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Jüdische Rundschau · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 398.• der Berliner jüdischen Gemeinde ehrlich besorgter Jude seine Stimme geben kann, muss ein aufrechter Mann mit weitem Blick sein, der vor allem die Lage auch wirtschaftspolitisch zu erfassen imstande ist. Zu diesem Zwecke wäre cs eher zu wünschen, wenn alle Parteien schon jetzt ihre Kandidaturen aufstelltcn, und zwar nicht hinter geschlossenen Vorstandstüren, sondern in offener Versammlung, damit von allen Parteien Männer aufgcstcllt werden אנשים הכהים נבנים D 1 י ד ע י die es möglich machen, dass man persönlich jedem Kandidaten die Stimme geben und deshalb ganz nach Parteiansebauungen wählen kann. Freilich wird manche Kandidatur diese Oeiientlichkcit nicht verträgen, aber gerade das ist das beste daran. Die jüdischen Gemcindcwahlcti werden in Berlin immer den Charakter behalten, dass wir ja doch im נלות leben. Aber sie können sehr viel dazu beitragen, dass auch in der Diaspora würdigere Zustände herrschen mögen. Fort mit der Kapitalwirlschaft im Gotteshausc, wobei nur der zum öffentlichen Gebet Zutritt findet der seine Berechtigung in klingender Münze aut* der Gcmeindekassc nachweist. Möge die Gemeinde bald Mittel und Wege finden, dass auch die Masse der dem alten Volkstume getreuen Juden auch an hohen Feiertagen Zugang hat zu den Plätzen, auf denen im Laufe des Jahres sich die reichen Jom-Kippurgöste dreh nkht einfinden. Heinrich Sachse. Eine Herzlhalle in Jerusalem? Jedes Volk ehrt seinen grossen Toten in einer seinem cigcnen Wesen angemessenen Weise. Das Jüdische Volk setzt seinen verstorbenen Söhnen, die es ehren w'll, keine Marmor- Statuen und keine Denkmäler. Aber cs ehrt sic, indem es Kulturmittel schafft, die dem Wirken der Männer am meisten entsprechen, die geehrt werden sollen. So gibt cs neben der Herzlstiftung keine grössere Ehrung und keine passendere Art, auch für das äussere Fortlebcn des grossen Herzlsclicn Namens etwas zu tun, als dass man ln der Förderung seines eigenen Werkes grosse Kulturwcrke ins Leben ruft und mit seinem Namen benennt. Das ist der Grund gewesen, dass sinnige Verehrer wünschten, durch Pflanzung eines grossen Olivenwaldes in Palästina der Verehrung besonderen Ausdruck zu verleihen, die sic In treuer Liebe dem unvergesslichen Führer bewahren.. Ein Hcrzlwald, in Palästina, das ist fürwahr ein ganz eigenartig schöner und grosser Gedanke, um das Andenken des grossen Mannes zu ehren auch in einer Form, die lenem Gefühle Rechnung trägt, das etwas Acusscrliclics, Greifbares haben will, ein Wald, dessen breite Schatten noch nach Jahrtausenden vernehmlich den späten Enkeln den teuren Namen zuraunen und zuflüstern werden. Natürlch sind andere Vorschläge nicht ausgcbliebcn, und es ist ebenso natürlich, dass der Kolonisator an einen grossen Olivenwald denkt, wie dass der eifrige Sammler der Bücher den Namen des Dichters Hcrzl in einer Bibliolliehsgrfmdung verewigt sehen möchte. Dr. Josef Chazanowicz erlässt o'nen Aufruf, eine Herzlhalle in Jerusalem der Jüdischen Nationalbibliothek anzugliedern, die von ihm mit mehr als gewöhnticher Energie und mit unglaublichem Opfermut ins Leben gerufen ist. Und wir können uns nicht verhehlen, dass dieser Gedanke verführerisch genug ist, unendlich viele zu Spenden zu veranlassen, sogar schon jetzt, wo ein Beschluss unserer Parteiführung vorlicgt, einstweilen noch alle Sammlungen zu F.hrcn des Herzischen Andenkens der Herzlstiftung ztizuwcudcn. Doch wollen wir nicht Wünsche cinschräuken, die in besonderer Weise der dankbaren Verehrung Ausdruck verleihen wollen. F.twas anders aber ist es, wenn wir uns fragen: Ist wirklieh die Jüdische Nationalbibliothck eine Institution, die schon No. 37. jetzt die Gewähr bietet, dass die gesammelten Schätze erhalten bleiben und dass die Sammlung eine nationale wird und bleibt. Und hier