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Jüdische Rundschau · 1904-09-23 · Heft 38-39 (23.9.1904) · page 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 38-39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 422. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 38/39, . »•, f- * * nichts gegessen, auch nicht geschlafen hätte. Sie habe ihtfl war Streu zurechtgemacht•, aber er sei während der ganzen Nacht in der Stube hin und her gegangen. Noch im hohen Alter war die Erzählerin erfreut darüber, dass sie das Cilück gehabt hatte, den verlorenen Juden zu sehen. Nlcderlausltzer Volkssagcn vornehmKch aus dem Stadt־ und Landkreise Guben, gesammelt und zusammengestellt von Karl Gandcr. Berlin 1894. Seite 14, 15. Vertretung der Juden aus Prcussen. Unter dem Hochmeister Ludolph König wurden die Juden aus Prcussen vertrieben, welches folgenden Grund hatte. Es lebte zu d'cscs Hochmeisters Zeiten in der Stadt Schweiz eil. Fischer, der im Fischfänge auf der Weichsel wenig Glück hatte und daher ganz arm war. Zu dem kam eines Tages ein Jude, der lehrte ihn, wie er solle e'ne geweihete Hostie nehmen und legen dieselbe in sein Netz, alsdann würde er damit so viel Esche fangen, als er sich wünschen könne. Der arme Mann folgte des Juden Rot; denn indem er zum Abcndmahle ging, schluckte er den Le b des Herrn nicht hinunter, sondern nahm ihn aus dem Munde unbemerkt wieder heraus, fing auch viele Fische dam t und ward ein reicher Mann. Das Jahr darauf ward der Jude wegen anderer Missetaten geiünglich eilige* zogen, und er bekannte nun auch, was er diesen Fischer ge* lehrt. Als der F scher dies hörte, warf er sich geschwind in schien Kahn und entrann. Der Jude aber ward gerichtet und alle seine Glaubensgenossen wurden aus dem Lande verbannt.. Fs durften seitdem auch kehic Juden ins Land Prcussen kommen, als bloss nach Torn zum he ligen drei Königs-Markt und nur mit Geleit und einem Zeichen auf dem Kleide, daran man sic erkennen möge. Simon Grunau. Trakt. 12 Kap. 13. Henneberger Erklärung. S. 431. Luk. Dav'd. Th. IV. S. 152. W. J. A. von Tcttau und J. D. Tcmmcr: Die Volkssagcn Ost* preussens. L’tthauens und Wcstprcusscus. Berlin: Nicolai 1837, Seite 74. Die gottesschänderlsclicn Juden. In den Jahren 1509 und 1510 trieben de Juden in der ganzen Mark Brandenburg viele Abscheulichkeiten, besonders auch in der Altmark. Unter anderen waren am Mittwoch nach Lichtmessen im Jahre 1509 aus der Kirche des Dorfes Kuob-!auch im Havcllande mittels Erbrechung des Sacramenthäus* lcins. eine vergfildete Monstranz und darinnen zwei geweihete Hostien gestohlen. Der Dieb liicss Paul Frolim, ein Kesselflicker aus Bernau. Er hatte, wie er nachher bei seiner Verhaftung bekannte, e'ne der Hostien selbst genossen, die andere aber für einen märkische!! Groschen an den Juden Salomon in Spandau verkauft. Der Jude hatte ihm das Geld in eitel neuen Berlinischen Pfennigen bezahlt. Auf dieses Bekenntnis des Diebes wurde der Jude Salomon von Spandau gefänglich cingezogen und gen Berlin gebracht, wo er den Handel eingestand, auch bekannte, dass er die Hostie vor sich au! einen Tisch gelegt, mit Messern darein gehauen und gestochen und sic mit lästerlichen Worten verfluchet und geschmähet habe, worauf sie, obgleich er sic nicht zerbrechen oder zerreissen konnte, in viele Stiicklein voneinander gesprungen sei. Als er solches gesehen, sei er sehr erschrocken worden und habe sich unterstanden, eins von den Stücklein zu verschlucken, was ihm aber unmöglich gewesen. Er habe darauf zwei der Stückchen genommen und Jedes in ein blechernes Büchslcin, einen Daumen lang, gelegt, solches wohl pctschiret und also eins davon seinem Sohne gen Brandenburg, das andere dem Juden Marx gen Stendal in der alten Mark gcschicket. Durch dieses Bekenntnis des Juden Salomon ist der Kurfürst verursachct worden, alle Juden in seinen Landen und Städten festzunehmen und bis zur ferneren Erkundigung der Schul* digen •gefänglich zu verwahren. Die Juden in Brandenburg hatten mit dem ihnen zugeschickten Stiicklein. von der Hostje allerlei gottcsliistcrlche Greuelr geiriehmi; nicht minder die Juden in Stendal. Diese hatteiG dasselbe auf ein Mittagmahl getragen, bei dem viele Juden anwesend gewesen; fie hatten zwei Hiebe und mehrere Schnitte hineingetan, worauf so viel Blut, als in eine Nussschale gehen mag, herausgekommen war und auf den Tisch geflossen. Das Blut aber haben sie, soviel sic auch gewaschen, nicht von dem Tische bringen können, weshalb sie von diesem das Ende, woran das Blut gesessen, abgehauen. Zuletzt haben sic die Hostie, die durch alles Schneiden und Hauen doch n'cht verletzet worden, wiederum