Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-09-23 · Heft 38-39 (23.9.1904) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 38-39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651380--01668-2658536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

rr i ו5ד:5־-lü Nö; 33/39. . ־ ~ JÜDISCHE RUNDSCHAU. _ _ _Seite 42i. ."*r.-.l.'i." ־•_ '’*ר’•׳ r:»־ .׳. -••; ^־־ •:.. ..ג*. .<־״:•':.״....; .'Anfänger laus dem .gchärigcti!Gesichtspunkt,, das ist, als An* iäüger, zu •beurtheiien, und die־,nicht geringen Schwierigkeiten, die sie vör der Hand noch .zu überwinden, haben — das sehr kleine Theater ist hierunter nicht eins von den kleinsten — in Erwägung zu ziehen haben ihnen ihren nachsichtsvollen Beitrag nicht ■versagen können! ja!' sic haben alle ihre Erwar-;tungen ftbertroiien .gctunden.‘r , . •Allgemeine Theater --Revue. Hrsg, von August Lcwald. .lg; 1. Stuttgart lind Tübingen 1035. Seite •US/-119. Juden in Voikssaic'Viind Märchen der Deutschen. '• ' ... 1. .' . , . . . . Das Wunderblut zu Belitz. ־ In! Jahre'1217־ nach Christ!• Geburt haben in der Stadt Belitz, etliche Juden mit einer Magd gehandelt, dass sie zum Sakrament gehen, ihren Gtitt im Munde empfangen, hinter dem Altarq" aber aus dem Munde in die Schürze fallen lassen und ihnen sodann zubringen' sollte; sie wollten ihr ein gutes nrunhaftes Geld daiiir geben. Die Magd hat von dem Mammon .sich'verblenden lassen und also getan, w ie die Juden von ihr begehret. Diese haben nun die geweihete Hostie dem Herrn Christo zu Unebrea gemartert, zerhauen und gestochen, worauf sie ailier sogleich angefangen zu bluten. Darüber haben die Juden sich gcfii.rchtet, es möchte offenbar werden, und solche Tat ihnen übel bekommen. Sic haben die Hostie der Magd daher wiedergebracht, diese auch׳ gebeten, und ihr Geld gegehen, dass sic dieselbe wieder angeimommcn und in ihrem Hause unter dem Dache verstecket. Da trug cs Sich aber zu. dass daselbst unter dem Dache die Nachtwächter jede Nacht viele Lichter und Kerzelein gesellen, welches sie den Herren der Stadt angezeigt. Wie nun die Juden auch nicht lange haben leugnen können, wurden sie alle mitsamt der Magd zu einem Berge vor dem Miillertöre nach dem Dorfe Schönfeld zu geführt lind sonders lebendig verbrannt. Der Berg heisst davon bis auf den heutigen Tag der Judcuberg. Die Hostie hat man in euer herrlichen Prozession mit grossen Klagen, Beten und Reverenz in die Kirche getragen und an einen besonderen Ort gclctzet, aüwo sie von Stund an grosse Wanderwerke getan. Weil sie fortwährend geblutet, sa erhielt.sie den Namen des Bciitzer Wunderblutes. Es geschaben bald grosse Wallfahrten zu ihr. Andreas ‘Angelus. Annal. March. Brand pag. 101. Eb.end.a Seite 102, .103. ׳*'. ’ , י־,*'* Der gefangene Jude von Magdeburg. ' - Zu den Zeiten des Bischofs Conrad zu Magdeburg, der ein geborener Graf .von Sternberg war, .und im Jahre 1278 starb, fiel an einem Sonnabend ein Jude ins Privet, Weil cs nun der .Sabbath war, so durften ihn die Juden nicht herausziehen, wollten aucli nicht leiden, dass dieses von Christen geschehe, weil doch immer selbst mit hätte helfen und Hand anlegcn müssen. Über solchen Aberglauben erzürnte der Bischof und des nächstfolgenden Tages, weit cs Sonntag und der Christen Sabbath auch nicht brechen. Also musste der arme Schelm zwei Tage und zwei Nächte im Privet sitzen bleiben. Büuling, Bratmschw.