können wir mit unsern schweren Bedenken nicht zurückhaltcn. Es handelt sich bc der Jerusalemer Bibliothek nur in so weit um ein wirklich nationales Unternehmen, als Dr. Chazanowicz selbst sich von reiner nationaler Begeisterung leiten lässt und in edler Selbstverleugnung ein Denkmal nationaler Kultur und stammcstiimliclicn Schrifttums im weitesten Sinne des Wortes zusammenzubringen sich bemüht Etwas anders aber sind die weiten universalen und nationalen Gesichtspunkte des uneigennützigen Gründers und Sammlers und etwas ganz anderes die Ausführung und Verwaltung in Jerusalem, wenn von einer solchen überhaupt gesprochen werden darf. Zuerst einmal ist cs gar nicht wahr, dass die Bibliothek irgend wie ein nationaler Besitz wäre. Denn der formelle Eigentümer äst die Bnc-Brith-Logc der Herren Ephraim Cohn und Genossen in Jerusalem, gegen deren persönliche Ehrenhaftigkeit es kein Vorwurf ist, wenn wir cs grade und ehrlich heraussagen, dass sie in nationaler Beziehung noch weniger d'c geeigneten Vertreter des jüdischen Volkes sind als die Bne- Brith-Logcn in Europa. Eine nationale oder zionistische Instanz, die auch nur das formeile Eigentumsrecht der jüdischen Nation, an der Bibliothek darstellte, wie w'r eine solche für den Nationalfond schaffen, existiert nicht. Wir haben keine Gewähr, dass die Bibliothek später nicht die Vereinsbibliothek eines in keiner Weise nationalen Vereins in Jerusalem oder Amerika ist. Zudem gibt cs wohl kaum eine Gruppe in Jcrusalvm, die so entfernt von Nationalismus ist, wie die Verwal* tinig der sogenannten Nationalbibliothek, xveiin auch dieser Einwurf natürlich die *'n Jerusalem wohlfeilen und sofort bcreiten Protesterklärungen liervorrufen wird, vielleicht gar, dass die Bnc-Britb.Logc national sei. Sic ist so nation a 1, wie das Hebräisch Unterrichtsspräche der L ä m e 1 s c h u 1 e ist. Zum ändern ist aber niemand in Jerusalem, der eine bibliotbekarisclie Gewähr bietet, dass die Sammlungen nicht nur richtig geordnet und verwaltet, sondern dass sie auch nur erhalten werden. Es genügt eben rieht, dass man wie bei einer kleinen Verelusbibliothck, eine Nationalbibliothck durch Leute verwalten lassen kann, die vielleicht tnlmudisches Wissen haben, vielleicht sogar gelernt haben, das Alphabet einer europäischcn Sprache zu lesen und gar zu schreiben. Ja sogar die grössten bibliographischen Kenntnisse befähigen noch nicht zum Bibliothekar. So ist denn eine Folge dieser Art von unsachgcmässcr und unfachgcmässcr Verwaltung, dass kon Katalog existiert, der auch nur einen geringen Ucbcrblick über den Besitzstand gäbe. Wir wissen nicht, ob auch jetzt noch in Jerusalem Bücher an besondere Bevorzugte aus dem Hause verliehen werden, xvic das ja in Berlin ohne Gefahr für den Bücherschatz ganz allgemein geschieht: aber wenn das auch nicht der Fall ist, trotzdem ist keine Sicherheit gegeben, dass die teuren und kostbaren Bücher der Sammlung erhalten bleiheil. Denn solange keine Kataloge existieren, gibt־ cs keine Besitzt (el, und wo keine wirklich verantwortliche Leitung vorhanden ist, verschwinden aus den bestgehüteten Sammlungen auch in Europa dauernd die wertvollen Sachen. In Jerusalem wird eben nur tu einem besonderen Hause der Bücher schätz aufgcstcllt, den man wohl eine Sammlung, eine Aufstapelung von Büchern nennen kann, aber niemals eine B bliothek. Unsere Einwiirfc bezwecken nicht, die Sammlungen für die Bibliothek zu bekämpfen, sondern unter vollster Würdigung des Verdienstes, das sich Dr. Chazanowicz in hingebungsvoller Lcbensarbo't erworben bat, zu erwirken, dass erst einmal jene! Sicherung geschaffen wird, die cs möglich macht, dass von einer Bibliothek, und gär von einer Nationalbibliothck gesprechen werden darf. Dazu rechnen xvir als erste Vorbcdingungen, dass das Jüdische Volk der Besitzer ist, dass dafür -־*״ ־✓ JÜDISCHE RUNDSCHAU.

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