Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-10-14 · Heft 41 (14.10.1904) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 41 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651382--01713-2658583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.Juf» V Seite 342 JÜDISCHE RUNDSCHAU. _ _ _N0.41. hin ist cs bezeichnend, dass die jüdischen Zeitungen in Russ- .land davor warnen müssen, den Weg über Deutschland zu nehmen. Und endlich werden die prcttssischeu Staatsbahnen doppelt und dreifach den Schaden zu tragen haben, der dem n Ballin verkörperten Grosskapital augenblicklich zugeschanzt wird. Aber was nützt cs den Elendesten der Elenden, dass der Staat, der sie unschuldigerwcise verfolgt, sich endlich ins eigene Fleisch schneidet? Die Treibjagd ist in» besten Gange md Herr Bal'fn Ist der Oberjäger, der Hallali bläst, -— und die Gejagten sind seines Blutes, sind die geheizten Juden! Die russische Tclegraphcn-Agcntur ist von zuständiger Stelle ermächtigt zu erklären, dass die Petersburger Nachricht der Kölnischen Zeitung über Ausschreitungen, welche die Ein- Ziehung von Reservisten an vielen Orten Siidrusslauds zur Folge hatten, zwar wahr, aber übertrieben sei. Die Ausschreitungen haben nicht an vielen, sondern nur an ״mehreren” Orten stattgefunden. Ausserdem ist die Veranlassung zu den Ausschreitungen, welche zur Verwüstung einer oder zweier Kolonialwarenläden geführt haben, unrichtig gedeutet worden. Sic ist damit zu erklären, dass die grosse Ansammlung von Reservisten an Gestelhmgsorten jüdische Händler vcrnnlasstc. die Preise stark zu steigern, wodurch eine Erbitterung der Reservisten hervorgerufen wurde. Die Ausschreitungen wurden überall im Keime gleich erstickt, ühiigeiis soll die Verantwortung für die Erregung der Leidenschaitcn grösstenteils auf jüdische Sozialisten fallen, welche überall an Sammelpunkten der Rescrvisten Proklamationen gegen den Krieg verbreiteten, aber nichts aiiJeres hierdurch erreichten, als mir den Zorn der Christen gegen sich zu erregen. Der alte A c s o p hat zu dieser 0171־ zivilen russischen Berichtigung die Fabel von ״Wolf und Schaf" erzählt. ---—-ן t□ Sprechsaal. ם Für die Mittellungch an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pre$sgcsc:2:iche Verantwortlichkeit Eine Herzlhaüe bei der Natlonalblbllothck in Jerusalem. Jerusalem, 28. 9. 04. Mit Bezugnahme auf Ihre geschätzteil Ausführungen betreffs ״eine :1 e r z111 a 11 e in J c r us a 1 e m” ln Nummer 37 dieser Biatter, sei gestattet mir, folgeude Tatsachen naclizutragen. Zu dem Thorafeste v. Jahres hatte sich die hiesige zionistische Ortsgruppe die Erlaubnis erbeten, in •den Bibliothcksräunieu einen Gottesdienst abhalten zu dürfen. Dies wurde auch erlaubt, und versprochen. Die Versammelten faydeti sich aber Tags darauf verschlossenen Türen gegenüber, zum Ucberfluss auch noch mit Schwarzen besetzt, die jeden Versuch, sich zu nähern mit derben Fäusten und tüchtigen Knütteln zurückwiesen. Die Angelegenheit wurde damals im Londoner ״H a j - J e h ü d i” mitgetcilt und vielfach besprochen.* *) J c r ü s c 11 a 1 m I. * * * In der letzten Nummer des ״Frankfurter Israelitischen Familiciiblattcs” befindet sich in dem Bericht über die General- ‘Versammlung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung folgeinte Mitteilung aus einem Referat des Herrn Assessor Dr. Frieilemann: ״Des weiteren teilt der Referent mit. dass wir jetzt mit Bestimmtheit darauf rechnen können, in allernächster Zukunft von der Türkei die für eine Gross-Kolonisation in Palästina nötigen Konzessionen zu erlangen. Die diesbezüglichen Verhaiidlungeii hcfändcn sich vorläufig im Stadium der Diskretion.‘‘ Wie weit diese Berichterstattung den wirklichen Äusserimgen des Herrn Dr. Fricdcmanct entspricht, können wir natürlich nicht fcststdlen. Befinden sich derartige Verbandhingen im Stadium der Diskretion, so muss eine solche vorzeitige Publikation vor ihrem Abschluss als höchst *) Wir können auch unsererseits aus zuverlässiger Quelle die Mitteilung unseres Korrespondenten bestätigen. untunlich erscheinen. Beruht der Bericht des ״Frankf. isr. Farn." auf einen! Missverständnis, so ist die unbedachte Pubbzierung solcher Sensationsmeldungen nicht weniger schlimm. In jedem Falle muss energisch verhindert werden, dass durch unkontrolliertere Mitteilungen, die nicht von der Parteileitung ausgehen, falsche Erwartungen erregt werden, welche die ruhige Arbeit stören. Elias Auerbach (Berlin). Lustige Ecke. Ungarisches Verhör. ״Wie heissen Sie?