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Jüdische Rundschau · 1904-10-14 · Heft 41 (14.10.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 41 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 341. rr יממע2!»0ר?מ ■־.־"י•!. ■י ..ג*«״ 1 ׳׳•■־־• ׳ממנגו? *ו* No. 41. ״ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Agitation in den Landgemeinden so!! energisch fortgesetzt werden. Herr Dr. Levy, der Referent des Abends, ergriff alsdann das Wort zu einem Vortrage über die. Lage des Zionismus nach dem Tode Dr. Herzls, er behandelte in klaren und sorgfältig ausgearbeiteten Ausführungen alle diejenigen Fragen, welche jetzt in Betracht kommen und die Sitzungen des Aktionskomitees und der Jahreskonferenz beschäftigten und zog auch die Gründung des Misrachi in den Kreis der Erörterungen. An dieses Referat schloss sich eine lebhafte Diskussion, an welcher sich auch Herr Dr. Goldberg aus Neuenahr, der als Gast bei uns weilte, beteiligte. In Erfelden, wo wir vor einiger Zeit eine Versammlung abgehalten und nach dem Referate des Herrn Dr. Levy sich eini.gc 20 Herren als Mitglieder eingeschrieben haben, werden wir demnächst die Gründüng einer neuen Gruppe versuchen. Am 22. September d. J. starb im jugendlichen Alter von 31 Jahren in Meran an einem heimtückischen Lungenleidcn unser Gesinnungsgenosse Josef Sachs aus D w i n s k. Ein alter ..Kadimahner", hatte er sich in den schweren Anfangszeiten der zionistischen Bewegung in Berlin als ein lieber und treuer Mitarbeiter in ״J u n g - I s r a c3" betätigt. Auf seine Mit- Wirkung und mit seiner Mitwirkung durfte man immer rech- ' n e n. Schon in Wien hatte Josef Sachs durch seine Opfer- Willigkeit die Herausgabe und Fortführung der Halbmonatsschrift ״S e 1 b s t - E m a 11 z i p a 11 0 n" ,ermöglichen helfen. In Berlin stand er uns durch agitatorische Arbeit und materielle Förderung stets zur Seite. Mit uns werden den Tod dieses fröhlichen und (wie es schien) unverwüstlichen Genossen viele, viele beklagen, denen er in seiner unerschöpflichen Hilfsbcreitschaft über Sorgen und Not hinweghalf. Berlin. Die ״J ü d i s c 11 - n a t i o n a I e Fraucnvcre! n i g u n g hat wieder eine Samrnclstcllc ־ für Kieldungsstiieke jeglicher Art für arme, auswandernde Juden errichtet. Es wird in Anbetracht der herrschenden Not um reichliche Zuwendung gebeten. Annahmestelle bei Frau Else Natanson, R u n g e s t r. 16. CpTjjji ■■■■■■“י*“■■*-Rundschau. °=-! Die Treibjagden für diesen Herbst haben bereits begonnen. An diesen Treibjagden beteiligen sich, so weit sie auf die verfolgten Juden von seiten der Kulturstaaten Russland und Rumänien unternommen werden, Preussen, Sachsen und Oesterreich in der Rolle von etwas ähnlichem,' wie die Treiber. In Brody sind die Gendarmen durch einen geheimen Befehl, einen allerhöchsten Befehl angewiesen, Juden, die über die Grenze kommen, besonders militärpflichtige Juden, den liebevollen Armen der Kosaken prompt auszulicfern. Und wie es in Preussen zur Zeit steht, darüber erfährt man aus folgendem Artikel der ״Berliner Zeitung" über Ballin, der — horribile dictu — Jude ist: Bade bei Ballin! ״Der Herr beschütze dich vor dem Bad!" Das ist der letzte Glückwunsch, der dem jüdischen Auswanderer aus Russland auf den Weg gegeben zu werden pflegt, und gemeint ist damit: ״Der Herr behüte dich vor Ballin und seinen ״hygicnischen” Kontrollstationen." Man hat ja in der letzten Zeit von diesen Kontrollstationen und von den Polizeibefugnissen des Herrn Ballin so manches gelesen: die Angelegenheit verdient aber, meint Dr. Georg Haiperu in der Münchener Freistatt, eine eingehendere Untersuchung auch schon deswegen, weil sic einen interessanten Beitrag liefert zum Kapitel der Monopole. Man verbietet die Durchwanderung nicht, aber man kon- UoHiert sie. Die Handhabe hierzu bietet eine Verordnung aus dem Jahre 1903. Damals herrschte in manchen Teilen Russlands die Cholera, und es wurden umfassende Massrcgcln gctroffen, um eine Einschleppung der Seuche nach Deutschland zu verhindern. Es wurde entlang der Grenze eine Reihe K011trollstationen errichtet. Die Haniburg-Amcrika-Linie und der Norddeutsche Lloyd erboten sich, die gesamten Einrichtungs- und Betriebskosten zu übernehmen, und dafür wurden die Kontrollstationen ebenso wie der Zentral-Auswandererhahnhof Ruhleben bei Berlin ihrer Verwaltung unterstellt, während der Staat nur eine gewisse Oberaufsicht beibchielt. Seitdem halten ßaihns Agenten die Wacht an der Grenze, und allerlei Duschen und Bäder und Desinfektionsapparate behüten den Bürger vor russisch-jüdischen Bazillen. Weiterfahren darf nur der, der von der Kontrollstation als seuchcnfrel gestempelt worden ist; die Untersuchung aber wird nach sonderbaren, ln der Medizin