Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 38-39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 420. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 38/39. Entlassung Amtsenthebung obwohl selbst Zeitungsartikel schäftigte sich .ludcninissio:! nahe gestanden Sitzung protestierte Prof. Dr. anlässlich des Falles Fromcr die Bibliothekskommissinn und Br. Fromcr habe seine!,nicht zettd lautet von der antisemitischen ״Deutschen Tageszcitung” bis zum ״Vorwärts" wörtlich folgcndcrmasscn: eines Jüdischen Gemdndebcamten. Mit der des Gcmcindcbibliothekars Dr. Fromcr, der, Beamter der jüdischen Gemeinde, in einem die Juden zur Massentaufe aufforderte, bedie Rcpräsentantcn-Yersammhmg der Berliner Jüdischen Gemeinde in ihrer ersten Sitzung nach den Ferien. Es hat sich hcrausgestellt, dass Dr. Fromcr die Stelle als Gemeindebibliothekar durch die Protektion des Universitätsprofessors Dr. Geiger erhalten hat. dem er von Professor Delitzsch als tüchtige Kraft empfohlen worden war. Wie von zionistischer Seite behauptet wird, soll Dr. Fromcr bereits der haben, ln der Repräsentanten- Geiger gegen die Vorwürfe, die gegen die Gemeindeverwaltung, ihn persönlich erhoben wurden, als Oemcindcbibliothckar bisher erfüllt, im übrigen nehme er keinen Anstand zu ":rcu. dass er seinen Artikel und sein ganzes Vorgehen durchaus verurteile. D:eser Verurteilung schloss sich die Repräsentanten־ Versammlung rückhaltlos an. das Verhalten d!־s Gemcindevor- Standes in dieser Angelegenheit wurde fiir durchaus korrekt erklärt und einstimmig beschlossen, den vom Gemeiridevor- Staude vorläufig seines Amtes enthobenen Bibliothekar Dr. Fromcr cndgiltig zu entlassen.” Demgegenüber muss man betone.!, dass sich die Zionisten leider nicht das Verdienst z.tischreiben dürfen, die iriihere \crbindung des Dr. Fromcr mit der Judenmission festgestellt zu haben, sondern dass dies Verdienst dem parteilosen ..Garer•11• anzciger” zukonmit. der. weil er positiv-indisch gesinnt ist. dem Prof. Ge:ger offenbar als zionistisch gilt. Aber wir müssen auch ganz entschieden zuriiekweisea. dass Geiger den Dr. Fromcr in die Stellung gebracht hat. weil jener ein bibliothekarischer Fachmann sei, oder wir müssen annehmen. dass Herr Prof. Oc:ger nicht weiss. was zu einan Fachbibliothekar gehört. Dann gehört er aber kaum :n die Bibliothekskoimmssion der Jüdischen Gemeinde. Herr Berlin hat tun eines geringen Irrtumes willen. — wer t ein solcher überhaupt vorlag. ~ freiwillig sein Amt als Repräsentant medereelcgt. Herr Prof. Geiger hat es aber noch immer nicht für nötig beiunden. auch nur seine Stellung in der B'bl'othckskomm'ssion. in der er doch auch sonst entbehrlich wäre, n'ederzulegen. nachdem die ganze grosse Blamage, d:e die Jüdische Ocmcindc mit ihrer Bibliothek soeben erlitten hat. doch wesentlich auf sein Konto kommt. Er isä über offenbar liberal und glaubt deshalb, nicht von einem Amte zurücktreten zu müssen, zu dessen weiterer Führung er sich untauglich gezeigt hat J. W. Allerlei. Vor hundcrfzwanzlg Jahren. ' ‘ Unter der Aufschrift: Ein jüdisches Ltcbhabcrthcatcr. vor 50 Jahren, druckt die ״ A 11 g c tn e 1 n c T h e a t e r - R e v u e" eine Mitteilung aus Dessau ab, aus einer alten Theatcrzcitung, die etwa um 1785 erschien: ' '־•'*• ' ־ ״Eine Gesellschaft jüdischer Dilettanten, die — nicht aus eigennützigen Absichten, sondern aus den edelsten Bewegimgsgründen, zur angenehmen und nützlichen Unterhaltung des' Publikums, und zur Bildung ihres eigenen Geschmacks und Herzens, auf den Einfall gerät, ein Pr'ivattheater zu errichten: die nach Überwindung mancher Schwierigkeiten und mit nicht unbeträchtlichen Kosten diesen Einfall wirklich realisiert, verdient wohl allerdings die Aufmerksamkeit und den Beifall).des Publikums. Ich melde Ihnen also zum Behuf der Theaterzeitung. dass eine solche Gesellschaft hier in Dessau wirklich seit etlichen Tagen existiert, und dass sie 'den 25. Mörz in der Wittwc Herzen Hause auf einem ziemlich engen Theater mit dem Misstrauischen von Wcissc debütiert hat. Den Anfang macht folgender, von Herrn H ..... .. einem biederen menschenfreundlichen Gönner dieser edlen Hebräer verfertigter und von Dem. Sara Herz rizmerter Prolog: ..Furchtsam — Hochzuvcrclirondc Gönner! nahet sich Tiialicns Tempel eine kleine Gesellschaft jüdischer Dilettanten. Gern möchte sie ihrem geweihten Altar auch Blumen streuen. Aber nur .Wintergrün. Keine duftenden Veilchen. Keine lasminen. Keine Rosen. Bescheiden furchtsam. Theuerste Gönner! eröffnen wir also heute zum ersten Male unsre Bühne. Die Zuversicht, die wir haben, dass Sie