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Jüdische Rundschau · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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c!n/v,no üc/oüü r\ KS Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich! 1. daroh die Expedition; a) In Berlin M. —,9a b; ndch auswärts M!,— c) fdr das Ausland Al 1,50. t. Im PoBtabonnoinont M. 1^3 f. ,;cl Samraolbozug durch di© Ortsgruppe AV. —,6a Inserato d e viergespalfcnc l'ctltxellc 25 Pt Insoratonbollagon 15 Al IW 0 I! qqq? No. 37. A I Organ!! I! I? * T“"?״■ Berlin, 16. September 1904. 6. Tisehri 5865. V^/ Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Verlag Südlsdie Rundschau, E. 0. m. b. H. Berlin II 54, Huguslsfrasse (Ir. 49 a. Sprechstunden: v. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich üoewe, Berlin BW. 4^ Lehrterstrassc 14/15. Unwrtangfe ilianuskrlpfe werden ms bei Beilegung cenCgemJen Rückportos sura&gesandl. IX. Jahrgang. ״Und am Jomkippur allemal, da mieten wir aus Mangel an Tempel uns ein Beflokal in einem Tingeltangel“. Mit wuchtigen Worten geisselt der ״S c 111 e ווו I e I“ die Zustande, die das כלות bei uns hervorruft. Die Ursache dieser schweren Leiden am jüdischen Volkskörper ist das כלות und wird erst entschwinden, wenn das Jüdische Volk nicht mehr in der Zerstreuung weilt. Freilich können einzelne Felder schon jetzt ganz gut vermieden werden, wenn wir es auch nicht erleben werden, dass die jüdischen Geldsacke, die sich für die Mirbachkirchen weit auftaten, sich jemals für Synagogen oder andere jüdische Zwecke auch nur ein wenig öffnen. Es ist noch das beste an diesen Galuthzustanden, dass der jüdische Mittelstand es ist, der mit den kleinen Leuten das Judentum halt. Die Jüdische Gemeinde sollte freilich mehr tun, um gewissen unwürdigen Zuständen entgegenzutreten, wie sie alljährlich sich bei Gelegenheit der hohen jüdischen Feiertage wiederholen. Freilich wird sie nicht in der Lage sein, zu verhindern, dass getaufte Juden, wie das ir Halcnscc geschieht, unter falscher Flagge den jüdischen Feiertag ausnützen, um Geld zu ziehen, und sie wird ebenso wenig verhindern können, dass Pastor Rieling und Genossen einen christlichen Jom-Kippurgottesdienst zur Bekehrung der Juden veranstalten. Denn wenn sic Widervcrgcltung üben wollte, so müsste sie etwa einen Weihnachts- oder einen jüdischen Karfreitagsgottesdienst zur Bekehrung von Christen zun! J u dc n t u m abhalten. Und das widerspricht nicht nur zu sehr dem Geiste des Judentums, sondern würde sicher von der Majorität als eine Frechheit empfunden werden. Frechheit ist aber nur das, was von der Majorität als solche empfunden wird. Dagegen sollte die jüdische Gemeinde weit mehr als das bisher geschieht, dafür sorgen, dass die Geschäfts- Unternehmungen von Rösch hasch-sclianfihgottcsdiensten aufliören, eine Schmach für die Berliner Judenschaft zu sein. Das kann natürlich nicht dadurch geschehen, dass man sich gerade einen blinden, alten Mann aussucht, um ihn durch Preisiibertieten aus einem Lokale auszumieten, das er seit langen Jahren alljährlich zur Veranstaltung eines sogar würdigen Gottesdienstes benutzt hat. Denn nicht darin soll die Ueberlegenheit der Gemeiude bestehen, dass sic in der Lage ist, 150 Mark mehr fiir das Lokal in der Ackerstrasse auszugeben. Aber die Gemeinde müsste ein Mittel ausfindig machen, dass auch die Zehntausendc, denen nichts vom Glückssäckel des weiland Fortunatas zugcfallcn ist, einem geregelten Gottesdienste beiwohnen zu können. Man muss ja nicht gleich Prachtbauten von Synagogen errichten, aber recht viele einfache Betstätten, wo die überlieferte Form und die herzliche Aufrichtigkeit jene Stimmung hervormfen, die in andern Synagogen erst durch Orgelton und fremdes Gepränge künstlich erzeugt werden muss. Vor allem sollte die Gemeindeverwaltung begreifen/ dass nicht der einen grösseren Anspruch'auf Gottes Wort und Gebet zu Gott hat, der die höhere Gemeindesteuer zahlt. Warum müssen denn die regelmässigen Synagogenbesucher anders den Jom-Kippurgästen die Synagegen räumen, um in einem Tingeltangel die hohen und höchsten Feiertage zu feiern, wenn nicht die Gemeinde die Plätze fiir hohe Preise abgeben und alle, die nicht zu den Hochbesteuerten gehören, damit ausschliessen wollte. Entspricht es denn dem Geiste des Judentums, dass die Synagoge in der Ordnung der Plätze ein geticues Abbild der Einkommen gibt? Hier, Ihr Herren Reformatoren, wenn Ihr es mit Eurem Reformieren ehrlieh meint, fangt an mit der Reform! Aber die sozialen Unterschiede sind nirgends so krass ausgeprägt bei den Juden des כלות. Wir dürfen deshalb nicht hoffen, dass der jüdische Gemeinde- Vorstand, sei er nun liberal oder konservativ, die Interessen der grossen Mehrheit in der Berliner jüdischen Gemeinde wahrnchmen wird. Denn er vertritt vielleicht unbewusst, doch immer nur das Interesse der wenigen Reichen. Die bevorstehenden Gemeindcwahlen gewinnen in diesem Sinne ein besonderes Interesse. Es kommt darauf an, dass die sozialen Forderungen der Gegenwart, dass die sozialen Bedürfnisse des Gros unserer Gemeinde weit mehr als rituelle Fragen untergeordneter Art in den Vordergrund des Wahlintercsses treten. Darum müssen w ir bei der Auswahl der Kandidaten daran denken, dass nicht Leute als solche aufgestcllt werden mit beschränktem Horizont. Der Kandidat, dem ein um die Interessen

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