung mit einem kurzen anfeuernden Schlusswort Die nächste Bezirksversammlung im Hansaviertel soll schon in nächster Woche stattfinden. Krotoschin, den 7. X. 04. Am 2. Oktober wurde im hiesigen ״Verein für iüd. Geschichte und Literatur“ ein jung-uidischcr Abend mit folgendem Programm veranstattet: I.) Ruy Blas. Ouvertüre von Mendelssohn: 2.) Einleitende Worte über das Wesen jüdischer Kunst und Dichtung: 3.) Rezitationen: a) ״Wir suchen“ von Martin Fricdländcr. b) ״Der Prophet“ von Adolf Donath, c) ״Bcruria“ von Berthold Peiwel: 4.) Vorspiel und Krönungsmarsch von Kretschmer: S.) Rezitationen: 3) Vom hohen Rabbi Löw. b) Kinderrean. beide von Hugo Salus: 6.) Judenlieder von Adolf Donath, komnoniert von James Rothst״in: a) War »*in kleines stilles Haus . . b) ״Mirjam'4, c) V1״ksI׳Adchcn im Jiid sc^dcioschcn. Das einleitende Referat hielt Herr Referendar Dr. Dobrzynski. die Gedichte brachte Herr Griinspach meisterhaft zum Vortrag •»nd der musikalische TeU wurde von Fra״ Neumark. Fräulcm Woümann und Herrn Louis künstlerisch durchgeführt Mannheimer Zionistische Ortsgruppe. Die Reihe der Vorträge wurde am 11. Oktober eröffnet mit einem Referate des Herrn Julius Simon über ״Probleme im Zior.ismus“. Der Redner schilderte die Lage des Zionismus jetzt kurz nach dem Tod des Führers. Dr. Herz! und erwähnte die Massnahmen, die das grosse Aktions-Komitee getroffen hat. um die ungestörte Weiterarbeit der Leitung zu ermöglichen. So tief der frühe Tod Dr. Herzls die Bewegung getroffen habe: auf ihren Bestand habe er keinen Einfluss. Die Ostafrika-Frage würde entschieden werden, sobald der Bericht der Expedition vcrliegt; wie immer der endgültige Entschluss auch laute, zu einer Spaltung innerhalb der Partei würde er nicht führen. Die Sitzung des grossen Aktionskomitees nach Herzls Tod, bei der alle Schattierungen im Zionismus vertreten waren, habe die volle Einmütigkeit in bezug auf die Weiterarbeit ergeben. Der Referent besprach dann die Bildung von Fraktionen innerhalb des Zionismus. Die Organisation des Zionismus basiert auf der Einteilung in Landsmannschaften. Auf dem letzten Kongress träten zum ersteumale Gruppen auf. die sich nicht auf Grund eiues gemeinsamen Geburtslandes organisiert hatten, sondern auf Grund gemeinsamer Anschauungen. Zwei der interessantesten dieser Fraktionen erwähnte der Referent ausführ- Kch: die des ״Misrachi“, d. L der gesetzestreuen Zionisten und die der ״Poale Zion“, der zionistischen Arbeiter. Insbebesondere die letzteren organisierten §ich hauptsächlich in Russland. Sie wünschen zwar am Kampfe gegen das in Rusah׳nd herrschende Regierungssystem als notwendigste Gegenwartsarbeit teilzunehmen, betonen dabei aber, dass sic eine endgültige Lösung der Judenfrage nur in der Schaffung einer autonomen Heimstätte erblicken, wo sich das Volk seinen Anlagen gemäss frei entfalten könne. Redner erblickt in der Bildung der Fraktionen einen Beweis für• die Lebensfähigkeit des Zionismus, der alle Anschauungen im Judentum eine und umfasse. An das Referat schloss sich eine sehr lebhafte Diskussion. FOehae. 