in die blecherne Büchse hincingctan und den Juden gen Osterhurg zugcschickct. Allda hat am Freitage nach Pfingsten ein Jude, Namens fsak, seine Hochzeit und Beilager gehalten, wobei viele Juden aus allen Gegenden der Mark zugegen gewesen. Bei dem Mittagmahle mm haben sie die Hostie wieder auf den Tisch gelegt und mit Messern und Pfriemen hinein* gestochen, worauf denn abermals Blut herausgefiossen. Von da haben sic d e Hostie den Juden in Braunschwcig zugesendet. Das alles haben die gefangenen Jude:! in Berlin bekannt. Nicht minder haben sic zugestandcn. dass mehrere vo:1 ihnen. nämlich Meier von Osterburg. Elias von angennünde, David tUIIIIUV.il *MVill um .. w . Y \ von Gnrdclegen und viele andere sie zu Martini m vs erben zu• sammen gewesen, daselbst ein Christenkind von vier Jahjen um zehn Gulden gekauft, das sic in einen Keller gebracht und allda mit Nadeln und Pfriemen gestochen, ihm .auch dm Me* dianader geschlagen und ihm zuletzt den Hals abgeschnutcn. Von dem also jämmerlich zum Tode gebrachten Kinde haben sie ein ganzes Stösscl Blut bekommen, hin anderes Christenkind, fünf Jahre alt, hatten sie vier oder iiini Tage nach Ostern gekauft und in die Synagoge zu Osterburg gebracht, wo sie ihm zur Ader gelassen, es jämmerlich mit Nadeln gestochen und ihm zuletzt den Hals abgeschnitten. Die Juden haben auch angezeigt, warum sie das alles getan. D;e Hostie r.lm* lieh haben s'e an sich gebracht, um dadurch die Christen zu verachten, Christum zu verschmähen und davon Wunderwerke zu sehen. Der unschuldigen Christenkinder Blut hatten sie gebraucht zu ihren Krankheiten und zu ihrem Biutgang. Im Jahre 1510, am Freitag nach Margarethe, sind - darauf, nach vorangegangenem pcinlchom Halsgericht, die schuldigen Juden, aclitunddrcissg an der Zahl, zu Berlin auf dem grossen Plan bei der St. Maricn-Kirclie, der neue Markt genannt, lebendig verbrannt worden. . ’ . Andreas Angelas Annalcs pag. 269—279. Die Volkssagen der Altmark. Mit emem Anh. von Sa״en aus den übrigen Marken und aus dem Macdeburgischcn. Gesammelt von J. D, Femme. Berlin 1839. Seite 8—10. Ausfertigung der Gesandtschaft aus seinem Verstecke gesehen, flog ihr sofort voraus und setzte seinen Gebieter von allem in Kenntnis. So wusste Salomo natürlich, als er den' Schrein nur in die Hand nahm, dass darin eine kostbare Perle verborgen. Durch das gewundene Loch schickte er einen ganz kleinen Wurm, der in seinem Maule einen Faden hielt, wodurch auch diese Aufgabe gelöst war. Um dann das Geschlecht der Gesandten zu erraten, liess er ihnen, die von der Reise bestaubt waren, Wasser zum Waschen reichen. Diejenigen, die ohne weitcrcs das Wasser in ihre schmutz'gen Hände schöpften, um sich das Gesicht zu waschen, erkannte er als Knaben, diejenigen aber, die sich erst sorgfältig die Hände reinigten, als Mädchen. Nachdem so seine Weisheit über die der Königin triumphiert hatte, schickte er d;e Gesandten mitsamt den Geschenken zurück. Nun zögerte sie nicht mehr, seinem Ruf Folge zu leisten. Von einem glänzenden Hofstaate begleitet, zog sie ihm entgegen. Für Salomo war cs eins, sie zu sehen und ihrer in lieisser Liebe zu begehren. Da sie einwilligte. seine Gattin zu werden, feierte man die Hochzeit an Ort und Stelle. Einen Monat lang blieben die Gatten beisammen, dann kehrte jeder in sein Reich zurück, jedoch alle folgenden Monate kam Salomo einmal nach Saba, um drei Tage an der Seite seiner schönen Oattin zu verleben. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, der der Stammvater der Könige von Yemen und Aethioplen wurde. Da auch in dieser Sage d e Desceudcnz König Meneliks von Salomo, die von diesem Könige so leidenschaftlich in Anspruch eenommen wird, bestätigt wird, so hätte eigentlich Herr Dr. Mardrus Anspruch auf denselben Orden, mit dem der Ncgus Herrn Hugues le Roux für seine Entdeckung belohnte. Uebrigens ist die Geschichte in den Oisas al anbia, aus denen sic Ta'alihi entnommen fiat, ausführbch enthalten. Eine neue Forschungsreise nach Palästina hat, nach der ״Deutsch. Literaturztg.”, der Professor für alttestamcntliche Exegese und Archäologie an der evangelisch-theologischen Fakultfit zu Wien, Dr. Ernst Sellin, angetreten. Er beabsichtigt die Ausgrabungen auf dem Teil Ta’-annck zu einem cndg litigcn Abschluss zu bringen und zugleich einen passenden Platz für künftige Grabungen zu gewinnen. An der Expedition wird Dr. Friedrich Hrozny teilnchnicn, der .die im vorigen Jahre gefundenen keilinschriftlichen Tafeln von Ta’-Tannek entziffert hat. Unterstützt wird die Expedition von den Qrosslndustrielien Anton Dreher und Paul v. Schöll er. ־־

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