-Lüncb. Chronik I. 61, 93. Alte Magdeburger Chronik (nicht paginiert). Ebenda Seite 133. , ' Die blutigen Judenkinder. Um die Jahre 1192־ bs 15UQ liessen in vielen Gegenden von Deutschland, als in der Mark und im Mecklenburgischen, die Juden allerlei gottlose Sünde uiid insbesondere Besclumpiungen des heiligen Sakraments des Altars sich beigehen, weshalb sie von ihren Herren zum grossen Teil aus dem Lande gejagt wurden. Auch Herzog Bogislav von Pomrncr.i jagte die Juden fort, deren dazumal viele, besonders zu Damm bei Stettin, zu Bart und in allen kleinen Eieckcn des Landes wohnten. Unter diesen waren ein Mann und ein Weil), die liessen sich taufen, da iicss der Herzog s'e wohnen und sie zogen gen Triebsees. Aber sie hatten sich nur zum Scheine taufen lassen, und waren eigentlich Juden geblieben; dafür wurden sic dc.m sichtbar von Gott gestraft. Denn so oft das Weib ein Kind gebar, hatte dieses eine blutige Hand mit zur Welt gebracht. Da solches die Christcufrauen sahen, scheute matt sich vor ihnen, und cs wollte niemand mit ihnen etwas zu tun haben. Der Jude mit seinem Weibe zog daher von Triebsecs fort, zuerst nach Lass;׳!:!!, und darauf nach Usedom. Allein jene Straic verfolgte sie überall hin, bis sie zuletzt bekannten, dass sie im Herzen Juden geblieben seyen, und sich nun im Ernst bekehrten. Th. Kantzow. Pomcrania II. S. 227. Die Volkssagen von Pommern und Rügen. Gesammelt von J. D. 11. Tetnme. Berlin 18-10. Seite 120, 121. Der verlorene Jude. Die Sljührige P'rau Baaduw in Eünieichen erzählte: ’ ״Ich habe in meinem Leben schon einmal den verlorenen Juden gesehen. Ich war an einem Nachmittage allein zu Hause, als ein noch jugendlicher jüdischer Mann in meine Stube kam. Er verlangte nichts zu kaufen, bot auch nichts an, sondern bat in seiner jüdischen Sprechweise um einen Bissen Brot, auf einmal in den Mund zu stecken. Ich sagte zu ihm: ״Unser grobes Bauernbrot wird Ihnen ja nicht schmecken!־‘ worauf er erwiderte: ״Wird schmecken, gebe Se mir nur!“ Ich fragte ihn dann: ״Sie sind wohl schon weit gereist?“ Er antwortete: ״Mein Weg ist weit! Muss ich immer reisen durch die Welt!“ Darauf ging er fort, kam aber nach kurzer Zeit zurück und bat noch um einen Bissen Brot. Ich sagte mir sofort: ״Heute hast du den verlorenen Juden gesehen 1“ fragte aber, um mich zu vergewissern, noch den Prediger. Dieser hörte sich meine Erzählung an und sagte, er können es auch nicht ergründen, aber der .Glaube sei da.“ Die Frau wurde in ihrer Annahme durch diese Antwort nur. noch bestärkt, eine weitere Bestätigung ihrer Meinung brachte ihr die Schcnkcrsfrau eines Nachbardories, bei welcher der Jude übernachtet hatte. Sie berichtete, dass er bei ihr ürus, im ״Tejnps", die Ucbcrsetzung einer Legende, welche dieselbe Sage ausführlich behandelt und noch vör der Entdeckung des Herrn Hugiies le Roux unter den Arabern Nord-Afrikas von Mund zu Mund gegangen sein soll. Diese Legende liest «ich•wie ein Märchen aus• Tausend und einer Nacht, färben״ sprühend, überqiiellend von Lebensfreude und Sinnlichkeit und ist vor allem dadurch interessant, dass in ihr ziemlich deutlich .sich das Herrenbewusstsein des Mohammedaners der Frau gegenüber widerspiegclt. Eines Tages erfuhr Salomo durch die Winde, die ihm, wie alle Geister und Gewalten der. Natur untertänig waren, dass in Saba im glücklichen Yemen eine Köbigin regiere, namens Bilkis, weise, jungfräulich, und schöner als seine dreihundert Ehe- — und siebenhundert Kcbsfrauen zusammeiigenommen.