17. Oktober. Am Sonntag, dem 16. Oktober, fand im Markschen Saale eine ausserordentliche Generalversammlung ucr zionistischen Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende, Herr Alt! cd Salingcr, erstattete den Geschäftsbericht, gedachte in beredten Worten des Hinscheidens unseres allverehrten Filhrers Theodor Herzls, sowie unserer Gesinnungsgenossin Ida Lewin. In der darauf folgenden Vorstbndswahl wurden die Herren Salinger und Joseph wiedergcwählt und Herr Hoplowitz neu gewählt. Bei der Kassenprüfung wurde festgestellt, dass während der Zeit des Bestehens der Ortsgruppe 166 M. t'ür den Nrtionalfond und zirka SO M. der verstorbenen Ida Lewin ins Goldene Buch gesammelt wurden. Ferner wurden 8 Vorträge gehalten und 5 Unterhaltungsabende veranstaltet Die Errichturg einer Lesehalle wird auf Vorschlag der zionistischen Ortsgruppe Posen beschlossen und soll baldmöglichst eröffnet werden. Das Stiftungsfest soll äm 4. Dezember mit der Chanukkafeier verbunden werden. Ferner wurde beschlossen, Herrn York-Steiner zu einem Vortrag zu berufen, falls der Herr Redner auch in Schocnlanke einen Vortrag halten wird. Mit dom Gesänge: ״Dort wo die Zeder" wurde die Versammlung geschlossen. Wir lesen im ״Kopenhagener Dannebrog“, dem offiziellen Organ des Justizministers Albert i: ״Ein Gedenkfest Im dänischen Zionisten verein“: Eine stimmungsvolle Feier. Die hiesige Gruppe der Internationalen Zionistenvereinigung hielt Donnerstag den 13., eine Gedenkfeier an den im Sommer verstorbenen Präsidenten Dr. Theodor Herzl ab. Der Vorsitzende der dänischen Abteilung, Dr. L. Fracnkel, cröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er das Streben der Vereinigung auseinandersetzte, den Juden eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Nach einem Präludium, vorgetragen von Herrn C. B. Philipscn, sang Kantor Simon das hebräische Rezitativ מבתם לדוד Hierauf hielt Dr. Fracnkel die Gedenkrede, in der er mit schönen, stimmungsvollen Worten die seltene Persönlichkeit des Dahingeschiedenen feierte, der es vermochte, so grosses Interesse, so tiefe Begeisterung für die von Ihm vertretene Sache zu erwecken. Wohl war es ihm nicht vergönnt, handgreifliche Rcsultatc zu erzielen, aber er schaffte für sein Volk so Grosses, auf dem alle spätere Entwicklung beruht oder ob man es hier mit wie wenig andere. Die Rückkehr zuin Judentum vor der Rückkehr nach Palästina war seine Bestrebung für die Gegenwart. Sein Wirken hat zu tiefen Spuren nicht nur im praktischen Leben, sondern auch in der jüdischen Kunst und Dichtung hirterlassen, ־ds dass die Bewegung jetzt verfliessen sollte. Begeisterte Schüler werden sein Werk weiter führen. Hierauf wurde ein w׳ohl gelungenes Bild von Dr.י Herzl enthüllt, worauf die Feier nach der Rezitation von אל מלא רחמיים durch Kantor Simon, Quartettgesang התקוח und dem Chipinsehen Trauermarsch beschlossen. ^E□ Sprechsaal. E? * Fflr die Mitteilungen an dieser Stelle Übernimmt die Redaktion nur die pressgcsctilichc Verantwort! ebkeit. Auf die Anfrage im Sprechsaa! der Nummer 41 der ״Jüdisehen Rundschau“ bemerke ich: Der Bericht des Frankfurter kraHiHsrh*״ Fam»li»*nblatie$ über das Referat, das Ich ת׳ der Generalversammlung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung erstattet habe, war ungenau. Ich sagte ungefähr folgendes: ״Durch den Tod Dr. Herzls sind!die vielfachen Be- Ziehungen ins Stocken geraten, die er sorgfältig geknüpft hatte. Man bemüht sich jetzt, die alten Verbindungen zu erhalten. Hoffentlich wird dies gelingen, und man darf hoffen, dass der Zionismus sein Ziel einer Grosskolonisation erreichen wird" Dr. Adolf Friedemann.