allerseits. Vcrehnmgswürdigste! uns als ungeübte Schiilcr, von denen man Meisterstiieke nicht erwarten kann, nut Nachsicht beurthcilt werden, macht uns Muth. den Misstrauischen von Weisse vorzustellen. Wie vergnügt, wie belohnt genug würden wir scyn, warn wir durch die Probe den Beifall guter Menschen verdienen, wenn unsre Absicht. d׳e nicht Eigennutz, sondern Ausbildung unseres Geschmacks und Herzens sucht, nicht gemissdeutet wird. Dam alsdann nur würden wir mit vereinigten Kräfte:! und mit gestähltem Eifer uns mehr und mehr zu vcrvo'lkommncn. uns Ihre uns so schätzbare Gewogenheit immer mehr und mehr zu verdienen, und endbcli dann auch den noch von vielen bezweiileten Satz zu bestätigen suchen, dass — dass — dass ei n .eii t c r Jude auch c in gu t e r Mensch scy." Hierauf folgt das Stück selbst, welches folgcndcrmasscn besetzt war: . . , A r ist, der Mistrnuischc gegen sich seihst Hr. Herz der ältere. C1 e a n t h , sein Freund, ein Stutzer . Hr. Herz der jüngere. Gcronie, ein alter Kaufmann . . . Hr. Moses Lewm. Philipp, Clcanth’s Bedienter . . . ״Dem. Simcha. Juliane, eine junge Wittwe . . . . •Dem. Sara Herz. Alle Zuschauer, die billig genug waren, diese lehrbegierigen Kunst und Wissenschaft. — Beiträge zur Kunstgeschichte der alten Svnacoce vorßficntlicht Cornelius Gurl'tl im sechsten Heft der ״Zcitschr'ft für christliche Kunst". Er geht dabei von der Auffassung aus, dass , die syr'scli-pal'istiiiensische Kunstgeschichte überhaupt einer Durchsicht bedürfe. Bisher nahm man an, dass durch Alexander den Grosse:! und die Scleiic'den klassische Bauformen eingeführt worden se'en. dass diese aber erst unter den römischen Kaisern, namentlich unter Hadrian, eine höhere formale Reinheit erhalten hätten. D:e beste!! Arbeiten im Sinne klassischer Reinhe't wurden daher römisch genannt lind den! zweiten christlichen Jahrhundert zugewiesen. So infolgedessen auch die formenschönsten d *r auf palästinensischem Boden ganz oder in Trümmern erhaltenen Svnagogen. Nach Ourlitts Meinung liegen die Dinge anders: Als Alexander in Syrien einzog. war dies schon längst dem griechischen Kaufmanu, und damit zuglech der griechischen Kultur erschlossen. Rasch erfolgte, wenigstens für die St "•dte. 1'!״״ Ucbcrwindung des einheimischen Wesens durch den Hellcn'smus. Daher fällt in die beginnende Scleucidenzeit bereits das beste, ’ was in Syrien an klnss'sch stilisierten Bauten geleistet worden ist. Unter den Selcucidei! vermischte s'c’t dann das hellenische Wesen mit den! heimischen. Als die Römer das Land betraten, war in Asien der Stil fertig, den wir irrtümlicherwe'sc als römischen zu berechnen pflegen. Als sie im zweiteil Jahrhundert friedliche Verhältnisse geschaffen hatten, erlebte er eine zweite Blütezeit, um sich dann langsam wieder mehr und •mehr ׳zu ■orientatisieren und •uni sich schUcssFch zu derjenigen Stilgattimg aiiszunrägeii.• de wir d'e bvzantinp sehe neunen. •Infolgedessen wird man auch anzunehmen haben, dass in Palästina d׳'c knnstgcschichtüchc Fiitw-'ckhmg anders, und zwar viel stetiger vor sich gegangen ist. als man das gemeinhin glaubt: und man w׳rd klasvzist'schc Formet! von einer gewissen Reife. sowc:t sich solche'',an palästinensischen•־ Svnagogen finden, nicht ohne weiteres mehr in römische Zeit, verlegen dürfen. Die Svnagogen selbst sru!'•im' ollfeine'pcn rechtwinklig gebaut gewesen, •mit Reihen von Säulen afisee-' ' stattet, deren grösste Spannweite etwa 'vier '•Meter'hefrug.' Fenster Schemen die Wände nicht gehabt zu haben: vielmehr •' erhielt die Svnagoge fbr'L'cht vermutlich von' oben. •' derart.' dass s c einfach o'nen von Säulen umgebenen Hof fvldcteh. ־' Auf einer Seite findet sich in da! erhaltenen Resten chic ' Nische, die dem hrl'gcf» Schrank der jetzigen Svnacmgc entspricht. Ihr gegenüber ziehen sieh an der Wand ׳Bänke hin. An den Toren befinden s'ch Reliefs, e'nmal eine Rose, von zwei knirenden Lämmern flankiert: ein pndnrcsnial die Köofe zweier OnforsFere nebst einem Kranz. Beliebt sind musehelartige Gebilde als Türwrzicrune. Diese kimstgesch'chtlichc Beleuchtung der ältesten Svna1ro״eu. d e um so dankenswerter" ist. als darüber 0׳׳cl1 keine, befriedigenden Darstellungen existieren, will (lnrlitt später we'tcrführen.. ' . :: Bekanntlich macht die Entdeckung des französischen Jour- '• nalisteii Hueues le Roux, der in einem Kloster in Abcssyuien' eine uralte Handschrift auf fand, in der die Geschichte Salonions und der Königin von Saba erzählt wild, grosses Aufsehen, sowohl in der gelehrten als auch me!;irischen Welt Frankreichs. Nun veröffentlicht aber ein französischer Orientalist, Dr. Mar-•. * ״ « # » *