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Jüdische Rundschau · 1904-10-07 · Heft 40 (7.10.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 40 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 330. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 40. % Ber!’«. Am 30. September feierte Herr Eduard Koopmann, Versitzender der Zionistischen Ortsgruppe in Bremen, das Fest der silbernen Hochzeit. — Gleichzeitig criahrcn wir, dass Herr Moritz Goldschmidt in Hamburg sich mit Fräulein Flora Fleischmann in Hamburg verlobt hat. Wir gestatten uns, diesen bewährten Gesinnungsgenossen auf diesem Wege unsere aufrichtigen Glückwünsche auszusprechcn. —I Aus der Beweguijg. r-— hs. Breslau. Es war anzunehmen, dass aus Anlass der N a t u r f 0 r s c h c r t a g u n g in Breslau auch eine Anzahl auswärtiger Gesinnungsgenossen da Zusammentreffen werden. Es wurden deshalb in der ״Welt" und ״Rundschau" ein Rendezvous für Montag den 19.. eine interne Versammlung für Dienstag den 20. und eine öffentliche Versammlung für Mittwoch den 21. angekiindigt. Leider lehnte die Leitung des ״Tageblatts" der Naturforschcrvcrsammlung die Aufnahme dieser Ankündigung ab. da cs sich um einen politischen Verein handele, während s'e die Anzeigen der nicht interkonfessionellen Logen und der auch nicht Interkonfessionellen i. e. antisemltischen StudentenverbänJe aufnahm. So erfuhr sicher ein Teil der anwesenden Zionisten nichts von den Zusammenkünfte:!, zumal auch die ״Rundschau” wohl durch einen Druckfehler die Anzeige nur c i n Mal und an falscher Stelle gebracht hatte. Am Montag Abend war von auswärtigen Zionisten nur E s t c r m a n n ־ Hamburg anwesend. Mau blieb bis nach. Mitternacht im Kaffee Residenz gemütlich beisammen. Selbstverständlich war allen \ernünitig Denkenden, dass die Zeitangabe 9״ Uhr" in der Ankündigung für diese Zusammenkunft sich nur auf dc:1 Abend beziehen konnte, zumal man in Deutschlatid im allgemeinen früh um 9 Uhr nicht ins Kaffeehaus geht und an diesem Tage Jöm-Kippär war. Da es aber Böswillige nun einmal gibt, so wird jetzt die freche Verleumdung verbreitet, die Zionisten hätten für J0m-Kippür Vormittag eine Versammlung auberäumt. Am Dienstag Abend war die Versammlung von zirka 5) Personen besucht. Schachtel - Breslau referierte über ״die gegenwärtige Situation in der zionistischen Bewegung". Er besprach insbesondere die Tragen der zu schaffenden Organisation. der Palästina-Tätigkeit und der Stellungnahme der russischen Zionisten zu den einzelnen Teilen der zionistischen Arbeit. In der Diskuss'ou wurden diese Fragen weiter bcliandelt von Z 1 o c i s t i - Berlin, Estcrinann - Hamburg, L e- J win- Epstein. G r ii n t h a 1, S t e i 11 i t z und Borger- Breslau. Am Mittwoch abend fand eine öffentliche Versammlung statt, die von etwa •100 Personen besucht war. Theodor Z 1 oc i s t i - Berlin sprach über ״die Leitmotive in der jüdisehen Ocschichte des 19. Jahrhunderts." Redner wies an der Hand eines grossen historischen Materials nach, wie der Zionismus nur die Konsequenz der ganzen jüdischen Geschichte im 19. Jahrhundert sei. Seine von der bei Juden üblichen abweiebenden Geschichtsauffassung musste natürlich Widerspruch erregen. Insbesondere tat dies seine Auffassung von der Bedeutungslosigkeit Moses Mendelssohns, so sehr wir auch sonst auf ihn als Menschen und Denker stolz sein können. Ein junger Theologe suchte ilm zu widerlegen, was ihm aber vorbeigelang, worauf er wohl in der Hitze des Gefechtes sich zu etwas verdächtigenden Äusserungen bezüglich des Zionismus verstieg. E s t e r m a 11 n . Z 1 o c i s t i und Sandler erwiderten ihm und noch einem andern Contra-Redncr unter dem grossen Beifall der Versammlung. Nach 11 Uhr schloss die Versammlung und es folgte noch eine lange gemütliche Nachsitzung im Kaffee. Die Frankfurter Zionistische Vereinigung hat hier im Grand Kaffee Bristol am Schillcrplatz, vis-ä-vis der ehemaligen Hauptwache, einen Stammtisch gegründet und macht durchreisende Zionisten darauf aufmerksam, dass sic daselbst vom 1. Oktober ab jeden Dienstag und Donnerstag von 9 Uhr abends Gcstunungsgenossen antreffen werden. Von der Parteipresse liegen 1m genannten Kaffee auf: 1. Das Zcntralorgan ״Die Welt". Wien. 2. ״Jüdische Rundschau", ferner 3. ״Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums", *1, ״Ost und