sonst unbekannten Methoden vorgenommen. Wer eine deutsche Schifffahrtskartc nach Amerika in Händen hat. ist von vornherein immun, wer im Besitze von Geld ist. wird so lange gebadet und desinfiziert, bis er eine löst, und wer kein Geld hat oder aus sonst einem Grunde nur eine Ucbcrfahrtskarte nach England lösen will, der ist und bleibt ״choleravcrdächtig” und muss nach Russland zurückfahren. Früher liess sich diese Diagnostik nicht ganz so icicht anwenden — so oft sich dies ohne allzulautcn Protest der englischen Linien machen liess, geschah es immerhin. Seitdem aber der Morgan Trust begründet würde und ״er ßf°ssc Kampf mit der Cunard Line begann, herrscht grosse Willkür. Wer nicht mit den deutschen Linien drekt nach Amerika fahrt, wird unweigerlich zurückgcschickt und mag sich über den Verlust des Reisegeldes und die eventuelle Verhaftung m Russland damit hinweg trösten, dass er dem Kampfe zweier grosser Nationen um die Herrschaft zur See .!um Opfer Fiel. Erst neulich wurden AS jüdische Auswanderer, die im Besitze von Schib'skartcn Kopenhagen-Ncw-York waren und sich bereits in Königsberg zur Ucbcrfahrt nach Kopenhagen emgcschifM hatten, gezwungen, das Schiff wieder zu verlassen. Ein 1 eil durfte, nachdem er deutsche Karten gelöst hatte, von Hambürg oder Bremen die Reise nach Amerika antreten, die anderen mussten zurück; und das Abenteuer des Berichterstatters des ״Vorwärts" hat ja deutlich genug gezeigt, zu welchen Mitteln Herr Ballin greifen darf, um seine Kriegskassc zu stärken. . , Die Harnburg-Anicrika-Linic und der Lloyd haben nun der Presse ein Coimnuniquö zukommen lassen, das ihr vorgehen rechtfertigen soll. Sic berufen sieb darin auf zweierlei erstens auf die durch ihre Vermittlung verhütete Gefahr einer Scuchencinschlcppung und zweitens darauf, dass durch ihre Tätigkeit der Staat und die Kommunen vor jeder Unterstützungs- Pflicht gesichert werden, da die beiden Gesellschaften alle von den Vereinigten Staaten zurückgeschickten Einwanderer aui ihre Kosten nach Russland zurfickbcfördcrn. Es ist geradezu erstaunlich, dass man mit derartigen Argumenten die geschilderten von den Gesellschaften gar nicht in Abrede gestellten Missstündc zu rechtfertigen sucht. Leidet ein Einwanderer an einer ansteckenden Krankheit, so muss er aus Gründen der Sicherheit an der Grenze zurückgewiesen werden — das Ist selbstverständlich. Ist er aber gesund, so ist es fiir den Gesundheitszustand Deutschlands gänzlich irrelevant, ob er nach Amerika oder nach England geht. Nur ganz nebenher will ich bemerken, dass mir von einer Seite in Hamburg, die cs absolut •wissen muss, gesagt wurde, dass alle die Bade- und Desinfektionsmittel hauptsächlich dazu da sind, damit das Kind einen Namen habe; und dann machen sie sich ia so hübsch bei Besuch der Auswanderungshallcn durch Fremde und in den bombastischen offtziehen Beschreibungen, die die Hamburg-Amerika-Linie bcreitwihigst verteilt. Und da England keinerlei Einwandcrungsgesetz hat, und demgemäss niemals einen Einwanderer zurückschickt, so besteht auch keine Gefahr, dass irgend ein Rückwanderer den öffentlichen Kassen zur Last fallen könnte; ausserdem ist es allen Eingeweihten hinlänglich bekannt, dass die gesamten Kosten der jüdischen Rückwanderung von jüdisehen Organisationen getragen werden. Von grösstem Interesse aber ist ein weiterer Passus des genannten Communiqudcs. Es heisst da: ״Durch die Stationen werden nicht nur Auswanderer, welche mit den deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaftcn zu reisen be* absichtigen, zur Weiterbeförderung zugelasscn, sondern auch die Auswanderer aller Dampfschiffahrtsgcscllschaften, welche mit den deutschen Daninfscliifilinien in entsprechendem Vertragsverhältnis stehen. Wenn eine einzelne Damofschiffahrtsgescllschaft. wie dies zur Zeit bei der Cunard Line der Fall, von diesen Verträgen zuriiektritt, so hört damit sclhstvcrständlieh auch das Recht für diese Gesellschaft auf. ihre Passagiere durch die Kontrollstation passieren zu lassen, und müssen solche Passagiere daher zuriickgcwicscn werden.” Das ist dankenswert deutlich. Weil also die deutschen Linien mit der Cunard I.inc in einem Taritkricg liegen, verweigert die vom Reiche aus gcsundhciti'chen Gründen crrichtete Kontrollstation solchen Auswanderern, die nachweislich keinerlei Gefahr für Deutschland bedeuten können, das Recht der Weiterfahrt. So weit die ״Berliner Zeitung"! Und dabei ist ihr noch mell einmal die entsetzliche ludennot persönlich nahe getreten, die alle Tage sich auf den preussischen Staatsbahnen erneut. Freilich, dass der Jude, Herr Ballin so a k t i v betelligt Ist, ist für uns das Beschämende an der Sache. Immer-

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