Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 38-39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 414 (§§ 38 f. f.), die Minist.-Bekanntmachung vom 19. Ianuar 18-14 sowie die Schulordnung für die Jüd. Schulen vom 3. Febr. 1854. Nach den §§ 1—4 dieser letzteren ist allerdings anzunehmen, dass, wenn — wie im vorliegenden Falle — e'ne besondere Religionsscliule für' jüdische Kinder eingerichtet ist, ihr Besuch denselben' Bestimmungen unterliegen soll, w'e der Besuch der Volksschulen, also' auch der Strafbestimmungen des § 125 des hänov. Polizei-Strafgesetzes. Allein durch die spätere Gesetzgebung insbesondere die in der Prov. Hannover cingcführtc preusk. Verfassung und die zu dieser Oesetzstelie erlassenen AusfiUmingsbestimmungen ist dieser Zustand geändert. Nach Adt.:21 der preuss. Verfassung dürften Eltern ihre K uder nicht ohne den Unterricht lassen, welcher für die öffentl. Volksschulen vorgcschricbcn ist. Unter öffentlichen Volksschulen sind diejenigen öffentlichen Schulc'nrichtungen zu verstehen, welche zur Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht bestimmt sind. Deshalb scheiden insbesondere alle diejenigen Schulc'nrichtungen aus, welche nicht der allgemeinen Schulpflicht, sondern den kirchliehen Schuleinrichtungen dienen. An dieser Trennung des kirchlichen Religionsunterrichts ändert sich auch, nichts, wenn den verschiedenen Rel'gionsgesellschaften von Staatswegen durch Gesetze oder Verordnungen zur besonderen Pflicht gemacht wird, für den religiösen Unterricht ihrer Jugend zu sorgen. Der jüdische Religionsunterricht ist aber nirgends in Prcussen obligatorischer ׳ der öffentl. Volksschulen, denn die allgemeine Min'sterialvcr- 1 fiigung vom 15. Oki. 1872 bestimmt ausdrücklich, dass zu den Obligatorischen Untcrrichtsgegcnstiindcn der öffentlichen Volksschulen •der evangelische und katholische R'e li g i o'n s unterricht gehören, während sie den j ü d is <S h c n' R e 1 i g i 0 n s u n t c r r i c h t nicht dazu r e c 11net Da der Angeklagte som't nicht gese:.'.ich gebunden Ist, seine Tochter in den jüdischen Religionsunterricht zu! schicken, kann eine Bestrafung aus § 125 des hannov. Polizei- Strafgesetzes nicht erfolgen. " . Gegen die Einwanderung gallzlscher und russischer Juden wurde in jenem selben München, von wo man 'einst den Zionij stenöngress hinwegdemmziert hat, eine Bewegung inszeniert, die von antisemitischer Seite ausg״ht, und die cs sich herausnehme!] j äa*f. sich auf ״unsere Israeliten" zu berufen. Nachdem der fr(.b?rc aüEsetriiEschc Antrag im Magistrat abgelehnt worden J Ist.־bat jetzt der laut seiner Parteizugehörigkeit ja schliesslich j auch judcnfeindliche Zentrumsmann Herrmann den Antrag und No. 38/39. die Hetze aufgenommen mit dem wunderbar ehrlichen Vorgeben, däss es sich dabei um keine Judenhetze handele. Am 11. September wurden in. der ganzen Stadt von einer Anzahl von Personen antisemitische Flugblätter in Massen in den grösseren Restaurants und Kaffeehäusern verteilt. Das Flugblatt geht von der christlich-sozialen Vereinigung aus und enthält die Von der Vereinigung dem Stadtmagistrat und den» Gemeindekoliegium vorgeschlagenen ״Massnahmen zur Erschwcrung der Einwanderung und Niederlassung ausländischer Juden.” .Die christlich-soziale Vereinigung, die sonst nur bei Wahlzciten als Sammelpunkt der ״offfizicllcn" Antisemiten an die Öffentlichkeit tritt, bisher aber noch keine irgendwie nennenswerten Erfolge zu verzeichnen hat, hatte vor einiger Zeit an die städtischen Kollegien ein Gesuch gerichtet, sic möchten an die Kgl. Regierung mit der Anregung herantreten, die Einwanderung fremder Juden in Bayern, speziell in München mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftlich bedrängte Lage für die Folge zu verhindern oder doch wenigstens e i!1 7. u s c 11 r ä n k e n. Diese Eingabe wurde ohne weitere Erörterung abgelehnt. Nun hat dieser Tage der Gemcindcbevollmächtigte Herrniann, der als Ultramontaner mit der christlich-sozialen Vereinigung in Beziehungen steht, denselben Antrag, nur in etwas neuer Fassung, wieder׳ holt. Hernnanii verlangt, man solle bei der Regierung vorstcllig werden, dass der Einwanderung fremder Juden, nanicr.tlieh aus Galizien und Russisch-Polen, nach München mit allen gesetzlich zulässigen Massinhmen entgegengetreten und weiter die Frage angeregt werde, ob sich