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Jüdische Rundschau · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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No. 37. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 399. eine Juristische unanfechtbare Form gefunden wird, und dass die Träger diesos Eigentumsrechts der Nation vom Kongress eingesetzt werden. Die Verwaltung, von der nichts zu verstehen kein Tadel für de Bne-Brith-Loge in Jerusalem ist, muss in die.Hündo von Fachleuten gelegt werden, und alle Oetdsammlungen und Spenden müssen auf lange Jahre hinaus nicht für Büchcrcinkäufc sondern für Vcrwaltungszwecke gemacht werden. Wir müssen zuverlässige Kataloge haben, die den Ausweis des Eigentums darstellcn. Wie sie jetzt ist, darf man von keiner Bibliothek sprechen. Es ist also nicht an der Zeit, für eine Herzlhalle in Jerusalem zu sam* mein! Aber wir wollen durch Zurückhaltcn der zahlreichen Bücher, die auch wir seit Jahren für die Bibliothek sammeln, dafür sorgen, dass Dr. Chazanowicz sich genötigt sicht, die Initiative dahin zu ergreifen, dass der nächste Kongress auch die juristische Form finde, um die Bibliothek zum Nationaleigentum zu machen, Kvofür sie von den Spendern fälschleherwcisc stets angesehen wurde und wird. Wir werden keine Bücher und kein Geld spenden, bis wir die genügenden Garantien haben, dass die Bibliothek nationales Eigentum in nationaler sachgcmässer Verwaltung ist, bis die Gewähr vorbanden ist, dass die Bücher, die die Bibliothek bekommt, auch in ihr verbleiben. Heinrich Loewe. Mitteilungen vom Zentralbüro _ der Zionistischen Vereinigung _ ן für Deutschland. Die Angelegenheit der Sammelbüchsen für den Nationalfond ist nunmehr soweit gediehen, dass die Ausgäbe der Büchsen in einigen Wochen stattfinden kann. Diejenigen Ortsgruppen und Vertrauensmänner, die ihre diesbezüglichen Wünsche noch nicht geäussert haben, wollen sich baldgefl. mit dem Schatzmeister des Nationalfönds, Herrn Max Wollstciner« Berlin N. W. 23, Holsteiner Ufer 10, in Verbindung setzen. Ueber die Behandlung der Buchsen, deren Leerung und Wieder- Schliessung wird letzterer den in Frage kommenden Ortsgruppen bei der Versendung Mitteilung machen. Vorläufig sei hier bemerkt, dass die Büchsen gratis geliefert werden. Die Kosten derselben werden von den ersten Eingängen in Abzug gebracht werden. Literaturbericht. BOcher der einschlägigen Literatur, weiche der Redaktion zugesandt werden, linden eingehende Uesp-cchung. Unter dem geschmacklosen Titel ״. . . Und lechzen nach dem Wclbc“, den eine wunderhübsche Federzeichnung E. M. Lilicns auf dem Deckel des Bündchens illustriert, ist ein durchaus nicht geschmackloses Gedichtbuch in die Welt gegangen. Otto Glogau-Nlkolsburg, sein Autor, interessiert uns viel weniger durch seine von hoher sittlicher Auffassung des Weibliehen zeugenden, bald weich hinschmelzenden, bald in ätzende Ironie getauchten Liebes- und Frauengedichte — als durch seine leider so wenig zahlreichen jüdischen Klänge. Wir sagen leider, denn Irt starken gesunden Wellen schäumt in diesen wenigen Judenstrophen sein Rasseblut auf und kernige Worte zeugen da von dem fest aufrechten Nacken einer jener ״Jungen" unter uns, die cs nicht nötig haben, eine nationale Kastrierung an sich vorzunchmen, um sich in der sogenannten Moderne auszuieben. Aber es liicssc eine Ungerechtigkeit am Dichter begehen, wollten wir nur diese eine Seite seiner Individualität betonen. Glogau hat eine glühende Liebe für alles Grosse, Starke und Freie, die sich in ebcnsogUihcnäen. Hassesworten gegen alles Niedrige, Lügenhafte und Verknechtete in dieser Die Sonderausgabe der ״Jüdischen Rundschau“ zur Erinnerung an unsern Herz! ist