Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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# I P Ho. 42. Jüdische Rundschau. Seite 355. Kleine Chronik. Die Stellung der Jaden Im Heere betrifft eine Beschwerdescfirift. die der Stabsarzt der Reserve Dr. Lachmann in Berlin im Mai dieses Jahres bei dem königlichen Bczirkskommando eingereicht hat. Sic .besagt: ״Am 7. März d. J. haben im Reichstage die Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg und Böckler gegen die jüdischen Soldaten. Offiziere, ja selbst gegen die jüdischen Veteranen der letzten Feldzüge, die im Besitze der höchsten Kriegschren- Zeichen sind, Schmähungen der gröblichsten Art gerichtet. Die Abgeordneten haben die jüdischen Soldaten der Kriegsuntllchtigkeit, Feigheit und Unlust am Heeresdienste geziehen und dieselben vor dem Reichstage und dem deutschen Volke der Lächerlichkeit preisgegeben. Se. Exzellenz der Kriegsminister von Einem hat zu diesen schmählichen Angriffen, die bei ihrer Haltlosigkeit und U11- Wahrheit leicht zurückgewiesen waren, geschwiegen. Ich fühle mich als Stabsarzt der Reserve und der mosaischen Religion angehörend durch dieses Schweigen des Kriegsministers in meiner Ehre gekränkt und erhebe Beschwerde darüber, dass ich als Angehöriger der Armee bei diesen schmachvollen Angriffen von dem Vertreter der Armee im Reichstage nicht in Schutz genommen worden bin. Trotzdem ich fast 18 Jahre dem Heere aktiv und in der Reserve angehöre, und weder mein Mut. noch meine Liebe zum Vaterlande angezweifclt werden kann — ich habe, wie die dortigen Akten ergeben, im Jahre 1S92 mit eigener Lebensgefahr ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet, habe mich im Jahre 1900 freiwillig nach China gemeldet —. ist das Verhalten des Herrn Kriegsminister für mich Grund dafür gewesen, jetzt meinen Abschied zu erbitten. Wenn ich die Ehre habe, Sanitätsoffizier des Heeres zu sein, so glaube ich auch ein Anrecht daraui zu haben, bei so masslosen Angriffen an einem Orte, an dem ich mich nicht selbst verteidigen kann, von dem berufenen Vertreter der Armee verteidigt zu werden. Ich erhebe aus diesem Grunde Beschwerde gegen Seine Exzellenz den Kriegsminister v. Einem und bitte ganz gehorsamst, diese meine Beschwerde höheren Orts zu unterbreiten und unterstützen zu wollen. Dr. Lachmann,Stabsarzt der Reserve.״ Gleichzeitig erbat Dr. Lachmann seinen Abschied. Dieser wurde ihm durch Kabinettsorder vom 20. Juni bewilligt. Auf seine Beschwerde ist ihm ein materieller Bescheid nicht zuteil geworden. Berlin. Der bisherige Vorsitzende der Repräsentanten- Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Bankier Gustav Loewenberg, ist gestorben. Er gehörte der konservativen Gruppe an. Der Bericht über das Relchenhelmsche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Weinbergsweg llc, für die Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 widmet einen Nachrut der Im Mai des Jahres verstorbenen Ehnendame der Anstalt, Frau Anna Meyer-Gerson und gedenkt der 25jährigen Tätigkeit des Anstaltsarztes Professors Dr. Julius Lazarus. Erzogen wurden im Berichtsjahre 74 Zöglinge, 45 Knaben und 29 Mädchen; entlassen wurden 9 Zöglinge von denen sich 4 Knaben einem Handwerk. 2 dem Kaufmannsberui, 2 Mädchen der Buchhaitung, 1 der Hauswirtschaft widmen. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 50 469 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuss von 24 402 Mark aufgebracht wurden. Für je einen Zögling betrugen die Gesamtausgaben für das Jahr 669 Mark, die Tagesverpflegung für den Kopf 47 Pfennig. Die an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind durch testamentarische Verfügung der 1903 verstorbenen Ehrendame Frau Mathilde Berend und durch ■eine von deren Angehörigen errichtete Stiftung wesentlich vermehrt worden. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause noch Unterricht in Gesang, Turnen und Kerbschnitzen. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im Reichenheim-Verein. Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitätsrat Dr. Julius Stern ist. und unter Leitung des Direktors Dr. Moritz Jutrosinskf. OrgelfelndHche Juden Herr Rabbiner Dr. Kopfstein- Beuthen hat kürzlich aus Lipine einen anonymen Drohbrief des Inhalts erhalten, man werde ihn von der Kanzel herunterschiessen, wenn er noch ein einziges Mal von der Orgel eine Rede halten werde. Eine Anzahl strenggläubiger Juden sind erbittert darüber, das eine Orgel in der Synagoge Aufstellung gefunden hat. Der Drohbrief ist der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Feodo'ia (Krim). Der Gouverneur von Taurien, Stallmelster T r e p 0 w, wohnte in der Synagoge zu Feodosia dem Gottesdienste bei. Nach Beendigung des Gottesdienstes hielt Trepow an die Juden, wie der ״Juschny Kurjör“ meldet, folgernlc Ansprache: ״In den Reihen der russischen Armee bcfinden sich Juden, welche gleich den Russen ihr Blut vergiesse!! und für das Vaterland sterben. Viele Juden haben sich bereits ausgezeichnet. Besonders bemerkenswert ist die heroische Tat der jüdischen Musikanten des 11. Regimenteswelche während der Schlacht nicht aufhörten zu spielen, und als der Regimentsgeistliche, von Kugeln getroffen, niedersank, ihn so lange unterstützten, bis es den Regimentern gelang, sich durch die feindlichen Linien zurückzuziehen. Dadurch haben die jüdischen Musikanten den Geistlichen und das Regiment vor sicherem Untergange gerettet. Erziehet eure Kinder auch fernerhin in diesem Geiste, und es würde mich sehr freuen, wenn die Rechte der Juden immer mehr erweitert würden.“ Minsk. Am 5. d. M. brach in der meist von Juden bewohnten Stadt Glusk eine Feuersbrunst aus, welche 150 Häuser einäscherte. 500 jüdische Familien sind brot- und obdachlos geworden. Die Not ist, wie die ״Nowostij“ melden, unbeschreiblieh gross. Am fünften Tage des Laubhütcenlestes wurde in Jaffa das Büro der Palästinisch - Zionistischen Organisation von den Gegnern der Organisation erbrochen. Der Dokumentenschrank wurde erbrochen und Bücher und Belege sowie Briefe und Akten gestohlen. Das ist eben eine wirksamere Bekämpfung des Zionismus als in Europa. r Nationalfond. Sammlungen für den N'ationalfond und andere zionistische Zwecke sind nur noch an Jen Schatzmeister des Zenitalbüros, Herrn Max Wolisteiner. Berlin NW. aj, Holsteiner -׳- ..Ufer 10, zu senden. ---—-- Das Zcntral-Biiro der Zionistischen Vereinigung für Deutschtand hat beschlossen, nach dem Vorbilde des Verchis ״Sanimclkasten״ und der ״Deutschen Reichsfeehtschule" innerhalb der einzelnen Ortsgruppen zu Gunsten des jüdischen Nationalinnds d;e folgenden Materialien sammeln zu lassen: 1. Z'garrenabschnitte. 2. Stanniol (von Weinflaschen und Schokolade) 3 Salben- und Farbentuben, 4. Rabattmarken, 5. Stollwerk- und Liebigbilder. 6. Siegel- und Stempelmarken. 7. Zigarrenkisten. 8. Korke, 9. Briefmarken (auch alle deutschen). Die obengenannten Vereine haben es vermocht, aus diesen an siel: wertlosen Gegenständen bedeutende Einnahmen zu erzielen, und so dürfen wir hoffen, dass diese Einrichtung sich auch für den Nationah'ond bewähren wird. Die Zentralsammel- und Verwertungsstelle, deren Einrichtung und Beaufsichtigung dem hanseatischen Verbands-Büro in Hamburg übertragen ist. steht unter Leitung von. Frau D r. Margarete Joel in Lübeck. Sie wird mit den lokalen Sammclstellen in direkte Beziehung treten. Wir zweiieln nicht, dass die Vorstände der Ortsgruppen die geeigneten Persönlichkeiten wühlen, die mit Geschick und andauerndem Eifer die Sammlungen ein richten und in Fluss erhalten werden. Die Heranziehung weiblicher Kräfte scheint für den genannten Zweck besonders empfehlenswert. Auch empfiehlt es sich, darauf hinzuwirken, dass ii: den von Zionisten besuchten jüdischen Restaurants Kästen zur Aufnahme von Zigarrenabschnitten aufgestellt werden. Man wird höilichst ersucht, soiort die Einrichtung einer Sammclstelle in Ihrer Ortsgruppe zu veranlassen und spätestens in s Tagen Namen und Adresse des geschäftsführenden Leiters, an Frau Dr. Joöl, Lübeck, Beckergrube 58, aufzugeben. Die Abliet'erung des Materials an die Lübecker Zentrale kann jederzeit, wird jedoch wegen Kostenersparnis am besten am 1. Januar und 1. Juli jeden Jahres erfolgen. Im übrigen steht es jeder Ortsgruppe frei, die Verwertung der Materialien selbst zu besorgen und den Erlös unter entsprechendem Hinweis an den Schatzmeister des Berliner Zentral-Büros. Herrn Max Woll- Steiner, Holst. Ufer 10, abzuführen. Wir bitten, überall sofort energisch mit den Sammlungen zu beginnen. (L.) Gesammelt in der Pension Haase, Grosse Hamburgerstrasse 37: Dr. Maron 0,50, Stein 0.50, Grünebaum 1,01, Dr. R e n z e r 3,65, Dr. J. Auerbach 0,50, Falk 0,50, Baumann 0,25, Frau H a«se 1,11 zusam. 7,—־ Mk. (L.) M Racblin m£>Geld . ... ... . . . 0.60 . (L.) Gesammelt bei cand. m.d Scli..0,50 m \V. W. Hamburg, für einen angenehm gestörten Nachmittagsschlaf.. ..!י— N. N. Hamburg, für ein liebes*Bdd ■.. v .!!,■— יןייו «W הוילוי*יי •sw*p1׳w י■*׳;*׳