־ Alsobatdbeschloss er nach Ycmcn auf- ־zubrechen,• um diese Königin selbst zu sehen. Auf seiner Reise begleiteten, ilm'alle Vögel, die ebenfalls seine Untergebenen waren; sie ordneten sich über seinem Haupte zu einer dichtgefügten Masse, und gaben ihm so Schatten vor der Glut der Sehne und durch ihre Fiiigel gleichzeitig frische, kühlende Luft. In der Ebene von Saba wurde gerastet. Salomo wollte hier seine Gebete verrichten; als er aber vorher die für den Glaubigen vorgeschriebeiteu Waschungen vorzunehmcii sich auschickte, war in der ganzen Gegend kein Wasser vorhanden. Nun hat unter den Vögeln der Wiedehopf dank seinem scharfen Äuge die Gabe, Uas Wasser zu entdecken, selbst wenn cs sicii tief unter der Erde befindet.. Salomo befahl daher, ihn vor sein Antlitz zu bringen, allein der Wiedehopf war nicht aufzufinden. Darüber geriet er in Zorn und schwor den Pilichtvergessenen töten zu lassen, wenn er nicht bei seiner Rückkunft eine genügende Entschuldigung vorzubringen vermöchte. Aber der Wiedehopf hatte diese Entschuldigung. Als er yor seinem Meister erschien, berichtete er diesem, dass er in Saba die Königin Bilkis gesehen habe, deren Schönheit ihn so geblendet, dass er ganz die Zeit vergass und sicii verspätete. Salomo ei kannte diesen Grund als ausreichend an und versprach dem Wiedehopf Verzeihung, wenn sich die Wahrheit seiner Worte bestätigen sollte. Er schrieb daher sogleich einen Brief an die Königin, in dem er ihr befahl, vor ihm zu erscheinen. Dieses Schreiben, das mit dem furchtbaren Sieget Salomos geschlossen war, sollte der Wiedeltopf der Königin Bilkis unvermerkt zustellen, und sicii dann als Beobachter in ihrer Nähe halten. Der getreue Vogel führte seinen Auftrag glücklich aus. Er traf die Fürstin in dem letzten ihrer sieben Zimmer, zu denen sie allein die Schlüssel hatte, schlafend, legte den Brief auf ihre Brust und verbarg sich in einem kleinen Fenster, wo ihn niemand bemerkte. Als Bilkis erwachte, war sic sehr erstaunt über den Brief, beschloss aber, nachdem sie sicii mit ihren Ministern beraten, dem darin ausgesprochenen Befehle Folge zu leistem Jedoch vorher wollte sie sich überzeugen, ob Salomo wirklich der grosse Prophet wäre, für den er sicii ausgab. War er nun ein König wie andere Sterbliche, so würde er die Geschenke, die sic ihm ziiziiseiiden gedachte, mit Freuden aiiiielimeu, als Prophet jedoch, der nicht nach irdischen Gittern strebte, sie zitriiekweiscm Sie wählte daher fünfhundert Knaben und fünfhundert Mädchen aus, die als Gesandte ihm entgegengelicn mussten. Die Knaben aber steckten in Frauen-, die Müdeben in Mäimerkleidung und nun sollte Salomo die richtigen Geschlechter erraten. Ferner gab sic ihm auf, den Inhalt eines kleinen Schreins, in den sie eine herrliche Perle gelegt hatte, zu erraten, ohne den Deckel zu öffnen, sowie durch das vielfach gewundene Loch einer Gemme einen Faden zu ziehen. Der schlaue Wiedehopf, der die ganzen Vorbereitungen für die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.