Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite'3-16._ ■lüni S C1IF. Sir Harry H. Johnston über das Ostafrikaprojekt. Mr. J. L. Grccuborg erhielt dieser Tage von dem bekannten Ostafrikaforschcr Sir Harry;H. Johnston folgenden Brief: Lieber Herr Orccnbcrg! In Beantwortung Ihres Schreibcus vom 26. September kann ich Ihnen sagen, dass ich die Frage der Gründung einer jüdischen Kolonie in Britisch- Ostafrika »m Zusammenhänge mit den von Ihnen erhaltenen Informationen sorgfältig erwogen habe. Da Sie mich nach meiner persönlichen .Meinung fragen, werde ich sie Ihnen in den nachstehenden Ausführungen mittcilcn. Also zuerst die Lage des Gebietes, welches die britische Regierung der jüdisehen Kolonie zur Verfügung stellen würde. Die von Ihnen auf der Karte angegebene Begrenzung müsste ein wenig umgeändert werden, bevor sic mir als vollkommen zweckgcmäss erscheinen würde. Diese Aendcrungen habe ich Ihnen angegeben. Sollten meine Andeutungen von Ihrem Komitee angenonmien und von der englischen Regierung bewilligt werden, so kann ich sagen, dass man keine bessere Auswahl treffen konnte in allen Landschaften von Ostafrika und Uganda. Im vorigen Jahre, als das Projekt amkam, hiess cs, dass die britische Regierung dem zionistischen Komitee ein betrachtlieh es Gebiet im Tanaland oder weiter nach Korden im Gallaland zur Verfügung stellt. Die Geschichte mag zwar unwahr sein, aber ich glaube es betonen zu müssen, dass jedes derartige Anerbieten bloss ironisch gemeint wäre. Cs hiesse den osteuropäischen Juden ein Land geben, das entweder zu heiss und ungesund oder wasserlos und von wilden Stämmen bcvölkert ist. Unter solchen Bedingungen, die zwar vom englischen Standpunkte den britischen Interessen nicht schaden würden, wäre das Angebot für die Juden nicht annehmbar. Dann sagte׳ man uns wieder, dass das atiszuwiihlende Land entweder in der Nähe des Kikuyugcbietes liege, längs der Ugandabahn oder auf dem N'andiplatcau. Dieser Plan schien mir nicht kritikfrei, da wir ein besonders wertvolles Landstück, das dem britischen Steuerzahler für seine Ausgaben für die Ugandabahn einen Entgelt bringen kann, an nichtbritische Untertanen vergebe« oder im Falle des Kikuyulandes ein Territorium anbieten würden, das zumeist bereits von einer fleissigen eingeborenen Bevölkerung besetzt war und das wegzugeben wir kein Recht hatten. Die endgiltigc Wahl der briti- RUNDSCHAU. . ..No. 42. sehen Regierung, das Gwas* Ngischuplateau (wenn Ihre Angaben richtig sind), ist nach den Modifikationen, die ich vorgenommen habe, ganz einwandfrei. Es schliesst das Land aus, welches den Nandi- und Käviror.dostämmcn gehört lässt den britischen Siedlern die unbesetzten Partien des Nandiplateaus und die Gegend um Ravine frei und berührt zugleich beinahe gar nicht die von den ackerbautreibenden Negern bewohnten Gebiete. Nichtsdestoweniger ist das Land sehr wünschenswert — eine der schönsten Partien des Ostafrika- Schutzgebietes. Es ist keineswegs ungesund für Europäer. Es ist fruchtbar und durch wasserreiche Ströme sehr gut bewässert, besitzt manche prachtvolle Bergketten, die sich an manchen Stellen bis 