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Jüdische Rundschau · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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.37 .סא / Seite '400. * JÜDISCHE RUNDSCHAU. gedenken. sondern sein Andenken dadurch ehren, dass wir an seinem Werke in seinem Geiste weiter arbeiten. Ganz Juda, Zionisten und Nichtzionisten, sollen begeistert und begeisternd seinen Spuren folgen. Ein zu Herzen gehendes Gehet bildete den Schluss der ergreifenden Rede. Herr Landrabbincr Dr. Loch schloss: ״Gott hat uns Theodor Hcrzl gegeben, Gott hat uns Theodor Hcrzl genommen, der Naine des Ewigen sei gepriesen.“ Es folgte אי* ג לא רהב״ב. Nach dem Vortrage von כת אדם T• hielt unser lieber GustavS c h w a b c, Varel, der nach langer schwerer Krankheit zum ersten Male wieder in unserer Mitte weilte, eine kurze markige Ansprache, in der er alle Zionisten zu eifriger Weiter- und Werbearbeit für unsere erhabene Sache puffordertc. Herr Oberkautor Keiles trug alsdann Psalm!03, Vers 15— IS, vor, und hierauf sprach im Namen der Ortsgruppe unser 2. Vorsitzender Herr Wilhelm van C 1 e c f. Er schilderte in formvollendetem Vorträge die Bedeutung Hcrzls für den Zionismus, führte den Zuhörern die Zerfahrenheit und Ratlosigkeit der Juden in der Zeit vor Hcrzls Auftreten lebendig vor, und zeigte damr, welch ein Umschwung plötzlich durch das Eingreifen unseres verewigten Führers cingetrcten sei. Er schilderte den faszinierenden Eindruck, den Dr. Hcrzl auf Freund und Feind sofort gemacht hat, wodurch ihm schon von vornherein die Sympathien aller gehörten. Durch seine glühende Begeisterung allein schon habe er begeisternd auf die Massen gewirkt. Er unser geliebter Führer ist nicht mehr: halten wir sein Andenken in Ehren, und trachten wir ihm das Denkmal setzen zu können, das allein j seiner würdig ist. ..Ein freies Gemeüwesen für das befreite Volk auf 1km geheiligten Boden unserer Väter”. Der herrliche > Vortrag des Liedes: ..Dort wo die Zeder . . .” von Herrn Oberkantor Keiles bildete de 1 Schluss der Feier, die auf die ca. 250 Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht hatte. (Verspätet cingegangcii.) London. Sonntag, den 19. v. Mts. hielten die Londoner Mlsrachisien in London, Lcman Street, c'ne Versammlung ab. Den Vorsitz führte Mr. James H. l.ocwc. Kr setzte die Wünsche der Misrachipartei auseinander und behauptete, dass ihre Grundlage der Zionismus ist. Das Gesetz und Zion seien gleich heilig: se seien untrennbar. Sie hängen von einander! ab. d1־ sie einander ergänzen, hoc w e schlug daun eine Resolution vor, die aus zwei Punkten besteht: 1. Die Misrachipartei ist eite zionistisch-orthodoxe Inst'tution, die das Basler Programm unterstützt. 2. Die Vorsätze der ״Misrachi” s'ud: politischen und praktischen Zionismus zu verbreiten, da• rüber zu wachen, dass zu den zion'stisclicn Tribünen oder Kongressen kein Gegenstand und keine Person, die dem praktischen oder politischen Zionismus fremd sind, zugelasscn werden, darüber zu wachen, dass in der offiziellen Arbeit und .‘et den Endzielen der zionistischen Bewegung keine Tat begangen und keine Erklärung gegeben werde, die dem Geiste unserer Religion oder unseres Gesetzes widersprechen; darüber zu wachen, dass keine Person, wenn auch de hervorragendste, als offizieller Führer des Zionismus oder als Vertreter zioit stischer Grundsätze anerkannt werde, wenn seine Äusserungen und Handlungen Im Gegensatzc zu unserer Religion und zu den Zielen des Zionismus stehen; zu sichern, dass die jüdische Erziehung auf die Basis der jüdischen Religion gestellt werde und dafür zu sorgen, dass alle orthodoxen Zionisten in eine organisierte Körperschaft vereinigt werden. Herr Suwalski und Rev. Wasserzug bekämpften in der Resolution de« Ausdruck ״Per- ■sonen“ und meinten, die misrachistische Partei wolle nicht Personcit. sondern Prinzipien bekämpfen. Und es w׳ürc eine Torheit, den Zion'snuis der besten und freisinnigen Männer zu berauben. Die Resolution wurde mit diesem Amendement von der Versammlung angenommen. (Ist doch sehr freundlich von dem Herrn Wasserzug, die weitere Mitarbeit noch freundliehst zu gestatten.) ■ —Rundschau. ■PU.