Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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A#.W( '•#׳*» *ג*. י Seite 338. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 41, beifuhren. Haben wir es doch selber erlebt, dass in der Pressburger Versammlung ein Aktions-Komitecs-Mitglicd, das durchaus nicht auf unserem Standpunkt stand, nachdem wir unser Programm in sachlicher Weise diskutiert hatten, uns mit dankenswerter Offenheit das Zeugnis ausstellte, dass die Orthodoxen Zionisten darstellten mit einem kleinen Plus, das noch zu ihren Gunsten ausficle.*) Wenn dem offenen Wort an neutraler Stelle Gelegenheit zur Rede und Gegenrede gegeben ist, aber nicht wie in einem Tagesblatt erst nach Verlauf einer Woche, dann lösen sich die Gegensätze der Geslnnungsgenossen in versöhnlicher Weise auf. Schliesslich wollen wir doch ein und dasselbe und der Genius unseres grossen Meisters dürfte befriedigt auf uns herabblicken, wenn wir, seine Kinder, in seinem Sinn in friedlicher Arbeit mit vereinter Kraft unsere zionistische Aufgabe zu erledigen suchen. Und zu der Erhaltung dieses Friedens will auch der Misrachi seine Hand bieten. Andere Motive, versteckter . Natur, gibt es für ihn nicht. ״Die grosse Macht”, von der der Herr Referent redet, die demnächst in geschlossener Phalanx in den Kongress einziehen wird, wird niemals ihren Einfluss dazu missbrauchen, um von der Tribüne heran Lehren zu verkünden, die unseren Frieden stören könnten. Die gegenseitige Toleranz ist vorbürgt, wir werden sie hcchhalten, diese Bürgschaft. Wir waren es ja, zugestandenermassen nicht, die den Zankapfel in die Versammlung hincinwarfcn. Von der Fraktion gedrängt, sah sich der Misrachi ungern veranlasst, in gewissem Sinne eine Sonderstellung cinztmchmcn. Aber er musste darauf bcstehen, dass seine heiligsten Gefühle in keiner Weise verletzt wurden. Wenn er in solchem Falle, selbst in energischster Weise, sich seiner Haut wehrte, dann war doch wahrlich nicht er es, der einen unliebsamen Ton angeschlagen hatte. Sollte in der Tat der Misrachi in Zukunft apologetisch nicht mehr in Aktion zu treten haben, so wird dies niemand mit grösserer Freude begrüssen, als der Misrachi selber. Um schliesslich auch noch den propagandistischen Wert der Misrachigruppe, in orthodoxen Kreisen natürlich, zu bcrühren, so unterschätzt diesen der Herr Referent vollkommen. Kaum einige Wochen sind seit der Pressburger Konferenz *) Ob Herr Dr. Kahn im Sinne des ganzen Engem Aktionskomitees gehandelt hat. als er seinem orthodoxen Standpunkt auf dem Pressburger Tage in dieser Weise Ausdruck verlieh, bleibt doch noch abzuwarten. (Red.) lieh sein. Den schon In der Kölnischen Zeitung gegebenen Einzelheiten über die Bahn ist nacli türkischen Quellen noch einiges hinzuzufügen. Danach ist die Länge der ganzen Hauptstrecke Damaskus-Mekka auf rund 2000 km nngenommen, von denen der Teil Pamaskus-Maftn. •465 km, fertig ist. Es verbleiben also noch rund Drcivicrtct der Strecke, 1500 k!n, zu bauen, wofür einige Vorarbeiten beendet und Bestellungen im Werte von rund zwei Millionen Mark schon ergangen sind. In türkischen Zeitungen wird die Bauausgabc auf das Kilometer nur mit rund 32 000 Mark angegeben. Man muss dabei wohl in Betracht ziehen, dass die türkischen Eisenbahnbataillone. die nach dem russischen Vorbildc Annenkows in erster Linie die Bahn bauen und den Bau sichern, nicht aus dem Budget der Balm bezahlt werden, ferner, dass viel Holz nnentceltlich geliefert und herangebracht wird, sowie, dass eine Menge von sonst mit Kosten verbundenen Hilfsleistungen durch wirkliche oder mit sanfter Gewalt erzwungene Freiwilligkeit erledigt wird. Die Türkei ist ein seltsames Land, der Wille des Grosshern kann noch Wunder vollbringen, und die Beständigkeit dieses Willens vorausgesetzt, darf man nicht daran zweifein, dass ungeachtet aller finanziellen Schwierigkeiten der Bau fortschreiten und endlich die Schienenverbindung mit dem Boden vollenden wird, den einst der Fuss des Propheten gcweiht hat. Eine nicht gewollte Folge dieser Kulturarbeit wird freilich sein, dass der Abschluss der heiligen Stätten gegen Ui!