soeben fertig gestellt worden und bildet in ihrer Schlichtheit ein schönes Andenken, indem cs neben einer Reihe von warmgehaitenen Artikeln eine sachliche Auswahl aus Hcrzls Werken gibt. Die Ausstattung ist eine sehr angemessene und für geeignete Illustrationen ist bestens gesorgt. Der Versand erfolgt im Laufe der kommenden Woche. Bestellungen sind zu richten an die Expedition der ״Jüdischen Rundschau" oder an das Zentralbüro der Zionistischen Vereinigung, für Deutschland. Der grösste Teil der Nummer ist bereits vorher bestellt worden. —I Aus der Beweguijg. r-— Herzl-Bilder. Wir machen darauf auimerksam, dass die vorzüglichen Reproduktionen: Hcrzl an der Rheinbrücke von E. M. Lilien nur noch kurze Zeit zum Ausnahincprcise von 1,50 Mk. (anstatt 3,50 Alk.) zu haben sind. Wir bitten daher, Bestellungen baldmöglichst an unseren Verlag, Auguststr. 49a, gelangen zu lassen. Gleichzeitig weisen wir auf die Originalradierung | von Hermann Struck hin. Näheres siehe im Inserat. ] Emden . Am 21. August fand im Harmonie-Saale des Hotel Union die Trauerfeier der hiesigen Ortsgruppe bemann Zion für unseren Dr. Theodor Herz! דצ׳ל statt. Es war nicht möglich, die Feier auf ein früheres Datum zu legen, da mehrere Vorstandsmitglieder längere Zeit verreist waren, und erst kürzlich zurückgekehrt sind. Auf der Bühne war eine trauerdekorierte Reproduktion des Struckschen Hcrzlbildcs in einem feinen Arrangement von Palmen und Blattpflanzen aufgcstcllt, hinter dieser Dekoration hatte der Synagogcn-Chorvcrein Aufstellung genommen. Nach dem Gesang מכתש לדוד. hielt hierauf Herr Landrabbiner Dr. Loeb eine tiefempfundene Gedächtnisrede. In bekannter Meisterschaft entwickelte er ein Bild unseres geliebten Führers, schilderte sein Wirken und seine Werke, rühmte seine heisse Liebe zu seinem Volke in einer Zeit, wo der grösste Teil der jüdischen Intelligenz abseits steht, und sieb um d*s ihrer Volksgenossen rdcht küm^rt. Vor vy<;״r ״״d sei er getreten, um für sein V0H־. das s!cb ״?setzt״ *Tie! zu erreichen. Leider sei es ihm nicht vergönnt gewesen sein Ideal der Verwirklichung nahe zu sehen, denn zu früh sei er abgerufen. Ganz Israel habe ihn verloren, denn ein Volkstürst, und ein Fürst des Geistes sei er in Israel gewesen. Aber nicht trauernd, in stummer Resignation wollen wir seiner ״besten“ aller Welten Luft machen muss. Er hat ein Herz in der Brust, das zum Springen voll Ist von Mitleiden mit allem Weh, das auf der Erde versteckt oder brutal einhergeht, das grösste mit jenem Elend, das unter der Maske der ״Verworfenheit" den billigen Abscheu und Ekel aller biederen Philistcrseclen auf sich vereinigt und eben doch von eben diesen so gerne für Geld gekauft wird, sobald sie es für den Sinnenkitzel gebrauchen. Glogau ist bei aller Schärfe, mit der er die Nachtseiten des Lebens beobachtet und abschildcrt. kein Pessimist, dazu sind seine Entrüstung, sein Hohn und seine Ironie zu rcformatorisch kräftig. Und so sehr er auch ״nach dem W'cibe lechzt”, er ist darum doch nicht dekadent. Sein sinnliches Feuer ist weniger schwelender Rauch ah auflohendc Flamme, die nicht in den Tiefen perverser Instinkte brodelt, sondern zum Himmel aufsteigt, aufrecht und sehnend, in eine Region, wo alles Grösste und Hellste des Menschlichen hcrabwinkt. Glogau ist auch ein Sucher und ein Neuer, der aui der Jagd nach dem Schönen, woran er seine Seele gehängt hat, nicht davor zurückschrccH, das Altvertraute, ererbte Liebe seiner Jugend auf immer dahinzugeben. Um so rührender aber ist der Schmerz, mit dem sein pietätwie poesicvolles Gemüt doch nach jenem Verlorenen zurücksieht. Darum sind uns die letzten Gedichte des Buches,

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