Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-10-07 · Heft 40 (7.10.1904) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 40 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651381--01689-2658558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

י«“״ ״•*8 '►י־צי״יד׳ך־י•**" tmw»#■ ,XMugmim No. 40. __ JÜD1S CHE RUN DSC HA U. Seite 331. raeisters Qreminsky in Snijcla ein, aber das Vemlchtungswerk war bereits beendet. Hundert jüdische Häuser, 150 jüdische Geschäfte, zwei Synagogen, zwei jüdische Schulen! und die von Dr. Stern begründete jüdische Bibliothek wurden J völlig vernichtet, *1000 Juden zu Bettlern gemacht. Die Not dieser Unglücklichen ist unbeschreiblich gross. Ein Hilfskomitee 1 bemüht sich, die Not zu lindern. Neue Judcnkrawalle. Dem ausländischen Komitee des Bundes gehen aus Kowno, Gouvernement 1Wolhynien, Mitteilungen zu, wonach dort vor kurzem Schlägereien zwischen Soldaten und Juden stattgefunden haben. Ein Soldat hatte im Hazardspiel 30 Rubel verloren.. Er merkte, dass er betrogen worden war, und forderte sein Geld zurück. Die von der sehr j zahlreichen Zunft der Hazardspieler bestochene Polizei nahm j sich des Kartcnschwimjlcrs an und so gelang cs diesem, zu ( entkommen. Die Soldaten, von denen gegen *10 Mann zugegen waren, ergriffen schliesslich einen anderen russischen Kartenj Spieler, schlugen diesen fürchterlich und begannen dann die jüdischen Händlerinnen anzugreifen. Sic holten noch mehr ihrer Kameraden herbei mul bald gab cs eine regelrechte Schlägerei zwischen Soldaten und Juden. Hauptsächlich hatten cs die Soldaten auf jüdische Händler abgesehen, von denen viele geschlagen und deren Läden ausgepliinder; wurden. Die Polizei, die die Kartenschwindler beschützte, war jetzt froh, dass die Wut der Soldaten eine solche Ablenkung erfuhr und licss die Plünderungen ruhig geschehen. Jüdische Arbeiter } warfen sich den Soldaten entgegen und diese wurden, nach- J dem die Feuerwehr cingegriffen, endlich zuriickgeschlagen. Es ' sind ungefähr 90 Soldaten verwundet, 12 schwer, einer lebensgefäh!!ich. Die Zahl der verwundeten Zivilpersonen ist nicht bekannt. Bagdäd-Balm. Wie wir schon kurz mitteilten, wird am 15. Oktober die erste Teilstrecke der Bagdad-Balm feierlich eröffnet werden. Diese Strecke, die annähernd */יי der grossen Strecke darstellt, die die Bagdad-Bahn durchlaufen wird, ist in verhältnismässig kurzer Zeit iertiggestellt worden. Allerdings ist sic auch derjenige Teil,. der wohl die geringsten Schwierigkeiten bietet. Sie geht von der ehemaligen Haupt- Stadt des Seldschukenreicb.es Konia, dem Endpunkte der Anatolischen Eisenbahn, aus, einem alten Verkehrswege von dort zum Orte Eregli folgend und von da noch ein kleines Stück weiter, bis zu einem Ort Burgnrlu. Der Niveauunterschied ist nicht gross; der Anfangspunkt Konia liegt in 1027 m Höhe, Eregli in 1050 m Höhe, die Bahnstrecke verläuft auf der Hochebene fast immer in gleicher Höhenlage. Die Landscliaft trägt ähnlich der Umgegend von Konia vorwiegend Steppencharakter, ist nicht besonders dicht bevölkert und produziert in der Hauptsache Getreide und Vieh. In der nahe der Strecke belogenen Stadt Karaman hat sich, wie Professor Fitzner in seinem Werke ״Aus Klein-Asien und Syrien" von dem jüngst der erste Band erschienen ist, mitteilt, auf Anregung europäischer Handelshäuser in Konstantinopcl eine ansehnliche Tcppichindustrie entwickelt, die durch die Balm sicher gefördert werden wird. Der nächste Bauabschnitt, sagt derselbe Verfasser, Lregli-Adana bietet in technischer Hinsicht die weitaus grössten Schwierigkeiten der gesamten Linie. Denn hier ist die Aufgabe gestellt, nicht nur die steilen Taurusketten zu durcUsclmeideu, sondern auch auf eine kurze Entfernung den Abstieg aus etwa Brockeuhöhe, also etwa 1 HX) m, zum Meeresspiegel zu bcwcrkstelligen. Die Balm wird einige Seitentäler des Bozanti- Su benutzen, östlich ausserhalb der historisch berühmten engen ״Kilikiselien Tore” durch das Gebirge führen, und den Abstieg von der Passhöhe zur Ebene mit Hilfe schraubenförmiger Tunnelbaiiten bewerkstelligen, wie sie mehrfach schon in anderen Hochgebirgen zur Anwendung gebracht sind, lieber Dorak, einem Orte an einem Nebenfluss des