10 000 und 14 01״• Euss erheben. Manche Teile des ausgewählten Gebietes, die Siedlungen von Kavirondonegern enthalten, würden ihren legitimen eingeborenen Eigentiimern nicht entfremdet werden. Die Modifikationen, die ich vorgcschlagen habe, würden das angebotenc unbewohnte Landgebiet vermehren und dasjenige ausschalten, welches eine dichte Bevölkerung hat. Es bleibt noch ein Detail zu beachten, dass derzeit ein grosser Teil des Landes durch eine prachtvolle• Fauna ausgezeichnet ist. Ich habe einmal gehofft, dass man Anordnungen treffen werde, um ein grosses Wildrevier dort cinzurichtcn. Ich glaube aber, dass die jüdischen Siedler sich mit der Idee befreunden werden, grosse Wildparkanlagen zu halten, die ein grosses Interesse sowohl für sic als auch für andere gewinnen werden. Alles, was Sie mir bezüglich der projektierten Verfassung der Siedlung gesagt haben, scheint mir hinreichend zu sein, um jeden 1:'rtwarid zu entkräften. Ich möchte aber noch folgendc Versicherungen wünschen: dass die Siedlung nie vom britischen Reiche ohne Einwilligung des Reiches losgetrennt werden kam: und dass, wenn etwa nach Ablauf von 25 Jahren der Plan keine Erfolge aufzuweisen hat oder wenn politische Umstünde die jüdische Kolonisation in eine andere Richtung gelenkt haben, das Land der britischen Regierung zurückgestellt werden muss. Weint das Territorium Ihrem Komitee für die auseinandergesetzten Ziele ar.geboten wird, so werden Sie eines der besten unbewohnten Landstiicke, die sich im britischen Reiche befinden, bekommen. Da ich die Wichtigkeit der Wohlfahrt des Jüdischen Volkes für das britische Reich emsehe, so glaubo ich nicht, dass diese Gabe mehr als eine gewissenhafte Spekulation unsererseits sei, aber wenn die Ihrigen sich nach längerer Zeit nicht an den Ackerbau gewohnen werden oder wenn sie von der ihnen jetzt gebotenen Vier Entwürfe für Makkabäerfeiern. Entwurf I. 1. Chorgesang: An den Wassern Babels . . Hirsch Lipschütz (siehe Ost und West, Jahrgang 1, Heft 1). 2. Festrede. 3. Gesangsvortag für eine Sopran-Stimme: a) Aus ״Elias“.Mendeisohn. ״Höre Israel“. b) Rahcl weint um ihre Kinder.Lipschütz (erschienen im Veiiag Phönix-Berlin). 4. Rezitation aus Werken Herzls: a) Die Menorah (siche Jahrgang 1 der ״Welt"): b) Vorrede zum ״Judenstaat" (Herzlnummer der ״Jüdischen Rundschau"; c) Schlusskapitel von ״Altneuland״ (soweit es im ״Almanach" abgedruckt ist'. 5. Gesangs vortag: a) Aus ״Elias“.Mendelsohn. ,,Was hast Du an mir getan, Du Mann Goffes“. Duett für Sopran-Hass. b) Trinklied .... Jehuda Halevy.Ignatz Brüll. Lied für Bass oder Bariton. (Das Lied ist in No. 49 Jahrgang V der ״Welt" abgedruckt.) 6. Rezitation: a) Chanuckalichtcr . . . Morris Rosenfeld b) Junge Harfen .... Max Brafer (Aus dem ״Almanach"). 7. Festspiel. (Siehe ״Jüdische Rundschau" No. 47 Jahrgang 8). Personen: 1 Dame, 2 Damen. Entwurf II. 1. Prolog: Chanuckalichtcr .... Morris Roscnfeld. 2. Entzünden: Chor: סעוז צור 3. Festrede. 4. Gesangsvortrag: a) Aus ״Elias“. .... Mendelsohn. ״Weh ihnen, dass sie von mir wichen“. Lied für Alt, b) Mein Jingele... Morris Rosenfeld.Lipschütz. Lied für Sopran oder Alt.