das Kollegium nicht mit den übrigen bayerischen S t ä d t e v c r w a 1111 ng c 11 behufs gemeinsamer, in derselben Richtung zu tuender Schritte in Verbindung setzen solle. Diesen Antrag Hcrrmanns, der zunächst a1־ einen Ausschuss verwiesen wurde, widerfuhr in einem Teile der Presse eine Charakterisierung, die den ultramontanen ״Bayr. Kur." veranlasstc, Herrn'Herrmann dahin In Schlitz zu nehmen, dass er keine Judenhctzc beabsichtige. Dem Antragsteller sei cs nur darum zu tun, den sehr grossen Prozentsatz total mittelloser, geradezu lästiger Einwanderer aus den genannten Gegenden hinlanzuhalten, w 0 m i t s c l b s־t den Israeliten Münchens ein •Gefallen, g.csch che, denen die Einwanderung dieser 11״ ö c 11 s t z u d r i n g l i c 11 ce!1 Schnorrer", d. ie. den eigenen Glaubensgenossen auf dem Geldbeutel lägen, zu einer unausstehlichen Plage ge- JÜDISCHE RUNDSCHAU , % und wieder dasselbe Gift, welches d׳e Kraft des Judentums verzehrte. Und so streckte, ehe man sichs versah, das ״vierte Reich" in der Daniclschcn Vis'on, frech die Hand nach dem *Heiltetumc des Ewigen aus. Rom schloss zwar, wie einst .Abimelecb mit Abraham, ein Fr׳cdn1sb;:nd״is mit Juda. Allein wie derselbe Abim'dcch die gesucht«? vr• ♦erlich•? Freundschaft dem $0יןייס eecetv'bcr. so verwandelte Rom d:e geheuchelte .Freundschaft in b'ftere FeiiKPclwhe't den Nachkommen Isaaks prpcror.itbcr. ..Die Erkb'^ssc der Vater sind Vorzeichen für ihre Kinder" sagen unsere Weisen. , - Soviel jüdisches Blut aber auch dieses ״vierte Reich“ vergossen hat; das Judentum, dessen Urahn die Vcrheissmig ward: ״Wahrlich segnen werde ich dich und vermehren deinen Samen, wie die. Sterne des Himmels und wie der Sand am Uier des .Meeres und erben wird dc'11 Same das Tor seines Feindes" (Gen. 22, 17), sollte und dürfte nicht untergeben. Nach der .Überlieferung unserer Weisen (Clcn. r. c. 58) hauchte Sarah Ihren Geist aus. als sie Kunde erhalten, dass ihr einziger Sohn hätte ,geopfert werden sollen. Auch Israel hat seine Mutter ‘.verlören, Jcruschalajim nämlich, das die Mutter Israels ist (Gräbcrt, Midr. Jehnidenu Dt. p. 145 b); er selbst aber blieb Jlzchak gleich dem Leben erhalten. . , . Die Wolken, welche über dem Horizont des Judentums .gestanden, verzogen■ sich allmählich; der Himmel klärte sich wieder auf, heimatliche Sonne lächelte ihnen wieder zu. — Wie merkwürdig• sind die Worte unserer Waise!!! Das Hohe- ‘ lied, heisst es, , vergleicht Gott mit einem Reh. Der Ver. .gleich.Ist, kühn' aber dennoch wahr; denn, führen unsere weisen aus. gleichwie das Reh im Schlafe bloss ein Auge *chllcsst, ebenso wendet die Vorsehung auch im Zorne nur chi Auge von Israel ab. (Midrasch cantieum). Und in der Tat! E'ne staatliche Heimat verschloss sich uns; eine zweite erschloss sich uns, dort, weit, tief in Asien, an dem Hochgeblrge Arabiens. Zu Reichtum und Ansehen erhoben sich allmählich zahlreiche jüdische Gemeinden an den llfern des Euphrat und Ticr's. Es erblühten auf den babylonischen Gefilden. Piianz- Stätten, die das jüdische Schrb'ttuni ausbhuten, dem überlic• fertc schwankende Wort«? eine feste Gestalt verliehen: Piianzst׳:ttcn. aus denen die Toraii hervorging: in denen geistige Führer hcrangcbildet wurden, d'c die Macht bcsassen, die Gemeinden vor heidmsebem Kult zu bewahren und für die National-Literatur zu begeistern. Die babylonischen Akademien standen im Vordergrund des allgemeinen Interesses, welches de zersnroneten Glieder dreier Weltteile seinem Judcntume ent״oc׳e!׳brachten; denn von Osten ging die Tornh aus und das Gotteswnrt aus den EunhraiEindcrn - ein Vorrang allerdings, den ihm snäter das Abendland streitig macht. Dieser geistigen Riihrigkwt. diesem edlen Wcttch'er machte plötzlich, namentlich im Abcndiande. finsterer Fanatismus ein nur zu jähes Ende. Durch Schwert oder!־'euer endeten die besten, die fiberzeueungsfesteu. d'e den Tod einer scliändliehen Zwangs- und Scheintaute vorgezogen. Abermals schien es, als ob ein tiefer Abgrund sich aufgetan hätte, der den Stamm Jakobs zu verschlingen drohte. Dürfte cs geschehen? Wo bleibt dann die Treue Abrahams? Wo die Opferung Jszachali? NVü. es sollte nicht geschehen! Am ר׳ ה war d:1$ büse Veiliäenis von Gottt beschlossen worden; am ר ׳ ה ' hat der Ewige Mutter Rachel bedacht. Hat Rachel nicht noch in der Sterbestunde einem Stamme das Leben ge- ־?■ . .-.׳ •י•