Seiliun, wird Adana erreicht. Vdn diesem Punkte besteht bereits Bahn- Verbindung mit Mersina. Alsdann wird also der Schienensträng Klein-Asien von Norden bis Süden durchquert haben und ein wichtiger Teil des grossen Werkes fertiggestcllt sein. Angesichts der technischen Schwierigkeiten dieser Strecke darf man die Eröffnung aber wohl erst nach längerer Zeit erwarten. ־Ed Sprechsaal. B Für die Mie.eilungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgcsctzliche Verantwortlichkeit. Protest. Trotzdem des öfteren aufs Schärfste betont wurde, dass der Zion sn js keine religiöse, sondern eine nationale Bewegung ist, wird nun plötzlich ein Angriff gegen diesen freien Stand- Punkt gemacht und zwar von Seiten der Londoner Misrachistcn. Die Resolution, die in ihrer Versammlung am 19. v. Mts. angenommen wurde, versetzt den Freidenkern unter uns - - und es gibt dav< n eine ganze Menge ־ - e'nen Schlag, wie er aus unserer M tte heraus denn doch nicht zu erwarten war. Die Befiirchtur.c. dass die Misrachi-Vcrcine allzusehr das religiöse Moment in die Bewegung tragen würden, hat sich also bestätigt. N׳ cfi ist es Zeit. d e Misrachistcn in ihre Schranken zuriickzitwi‘seit, s< >t können wir cs erleben, dass in nicht allzülatigcr Zeit eine Spaltung in der Partei entsteht, die nicht gerade zu :'׳.rem Nutzen wäre. Ich gi.-ubc im Namen aller freidenkenden Männer und Frauen zu spreche•;: wem: ich ganz energisch dagegen protestiere, das? Privatmtercssea sind Privatmeitmngen verbindlich für die Partei gemacht werden sollen: wenn ich ganz energisch dagegen p: testiere, dass man uns für weniger aufrichtige Zionisten betrachtet, als die Orthodoxen: wenn ich ganz euergisch dagegen protestiere, dass man unsere Rechte an der Mitarbeit zum Woh'.e der Partei schmälern will. E. C. Kleine Chronik. «=־ Berlin. Das von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde ur.d der Grossloge U. O. B. B. gemeinsam berufene Kuratorium für Herstellung eines Gcsarr.larchivs Mir die Juden Deutschlands hat beschlossen, zunächst einen mit der liebrüisehen Sprache und der jüdischen Literatur gründlich vertrauten jüdischen Fachmann mit Rundreisen durch die jiidisehen Gemeinden Deutschlands zur Feststellung und Prüfung des bei ihren vorliegenden archivalischett Materials zu beauftrageu. Herr Archivar Dr. Zivier in Pless ist zu dieser Aufgabe vorgesehen. Der Beauftragte wird über jede Reise einen zusammenhängenden wissenschaftlichen Bericht erstatten. Auf Grund desselben soll die Sammlung oder Kopierung des archivalischen Stoffes iiir dis Gesamtarchiv veranlasst werden. Zugleich ist die Photographierung der für die Geschichte des mittelalterlichen Judentums so bedeutsamen Mcmorbiichcr beabsichtigt. Das Kuratorium bat endlich beschlossen, einen jüngeren Historiker für den Posten des Acbivars berufsmässig ausbilden zu lassen. t Der Vorstand des Jüdischen Genesungsheims zu Lehnitz hat beschlossen, das Heim während der nächsten Monate offen zu halten, da anerkamitermasseu die Erfolge der Winterkuren, denen der Sommerkurei! in keiner Hinsicht nachstclien. Es soll aui diese Weise einer grösseren Anzahl von Rekonvaleszcntcn und Erholungsbedürftigen, welche in der eigentliehen Ferienzeit nicht abkömmlich waren, oder wegen lieberfiillung des Heims keine Aufnahme finden konnten. Gelegenheit geboten werden, die Wohltaten dieser Einrichtung zu gemessen. Gesuche, eventl. mit ärztlichem Attest sind an das Büro, Berlin, Gr. P r ä s i d c n t e u s t v. 31. zu richten. Angcrtnünde, 1(5. Sept. Die Syiiagogcngcmeindc hatte am 12. Mai an den Bezirksausschuss ein Schreiben gerichtet, das Schächten im städtischen Schlachthause nach wie vor zu gestatten. Darauf ist von dem Ausschuss eine abschlägige Autwort eingegangeti und die erforderliche Genehmigung versagt worden. Die jüdische Gemeinde hat jetzt eine Eingabe an den Minister gerichtet. Die Gemeinde scheint also zu glauben, das« in Prctissen Gewissensfreiheit auch für Juden herrscht. Sie werden ja selten — ־־ Köln, Oktober 19*M. Einem langjährigen Brauche folgend, hielt am letzten Schmini-Azereth Rabbiner Dr. rank in seiner Festrede eine Totenschau über die grossen Toten des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.