Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 37 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I i No. 37. « JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 401. Alle. Ztg.“ die Behauptung zu desavoulren, dass er Herrn Wallf.sch Portofrcihe'it zugesichert habe. Herr Wallfisch selbst hat schon vorher öffentlich bekannt gegeben, dass sein ״wenngleich ich .... freies Porto etc. bekomme" so viel heissen sollte, wie ״selbst wenn ich . . . . bekäme". Der spitzfindige Stilist verlangt trotzdem in Bangen Briefen an uns, dass wir ihn für einen Gentleman und gar für einen Idealisten passieren lassen. Wir können ihm den Gefallen nlch t tun. Herr Wallfisch ist vor Jahren vom Judentum zum Christentum übergetreten, dann hat er der Reihe nach mehrere christliche Kirchen und Sekten absolviert und aus seiner Beschäftigung bei den Baptisten und Methodisten hat er — ganz unbefugterweise — den Titel ״Prediger" mitgehen heissen. In Amerika hat er einige Liedchen komponiert und dafür den Titel eines Ehrendoktor der Musik mitgebracht. Dann kam er nach Deutschland zurück und fand wieder An- Schluss bei einer mcthodistischen Gemeinde. Neuerdings soll er sich erboten haben, unter ״Bedingungen" wieder Jude zu werden. (Er wird doch wohl hoffentlich nicht! Red., der ״Jüd. Rundsch.״) Wir haben allen Anlass, der ״Agitation" und den Briefen dieses Mannes Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zunächst sind es sehr bekannte Männer, an welche solche Briefe gegangen sind. Wir nennen nur: den Kommerzienrat Konsul Prcuss in Königsberg, den Rittergutsbesitzer Dr. Knipling in Jakob:־ drebber bei Diepholz, den Rittergutsbesitzer Assessor a. D. Schwerdtfcgcr in Nicder-Sicgcrsdorf i. Schl., den Grafen von Lcrchenfeld in St. Gilia, Bayern, den Kammcrlicrrn Grafen Bcissd v. Gymnich auf Schloss Frais im Rheinland, den Freiherrn von Thimgcn-Rossbach, den Kammcrhcrrn Landrat von Saldem auf Kl.-Mantel in Osfprcussen. Diesen hat Wallfisch Geld abzulockcu versucht, nicht nur unter der -- falschen — Behauptung, dass der Staatssekretär der Reichspost ihr Portofreiheit zugesagt habe, sondern auch unter der weiteren Behauptung, dass fast alle Minister, auch der Reichskanzler, von seinem Plane mündlich oder schriftlich unterrichtet seien, dass der Justiz- und der Kriegs minister den Bricfschrciber in Audienz empfangen wollten. Sind diese Angaben auch Schwindel? In diesem Falle wäre cs doch Sache der Staatsanwaltschaft, den Konimunisientötcr als Schwindler an zu klagen. So lange das nicht geschieht, bleibt der Verdacht bestellen, dass — unter der Flagge der Kommunistentöterci — selbst ein solcher Mann, wie dieser Dr. WaUfisch, an massgebenden Stellen Gehör finden konnte." Die ״Post", jenes Blatt, dessen Wahrheitsliebe und Patriotismus im Königsberger Prozess eine so besondere Be• Icuchtung erfuhr, fügt ihren Senf in folgender Notiz hinzu: ״Der Schwindclbricfschrciber Wa 11 fisch ist, wie in verschiedenen Blättern weiter niitgctcilt wird, jüdischer Konvertit, war früher in Breslau und Berlin Miisiklehrcr, ging dann nach Amerika, hat auch wohl dort Musikunterricht gegeben, er wurde zugleich Methodist und Methodistenprediger, kam daun wieder nach Deutschland, nannte sich Dr. of Music, war in den Rheingegenden als nicthodüstisclicr und Scparatistcn-Agitator tätig; er ist also weder Theologe noch Prediger, noch ist er Doktor. Nach alledem dürfte er sich vorzüglich ah Leiter des Narrcnblattes in der Lindenstrassc eignen." — Das Wort Jüdisch ist in der ״P o s t“ im Druck wohl nur deshalb hervorgehoben, weil der Mann Christ ist, und ein Christ nicht von Geburt, sondern aus freier