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Jüdische Rundschau · 1904-10-21 · Heft 42 (21.10.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 42 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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-'VSSSrnmAn*. No. 42. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 349. sicht versetzt, dadurch, dass sie gezögert hären, diejenigen offiziellen Vertreter der Bewegung 4u desavonicrcn, die, trotz ihrer öffentlichen Stellung: als Prediger des Zionismus, sich öffentlich ihrer Assim’lation gerühmt hahen! Sowohl Professor Leon Kellner in einer alteren Nummer der ״Welt", sowie Dr. Sandler in der ״Jüdischen Rundschau“, haben ausdrücklich das Dogma’ aufgestellt, dass die Mischehe eines zionistischen Führers nicht als Privatangelegenheit angesehen werden düric, und die Misrachisten behaupten, dass selbst wenn der Zionismus dadurch seinen mächtigsten Arbeiter verliert, man nicht zögern darf ins eigne Fleisch zu schneiden, und das Ucbel aus unserer Mitte auszurotten. Nur dieser Zögerung des Aktionskomitees ist cs zu/.usclireiben, dass den Misrachisten die Geduld ausging und sie zur Selbstorgani$ierung. zur Wahrung des raison d’f־tre des Zionismus schreitest mussten. Der Zionismus ist der lnbegriff einer heiligen Mission, und die Nncrkcnnutig eines praktischen Assimilanten!::esse nichts anders, als sich in den Augen Jcr Welt lächerlich machen. 4. Das dritte Prinzip des Zionismus, nämlich die «idischnationale Idee hat mit dem politischen Zionismus nichts gemein, denn, wenn es eine politische Bedeutung hätte, so wäre unsere Nation nicht anders, als Jede andere Nation der Welt, die da lebt, strebt und uittergeht! Unsere Nation aber wird nicht c' 1! m a I sondern tatisendrna! in Bibel und Propheten, eilt **קד.*יס genannt, unsere Sprache ein .**לשון הקדוש" Jeder einzelne von uns ist im Ebenbildc Gottes erschaffen. Demnach ist unsere ״jiidisclinationale Idee" nicht die Bildung eine politischen Staates, sondern das Ideal eines heiligen Volkes, dessen Vertreter die ninrai sehe. geistige und physische Lage ihrer bedrückten Brüder entsprechend zu heben und auf ein solcb.es Niveau zu bringen suchen, dass wir den Charakter eines ״Am Kad-sch‘־ annelutien. indem wir uns in allen diesen Beziehungen dem göttlichen ideellen Vorbpde zu nähern versuchen. Das ist das Ideal der Misraeir. welche — als drittes Ziel für Erziehung und Belehrung in Geiste der Tora arbeitet und genau denselben Zweck verfolgt wie die übrigen Zionisten in ihren rastlosen Bemühungen für jede Kultur. Unsere Zwecke sind demnach wiederum absolut identisch. Wir Misrachisten lassen jeden in seiner Privatwohnung nach seiner eigenen Fagon selig werden und verlangen nur, dass der Zionismus in seinem öffentlichen Wesen nichts duldet, was gegen die Prinzipien gerichtet ist. zu deren Aufrcchtcrhaltung der Ziou'smus entstanden ist. Zionismus und Misrachisirus sind untrennbar; einzeln undenkbar! Was alle Zionisten vereinigt und aneinanderkettet ist gefade die Religion. Bande der Blutsverwandtschaft besitzt j ed e Nation und das Wort ,.nationaler Wille" :st bei nur 200.000 von 15 Millionen Menschen, eine leere Phrase. Wenn der Zionismus nur eine politische Bewegung wäre, warum werden die Grundsätze der Nichtassimilierung und der Kultur liincingebracht! Zu euer politischen Bewegung braucht man nur ein Lokal, ein auswärtiges Kabinet, und die nötigen diplotr.atischen Beziehungen! Der Zionismus ohne die jüdische Religion degeneriert einfach in eine philanthropische Bewegung, die an kein Land gebunden ist. Das Jüdische Volk ohne *תורת בושתי" Wird hmsterben, wie es verdient! Das grösste Wort Ilcrzls ist und bleibt: ״Der Weg in’s Judenland geht durch das J u d c n t u m." Es handelt sich nur darum, was ist ״Judentum?" Darüber haben wi r, Gott sei Dank, keinen Zweifel! Dem protestierenden Trio aber werte ich seine Drohung zurück: ״Videant Zionist es uuid Dctrimcr.ti res jndaica Divina Capia t." 1 Cheschwan, 5665. James H. Loewe. VII. Zur Misrachifrage. Die Herren, welche sieb in den beiden letzten Nummern 1 der ״Jüdischen Rundschau" zur Misrachifrage äusserten und welche dies überwiegend in ablehnendem Sinne taten, haben erst ihren Befürchtungen über die Störungen, weiche die Organisation durch das Bestehen des Misrachi erleiden muss Ausdruck gegeben. Sie haben cs alter unterlasse׳:, bestimmte Vorschläge zu machen, in welcher Weise d e neue Fraktion in die bestehenden Yerh’׳Un:sse e'ngegliedert werden muss, ohne die Taiik zu stören: denn sich einfach aufzulösen, wie Herr Dr. Jungmann wünscht dazu wird die .Misrachi nicht geneigt sein. Ich möchte eher folgende Vorschlag»- machen: Die Angücgenlieit. von deren Wichtigkeit alle durchdrungen sind, verlangt eine generelle Regelung und diese kann nur von der Z e n t r a 11 e i t u n g aus geschehen: da die Verhältn;ssc in