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Jüdische Rundschau · 1904-10-14 · Heft 41 (14.10.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 41 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 4L JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 337. eine contradicti'o in adjecto vorige. Ein zionistischer Assimllant, das wäre ein Absurdum, weil eben der Assimilant, der sich zionistischen Ideen zuncigt, sich alle Mühe geben muss, um sein Vorleben und die es ausfallenden Ideen zu vergessen. Qanz anders der Orthodoxe. Seiner ganzen Vorgeschichte nach sollte er ein recht hochwertiges Material für die Zionisten abgeben. Er bringt eben von Hause aus das ganze Rüstzeug mit, das ihm den Kampf nach aussen erleichtert. Er hat von Jugend auf gelernt, alle menschlichen und speziell indische Ideale zu pflegen, er hat alle Zeit ein warmes Herz und eine offene Hand für seine leidenden Brüder bewiesen, er hat stets volles Verständnis für die Gebresten seines Volkes gezeigt und, last not least, er hat nie aufgehört Zion als den Ziel- Punkt sejner Sehnsucht zu betrachten. Eine bessere Vorbildung kann sich Ja ein Zionist eigentlich nicht wünschen. Freilich ist und bleibt der G—ttesgedanke das Leitmotiv auch für den Zionist gewordenen Orthodoxen, und die Möglichkeit einer endliehen Erlösung seines Volkes vollzieht sich fiir ihn nur durch das Eingreifen der g—ttlichen Gewalt. Aber dieser Gedanke lähmt die Selbstarbeil des Zionisten in keiner \Vcise. Im Gegenteil, nur durch Sclbstarbcit haben wir Anspruch auf die g—ttlichc Hilfe. Wohl wird überall G—tt der Vater der Witwen und Waisen, Elenden und Hilfsbedürftigen genannt und doch ruft der Prophetenmund uns zu: ״Löse die Fesseln der Boshc't. trenne d׳e Bande des Joches, schaffe dem Unterdrückten die Freiheit. Brich dem Armen dein Brot, bringe die Versfossenen in dein Haus, wo du einen Kackten .sichest, bedecke ihn und deinem eigenen Fleische entziehe dich nicht.“ Der Allmächtige bedient sich menschlicher Hilfe, um sein hehres Ziel zu erreichen. Nach unserer Auffassung wird grade dadurch der Mensch geadelt, dass er begnadet ist in gewissem Sinne die Vorsehung mltspiclen zu dürfen. Wir sollen einfrclen, wir Menschen. Zionisten, um unserem Volke zu helfen, mit aller uns zu geböte stellenden Kraft, mit unserem letzten Blutstropfen, dann wird uns auch O—ttes Beistand nicht fehlen. — Das ist das Glaubensbekenntnis des ״zionistischen Orthodoxen", eine Bezeichnung, die wir mit Freuden aufnehmen, und der auch S:c, verehrter Herr Dr. Jungmann, sich nicht zu schämen brauchen. Oder sollte derjenige wirklich der schlechtere Zionist sein, der das religiöse Moment, das doch fraglos das Judentum in Zeiten schwerster Kot viele Jahrhunderte hindurch aufrecht erhalten, nicht zurücktreten lassen will hinter den nationalen Gedanken? Darüber!st man sich wohl In allen zionistischen Kreisen einig, dass man, um unserem Volke wirksam aufzuhclfen, nicht nur für die zionistischen Endziele, der Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimat, Sorge zu tr/igen hat, wir bedürfen dringend mannigfacher Vorarbeiten, die unser Volk befähigen, gestählten Körpers und gereiften Geistes eintreten zu können ln den Konkurrenzkampf der Völker. Und wenn die Einen die Volkskraft zu beben suchen durch Gründung von Turn- und Gesangvereinen, Toynbcchallen und anderem mehr,• so liegt den Andern die Pflicht ob, den alten Volksgcist wieder auffleben zu lassen in der Kräftigung der Glaubensstärke, in der Pflege unserer alten nationalen Literatur, der uns übererbten Sprache ctc. Beide stellen sich in den Dienst wahrhaft nationaler Arbeit, in deren Bewältigung man füglich nicht eine Vernachlässigung der zionistischen Tätigkeit erblicken sollte. Selbstredend wollen wir in unserer Arbeit die Errungenschaften moderner Kultur nicht vermissen. Wenn wirklich auf dem Jüngsten Pressburger Kongress eine Stimme sich abfällig über die Pflege moderner Wissenschaft geäussert. so ist fiir eine derartige Auffassung der Misrachi ebensoweme verantwortlich zu machen, als man die Zionisten Im allgemeinen verantwortlich machen konnte für Jene durch einzelne Personen hervorgerufenen unerquicklichen Debatten, die die ersten beiden Tage des 1 etzten Basier Kongresses