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Jüdische Rundschau · 1904-09-09 · Heft 36 (9.9.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 36 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 36. \ SffltQ 393. ,, i$t';ti' Jedbch notwendig, über die Wünsche der Gesamtj -femeinde unterrichtet zu sein. Hierzu geben die Wahlen ׳ allein ’Gelegenheit.; Darum legen wir es hierdurch jedem Oemeindemitgliede dringend ans Herz, sein Wahlrecht als eine Wahlpflicht zu betrachten und sich bei den bevorstehenden‘ Ergänzungswahlen durch Abgabe seiner . Stimme zu beteiligen. Um eine möglichst umfassende Wehlbeteiligung herbeizuführenj sehen wir uns veranlasst, hierdurch allen .Gemeindcmitgliedern die Bestimmungen über das Wahlrecht zur Repräsentanten-Versammlung zur Kenntnis zu bringen. Das Recht zur Teilnahme an den Wahlen der Re- Präsentanten steht sämtlichen männlichen, volljährigen und unbescholtenen Mitgliedern zu, welche sich selbst- .ständig ernähren und während der letzten drei’Etatsjahre mit der Entrichtung der Gemeindebeiträge nicht im Rück- Stande geblieben sind. Die• hiernach aufgestelltc Wählerliste liegt zur Zeit und zwar bis zum 15. September d. J. täglich — mit Ausnähme der Sonnabende und der jüdischen Festtage — von 10 bis 1 Uhr in der Gemeinde-Registratur, Orauienburgerstrassc 2911 zur Einsicht aus. Während dieser Zeit kann jedes Gemeindemitglied gegen die Richtigkeit der Wählerliste Einwendungen bei uns erheben. Während dieser Zeit ist auch denjenigen Gemeindemitglieder'n,‘ welche infolge von Rückständen ans der Wählerliste gestrichen sind, Gelegenheit gegeben, nach Berichtigung der Rückstände ihre Wiederaufnahme zu beantragen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. .Julius Jacoby. Justizrat Dr. Edmund Lachmann. Martin Simon. Kommerzienrat Heinrich Eisner. Selmar Solmitz. Sanitätsrat Dr. Julius Stern. Carl Leopold Netter. Landgerichtsrat Eugen Löwe. Landgerichtsrat Carl Plcssner. Julius Oliven. Berlin. Am Sonntag wurde die neue Synagoge in d e r R y k e s t r a s s e, die von der Jüdischen Gemeinde nach den Plänen des Gemeinde-Baumeisters, Architekten Hönigcr, erbaut worden ist, feierlich cingeweiht. Dem festlichen Akte wohnten Vertreter der Staats- und städtischen Behörden und der Polizei bei, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde war fa Und auch kein Oberpräsident. .Da war für das gelehrte Pierd Die Klugheit nicht von grossem Wert, , Denn Schiffbruch litt der kluge Hans Am Mangel deutscher Toleranz. ־- Er dachte lange, lange nach. Doch endlich hat er’s raus und sprach: ״Und sind die Christen meine Feinde. Geh’ ich zur jüdischen Gemeinde." Erging mit frohgemutem Sinn ־ Zu Herrn Professor Geiger hin; Herr Geiger ist ein euter Mann Und sagte: ..Hören Sic mal׳ an, In der Gemeindebücherei Wird eben eine Stelle frei. Es wird daselbst zum neuen Jahr Gesucht ein Bibliothekar; Der muss im Fache nicht gelehrt sein Und kann natürlich auch ein Pierd sein; Doch muss er mir vor allen Dingen ’n christliche Empfehlung bringen. Erwünscht ist, dass besagter Christ Ein Judenfeind wie Delitzsch ist." Wie günstig lag für Hans der Fall! Denn er verkehrt in seinem Stall Mit hochgeborenen Personen, Mit Fürsten. Grafen und Baronen. Die werden sich nicht lange zieren Und Hansen gerne protegieren. Und sein Besitzer, Herr v. Osten, Entlässt das Tier von seinem Posten. Dann wird der Gaul zum neuen Jahr Gcmeindcbibliothckar. J. seiner Gesamtheit erschienen. Mit religiösen ‘Zeremonien eröffnete, nach dem Spiel eines Hündelschcn Präludiums, Kantor Stabinski die Feier; dann vollzog die Weihe Rabbiner Dr'. Eschelbachcr. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Rosenzweig, der in eindrucksvollen Worten die Bedeutung des neuen Gotteshauses den Andächtigen zu Herzen führte. An die Predigt schloss sich das Gebet für den Kaiser und das kaiserliche Haus, und den Beschluss der Feier bildete eindrucksvoller Chorgesang unter Leitung Alexander Weinbaums. — Die Bauzeit des Jicticn Gotteshauses betrug ein Jahr; zweitausend Personen fasst die Synagoge, die äusserlich in rotem märkisehen! Zicgclbau gehalten ist. während im Innern der romautische Stil fast durchgehend zur Geltung kommt. Aus Sandstein gefügt, strebt der A'Jtarraum empor, hinter dem das Allerhciligstc sich erhebt unter Verwendung von einfacher Marmorarchitektur. Die die Last des Oberbaues tragenden Säulen aus Sandstein sind überdacht von polychrom gemalten Holzdeckcn. überall dringt Luft und Licht in die Vorräume. Die Beleuchtung des Innenraums geschieht durch elektrisches Licht, das von gewaltigen sehm׳‘'deeisernen Kronen ausstrahh und einen wirksamen Gegensatz zu dem Tageslicht bildet, das durch gemalte Fenster einfäUt Die neue Synagoge isfin ihrer Gesamtheit ein harmonischer Bau. mit dessen Errichtung die Jüdische Gemeinde auch eine künstlerische Tat vollbracht hat. Berlin, 4. September. Heute fand hier im Beisein von Vertretern der Residenz die feierliche Einweihung der neu erbauten Synagoge der Gemeinde Adass Jisroel in der Artilleriestrasse statt. Das in schönen! Stile erbaute, prächtig erleuchtete Gotteshaus war bis aui den letzten Platz gefüllt. Nach der Überführung der Torah ־ Rollen in ihr neues Mein! und dem Gebet für den Landesherr״ ergriff der Rabbiner Dr. Munk das Wort zu einer Predigt. Mit Nachdruck und Feuer gab er dem Gedanken Ausdruck, dass, wie alles Fühlen und Denken des Juden nach dein Lande unserer Vergangenheit und unserer Zukunft gerichtet ist und gerichtet sein!miss, so auch dies Gotteshaus nur gebaut worden ist. um dem Tempel auf Zion voranzugellen. ״In der Stunde, da wir dies Haus weihen.“ so etwa sagte er, ..grüssen wir dich, du fremdes Land im Osten, grüsseu wir die Mauer, die von einstiger Herrlichkeit erzählt. Wenn wir je dein vergessen, so möge versagen unsere Rechte." Der zweite Teil behandelte den Prophctcnvers: בית T.'2 'נ הפרד! לנל הע£'ם Psalmengcsang schloss die Feier. Rumänische Emigranten in Bodcnbach. Aus Bodenbach wird der ״N. Fr. Pr." geschrieben: Seit mehr denn drei Jahren passieren allwöchentlich unsere Schwesterstadt letschen Gruppen runifeiischer Emigranten, um über Leipzig nach Rätterdatn zu fahren, woselbst ihrer die Schiifsbiilette für die Reise nach Amerika harren. Diese Gruppen, welche die Fahrt mit der Unterstützung der Wiener Israelitischen Allianz unternehmen, gemessen stets laut der in ihrem Besitze befindlichen Legitimation freie Passage durch Leipzig, woselbst sic während ihres kurzen Aufenthaltes von dem Vorstande der, Kultusgemeinde in Empfang genommen werden. An! letzten Mittwoch erfolgte aber plötzlich die Zurücksendung einer aus 80 Köpfen bestehenden Einigrautengnippe nach Bodenbach, wo die jüdische Gemeinde klein an Zahl ist, und war es für die Vorstandsnf.tglieder der jüdischen Gemeinde Bodenbach keine kleine Aufgäbe, den zurückbeförderten Emigranten eine, wenn auch mir bescheidene Unterkunft zu verschaffen, bis ihnen die Weiterfahrt ermöglicht wurde. Zionisten vor Gericht. In Proskurow Gouv. Podol. fand Samstag, den 23 v. Mts. eine interessante Gerichtsverhandlung statt, die mit dem Hinscheiden unseres Führers Dr. Hcrzl ii 1 Zusammenhang stand. Angeklagt waren die Zionisten Dr. Rapoport. J. Grimburg, Schuchhalter und ein Buchdruckerei־ besitzer. Die Anklage lautete: Als der Zionistenführer und Schöpfer der Kongresse. Dr. Hcrzl, starb, wurden auf Initiative der Zionisten *amtliche Geschäfte der Juden zum Zeichen der Trauer gesperrt. An den geschlossenen Ladeiitiircn klebten ״ohne Genehmigung der Behörde“ gedruckte Zettel des Inhalts: ״Infolge der nationalen Trauer tun das Hinscheidci! Dr. Herzls ist der Laden geschlossen." Nach der in der Synagoge abgchaltencn Traucrfeier versammelten sich mehrere Zionisten vor den Geschäften der jüdischen Kanfleute Breiser und Bcrmann, die ihre Läden nicht gesperrt hatten und stellten diese zur Rede. Auf das Einschreiten der Polizei zerstreuten sich die Angesammclteii. Die Zionisten wurden freigesprochcn,* während der Buchdrucker zu einer Strafe von 3 Rubeln verurteilt wurde, wegen des Druckes von nationalen Kundgebungen ohne Genehtnigung der ziistcliciiden Behörde. .•

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