“ ״Stefan Attilla Hortobägyl, Herr Richter.“ ״Religion?” ״Katholisch, Herr Richter." ״Können Sie lesen und schreiben?” ״Ja — aber mir hebräisch." — (״Jugend,“) *־־ Kleine Chronik. Rcgasen, (Prov. Posen.) (Stiftung.) Hausbesitzer Aron Rausch von hier hat der hiesigen jüdische n Gemeinde 18 000 Mark mit der Bestimmung gestiftet, dass von den Zinsen alle zwei Jahre einem bedürftigen Mädchen 900 Mark als Hochzciisgcschcnk zugewiesen werden: von den übrigen Zinsen sollen Arme Unterstützungen erhalten. Diese Schenkung ist vom König genehmigt worden. Briesen, 2. Okt. Die hiesige zwclklassigc jüdische Volksschule wird nicht mehr von voll 20 Kindern besucht, weil jetzt die meisten jüdischen Familien ihre Kinder auf die höheren Schulen schicken. Die Regierung hat daher auf Antrag des Magistrats angeordnet, dass die jüdische Schule in eine einklassige mngcwaudclt und die dadurch frei werdende Lehrkraft für die katholische Schule verwendet wird, welche ganz besonders unter dem Lehrermangel zu leiden hat. Israelitisches Rellglonsschitlwesen in Hessen. Wir brachton im Frühjahr die Mitteilung, dass das hessische Ministerium Dcabsichtige. die indischen Religkiislehrer in Hessen mit den Rechten der Voiksscluillchrcr defin'tiv anzustellen. In Oberhessen ist bereits der Anfang gemacht worden. Der Provinzialdirektor Dr. Bre dcrt hielt mit den Kreisräten, den beiden Rabbinern und Vorständen grösserer Gemeinden Sitzungen ab, in denen die Gemeinden in Bcz'rhssprcnge! elngcteüt wurden. Der erste israelitische Lehrer, der kürzlich definitiv augcstcllt wurde, ist Lehrer Neumark in Altenstadt (Kreis Friedberg), zr hat in vier Gemeinden Religionsunterricht zu erteilen und zwar wöchentlich 20 Stunden. In Rhelnhesscn und Starkenbürg werden demnächst ebenfalls Verhandlungen erigelcitet. Pflaumloch OA. Ncrcshcitn, 4. September. Der letzte hier ansässige Jude hat sein hiesiges Anwesen verkauft und ist ftach Nürnberg iibcrgesiedclt. Damit ist die jüdische Gemeinde, die vor 50 Jahren noch 100 Seelen zählte und der sehr angesehene Familien in Stuttgart (Pflaum, Nördlinger, Löwenstein tt. a.), München und NörJlingen entstammen, aufgelöst. Die schöne Svnagoge wurde erst IS 16 erbaut. Unterstützung jüdischer Auswanderer. Bekanntlich passlcreit Basel jeden Donnerstag Scharen armer jüdischer Aus- Wanderer, die mit Weih und Kind Rumänien, wo ihre Existenz unmöglich geworden ist, verlassen!iahen, um!11 Amerika ihr Brot zu suchen. Diese Leute, die meist elend und ausgehungert hier aiikommen. werden vom ״Hilfskomitee für jüdische Aus- Wanderer" in brüderlicher Weise gespeist und verpflegt und in Krankheitsfällen mit ärztlicher Hilfe verseilen. Das Komitee hat in zwei Jahren über 15 000 Fr. iar sie nufgcwciidct. die ihm von jüd sehen Gemeinden und Privaten Basels, der übrigen Schweiz lind des benachbarten Auslandes zugewiesen wurden. Fs gibt über diese Tätigkeit soeben einen 35 Seiten starken Bericht heraus und schickt ihm, da seine Mittel zur Neige üben. die herzliche Bitte an die jüdischen Stammesbrüder im nette Spenden voraus. Kassierer des Hilfskomitees ist Herr loel Weil, Feierahendstrasso 36. Die Juden in Finnland. Die fitinisch-schwcdichc Verfassung duldet überhaupt keinen Juden auf dem finnischen Boden. Zur Regierungszeit Nikolaus I., fanden nach 25jührigcm Militärdienst in Finnland einige jüdische Soldaten daselbst ihre Heimat. Der finnische Senat hatte deshalb ״rosse Kopfschmerzen zu über״ winden und suchte durch die folgenden Massrcgeln sich ahzukühlen: 1. Die m Finnland ansässigen Juden sind nicht befugt, ausserhalb Helsiugfors, Wiborg und Abo sich niederzulassen (einschliesslich auch eines jeweiligen Aufenthalts auf dem Lande).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.