fast ganz ausfüllten. Unbegreiflich bleibt mir die Ansicht des Herrn Refereuten, dass er dem Misrachi die Propagation antizionistischer; Ideen Zutrauen will, indem er in der Pointierung des orthodoxen Standpunktes einen Vcrstoss gegen das überlieferte Gesetz des Kongresses erblickt. Alle Überzeugungen in der Partei, so laufen seine Ausführungen, so’ien in gleicher Weise respektiert, aber unter kernen Umständen diskutiert werden. Aber, in aller Welt, cm solcher Passus kann sich doch nur auf die Tribüne des Kongresses beziehen, doch unmöglich Giltigkeit beanspruchen in den vier Wänden unseres Hauses! Das wäre denn doch eine Vergewaltigung ohnegleichen, und, Hand aufs Herz, welche Partei in unserer Mitte könnte dieser Kritik standha'tcn? Auf dem Kongress fre'lich sollen alle religiösen Streitfragen schweigen. Ich für meine Person möchte noch weitergehen und sagen, auch ans' unseren zionistischen Tagesblättern sollte jeder rclig'öse Disput gestrichen werden. In rubigor. sachlicher Weise über die schwebenden Tagesfragen ln utiserer nationalen Arbeit diskutieren, ohne die Gewissensfreiheit des Einzelnen zu beengen, das wäre das Ideal, das ich mir erträumte. In persönlichem Gedankenaustausch über die religiösen Fragen dürfte man eine weit versöhnlichere Lösung her- Literaturbericht. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden eingehende Besprechung. •*• Flugblatt No. 6 der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist erschienen. Mit alter Begeisterung — das ist bei einem FlugUatt die Hauptsache, denn cs soll auf die Herzen wirken — wird liier von der wirtschaftlichen und ge stigen Not der Juden gesprochen und dem das Ideal des Zionismus entgegengesetzt und in seiner Verwirklichung ein Ausweg aus aller Kot gezeigt. Fort mit der jüdischen Stumpfheit, fühlt jüdisch! Das sei die Parole. G. W. Max Kollenscher: Zionismus und Staatsbürgertuni. Berlin 1001. Auf 8 Seiten wird in dieser Broschüre in logischer Deduktion die Frage des Verhältnisses zwischen Judentum und Zionismus einerseits und dem Patriotismus und den staatsbürgerlichen Rechten der Juden andererseits behandelt. Die Mengersehe Definition des Patriotismus als ..Liehe zu Land und Leuten" wird der Ausführung zu gründe gelegt. Das schwere und wichtige Problem, das in der Broschüre behandelt wird, wird selbstredend nicht im entferntesten gelöst, kann es auch nicht werden: in solchen Fragen entscheidet das Gefühl . und so und so viel Dinge, die unterhalb der Schwelle des Bewusstseins liegen. Wenn man sich die Sache allerdings leicht : macht und auch den wirtschaftlichen Kampf für die Eigenexlstenz als Patriotismus ansieht und unter staatsbürgerlichen Pflichten nur Geld und Blutsteucr versteht und sich damit zufrieden gibt, nicht gegen die Paragraphen des Strafgesetzbuches zu bandeln, dann ist die Frage allerdings bald gelöst und man kann klar disponieren und logisch beweisen, aber semper aliquid haeret. Seien wir doch ehrlich gegen uns selbst! 0. W. Aus dem Orient. Asiatische Türkei. Konstantinopel, 9. Scpt. Aus Anlass der üröffnimg einer neuen Tc'lstrcckc der Hedschasbahn, die im türkischen Volke gewöhnlich Mekkabahn genannt wird, bringen die türkischen Zeitungen Verherrlichungen des Sultans, der unentwegt fiir die Bedürfnisse der Gläubigen sorge und dessen Antrieb der Bau dieser Balm zu danken sc:, die später den Pilgerzug zu den heiligen Stätten des Islams wesentlich erleichtern werde und deren Bau ein allen Bekenncrn des Islams gemeinsames Werk sei, zu dem Reich und Arm gern beisteuerteil. Es ist wohl Tatsache, dass dieses Werk die B lligur.g denkender Muhamcdancr findet und dass eine gewisse Dank• barkeit dem Sultan dafür entgcgcngcbraclit wird, weil sein Mnchtspruch den Fortschritt der Arbeiten, so langsam er auch sein mag. gewährleistet. Eine Ausnahme machen nur d!c räuberischen Wiistcustärumc. die sich in ihrer Industrie des Raubrittertums bedroht sehen. Um diese im Zaum 711 halten und den Betrieb über Mann hinaus zu sichern, wird man die Strecke dauernd mit Truppen besetzen müssen, die auch 'וזז Kriegsfälle unabkömmlich sein werden. Eine Division Infanterie mit berittenen Infanterietruppen wird für diesen Dienst erforder-

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