Wahl, — belieben doch diese Blätter der höheren Frömmigkeit und des besonders lauten Übcrpatriotismus Christen, wie Arthur Lcwisohu, den Breslauer Neisscr etc. so oft Juden zu nennen, als cs ihnen in den Kram passt. Nein, der Herr Dr. Wallfiscli mag alle Fehler haben, der ״Makel'', ein Jude zu sein, haftet ihm nicht mehr an. Er ist christlicher Religion und ein ״Diener am Wort," ein Mann, der sich zur christlichen Geistlichkeit rechnet, und der ciien so sehr zur christlichen Religion gehört wie der irühcrc Bischof Neander, wie der übergetretene Pastor Bieibtrcu (Anschcl! Mayer) oder der Konvertit Ernesti und Professor Lasson. Freilich muss man wissen, dass sich die feinen Leute der Superioren Rasse immer dann der jüdischen Abstammung der verschiedensten Leute aller Rassen und Völker erinnern, wenn sic glauben, dass der Konvertit oder auch jemand, der niemals mit dem jüdischen Stamme etwas zu tun gehabt hat, beschimpft werden kann. Bis jetzt aber stehen den getauften Juden noch immer alle Steilen offen, die ehrlichen Anhängern des alten Stammes und des alten Glaubens dauernd verschlossen bleiben. Wie aber die frommen Leute atizusehen sind, die aus treuer Uebcrzcugung den alten Adam auszielten, möge man au Robert Jaffes Beispiel emessen. Ein Glaubensgcnosse von ihm in Halensee, der frühere Jude Gedalitis, der immer in Judenbekchrung gemacht hat, hält in Halcnsee einen ... Nächtlich brennen Opferlichter Vor dem Bilde meiner Mutter. Oft erlöschen alle Flammen, Ob dem Strom der heissen Tränen. Gierig küss* ich dann das Bildnis, Press’ cs an das laute Herz. Grosse, edle Dulderin, Mit der granidurchfurchten Stirne, Und dem schmcrzumzucktcn Munde, Der kein böses Wort gesprochen! Könnt’ ich wieder sanft mich schmiegen In die licbcrclchen Arme, Und vom Aug’ die Tränen küssen, Die du täglich mir vergiesscst! ... Als ich noch daheim gewesen, Warst du lebensfroh und heiter, Und jetzt schimmern weisse Strähne, Traurig durch dein dunkles Haar. Längst schon hast du mir vergeben, Doch Ich kann mir nicht verzeihen; .... Tragen muss Ich ungcsiilmt, Was ich schwer an dir verbrochen. In der Fremde werd’ ich sterben. — Bis zu meinem Tode sollen Nächtlich brennen Opferlicliter, Vor dem Bilde meiner Mutter. Biilbiil. Die soeben erschienene'' Nummer 9 (September 190-0 von ״Altnculand". Monatsschrift für die wirtschaftliche Er- Schliessung Palästinas, bringt an erster Stelle einen Aufsatz von Dr. jur. Bruno Blau über ״Die administrative Autonomie der Insel Samos". Der Aufsatz ist insofern von Bedeutung, als er die Möglichkeit gewährt, über die Staatsform klar zu werden, die von der zionistischen Parte als erreichbares Ziel angestrebt werden dürfte. Der kurze Aufsatz bringt im Wortlaut die Note der hohen Pforte an die Vertreter von Frankreich. Grossbritannien und Russland vom 10. Dezernber 1S32, in welcher die administrative Autonomie der Insel Samos fcstgelcgt wird. Prof. Dr. E. Schönfcld liefert im weiteren Verlaut seiner Schilderung der Halbinsel Sianal Angaben über die Flora. Fauna, Bevölkerung des von ihm behandelten Gebietes. Aus seinen Angaben lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass die Halbinsel auch gegenwärtig bei richtiger Kultur eine grössere Bevölkerung ernähren könnte. Zum Schluss macht Verfasser wertvolle Mitteilungen über die Art und 1W«eisc des Rciscns in diesem Gebiet. Prof. Dr. O. -W!a r b u r g bcsehliesst seinen grossen Aufsatz über die Kolonisation in Nordsyrieu auf Grundlage der BautmvüllUiikiiUtir im Gebiet der Bagdadbalm. In der vorliegenden Nummer verweist er aut die Aussichten der Baumwollkultur in Nordsyrieu auf Grund von Angaben von ver-