—ך Schneller als die Jüdische Gemeinde hat Dr. Fromcr sein Verhältnis zu ihr geregelt. Als die Repräsentanten gestern ln einer der jüdischen Presse verheimlichten Sitzung seine Entlassung beschlossen, hat dieser Beschluss sicher auf den Manu gar keinen Eindruck mehr gemacht, da ihm durch d i eselbe Protektion, die ihn der jüdischen Gemeinde als Bihliothekar angedrebt batte, bereits genügender Ersatz versehafit worden war. Nun mag er in dem grossen Becken, nach dem er sielt sehnt, wacker imtertauchcn und schwimmen! In einem alten Studcntcnlicd, das mit den schönen Worten beginnt: ״Herr Jonas ging am Meeresstrand”, lässt ״sich gleich ein Wallfisch sehen und sprach Herr Jonas, bitte schön . . .“ Ein Wallfiscli ganz besonderer Art lässt sich in Berlin sehen, der mit Religion und Seife Geschäfte macht. Dieser!Wallfisclt ist uns schon seit langem nicht mehr unbekannt, da er wiederholt vergebliche Versuche gemacht hat, sich bei den Zionisten anzubiedern. Der Mann, der sich Doktor nennt, — es war uns leider trotz aller Bemühungen nicht möglich, fcslzustcllcn, wo er promoviert hat, — ist eine religiös begabte Natur, denn er fand frühzeitig den Weg von seiner Nation weg zu dem ״Untertaueheu” des Dr. Jakob Elias Fromcr, wofür wir ihm durchaus Dank schuldig sind. Die ״Welt am Montag“ hat in [etztverwichencr Woche ein ganz merkwürdiges Treiben von ihm aufgedeckt und unter der Aufschrift ״Parasiten der Furcht“ eine ganz eigentümliche Geschäftspraxis des tüchtigen Herrn aufgedeckt. Der Wallfisch hat demgegenüber seinen Mund recht weit aufgemacht, muss sich aber jetzt von derselben ״Welt am Montag“ folgende Abfuhr gefallen lassen. ״Unser Aufsatz über ״Parasiten der Furcht“ hat den Staatssekretär des Reichspostamts veranlasst, in der ״Nordd. die der verlassenen Mutter gelten, wenn nicht die künstlerisch wertvollsten, so doch die unserer Empfindung sympatischsteii. Hier schlägt auch das Echt-Jüdische In Glognit wieder gewaltig hindurch und erinnert an jenen anderen Grossen und Unseren, an Heinrich Heine, dessen Muttcrgcdichtc vielleicht auch sein Reinstes darslelleu. Formell war in den Erstlingsgedicliteu G 1 0 g a u s, die er besser im Schreibtisch oder im Ofenfeuer verwahrt gehalten hätte. Heine leider allzusehr unbewusstes Vorbild. Glogaus reifende Kraft hat sich glücklich von ihr cmanziplcrt. Selten zwar sind seine Lieder kristallen von Anfang bis zu Ende. Hie und da stört eine kleine Schlacke im RytUitius oder im Ausdruck die Reinheit. Aber ein gewaltiger Fortschritt über das Erste hinaus und eine viel versprechende Entwicklungsmöglichkcit steckt in dem Bande. Am meisten Kraft spricht aus den jüdischen Gedichte״ und aus ״Ernst Hackel“; glücklich im Volkston sind: ״Greif zu!" und ״Was so ein dummes Mädel nur denkt". Kirnstlerlsch am reifsten aber scheinen uns seine Pirnenlicder ״Statistm“ und das prächtig schillernde ״Reine de ruc", vor allem aber das wundervolle ״Der Mutter Fluch". Wir geben einige Proben. Wie ein klassischer Vers auf unseren grossen Hcrzl wollen uns die Verse anmuten: Sonncnbczwingc r. Ins Antlitz wagt ihr keiner zu schauen, So lang sie flammend im Mittag steht. Nur, wenn der Abend dämmert, erbauen Sic sich an der sterbenden Majestät. Ein feines jüdisches Milieustück bietet Der jüdische Student. Ein Judcnwcib, den Säugling am Arm, Hat an sein Fenster gepocht. Ihn fasste ein schmerzvoller, bitterer Harm, Weil nichts er zu schenken vermocht. Sic schaut ins Zimmer, cs war so klein, Die Wände kahl und leer; Der Hunger grösste zum Hause hinein — Und beide seufzten schwer. Sie sagten nichts und verstanden sich schnell. . . . Den Säugling küssend geschwind, Verliess sie, Tränen im Auge, die Schwell': — ״Das winkt auch Dir, 'mein Kind!" ... Der verlorne Sohn. Seit ich in der Fremde weile, Bin ich Götzendiener worden. “Ä 'JSAMZT. 4,CS». f,

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