• gläubige kaum noch aufrecht zu erhalten sein wird, und dass, den Schienen folgend, westlicher Geist allmählich auch jene Gebiete durchwehen wird, die heute noch in starrer Abgeschiedenheit die Ouellen bergen, aus denen der Muliarnedaner seine Kraft des Widerstandes gegen westliche Kultur schöpft. verflossen, und schon hat sich in deutscher, orthodoxen Kreisen, die bisher unserer werbenden Arbeit verschlossen, in den verschiedensten Orten ein regeres Leben gezeigt.*) Unsere Aufgabe, die der misrachischcn Zentrale, muss es eben sein, die neu geworbenen Freunde einzuführen in das Verständnis nationalzionistischcr Arbeit in oben angedeutetem Sinne. Die altgcschaffcne, in ihrem Bestände durchaus bewährte Einrichtung der Ortsgruppen'darf in keiner Weise tangiert, die Bestände derselben niemals gelichtet werden. Separationsgelüste liegen dem Misrachi völlig fern. Er erkennt in Jedem Zionisten den vollwertigen Mitstreiter an im Kampfe um nationale Ehre. Rückhaltloser Zusammenschluss aller Gcsinnungsgenossen ist sein Wunsch, keine Trennung. Ich hoffe, diese Worte werden auch dem Herrn Referenten Beruhigung gewähren, und ich bin der Ucberzcugung, dass wir mit der g-ttiiehen Hilfe uns noch des öfteren Schulter an Schulter kämpfend auf dem Gebiete ernster, einmütiger, echt zionisti-?eher Arbeit begegnen werden. Lübeck, 9. Oktober OL Dr. A d I c r, 111. Misrachi.. Die Ausführungen des Gesinnungsgenossen Dr. Jung־ manu in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau‘‘ ver- Anlassen mich zu einer kurzen E 111 g c g n u n g. Ich bin kein Misracliist, stehe der Misrachi nicht einmal ״sympathiscli“ gegenüber, hätte vielmehr gewünscht, da<s sic sich niemals gegründet hätte. Ich lasse cs auch wie Herr Dr. Jungniann dahingestellt, ob die demokratische Dre'männer-Fraktion im zionistischen Lager jemals Bedeutung gehabt hat. Heute lebt wohl die Fraktion nur noch in den erhitzte» Köpfen einiger weniger jugendlichen Heissspornc, aber trotzdem haben cs die Orthodoxen für gut befunden, eine Gegenorganisation zu gründen, die die religiösen Elemente des Zionismus vereinen soll. Nebenbei möchte ich bemerken, dass hier in Frankfurt a. Main c!ne ganze Reihe streng religiöser Zionisten es aus prinzipiellen Gründen abgclehnt hat, der Misrachi-Organisation beizutreten. *) Wir dürfen dabei nicht die Pflicht der Dankbarkeit vergessen. die wir dem ״Israelit” für seine tüchtige Mitwirkung hierbei schulden. Es darf nicht zu gering veranschlagt werden, dass er die schlechten Elemente von uns fern hält und die . besseren zu uns hinnötigt. (Red.) Konstantlnopcl, 5. Oktober. Der erste Abschnitt der Bagdadbahn der Strecke Konia-Ercgli-Burgurla ist nahezu vollendct. Die Eröffnung des Betriebes ist auf den 25. Oktober, den Geburtstag des Sultans, festgesetzt worden. Das rollende Material und die Maschinen, die aus deutschen und französischcn Fabriken stammen, treffen bereits ein. Das Personal für den Betrieb wird von־ der Anatolischen Balm gestellt. Juden in Afghanistan. Nach den statistischen Angaben gibt cs in Afghanistan ungefähr •10 000 Juden. Obwohl sic nicht als vollgiltigc Bürger betrachtet sind, gemessen sie doch ziemliehe Freiheit unter dem Schutze der freundlich gesinnten Mächte. Die Juden sind in 60 Gemeinden cingetcilt, von denen die grösste die von Kabul ist. die 2000 Menschen zählt. Die Deutsche Orient-Gesellschaft versendet soeben zwei stattliche neue Hefte ihrer ״Mitteilungen". Die Nummer 23 wird ausgefüllt von dem Bericht der Herren Dr. Thicrsch (München) und Dr. Hölscher (Leipzig) über ihre im Sommer vorigen Jahres im Aufträge der Gesellschaft unternommene Forschungsreise durch Palästina, deren Zweck es war, an Ort und Stelle zu prüfen, welche Stellen für künftige Unternchmungcn in Frage kommen könnten. Die fünf Monate währende Reise führte zunächst von Beirut aus durch das alte Phöniziern dann von Haifa in die Ebene Jezrcel, über Tibcrias Und durch das galiläische Bergland bis zu den Jordanquellen; alsdann im Ostjordanlandc durch den Dscholan, die weite Ebene des Hauran und quer über den Dscliebcl AJschlun zurück ins Westjordanland nach Samaria und Jerusalem, von wo ein Ab- Stecher ins Gebirge Juda und eine Rund tour um das Tote Meer über Jericho und durch Moab gemacht wurde; endlich von