jedem Lande anders gelagert sind, in Deutschland anders wie 11 Russland, so kommt, da uns hier zunächst die deutschen Verhältnisse beschäftigen, für uns die deutsche Zentralieituiig in Betracht. Diese sollte sich so rasch wie inög lieh mit der Sache beschäftigen und ihre Entscheidung treffen. Da sich in F'rankiurt z. B. bereits ein M srachiverein gebildet bat. der mit einer Versammlung an die Oeffentlichkeit getreten ist und Mitglieder wirbt, so hätte der Vorstand der deutschen Landesorganisation darüber ja zu entscheiden, ob das Bestehen mehrerer zionistischen Vereine an einem Orte zulässig ist. Meines Erachtens sind wir gerade in Deutschland noch nicht so weit gekommen, dass wir uns den Luxus einer derartigen Zersplitterung erlauben können. Ich glaube, dass auch d e deutsche Zentralleitung nicht anders beschlossen wird und dass sie das Bestehen des Misrachi und kaum noch als schädigend für die Gesamtorganisatian anschcn wird, wenn dieselbe Untergruppen in den bestehenden Ortsgruppen bildet. Die Frage, dass nur.Mitglieder der Ortsgruppen Mitglieder der Misrachi werden körnten, ist auf diese Weise ebenfalls am einfachsten gelöst. Natürlich wird sich die Misrachi den Beschlüssen der Zetttrallcitting unterordnen müssen. Dass d:ese Regelung mögliehst rasch erfolgt, dafür möchte ich noch einen Grund ins Feld niger blieb von dem Alten Testament übrig, wobei wir gar nicht an den vermeintlichen religiösen Inhalt der althebrüischen Literatur, sondern nur an ihrer! Charakter als historische Quellenschriften denken. Für die Art der historischen Bc- Handlung der Bibel ist es sehr interessant zu beachten, wie Wellhausen mit der hebräischen Literatur umspringt. während er in seinem Marcusevangelium gar nicht zu bemerken scheint, dass er cs nur mit sehr späten Sagen zu tun hat. Aber wir verdanken ja die ganze moderne Bibcikritik mit ihrem Negativisrnus gegenüber dem hebräischen Schrifttum und ihrer Vertrauensseligkeit gegenüber den griechisch-religiösen Sehr:!*- ten des Neuen Testaments den konfessionellen Kämpfen der christlichen Konfessionen um die Inspiratiouslehre; und als theologische Spekulation ist die Bibliothek sehr interessant, die als historische Wissenschaft für die ernste Forschung kaum «och in Betracht kommen sollte. Freilich steht sie im Glauben der anderen historisch-philologischen W sscnschaiten als eine exakte Wissenschaft da. und richtet deshalb dort noch immer viel Schaden an. Man kann sie einerseits nicht nachprüfen und anderersets glaubt man wegen der unberechtigten Anglitte der verschiedenen Orthodoxien auf sie, in ihr die freie rorschung erblicken zu müssen. Und doch ist sie nicht minder dogtnatseh und problematisch wie die orthodoxe Lehre, die wenigstens eine, wenn auch recht oft fragwürdige Uebcrlietcrung für sich hat. Hätten die Bibelkritiker mehr hebräisches \\ issen. so würden sie sehr bald von ihren feinen stilistischen Distinktionen zurückkouinieu. Dafür ist bezeichnend, dass Juden nur insoweit auf dem Gebiete der kritischen Bihelforschung etwas geleistet haben, als sie vom Hebräischen weniger verstanden. Die grösste Blamage für die Bihelforschung war eigentlich das Erscheinen der Sieversschen Metrik in den Ab- Handlungen der Kgl. Süchsichen Akademie der Wissenschaften. Die Umwälzung, die dieser Mann, der eben erst zu diesem Zwecke das Hebräische gelernt hatte, hervorruten konnte, sollte den Aussetistehendcn zeigen, aut wie schwachen Füssen die Sicherheit steht, mit der die Forscher, — die ja doch alle Theologen geblieben sind ihr Gebäude von der alten Geschichte des israelitisch-jüdischen Volkes konstruiert haben. Bei dieser Lage der Dinge wird man mit Recht einen neuen Weg in der hebräischen Forschung von der Assvriologic und Ägyptologie erwarten müssen, so weit sie sich von Konstruktionen freihatten können. Auf diesem Wege versucht Spiegelhe r g sich ein Bild von der ältesten Geschichte Israels zu machen aut Grund der von Flinders Petrie gefundenen Israel- Stele. Freilich würde er vielleicht der Wahrheit näher gekommen sein, wenn er sich von dem Respekt hätte freimachen können, den ihm die Bibelforschung entlässt. Statt dessen hätte er die laut gesetzlichen Veränderungen feststellen sollen, unter denen ägyptische Namen im Hebräischen und kaiiaatiäisehe W,Örter im Ägyptischen erscheinen m ii s s e n. Spiegelberg hält den Aufenthalt Israels, der in der ganzen biblischen Literatur als Grundakkord wiederkünet, für bistorisch erwiesen. Damit bewegt er sich auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit gegenüber den unh'storischcn Konstruktionen, die den Aufenthalt Israels im Nillande leugnen müssen, weil sonst ihr mühsam auigebautes'Kartenhaus von falschen Voraus- Setzungen und vagen Behauptungen zusarnmcnbricht. Es ist natürlich das Gegenteil der Entwicklung, ob der Auszug der

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