West", Monatsschrift, Berlin, und 5. ״Frankfurter Israelitisches Familienblatt”. Frankfurt a. Main. Mittwoch den 2S. September fand die Generalversammlung der h:cs:gcn zionistischen Ortsgruppe statt, die gut besucht war. Nach einem vom Vorsitzenden Fritz Sondheimer erstatteten Bericht ist die Mitgliederzahl um ca. 125 seit dem 1. Oktober 1903 gestiegen, es wurden I 1# Versammlungen abgehaltcn. darunter 5 grosse, bei denen j Dr. J״n$d?mann (2mal), Dr, Kalmus, Dr. Klee und Dr. Korei I sprachen. An den Mitgliederabenden referierten Ingenieur Feingold, Kunstmaler Kolliner, Dr. mcd. W. Hanauer, Reihhardt und Fritz Sondheimer (2mal). Die Einnahmen des Vereins betrugen 3300 Mark, die Ausgaben sind ungefähr ebenso gross. Bei den vorgenommenen Vorstandswahlen wurden Sondheimer zum ersten, Goitein zum zweiten Vorsitzenden, Friedländer, Rcaliehrer Gans, I)\ med. W. Hanauer zu Boisitzern wiedergcwählt. Ingenieur Feingold und Hackenbroch treten neu in den Vorstand ein. F. S. ■ Rundschau. ■* Der im Frühjahr dieses Jahres begründete Verband deutscher Juden hat dem Herrn Kultusminister eine Petition in Angelegenheit des bevorstehenden Schulgesetz-Entwurfes überreicht. Unter voller Wahrung des grundsätzlichen Standpunktes der paritätischen Schulen wird darin der Herr Minister aufgcfordert, bei Ausgestaltung der konfessioneller! Schulen die Gleichberechtigung des israelitischen Religionsbekenntnisses zu wahren, und dies in eingehender Weise ausgeführt. Ebenso hat der Verband bei dem Herrn Handelsministcr und einer Reihe hervorragender Parlamentarier Schritte getan, um bei der beabsichtigtcn gesetzlichen Regelung der kommunalen Schlachtliäuser jeden Eingriff in die verfassungsmässige Gewissensfreiheit der orthodoxen Juden durch Verbieten des Schächten«׳ künftighin zu verhindern. Wie wir uns den ״paritätischen" Sei.inen gegenüber ״grundsätzlich“ verhalten, haben wir bcreits ausgcfiihrt. Das paritätische Dogma hat dem Judentum viel Schaden gebrach.:. Ueber die JudcnkrawuIIc in Snijela bringen jetzt auch die r.ntionalrussischen Zeitungen ausführliche Mitteilungen, welche die Richtigkeit der von uns nach Privatbrieten gebrachten Darstellung zeigen und dieselbe noch in einigen Punkten ergänzen. Der ״Kijewljanin". ein national-russisches Blatt mit einer schar! ausgeprägten antisemitischen Vergangenheit, schildert die Vorgänge in Snijela mit folgenden Worten: ״Snijela, eines der grössten Städtchen unseres Gebietes, welches 25 000 Einwohn er hat, darunter 10 000 durchweg in Armut lebende Juden, war am •1. und am 5. September der Schauplatz ernster Exzesse gegen die Juden.' Es war an einem Jahrmarktstage. Die Bäuerin Theodora Pustawoit trat in das Manufakturwarengcscäft des' Juden David Kawolsky, um Stoff fiir ein Kleid zu kaufen. Dem Geschäftsinhaber kam es vor, dass die Pustawoit etwas gestohlen hätte, und er stellte sie darob zur Rede. Es entstand ein Streit, der viele Bauern herbeilockte. Die Pustawoit fing mm zu weinen an und erzählte, dass der Jude sie misshandelt habe. Das gab das Signal zum Ausbruche der Exzesse gegen die Juden. Die Bauern und die Arbeiter begannen nun, die jüdischen Häuser zu demolieren. In diesem Augenblicke fuhr der Erzbischof Flavian durch die Stadt und die Polizei war nur damit bcschäftigt, die Passage für den Erzbischof freizulialten. Dies benutzten die Exzcdcnten, um auch die jüdischen Geschäfte zu demolieren, die Waren zu vernichten und alles Hab und Gut zu zerstören. So währte cs bis zum Eintritt der Dunkelheit. Gegen Abend zogen 60 junge' Juden aus, um mit Revolvcrn in der Hand dem Zcrstöruiigswcrkc der Vagabunden Einhalt zu tun. Aber die aus Tschcrkassy requirierten Polizisten schossen auf die jüdische Menge und verwundeten die Juden Pinchas Sass’owsky und Salomon Sokolow schwer, etwa *10 Juden aber minder schwer. Später schossen die Polizisten auch auf die Exzcdcnten und verwundeten einige davon. Die aus Tschcrkassy berufenen Truppen trafen erst am nächsten Tage um die Mittagsstunde ein, so dass einige hundert Eisenbahuarbeiter aus der Knotenstation Bobrinskaja inzwischen die Möglichkeit hatten, in Snijela cinzufallcn und die Vernichtung der Wohnstätten der armen Juden zu erneuern. Am 5. traf der Gouverneur von Kiew, General Sawwitsch, in Begleitung des Staatsanwalts Schimansky und des Polizei- 4» •־־

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